Splitterbrötchen (CXCV)

Nur etwas googlen, etwas downloaden, etwas uploaden, etwas aktivieren und ich verfüge in der Netzecke über ganz neue Möglichkeiten1. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wir leben in einer großen Zeit!

Diese Woche, im Supermarkt: „Möchten sie die Treueherzen2?“ – „Nein, danke. Aus dem Lego-Alter bin ich raus.“ – „Aber vielleicht für die Enkel…“ Autsch.

Rechtsstaat hat etwas mit dem Festhalten an Grundsätzen zu tun, nicht mit der Freude darüber, dass andere die mal eben schnell über den Haufen werfen.

Irritierende Beobachtung: Professionelle Trauerredner scheinen gern darauf hinzuweisen, dass der oder die Verstorbene gern gebastelt habe. Sollte das nach meinem Ableben jemand von mir behaupten, bitte ich, dem Betreffenden eine runter zu hauen.

 

  1. Fußnoten!
  2. Bei Kaiser’s gibt es pro 5 Euro, die man ausgibt, ein Treueherz. Die Dinger kann man sammeln, und dann rabattiert irgendeinen Ramsch kaufen. Zur Zeit sind’s Legosteine.

Nobody does it better

1977 schrieb ein Göttinger Sponti unter dem Pseudonym „Mescalero“ etwas von einer „klammheimlichen Freude“, die er angesichts der Ermordung Siegfried Bubacks empfunden hatte. Damit löste er einen Sturm der öffentlichen Entrüstung aus, der seinesgleichen in der neueren deutschen Geschichte immer noch sucht.
Kein Satire-Autor hätte jemals auf die Idee kommen können, dass 34 Jahre später ausgerechnet eine CDU-Kanzlerin und ein CSU-Innenminister Mescaleros reichlich schräge Weltsicht salonfähig machen würden.
Schon öfters ist das baldige Ende von Kabarett und Satire als Kunstform prophezeit worden. Diesmal könnte es aber tatsächlich soweit sein. Die eisklare Professionalität, mit der die aktuelle Politikergeneration sich selbst parodiert und desavouiert, nötigt selbst dem Profi Bewunderung ab.
Dagegen anzustinken ist schlichtweg unmöglich.

Splitterbrötchen (CXCIV)

Wie jetzt? BILD veröffentlicht die Liste der peinlichsten deutschen Adeligen, und Prinz Fréderic von Anhalt landet nur auf Platz 7? Total gemein! Das dürfen Hoheit nicht auf sich sitzen lassen!

„Bestellsoftware hier gratis erhältlich“ – die Großzügigkeit von Fa. Bertelsmann lässt mich erschaudern.

Auch wenn Herr Knipphals von der taz das möglicherweise nur schrieb, um zu provozieren: Der Satz „Ironie kann jeder.“ ist die Dummbeutelei der Woche. Mindestens der Woche.

Das war zu erwarten: Menschen, die ihr Lokal „Baku-Napoli (italienische und internationale Spezialitäten)“ nennen, glauben auch, dass „Biergarten im Restaurant“ eine sinnreiche Information ist.

 

 

Kurbjuhn? Wie schreibt man das?

Wenn Menschen, die den schönen, etwas seltenen Namen „Kurbjuhn“ (kommt aus Ostpreußen, bedeutet soviel wie „Schuhmacher“) tragen, sich treffen, kommen sie früher oder später (meistens früher) darauf zu sprechen, was andere Menschen mit diesem Namen veranstalten bzw. wie sie ihn verunstalten. Obwohl alle Kurbjuhns das Buchstabieren ihres Namens (Kaufmann, Ulrich, Richard, Berta, Johann, Ulrich, Heinrich, Nordpol) seit frühester Jugend verinnerlicht haben, gelingt es doch kaum jemanden von uns, unseren Namen auf Anhieb unfallfrei zu übermitteln, wenn wir einen Tisch bestellen, einen Friseurtermin ausmachen oder uns beim Arzt anmelden wollen. Zahllose Fehlleistungen wie Kubijahn, Kubjong oder Kublai Khan sorgen bei den Treffen der Kurbjuhns für Gesprächsstoff und Heiterkeit. Wer die abwegigste Verballhornung anbieten kann, gewinnt.

Anfang dieser Woche habe ich in meiner derzeitigen, sehr empfehlenswerten Stammkneipe einen Tisch für meine Skatrunde reserviert.

Ich dürfte jetzt Inhaber des Weltrekords sein.

Die Dingsbums-Verschwörung

Vor ein paar Tagen habe ich das Akismet-Plugin (ein Dingsbums, was im Hintergrund von diesem Blog-Dingsbums werkelt), das meine Netzecke jahrelang verlässlich vor dämlichen Spam-Kommentaren schützte, deaktiviert, weil ich sonst möglicherweise wg. Datenschutz-Dingsbums abgemahnt worden wäre.
Plötzlich durfte ich die ganzen hereinprasselnden Spam-Kommentare händisch löschen, was mir irgendwann zuviel wurde. Also versuchte ich, ein anderes Anti-Spam-Dingsbums zu installieren, doch das mochte mit meiner WordPress-Installation, die ich, äh… länger nicht aktualisiert hatte, nicht laufen, und nach dem ich in einer halben Stunde die nächsten fünf Spam-Kommentare gelöscht habe, hab ich in den sauren Apfel gebissen und upgedatet. Gebackupt, Zeugs runtergeladen, nachgeguckt, ob auch alles runtergeladen wurde, Plug-Ins (übriggebliebene Dingsbumse) deaktiviert, mit zitternden Händen die Dateien auf dem Server gelöscht, neue Dateien hochgeladen, mit einem Schlüsselgenerator irgendwelche geheimen Schlüssel erzeugt, immer wieder bei WordPress-Deutschland nachgeschlagen, ob ich auch ja alles richtig mache, irgendwann hab ich gar nix mehr verstanden und nur noch gehofft, dass die Dingsbumse alles so machen, wie es sich gehört, und dann lief’s plötzlich wieder und ich musste nur noch die Dingsbumse, die ich deaktiviert hatte, wieder aktivieren und noch hier und da was aktualisieren, was aktualisiert werden wollte, aber dann lief’s und auch das neue Anti-Spam-Dingsbums ließ sich installieren und nahm seine Arbeit auf… okay, es war ’ne Menge Arbeit, es hat ein paar Stunden gedauert, aber dafür muss ich keine Spam-Kommentare mehr händisch löschen. Ist doch super.

Und heute früh guck ich in die Eingeweide der Netzecke und sehe, dass – seit ich dieses WordPress-Dingsbums aktualisiert habe – kein einziger Spam-Kommentar mehr hier eingeschlagen ist, den ich händisch hätte löschen müssen. Kein einziger in jetzt fast 24 Stunden. Kein ein-zi-ger.

UND DA SOLL ICH GLAUBEN, DASS KEINE VERSCHWÖRUNG GEGEN MICH IM GANGE IST?

Splitterbrötchen (CXCIII)

Da kommt man ins Büro und der Router tut so, als wäre er nicht da. Anderthalb Stunden frickelt man rum, probiert dies, probiert das, nix da, der Router blinkt, bleibt aber verschwunden. Und plötzlich, zack!, ist er wieder da. Als wäre nix gewesen. Soll ich mich jetzt freuen, dass er wieder da ist, oder soll ich ihn wegen der vergeudeten Lebenszeit verfluchen?

Diese Woche mal Tee mit und ohne vorgewärmte Kanne zubereitet. Der Tee in der vorgewärmten Kanne schmeckte deutlich aromatischer. Gibt es dafür eigentlich eine begreifbare Erklärung?

Thomas Wark hat beim Clásico richtig gerockt: „Sie rücken nicht mehr nach! Sie hinterlassen Löcher!“

Splitterbrötchen (CXCII)

Clemens Tönnies sieht immer mehr aus wie der junge Helmut Kohl. Vielleicht sollte er einen Arzt aufsuchen.

Diese Woche angespargelt und nachgespargelt. Ab nächster Woche wird durchgespargelt.

Immer öfter liest man als Berufsbezeichnung „Buchautor“. Wodurch unterscheidet sich ein Buchautor von einem Schriftsteller?

Seit ich vor ca. einer Woche nach einer bestimmten Sorte italienischen Olivenöls gegooglet habe, verfolgt mich die Werbung eines Internet-Gourmet-Shops auf allen Webseiten, die ich besuche. Natürlich ist derartiges „Ad-Stalking“ die sicherste Methode, mich NICHT als Kunden zu gewinnen. Hallo, ihr aufdringlichen Trottel von gourmondo: Eh ich bei euch einkaufe, verhungere ich lieber.

Splitterbrötchen (CXCI)

Spruch der Woche: May the bridges I burn light the way.

Zwomal in dieser Woche hat Firma Groupon mein Leben bereichert: zum einen mit der brillanten Abseitigkeit „foodmarkt der unendlichen Möglichkeiten“, zum anderen mit der Vorlage zum Verleser des Jahres, der mir bei dem Wort „Schiess-Simulator“ unterlief.

Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Buchhändler (!), die hartnäckig darauf  beharren (!), dass es „Rezession“ und nicht Rezension heißt.

Nach der van-Gaal-Entlassung habe ich nur noch einen Wunsch: Dass die Saison möglichst schnell vorüber geht.

Splitterbrötchen (CXC)

Warum nimmt man Erdöl nicht als Medikament in der Psychiatrie? Bereits wenige Barrel machen aus einem vollfetten Irren einen liebenswerten Exzentriker.

In einem Info-Brief spricht die Commerzbank Privatkunden, Geschäftskunden und „Wealth-Management-Kunden“ an. Leute, die sich so titulieren lassen,sind entweder borniert oder vollkommen blöde oder beides.

Wenn man sich die immer unerträglicher werdenden Kommentare auf zeit.de oder tagesspiegel.de (die reflexhaft ihren immergleichen Krawall herauspöbelten Engstirner scheinen die Verlagsgruppe Holtzbrinck zu bevorzugen) anschaut, ist man dankbar für jeden Leserbrief, der nicht geschrieben wird.