Splitterbrötchen (CDXXXVIII)

Ist „Schirmpinie“
a) ein Baum
b) ein weiblicher Schirmpanse
c) ein unlesbares Wort?
(Mehrere Antworten sind möglich.)

Bester nicht verwendeter Satz der letzten Woche: „Um die Taube ist es in letzter Zeit etwas ruhig geworden.“

In den Mutmaßungen des SPIEGEL bezüglich DFB-Stimmenkauf für 2006 sind m. E. einige ziemlich große logische Löcher. Wenn der DFB mit adidas-Dreyfus gemauschelt hat, um die WM gegen Blatters Willen (der hat ja ganz offen für Südafrika geworben) nach Deutschland zu holen, warum sollte Blatters FIFA dann ein paar Jahre später dem DFB bei der Rückübertragung genau dieser Gelder an Dreyfus behilflich sein? Außerdem geht der SPIEGEL ziemlich steil, indem er alle bisherigen Verschwörungstheorien bezüglich der Vergabe von 2006 auf den Kopf stellt. Nicht die  Stimme von Jack Dempseys aus Neuseeland soll gekauft worden sein, sondern die vier Stimmen der asiatischen Verbände (deren Abstimmverhalten m. W: bisher nicht in Zweifel gezogen wurde).  1,675 Mio Euro pro Stimme für eine milliardenschwere WM erscheint mir – ich bin leider Korruptions-Laie – dann doch ein arges Schnäppchen zu sein. Kurz: Die Herrschaften aus der Otto-Fleck-Schneise sind mir nicht sonderlich sympathisch und ich traue denen einiges zu, aber für die schwarze Kasse sollte es eine schlüssigere Erklärung als die des SPIEGEL geben.

Ratlos steht der Mensch vor seinem Tun.

Kulinarischer und kultureller Höhepunkt der Woche: der Herrenabend mit zwei guten Freunden. Ich hatte Krautshäuptchen und einen Trifle gemacht, die Freunde brachten bestes Bier, besten Wein und bestes Knabberzeug mit, und dann haben wir uns hintereinanderweg alle drei Filme der „Cornetto-Trilogie“ reingezogen. Das hat großen Spaß gemacht. Zur Nachahmung empfohlen. Nachahmer dürfen auch was anderes kochen.

Was will mir tölpelhafte Werbung á la „4 Essen schaden Leber“ sagen? Dass das Wie und das Was mittlerweile vollkommen egal ist, Hauptsache, es wird geworben?

 

 

 

Splitterbrötchen (CDXXXVII)

Beinahe hätte ich begonnen, mich mit Artikelverkaufs-Dienst Blendle anzufreunden. Doch dann schickten Sie mir Ihren täglichen Newsletter und eröffneten mit : „Guten Morgen, Chris. wir hoffen, du hast ein schönes Wochenende mit großem Einheitsjubiläum.“

Wochen-, vielleicht Jahreshöhepunkt war das wunderbare Konzert von Crosby, Stills & Nash. Die Inbrunst, mit der sie den Refrain von „Chicago“ gesungen haben. Die riesige Kraft, mit der Crosby „Almost Cut My Hair“ ins Tempodrom gebrüllt hat. Und dann noch „Suite: Judy Blue Eyes“ als letzte Zugabe. Die reine Magie.

Stephen Stills ist ein Jahrhundert-Gitarrist.

David Crosby sagt „Guinnevere“ an: „Graham and I have done this song several thousand times. We never did it the same way twice. Not because we’re Jazz guys or what. It’s because I can’t remember how we did it last time.“ Lange Pause „There’s a certain amount of freedom to that.“

Ich habe im Tempodrom kaum jemanden unter vierzig gesichtet. Wenigstens schien niemand seine Enkel mitgebracht zu haben. Ich schäme mich dermaßen, dass ich mich früher über meine Mutter lustig gemacht habe, weil Sie immer noch Filme mit Willi Fritsch und Lillian Harvey ansah.

LandgenussÜberraschung aus der TK-Truhe:  Fa. iglo versucht, mit einem Fisch namens „Landgenuss“ zu charmieren, überzeugt jedoch mehr mit entwaffnender Ehrlichkeit: „51% Fisch, 49% Panade“. „Wie fanden Sie denn den Fisch?“ – „Unter der bestellten Scholle war ein Stückchen.“

Verblüffung angesichts einer E-Mail vom Zeugwart unseres Tennisclubs: „Sobald das Licht von der Buchungssoftware gesteuert wird werdet Ihr informiert.“

Splitterbrötchen (CDXXXVI)

Es musste so kommen. Diese Woche war in Berlin die Stelle eines „Customer Happiness Manager“ zu besetzen.

Facebook blendete mir Werbung für eine Gruppe ein, in der über Nahtoderfahrungen diskutiert wird. Mit meinem Gesundheitszustand scheint es nicht zum besten zu stehen.

Das Wort der Woche schuf Sascha Lobo, als er in seiner SpOn-Kolumne von „tiefster Unterirdik“ sprach.

Lobos Vokabel trifft insbesondere auf die vollkommen überflüssige Diskussion über Adblocker zu. Wenn die Industrie Werbung produzieren würde, die die Menschen gern anschauen (doch, sowas gibt’s), würden die wenigsten Ad-Blocker benutzen.Ein Geschäftsmodell, dass darauf beruht, Menschen zu zwingen, Dinge anzuschauen, die sie nicht sehen wollen, kann nicht funktionieren. Nur mal als Beispiel: Als Steffi Graf und Boris Becker beide Einzelkonkurrenzen in Wimbledon vor ca. 25 Jahren gewannen, übertrug RTL und sendete in jeder Wechselpause den gleichen Tütensuppen-Werbespot. Ich meide bis heute die Produkte dieser Firma, weil sie mir so auf den Zeiger gegangen ist.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche: der erste Rosenkohl, gewürzt mit dem „nordhessischen Dreiklang“ Speck, Schmand, Muskat – die reine Wonne.

Neuen Reisepass beantragt: Termin auf dem Bürgeramt gemacht, Termin wahrgenommen, neues Passfoto abgegeben, Personalausweis vorgezeigt, Fingerabdrücke scannen lassen, zwomal unterschrieben, 56 Euro (!) für den Spaß bezahlt. Das hat keine fünf Minuten gedauert, aber ich musste fünf Wochen auf den Termin warten. Dasss das mühelos schneller geht, demonstrierte Fa. Facebook. Kaum hatte ich den Pass beantragt, begann man, mir Werbung für Länder anzuzeigen, die ich mit Pass bereisen kann.

Extrem verstörende Headline bei SpOn: „Gesunde Darmflora schützt vor Asthma“.

Apropos verstörend:

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Diese Woche wurden zwei meiner Lebensobsessionen (die Romane Ian Flemings und die Küche meiner nordhessischen Heimat) in beglückender Weise zusammengeführt. Im neuen James-Bond-Roman „Trigger Mortis“ lässt der Commander sich zum Lunch Ahle Worscht servieren. Kein Blatt Papier passt mehr zwischen ihn und mich.

„Trigger Mortis“ spielt übrigens Ende der 50er Jahre und verwendet Originalmaterial von Fleming, dass er für eine nie realisierte TV-Serie geschrieben hat. Sehr gut nachgemachter Vintage-Fleming. Ich werde direkt nochmal „Colonel Sun“ von Kingsley Amis lesen müssen, um nachzuschauen, ob das immer noch der beste Post-Fleming-Bond ist, oder ob „Trigger Mortis“-Autor Alexander Horowitz jetzt in Führung liegt.

Und dann offerierte Fa. Groupon mir auch noch einen „asymmetrischen Wassserfallmantel“. Ich möchte gar nicht wissen, was das sein könnte.

 

 

Splitterbrötchen (CDXXXV)

Fragen, die niemand zu stellen wagt: Wie haben sich die Menschen eigentlich beholfen, bevor es feuchtes Klopapier gab?

Hörfehler der Woche: Die Bundesregierung befürwortet den Einsatz bewaffneter Schreibkräfte.

In den letzten Splitterbrötchen hatte ich mich beschwert, dass Facebook dauert von den neuesten Meldungen zu den Hauptmeldungen umschaltet. Facebook-Freund José Harvey empfiehlt, sich von einer auf neueste Meldungen eingestellten Facebook-Seite ein Bookmark zu legen und Facebook zukünftig über dieses Bookmark zu entern. Läuft. Toller Tipp. Danke!

ScharfNudelDen kulinarischen Höhepunkt der Woche gab’s beim Geburtstag meiner lieben Schwester, die auf die geniale Idee gekommen war, den Familienklassiker „Scharfe Nudeln“ (Lamm, getrocknete Chili-Schoten, Champignons, Tomaten usw.) zu servieren. Hatte ich mindestens 30 Jahre nicht auf dem Teller. Koche ich demnächst selbst mal wieder.

Zum Geburtstag der Schwester ging’s 7 Stunden auf der Autobahn hin und 7 Stunden zurück, die zweite längere Autofahrt seit langem. Die Situation auf den Autobahnen dieses Landes ist sehr unentspannt. Ich halte mittlerweile ein Tempolimit von 130 für eine vernünftige Idee.

 

Splitterbrötchen (CDXXXIV)

Gestern Abend in den RBB-Gernsehabend „Adelheid und ihre Mörder“ hineingeschaut. Junge Menschen können anhand dieser Serie alles über den Beruf des Schauspielers erlernen. Das, was die Protagonisten in dieser Serie veranstalten, ist die einzige Methode, um in diesem Beruf auf einen halbwegs grünen Zweig zu kommen: Auffallen um jeden Preis. Wenn man das nicht kann oder will, hat man im Schauspielberuf nix verloren. Kunst? Menschendarstellung? Geh mir fort!

Kulinarischer Höhepunkt der Woche war ein wunderbares Dinner im Leipziger „La Provençe“, auf Einladung der geduldigsten Gemahlin von allen. Ausgezeichneter warmer Ziegenkäse mit Salad, Blumenkohl mit Hollandaise und Kalbfleisch-Quenelles… Was heißt „Nobody does it better“ nochmal auf französisch?

Dank einer Empfehlung des höchst geschätzten Carsten aus dem Mitzwinkel konnte ich meinen mit Windows 7 und 10 hoffnungslos in die Knie gegangenen Netbook durch die Installation von Peppermint OS(Linux) wiederbeleben. Die Installation von Windows 10 hatte auf dem Netbook 5 Stunden gedauert, Linux war binnen 20 Minuten installiert. Nach einer weiteren Stunde für Einarbeitung und die Installation zusätzlicher Software und der Synchronisation der Dropbox konnte ich arbeiten. 10mal so schnell wie in Windows. Interessant, dieses Linux. Man könnte ja auch auf dem älteren Bürorechner… Könnte sein, dass sich da eine neue Obsession anbahnt.

Zurück zu Windows. Auf dem neueren Bürorechner Libre Office upgedatet. Die Statusmeldung „Migriere Eigenschaftenstatus der verwandten Anwendungen“ begeisterte.

Es gibt Situationen, da muss man sich richtig anstrengen, um doof zu bleiben. Erstaunlich, wie viele Menschen diese Anstrengung auf sich nehmen, nur um nicht dazulernen zu müssen.

Das Leben ist wie Facebook: Ständig schaltet eine unsichtbare Macht von „neueste Meldungen“ auf „Hauptmeldungen“ um.

Splitterbrötchen (CDXXXIII)

Senioren-Humor auf dem Tennisplatz: „Geht das auf Platz 1 etwas leiser?“ – „Dreh doch dein Hörgerät runter.“

Manche Menschen können Anstehen nicht von Rumstehen unterscheiden. Was nicht jeder weiß: Anstehen geht auch ohne Alkohol.

Kulinarisches Highlight der Woche: Klassisch zubereitete Schmorgurke mit Hammer-Gurken vom Brandenburger Bauern (Stand am Breslauer Platz gegenüber CoBank).

Lange nicht mehr dagewesen: In den letzten sieben Tagen waren wir dreimal im Theater. Einmal arg konventionell durchgepointetes Kabarett, „Amadeus“ im Schlossparktheater (sehr gut gespielt, Konstanze vorweg, aber die Regie verpasst leider das Kernthema des Stücks). Empfehlen kann ich Harald Effenberg, der (allein) ein japanisches Zwei-Personen-Stück („Wer zuletzt lacht“) vorliest. Das Thema des Stücks (Wie entsteht Komik?) ist zwar etwas speziell, aber Harald macht das richtig gut. Nächsten Samstag nochmal im Zimmertheater Steglitz.

Eine Einladung zu einem Kongress mit dem Thema „Wie erreicht Content Kinder heute?“ bekommen. Ja, das ist sehr schwierig geworden. Früher ging das Kind einfach zur Oma und sagte „Erzähl mich mal Content!“ Aber heute…

Hörfehler der Woche war „Sex-Legionäre im Team der Schotten“.

SpOn entnehme ich, dass die neugekauften MGs der Bundeswehr nicht auf die existierenden Panzer montiert werden können. Das wusste keiner, als man sie bestellt hat? Entweder Ursula von der Leyen bestätigt Steinzeit-Vorurteile über Frauen und Technik, oder sie ist eine raffiniert in die Bundeswehr eingeschleuste Krypto-Pazifistin.

Und dann war da noch dieser Windows-10-Screen, der mir die Stimme von Gerd Fröbe ins Ohr zauberte. „Wir bereiten gerade einige Dinge vor, Mr. Bond…“ Microsoft weiß, wie man um das Vertrauen der User wirbt.

 

Splitterbrötchen (CDXXXII)

Berliner Spitzenpolitiker tragen den telegenen Maßanzug auch im Zuschauerraum eines Theaters. Man weiß ja nie.

Zu idiotisch nachtschlafener Stunde sendete der RBB heute früh „Darf ich Sie zur Mutter machen„, Dieter Hallervordens ersten Spielfilm aus 1969, den ich vor dreißig Jahren sehr komisch fand. Der Film ist erstaunlich gut gealtert, man kann ihn trotz oder wegen seiner Ähnlichkeit mit „Zur Sache, Schätzchen“ immer noch gut anschauen.  Allerdings sieht West-Berlin in dem Film wirklich monumental hässlich aus. Lag bestimmt an der dilettantischen Kameraarbeit von Michael Ballhaus.

Diese einmalige Atmosphäre aus Oberflächlichkeit und Existenzangst, die nur Schauspieler verbreiten können…

Ich will ja nicht der Stimmungskiller sein, aber: Das Nazi-Problem verschwindet nicht dadurch, dass wir plötzlich alle nett zu Flüchtlingen sind.

Erschütternde Botschaft im Display meines Druckers: „Magenta-Toner nahe Lebensende“

Man sollte mich nicht mehr ins Theater lassen. Ich hab fast an allem was auszusetzen.

 

 

 

Der grösste Gangsterboss Chicagos

Was nicht jeder weiß: Der berüchtigtste Gangsterboss der Prohibitionszeit war mitnichten Al Capone. Sein Vorgänger als Anführer des sogenannten Chicago Outfit, der legendäre Joe Gurth muss als schlimmster organisierter Verbrecher aller Zeiten gelten, denn er hat die Strukturen geschaffen, derer Capone sich lediglich bediente, um Chicago seiner Schreckensherrschaft zu unterwerfen. Joe Gurth war gewalttätig, hinterlistig und einfallsreich. Deshalb fürchteten ihn alle Gangster Chicagos. Bis auf Capone, der wusste, dass er Gurth aus dem Weg räumen musste, um seinen Aufstieg zu krönen. In einer eiskalten Winternacht des Jahres 1919 gelang es Capone, Joe Gurth in einen Hinterhalt zu locken. Er ließ Gurth fesseln und ins zufrierende Hafenbecken von Chicago werfen. Mit einer übermenschlichen Willensanstrengung gelang es Joe Gurth, sich zu befreien und das rettende Ufer zu erreichen. Dabei trug er schwere Erfrierungen davon. Auch sein eleganter Nadelstreifen-Anzug war zu Eis gefroren, so dass es heftig knirschte, als Gurth sich auf den Heimweg machte. Seit dieser Nacht wurde Gurth, der sich bald darauf ins Privatleben zurückzog,  in ganz Chicago nur „Frozen“ Joe Gurth genannt. Einer seiner Enkel machte mit einer kalorienarmen Eiscreme-Spezialität, die er nach seinem Großvater benannte, ein Millionenvermögen.