Sonntagmorgen, kurz nach elf: Wonti begrüßt Fredi und gibt zum Dopafon ab. Nur in dieser Atmosphäre totaler Sinnfreiheit können frische Splitterbrötchen entstehen.
Ereignis der Woche war die erste Gans der Jahres, zubereitet nach Stevan Pauls Vorgehensweise für Gans mit Füllung: bei 180 Grad zwei Stunden angeschoben, dann nochmal zweieinhalb Stunden bei 130 Grad vollendet. Fleisch saftig, Haut beinahe so knusprig wie beim Tante-Manni-Rezept: sensationell! Foto und Details schiebe ich nach.
Eine ganz simple Tatsache, die bei dem ganzen Euro-Krisen-Geschwurbel selten bis nie erwähnt wird: Geld verschwindet nicht, wenn es geschuldet wird. Zu Schulden gehört immer  auch ein Guthaben. Wenn einer 100 Euro oder 100 Billionen Euro Schulden hat, haben andere 100 Euro oder 100 Billionen Euro Guthaben. Warum zum Henker fragt niemand nach denen, die in dieser sogenannten Krise das Geld mit der Kohlenschaufel einfahren?
Das Zitat der Woche stammt von Tim Raue, der Erhellendes von seiner Suche nach dem perfekten Gewürz zu berichten weiss: „Ich hatte sicherlich 50, 60 verschiedene Sorten Sechuan-Pfeffer im Mund, bis ich den jetzigen erwählt habe.“ Ja, das ist der Unterschied: Unsereins sucht aus. Tim Raue erwählt.
Vor fast 4 Jahren reminiszierte ich auf diesen Seiten  den „Schnarchsack der Woche“, eine sich aus dem Titel erklärende Serie, die ich mal für eine Radiosendung gemacht habe. Würde ich diese Reihe immer noch machen, wäre MdB Hans-Christian Ströbele ein ganz heißer Kandidat für eine lobende Erwähnung: Nicht nur dass er zugelassen hat, dass seine werte Gattin einen Dreizehnjährigen anzeigt, er hat auch noch dass Heddesheimblog, das darüber berichtete, abgemahnt. Um Himmelswillen, Herr Ströbele! Ich weiß, dass Sie mit dem Internet nicht so ganz auf Du sind, aber irgendwer in ihrem Büro MUSS doch die Begriffe „Streisand-Effekt“ und „Shitstorm“ und den Zusammenhang zwischen beiden kennen.
Das Zitat der Woche stammt natürlich von einem anderen Fiktionär, dem Baron Münch Freiherr zu Guttenberg: „Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich selbst bereits gearbeitet hatte, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war.“
Also, Freiherrchen, die Problematik ist mir nicht fremd. Ich hab jahrelang Kabarett-Texte für ein Stuttgarter Theater geschrieben, am Schluss hab ich immer eine Volltext-Suche auf meiner Festplatte gemacht, um sicherzugehen, dass ich ein Thema oder eine Idee nicht schon mal verwurstet hatte, aber so weich in der Birne, dass er eigene von fremden Texten nicht mehr unterscheiden kann, ist kein Autor dieser Welt. Obwohl, die Vorstellung, wie Sie ihrer Stephanie einen Band mit Shakespeare-Sonetten hinhalten und sagen: „Sag mal, Darling, ich bin mir plötzlich ganz unsicher, ist das von mir oder doch von wem anders?“ – doch, diese Vorstellung hat was.
Ach ja, uns weismachen, dass er bis 2006 mit Disketten rumgefummelt haben will, will z. G. auch noch. Dass ausgerechnet die ZEIT (Wissenschaft!) diesem Schmierenkomödianten eine Plattform bietet, irritiert.
Mindestens ebenso irritierend sind die dauernden Forderungen nach einer Kontrolle der Finanzmärkte durch die Politik. Liebe Kontrollfreaks, schaut auf Berlin: da haben es die Volksvertreter jahrelang nicht hingekriegt, die Griller im Tiergarten dazu zu bringen, ihren Müll wegzuräumen. Wie sollen Flachpfeifen, die nicht genug Autorität haben, um einfache Hobby-Brutzler zu beeindrucken, irgendwelche amoklaufenden Banker zur Raison bringen?
Lange haben die Fans warten müssen, lange haben es Kai Diekmann und seine Redaktionsmannschaft nicht geschafft, eine Schlagzeile zu kreieren, die ich zur „Headline der  Woche“ küren konnte. Diese Woche haben sie sich mit dem Kleinod „Porno-Klaus: Hüttenkäse macht mich geil!“ eindrucksvoll zurückgemeldet.  Klasse, Jungs: Über euch ist nur der Himmel!
Das Ereignis der Woche ist natürlich die Eröffnung des Blogs der geduldigsten Gemahlin von allen. Fünf Super-Beiträge in einer Woche… da stinkt die Netzecke gewaltig ab.
Bei der gestrigen Tagesspiegel-Lektüre blieb für mich kurzzeitig die Zeit stehen, nämlich als ich in einem Beitrag über eine Demo gegen Tierquälerei in der Ukraine den Satz „Mit so reger Teilnahme hatten die Organisatoren wohl nicht gerechnet – es gibt nicht genug Plakate für alle.“ las. Äh, kann das sein? Erwarten Demonstranten heutzutage wirklich, dass ihnen Materialien zum Ausdruck ihres Protests gestellt werden?
Beim Zitat der Woche bin ich unschlüssig. Favorisiere ich „Oranje hat Dienstagabend sein Ansehen in der Fußballwelt mit einer so verpfuschten Partie besudelt, wie sie in den letzten Jahren nur selten gezeigt wurde. Deutschland war ein harmonisches Orchester, die Niederlande eine angetrunkene Blaskapelle ohne Dirigenten.“ aus der niederländischen Zeitung „Volkskrant“, oder ist  “Flankenpass von Kroos, aus dem Fußgelenk über dreißig Meter, so elegant, dass Günter Netzer und Bernd Schuster auf der Tribüne weinend Lambada tanzen“ aus dem Liveticker von 11Freunde einen Tick schöner?
Interessant: Schnapszahlen sehen auch in römischen Ziffern ein wenig schnapsig aus.
Als ich diese Woche mal wieder in einem „Mehrzweckraum“ ein Hotelfrühstück einnahm, fiel mir auf, dass ich noch nie in einem Mehrzweckraum gewesen bin, in dem ich mich auch nur ansatzweise wohlgefühlt hätte. Der auch nur ansatzweise irgendwie angenehm gewesen wäre. Der auch nur ansatzweise so etwas wie Charakter oder Atmosphäre gehabt hätte. Trotzdem mieten täglich tausende von Menschen solche Räume an, um dort die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens zu feiern: Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen… Wir sind wohl wirklich nicht mehr zu retten.
Krimi-Entdeckung der Woche: Schneller als der Tod von Josh Bazell. Ja, ich weiß, ich bin spät dran, trotzdem ge-ni-al. Höchst amüsant. Allerdings nix für Zartbesaitete.
Krimi-Wiederentdeckung der Woche: Mickey Spillane. Den hab ich vor zwanzig Jahren schon mal gelesen, „Naja, so lala, verstehe die Aufregung nicht“, gedacht und ad acta gelegt. Jetzt les ich ihn zum ersten Mal im englischen Original und denke „Boah, ein ganz Großer!“ Die Übersetzungen aus dem Englischen, die einige deutsche Verlage vor zwanzig, dreißig Jahren auf den Markt gebracht haben, hätten auf den Müll gehört.
Wo wir beim Thema sind: Rex Stout könnte man auch mal wieder lesen.
Ein Kommentar zu den letzten Splitterbrötchen, hat mich dazu gebracht, darüber nachzugrübeln ob es einen Unterschied zwischen „Grandeur“ und „Grandezza“ gibt. Ich hab extensiv nachgegooglet und keinen gefunden. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass es einen gibt. Grandezza ist wesentlich operettenhafter als Grandeur.
Neuzugang in der Blogroll: „september-blog„. Übers Älterwerden. Hilfreich und schön.
Dialog beim Anschauen einer romantischen Komödie: „Ich  würde Hugh Grant gern einmal als Richard III. sehen.“ – „Mir ist egal, als was ich den sehe.“
Die Statusmeldung der Woche verdanken wir Steffen Hellmann: „Hab beim Bäcker die Kunst getroffen. Meine Ex-Nachbarin, Bettina Kunst, kaufte Brötchen und Klöben.“
Das Zitat der Woche stammt von Vince Ebert: Â „Das (Homöopathie) ist, als ob man in Frankfurt einen Autoschlüssel in den Main wirft und dann in Würzburg versucht, mit dem Mainwasser das Fahrzeug zu starten.“
Neuheit bei Facebook: Man kann jetzt jemand inviten, um eine Seite zu liken. Ganz groß.
Ganz plötzlich fiel mir gestern Abend ein sympathischer Claim für meine nordhessische Heimatstadt ein. Auch heute morgen finde ich ihn noch gelungen und vor allen Dingen äußerst treffend. Ich veröffentliche ihn daher gerne hier und stelle ihn der Stadt und ihrem Tourismus-Management ausdrücklich gratis zur Verfügung: „Eschwege – Home is where the Worscht is!“
Es ist wirklich schade um ein dem Französischen entlehntes Wort, das einmal Bestandteil der deutschen Sprache war. Wir benutzen es nicht mehr, sicherlich weil es die Menschen nicht mehr gibt, die man mit diesem Wort in Verbindung bringen konnte. Grandeur.
Als ich dieses Video zum ersten Mal gesehen habe, hab ich Mund und Nase aufgesperrt. Kann das Schälen von Knoblauch wirklich so einfach sein? Über den Trick hätte ich doch in dreißig Jahren Kochpraxis mal stolpern müssen, das hätte doch in einem meiner Kochbücher stehen müssen…
Ist bestimmt ein Fake, die wollen mir irgendwas verkaufen… Nur was? Blechschüsseln? Ein Knoblauch-Schäl-Abo?
[vimeo]http://vimeo.com/29605182[/vimeo]
Ich hab’s eben ausprobiert, mit einer einzelnen Zehe, in einem kleinen Schüsselchen. Kurz mit dem Handballen angeknackt, ein paar Sekunden geshaked, fertig. Funktioniert wie Sau. Ich mach diese Woche endlich mal wieder das Vierzig-Zehen-Huhn. Aber diesmal nehm ich sechzig Zehen. Quatsch, achtzig! Oder doch gleich hundert?
Kaum zu glauben, aber diese Woche war ich zum ersten Mal – dank einer großzügigen Einladung der geduldigsten Gemahlin von allen – Eishockey-Gucken in der Berliner O2-World. Beeindruckende Kulisse, tolle Atmosphäre, und Hardcore-Fans, die in dieser Hightech-Arena „Ost-, Ost-, Ost-Berlin“ skandieren, Â sorgen sogar für beinahe theatrale Verfremdungseffekte.
Auf youtube nach Jahrzehnten wiedergehört: die Titelmelodie von „Am Fuß der blauen Berge“ („Laramie“ im Original). Zaubert immer noch zuverlässig ein vorfreudiges Grinsen in mein Gesicht.
Die Welt der Facebook-Spiele ist groß und bunt. Da ist sogar Platz für Angebote mit erschütternd aussagekräftigen Titeln wie „Schieß Panzer! Boom!“
Den Verriss der Woche schuf der höchst geschätzte Denis Scheck, der einen Thriller Autor in einem einzigen, wunderbaren Satz vernichtete: „Hätte Jussi Adler-Olsen die Aufgabe, einen Notausgang zu beschriften, keiner käme lebend raus.“1
Ärgerlich wie immer das Gehabe der UEFA und ihres willfährigen Nickdackels Theo Zwanziger. Rauchverbot in den EM-Stadien, kein Biersponsor mehr für die Nationalmannschaft… Herrgottsack, Fußball ist unterhaltsamer Sport, mehr nicht. Für die Heilung der Gesellschaft sind andere zuständig.
Dabei les ich die Adler-Olsen-Romane ganz gerne… ↩
Was mir mit zunehmendem Alter immer mehr auf den Senkel geht: Leute, die Professionalität mit Wurschtigkeit verwechseln.
Der Unterschied zwischen „wichtig sein“ und „sich wichtig machen“ ist vor allen Dingen für Menschen, die sich gern wichtig machen, praktisch nicht zu erkennen.
Das Verbot ist der Zufluchtsort des Hilflosen.
Im Falle von „Mad Men“ habe ich schlappe vier Wochen von „Was soll der Scheiß?“ bis zu „Darf keine Folge mehr verpassen.“ gebraucht.
Jahrelang, Quatsch, was schreib ich, jahrzehntelang hab ich Gulasch (eigentlich Pörkölt, für die Peniblen) nach immer der gleichen Façon gekocht: Fleisch portionsweise anbraten, raus damit, reichlich Zwiebeln glasig dünsten, mit Paprika durchschwitzen, Fleisch wieder rein, würzen, Flüssigkeit zugeben, langsam fertig schmoren. Bewährtes Standardrezept, xmal gekocht, beliebt bei allen Gästen, bei der geduldigsten, besten Gemahlin von allen und bei mir. Gab also keinen Grund, am Rezept zu drehen.
Doch. Natürlich gab es einen Grund: meine Faulheit. Ich hatte vor ein paar Jahren, als Alfredissimo noch lief, Sarah Wiener da mal ein Saftgulasch ganz ohne Fleischanbraten machen sehen. Müde lächelnd hatte ich abgewinkt: Kann ja nicht schmecken, ohne Anbraten. Keine Röststoffe, keine Maillard-Reaktion: Wie soll denn da Geschmack ans Fleisch kommen? Unfug, diese ganze Saftlhuberei!
Aber mein innerer Faulpelz war geweckt. Was, wenn es nun doch funktioniert? Man spart sich die umständliche Anbraterei, hätte keine Fettspritzer-Sauerei mehr auf dem Herd und die ganze Zubereitung wäre tatsächlich noch einen Tick unkomplizierter.
Denn inneren Faulpelz unter Kontrolle zu halten, wurde zunehmend schwieriger. Anfangs ließ er sich noch durch einen Teller „klassischen“ Gulaschs besänftigen („Würde ohne Anbraten nie so kräftig schmecken…“), aber spätestens seit höchst geschätzte andere Foodies auf den Saftgulasch-Zugaufsprangen, war meine Ruh dahin. „Wir können es doch mal ausprobieren!“, sabberte der Faulpelz mir ins Ohr. „Nur um endgültig den Beweis zu haben, dass es ohne Anbraten nicht funktioniert!“.
Schließlich hatte der Faulpelz mich so weichgekocht wie ein Gustostückerl im Meissl & Schadn: ich gab auf, besorgte Gulaschzutaten1 und legte los. Ich dünstete drei Pfund  grob zerkleinerte Zwiebeln in reichlich Schweineschmalz an, gab, als die Zwiebeln goldgelbglasig waren, zwei oder drei Esslöffel Paprikapulver (edelsüß und scharf) dazu, ließ kurz durchschwitzen und gab mit zitternden Händen drei Pfund in Würfel geschnittene Rinderwade hinzu, OHNE SIE ANGEBRATEN ZU HABEN. Anschließend stürzte ich ein Glas Rotwein hinunter, um diesen Akt küchentechnischer Tollkühnheit gebührend zu feiern.
Ein Schlückchen Rotwein hielt ich natürlich geistesgegenwärtig zurück, um es zusammen mit zwei, drei Tassen Bouillon ans Gulasch zu kippen. Schnell noch gesalzen, ein mit Kümmel, Lorbeer, Zitronenschale und Knoblauch gefülltes Gewürz-Ei hineingehängt, Deckel drauf und drei Stunden bei kleinster Hitze ziehen gelassen. Dann sah das so aus:
Optisch war absolut kein Unterschied zum klassischen Gulasch festzustellen. Aber das böse Erwachen musste natürlich kommen, wenn man das Gulasch probierte. War doch Quatsch, das Fleisch nicht anzubraten. Mein Gott, das schöne Fleisch… komplett ruiniert!
Ich verzichtete darauf, das Gulasch abzukühlen, bis zum nächsten Tag kaltzustellen und dann wieder aufzuwärmen 2 und probierte sofort.
Seitdem hab ich schon drei oder viermal wieder Gulasch gekocht. Und bei keinem das Fleisch angebraten. Es macht nämlich keinen Unterschied. Das so zubereitete Gulasch schmeckte genauso wie das Gulasch mit angebratenem Fleisch. Auch externe Gulasch-Experten kamen nach einem ausgiebigen Blindtest zum gleichen Ergebnis: „Kein Unterschied zu sonst.“ Offenbar sorgt ausschließlich das lange, gemächliche Schmoren für den Geschmack, was da drei Stunden vorher bei der Maillard-Reaktion entstanden ist, spielt auf dem Teller keine Geige mehr.
Und die Moral von dieser Küchengeschichte? Ist doch klar: Faulheit siegt. Mahlzeit!