Splitterbrötchen (IV)

Man fängt an, Menschen, die so um die vierzich sind, als jung zu bezeichnen. Wenn man selber so um die fuffzich ist.

Die Spargelsaison ist ausgeklungen. Der Beelitzer hat wieder ganz ausgezeichnet gemundet, blieb jedoch in den oberen Preisregionen. Keine Arbeitskräfte um das Zeugs zu ernten – untergepflügte Spargelfelder – hohe Preise – weniger Verkauf. Merkwürdige Kausalkette.

Solange man merkt, dass es weh tut, weiß man, dass man am Leben ist.

Einmal dorthin gehen, wo die Profi-Fotografen einkaufen, sich die Leicas und die Nikons zeigen und ausführlich erklären lassen, und dann, so nach einer bis anderthalb Stunden: „Was soll das heißen, man kann mit dieser Kamera nicht telefonieren?“

Holden Caulfield ist mittlerweile ziemlich unbekannt. Erstaunlich. Oder… wirklich erstaunlich?

Ich habe diese Woche eine vernünftige Entscheidung treffen müssen, die mich ärgert. Obwohl ich weiß, dass ich mich richtig entschieden habe, dass ich die einzig mögliche Entscheidung getroffen habe, kann ich nicht aufhören, mich zu ärgern. Wann habe ich eigentlich den fatalen Schritt vom Querulanten zum Prinzipenreiter getan?

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Splitterbrötchen (III)

Neulich hab ich in unserem Tennisclub beim Grillen geholfen. Da geriet ich an eine Packung Grillwürstchen der Marke „Naturburschen“. Bevor ich die Naturburschen aus ihrer Plastikumhüllung befreien konnte, habe ich die Papp-Ummantelung gelesen, die mir „clevere Rezeptideen auf der Rückseite“´versprach. Eine der cleveren Rezeptideen war „Naturbursch im Brötchen“. Über die genauere Zubereitungsmethode für dieses clevere Rezept schwieg sich der Hersteller jedoch aus. Da fühlte ich mich doch arg alleingelassen.

Netzwerken macht richtig Spaß. Solange kein Risiko damit verbunden ist. Und solange es nichts kostet.

Ich verstehe nicht, warum manche Leute sich so aufregen, wenn sie ein schwierigeres Sudoku nicht herausbekommen. Sollen sie doch einfach irgendwelche Zahlen eintragen! So lange es niemand nachkontrolliert…

Die Zahl von Journalisten und IT-Experten, die verkrampft-unverkrampft vor Videokameras herumhampeln, wächst von Woche zu Woche. Das Web 2.0 mutiert zum Off-Theater. Jeder darf mal. Akklamation statt Niveau. Mir graut langsam vor Web 3.0.

Berufswunsch: Worthülsen-Fabrikant für Fußballtrainer.

Niemand weiß was über den Agenten-Trash-Film aus den frühen Siebzigern, nach dem ich letzte Woche suchte. Auch die imdb nicht, die bei einer suche nach railroad grappa carpet den Orkus aufsuchte:
„Something went wrong. Oh dear. Something broke. On the bright side it might just be temporary, but on the other hand it could be a bug. Please try again… But if the problem persists, please report it to server-errors@imdb.com. Below are some data that may be of use to us to debug this problem. Please copy and send this, explaining which page you were at and where you clicked: Date: Sat Jun 9 13:52:49 2007 Host: www.imdb.com Server: io620 Status: 500 Client: 91.64.164.148 Cookie: id=+pVjInFbCTbuBQUqui7lFAA/pB0DyOQdI1pQKYPrEy8V8OQdBZ60vRPI5\ B0lKgJbVe5DS6EeU0olT1KKNV/QGzK+0poj2nJdoEjkHQDr984DS/c+Y+/C/\ aUo5B0F2kNLgcxTSiVPwoo9KET5M1jkO+Dr100FX1bOQ82SmiPrEs8l4OQdB\ Z2CTlNLcltTyORto5ikLQ; uu=A9oOoI+wSCTO7zBTIlpoNgGBDD4XF0w+tA\ EPTQQUD88kkRot1FQfbaEkL07ntitpxyE4aGcXTD4V1D1ONDfsffREXt8xYc\ yex0AquAXxCm69wapp0XG48MBxuniDUxyeY/I1nrIzLJ4zQ6h4Y9IZC4REHJ\ 60BH2dhDRvXHfEzzx0dG1uNDRfTYe0Xy0XF0yeMfcMHpdQemjOh0w+kbOzPh\ /1LKr7J1hrpzdMPpcXTA2XRwwOk= Browser: Mozilla/5.0 (Windows; U; Windows NT 5.1; de; rv:1.8.1.4) Gecko/20070515 Firefox/2.0.0.4 Request: GET /find?s=all&q=grappa+railroad+Carpet HTTP/1.1 Instance: 2007-06-09 Referrer: http://www.imdb.com/find?q=railroad+grappa+carpet&sourceid=mozilla-search Thank you!“
Ich sach ja, der Film ist das reinste Dynamit.
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Rock’n Roll

Ganz toller Abend gestern im Renaissance-Theater. In „Rock’n Roll“ erzählt Tom Stoppard die Geschichte des orthodox-kommunistischen Cambridge-Professors Max Morrow und seines Lieblingsschülers Jan, einem rebellischen Rock-Fan, der in seine tschechische Heimat zurückkehrt, nachdem die sowjetischen Panzer den Prager Frühling beendet hatten. Die ganz großen Themen hat Stoppard geschickt mit den ganz kleinen verwoben, und so erzählt er über 25 Jahre hinweg, von Jans Rückkehr bis zum ersten Konzert der Rolling Stones in Prag die Geschichte einer sich revolutionär gebenden Intelligentsia, die trotz aller Attitüden immer bürgerlich geblieben ist, ohne kleinbürgerlich zu werden. Und wie nebenbei führt das Stück, durch das auch die letztes Jahr gestorbene Songwriter- Legende Syd Barrett geistert, die unglaublich subversive Kraft der Rockmusik vor Augen. Dass ein Scheibchen Vinyl hundert mal größere Sprengkraft haben kann als hunderte aufrührerischer Reden und tausendfach unterzeichnete Aufrufe… Tolles Stück, hinreißende Schauspieler, ein Geist und Seele anregender Abend!

[tags]Stoppard, Theater, Kommunismus, Freiheit, Rock’n Roll[/tags]

Splitterbrötchen (II)

„Waterloo“, Regie Sergej Bondarchuk: Man muss nur 5 Minuten lang Rod Steiger zuschauen, um zu begreifen, was für eine Sackgasse method acting ist.

Menschen meiner Generation halten sich gern zugute, allezeit auch noch den allergeringsten Zugriff auf jegliche Form von Macht zu hinterfragen. Macht war und ist etwas grundsätzlich Suspektes für jemanden wie mich, und bevor man sie ergreift bzw. ihre Bürde übernimmt, muss alles immer doppelt und dreifach hinterfragt werden. Ich frage mich, ob das alles nicht letztendlich eine Ausrede ist, sich vor Verantwortung zu drücken. Wenn einige Menschen meiner Generation – mich eingeschlossen – gelegentlich entschiedener zugegriffen hätten, hätten sie mehr bewegen können.

Immer, wenn ich Tom Buhrow sehe, frage ich mich, warum er nicht Tim Buhrow heißt. Und wo der Scotch Terrier ist.

Gefühle auslösen – darum geht’s. um nichts anderes. Ein Publikum will Partei ergreifen, leiden, lachen, die Daumen drücken oder jemandem die Pest an den Hals wünschen. Es soll nicht so lau sein wie diese unerträgliche Normalität.

Jörg Immendorff über den Tod: „Der, der bleibt, wird ja verletzt, irgendwo … ich gehe davon aus, dass wir unsterblich sind. Alles andere ist mir zu gruselig.“
[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Netzecken-Rätsel: Grappa im Teppich?

Gestern, beim Wein kam – Ulrike hatte mal wieder sen-sa-tio-nell gekocht und Harald ein paar exquisite Fläschchen aufgemacht, vielen Dank – wie das Gespräch auf Sternstunden des Kino- und Fernseh-Trashs. Da fiel mir ein Film ein, den ich in den Kinderjahren der Nacktsender in den Anfängen des Privatfernsehens irgendwann spät in der Nacht bzw. eher früh am Morgen auf Sat1, RTL o.ä. gesehen habe. Es handelte sich um einen Billig-Agententhriller (vermutlich europäischen Ursprungs) aus den späten sechziger oder frühen siebziger Jahren. Den Protagonisten und den Plot habe ich komplett verdrängt, der Schurke des Films ist mir jedoch unvergesslich geblieben: der spielte nämlich die ganze Zeit mit einer elektrischen Eisenbahn. Und wenn er mal über etwas nachdenken musste, ließ er sich eine Flasche Grappa kommen, trank dieselbe auf ex und wickelte sich anschließend in einen Teppich ein.
Wenn die geschätzten Leserinnen und Leser jetzt ungläubig gucken, dann wissen sie, wie gestern Abend Harald, Ulrike und die geduldigste Gemahlin von allen geguckt haben, als ich von diesem Meisterwerk der Filmkunst erzählt habe.
Google und die IMDB haben mir nicht weiterhelfen können. Jetzt müssen’s die Netzecken-Leser wissen. Wer kennt den Titel des von mir beschriebenen Films? Diejenige oder denjenigen, der in den Kommentaren als erster den korrekten Filmtitel nennt, lade ich stadnesgemäß auf einen Grappa in die Teppichabteilung des KaDeWe ein!
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Splitterbrötchen (I)

Sonntags gibt’s manchmal Milchkaffee mit Splitterbrötchen zum Frühstück, ab sofort auch in der Netzecke. Schnipsel und Gedankensplitter, die sich über die letzten Tage und Wochen angesammelt haben.

Durch Kreuzberg 36 flanierend dachte ich plötzlich: „So ein sauberes, quietschbuntes Franchise-Fastfood-Restaurant würde eigentlich ganz gut hierher passen. Wäre mal ein netter Kontrast.“

Vor 10 Tagen, beim Finale Liverpool-Milan erschien plötzlich ein Insert, das uns darüber informierte, dass Steven Gerrard bis zu diesem Zeitpunkt exaktemang 8705 Meter gelaufen war. Super! Warum wird man eigentlich nicht mehr über die Netto-Spielzeit informiert? Das war mal eine Statistik!

Am wenigsten verzeihen einem die Menschen das, was sie einem selbst angetan haben.

Wenn ich heute eine bestimmte Sorte Blogs lese, mache ich eine Zeitreise. Dann sitze ich plötzlich in den späten siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts am Küchentisch einer Kreuzberger WG, bekomme einen Teller Spaghetti nach Admirals Art und ein Glas ungenießbaren preiswerten Rotwein rüber geschoben, und das Wort, das am häufigsten benutzt wird, ist „Kommerzkacke“.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

40 Jahre Sgt. Pepper

Wo wir gerade bei den Beatles sind… Heute vor vierzig Jahren wurde Sgt. Pepper veröffentlicht. In ein paar Tagen ist es dann vierzig Jahre her, dass ich die Platte zum ersten Mal hörte. Ich kann noch immer alle Lyrics auswendig.
Auf Youtube habe ich diese – leider nur vierzig Sekunden lange – Video-Perle gefunden. I hope you will enjoy the show.

[tags]Beatles, Sgt. Pepper[/tags]

Hört mal, ihr Fuzzies von Kabel Deutschland…

eben hat mich eine kreuzdämliche Trulla („Spreche ich mit Herrn Kurbjuhn, Christopher?“ – „Ja.“ – „Wunderbar, Herr Christopher!“) aus einem eurer Call-Center angerufen und folgenden bedeutungsvollen Dialog mit mir geführt:
„Sie zahlen doch 29,90 im Monat für Internet und Telefon. Und ich kann Ihnen ein Angebot machen, da zahlen Sie für Internet und Telefon und eine Telefonflatrate fürs Festnetz nur 19,90 Euro im Monat. Da sparen Sie 10 Euro im Monat! Was sagen Sie dazu?“ – „Das kenn ich aus ihrem Prospekt, das ist doch nur in den ersten 3 Monaten 10 Euro billiger, dann kostet’s 39,90 und ist zehn Euro teurer als mein derzeitiges Paket.“ – „Ja, aber bei meinem Angebot ist doch die Flatrate dabei. Ins ganze Festnetz der Deutschen Telekom!“ – „Und ich hab derzeit ein Paket mit 500 Freiminuten ins Festnetz für 2,99 im Monat, die hab ich aber noch nie abtelefoniert. Das ist immer noch billiger als ihre 39,90 Euro.“ – „Wieviel zahlen Sie denn jetzt im Monat?“ – „32 und ein paar zerquetschte. Für Telefon, Internet und 500 Freiminuten.“ – „Bei der Deutschen Telekom.“ – „Nein. Bei Ihnen. Ich bin seit einem Jahr Kunde BEI IHNEN!“ – „Sie wollen also nicht zehn Euro im Monat sparen?“
An dieser Stelle sah ich mich – meines Blutdrucks zuliebe – genötigt, dass Gespräch mit Eurer gehirnamputier mental stark herausgeforderten Mitarbeiterin abzubrechen.
Wenn ihr Möchtegern-Heuschrecken schon versuchen müßt, mich mit einer total plumpen Bauernfängerei dämlich über den Tisch zu ziehen, dann versucht es wenigstens mit einem Trick, der zumindest eine kleine geistige Herausforderung darstellt. Und mit einem Shyster, der einen IQ hat, der den einer Butterblume geringfügig übertrifft. Einen solchen Versuch wie eben betrachte ich als eine Beleidigung meiner Intelligenz.
Noch einmal und ich bin weg. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ihr das überhaupt versteht, ihr Butterblümchen.

[tags]Kabel Deutschland, Halsabschneider, Denk-Kräppel, Gehirnmissbrauch, Call-Center-Nutten, Marketingdeppen, Ungeheuer![/tags]

Mitten ins Herz

Wie leicht es sein kann, sich mit einer knackigen Headline und einem – zugegebenermaßen äußerst kenntnisreichen – Artikel in mein Fußballerherz zu schreiben, demonstriert heute Achim Achilles mit souveräner Leichtigkeit.

SPIEGEL Online: S04 – die Uschis vom Revier
Nie war es leichter, Meister zu werden als in dieser Saison. Das hätte Preußen Münster ja sogar fertig gebracht, mit der alten Truppe, mit Tybussek, Eiteljörge und Lulka. Doch Chancen nutzen, das tut man nicht bei Blau und Weiß. Lieber flennen.

Tybussek, Eiteljörge und Lulka. Titanen, die auf Erden wandelten.

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Potters Folgen

Gestern abend, beim Überqueren der Yorckstraße, lief mir ein kleines Mädchen vor die Füße. „Hermine!“, rief die streneg Mutter die kleine Rabaukin zur Ordnung. Hermine? Nochmal das Alter der Kleinen geschätzt, zu Hause das Erscheinungsjahr des ersten Bandes nachgeschlagen… passt. Offenbar eins der allerersten Potter-Opfer.

[tags]Potter, Hermine[/tags]