Splitterbrötchen (CCLXVII)

Kulinarischer Hit der Woche waren Ottolenghis Auberginen mit Safranjoghurt, deren Rezept die geschätzte Kaltmamsell geteilt hat. Wenn – aus unerfindlichen Gründen – etwas übrig bleibt: die Reste im Mixer mit etwas zusätzlichem Olivenöl pastos zerschraddeln. Gibt einen hinreißenden Dip bzw. Aufstrich.

Auf Twitter das Wort der Woche entdeckt: Flachdachleckortung.

Die Merkwürdigkeit der Woche leistete SPIEGEL-Online sich mit einem Artikel über einen angeblichen Restaurant-Tester. Mal abgesehen vom inakzeptablen sprachlichen Niveau des Texts: Wer nur ein bisschen Branchenkenntnis mitbringt, MUSS sofort große Zweifel an der Echtheit dieses Testers haben. Das ausgerechnet Journalisten einer SPIEGEL-Redaktion so etwas durchgewunken haben, lässt mich schaudern.

Seltsamerweise hat mir am Mittwoch der örtliche Einzelhandel Geld für Waren abverlangt, obwohl Fa. Vistaprint mir per Mail versichert hatte, dass heute in Berlin alles gratis wäre.

Sehnt sich eigentlich noch jemand außer mir nach dem legendären „SPIEGEL-Stil“ der 70er Jahre zurück?

 

Splitterbrötchen (CCLXVI)

Aufgeschnappt: Sächsisch ist die einzige Sprache der Welt, die für Gorgonzola und Gurkensalat das gleiche Wort verwendet.

Den Sprachunfall der Woche verursachte SPIEGEL-Online mit „geballte Straßenkredibilität“.

Um die Ecke hat ein neuer Asia-Lieferdienst eröffnet. Im Flyer wird „Ente Kross“ unter „Leichtes Essen“ einsortiert. Sympathisch.

Immerhin noch 59.400 Google-Ergebnisse: Das Wort „Zugehfrau“ lebt!

Global Noise Call warb mit dem Slogan „Sei lauter“. Fragte mich, ob das mit „Sei Lautern“ korrekt zu steigern wäre.

 

Splitterbrötchen (CCLXV)

Was genau ist eigentlich die „finale Staffel“ einer TV-Serie? Und wie unterscheidet sie sich von einer „letzten Staffel“?

Harald Schmidt bedient seit Jahren das gleiche Format, hat als Zielgruppe ausschließlich das Feuilleton und  darf unabhängig vom Erfolg beim Zuschauer arbeiten. Mit anderen Worten: der Mann ist das Stadttheater des Fernsehens.

Das man, wenn man eine Casting-Show gewinnt, lediglich Castingshow-Gewinner aber niemals ein Star wird, dürfte mittlerweile bekannt sein. Das erklärt auch das dauernde Geflenne in diesen Sendungen, wenn’s mal  eng wird. Die darstellenden Künstler, die ich kenne, die eine Show alleine schultern können, sind ausnahmslos „tough cookies“. Das müssen sie auch sein. Echte Stars weinen nur, wenn’s die Rolle erfordert.

Irgendwie seltsam: auf youtube sind nur Clips mit Glibert Becaud und Jean-Claude Pascal zu finden, in denen sie NICHT rauchen. Das find ich irgendwie merkwürdig, denn die einschlägigen Chanson-Sendungen der 70er Jahre, die ich erinnern kann, haben die Herren im Alleingang zugenebelt.

 

Splitterbrötchen (CCLXIV)

Kulinarische Sensation der Woche: Vanilleeis mit Olivenöl und etwas grobem Salz. Ich weiß, ist ein alter Hut, aber ich steck gelegentlich im Mustopf fest.

Fa. Reichelt-Edeka betrat diese Woche ein doch eher schmales Brett, als man annahm, dass die geduldigste Gemahlin und ich auf den Vorschlag, zwohundertachtundsiebzig Klebebildchen zu sammeln, freudig reagieren würden.

Man sollte zeitnah beginnen, die schnöde, unverfeinerte Salzkartoffel als Beilage zu ächten.

Was mich interessieren würde: Gibt es ein konkretes Ereignis und/oder einen bestimmten Termin, an dem die Banken sich entschlossen haben, zu Feinden zu werden?

Das Ereignis der Woche war für mich die Sprengung der Fliegerbombe in München. Falls sich jemand fragt, was mich Berliner diese Bombe interessiert: von 75 bis 78 hab ich in München studiert, und die „Schwabinger 7“, unter der die Bombe lag, war mein Stammlokal. Musste diese Woche viel an den Manila, den Heinz und natürlich den Ed denken. Vielleicht schreib ich bei Gelegenheit mal was über die Nächte damals.

 

Splitterbrötchen (CCLXIII)

Wunderbarer Tweet von Morgan Freeman: „I hate the word homophobia. It’s not a phobia. You are not scared. You are an asshole.“

Ein Post von Beckedahl bei netzpolitik.org hat im Netz einige Wellen gemacht: Es geht um die unterirdische Qualität der Kommentare in zahlreichen Portalen, vor allen Dingen denen, die sich mit Politik befassen. Das ist nichts neues, ich beschwere mich hier schon seit Jahren über die Leserbriefschreiber der von mir frequentierten Seiten wie Tagesspiegel.de, ZEIT-Online usw. Was mich jedoch nachhaltig ins Grübeln gebracht hat, war ein Artikel über Paywalls in osteuropäischen Staaten, bzw. dieser eine Satz daraus:  „Mit der Paywall hat sich die Qualität der Kommentare schlagartig verbessert.“
Bin ich der einzige, der über diesen Zusammenhang zwischen Niveau und Geldbeutel einigermaßen verdattert ist?

Österreichische Imbiss-Poesie: „Eine Eitrige mit Bugl und Blech!“ (Käsekrainer mit Semmel und Büchse Bier)

Was ich viel zu selten mache, obwohl’s ein ideales Gäste-Essen ist: Roastbeef. (Ja, ich hatte beim Lentsch in der Dankbarkeit eine wunderbare, rosa gebratene Schnitte Beiried auf dem Teller!)

Neuzugang in der Blogroll: Der Mut anderer.

Wenn jemand anders eine gute Idee hat, dann wäre ich doch blöd, wenn ich die nicht nähme.

Schöner Satz aus der Urlaubslektüre: „Kleiner Tipp meinerseits: für einen Aufstand sollte man immer die breite Masse auf seine Seite bringen.“ (Jonathan Stroud: Das Auge des Golem)

Und dann war da noch diese Fliege, der es tatsächlich gelang, bei der Landung auf meinem e-Book-Reader eine Seite umzublättern.

Splitterbrötchen (CCLXII)

Den Satz der Woche prägte die geduldigste, beste Gemahlin von allen: „Das ist ein unvergleichliches Geräusch, wenn in Podersdorf eine Sonnenbrille herunterfällt.“

Als Gott der Menschheit sehr zürnte, schuf er die Blasmusik.

Friede Springer hat Matthias Döpfner ein Aktienpaket im Wert von ca. 70 Millionen Euro geschenkt. Diese Schenkung, so hieß es in der Springerschen Verlautbarung, habe einen „privaten Hintergrund“. Wie habe ich mir diesen Hintedrgrund vorzustellen? „Nett von dir, dass du nach der Party noch ein bisschen geblieben bist und beim Aufräumen und Abwaschen geholfen hast. Hier, nimm dir ein paar Aktien…“?

Eine Vermutung, die diese Woche endgültig zur Gewissheit wurde: Ich kann das Wetter beeinflussen. Wenn ich z. B. Gegenwind erzeugen möchte, brauche ich mich nur auf einen Fahrradsattel zu setzen.

Man muss den Bürokraten das Abenteuer abtrotzen.

Schöner Satz in der Urlaubslektüre: „Freiheit ist eine Illusion, sie hat immer ihren Preis.“ (Jonathan Stroud: Das Amulett von Samarkand).

 

Splitterbrötchen (CCLXI)

Auch wenn’s ein Volksfest ist: Für die unwürdige Plörre, die im Festzelt als Zweigelt ausgeschenkt wird, sollte sich eine Weinbau-Gemeinde wie Gols in Grund und Boden schämen.

Gute Idee: Ingwer in den Teig der Vollkorn-Frühstücksbrötchen.

Kreativität ist nichts ohne Beharrungsvermögen.

Erhellender Satz in der Urlaubslektüre: „Er machte den Eindruck, als ginge er über Leichen, wie die meisten Afrikaner, die ja alle am Tropenkoller leiden.“ (Gustav Steinhauer: Ich war der Spion des Kaisers)

Kann sein, dass ich mich täusche, aber mir scheint, dass die Seewinkler Winzer den Welschriesling immer mehr auf Gefälligkeit trimmen. Die kernige Säure, wegen der ich ihn schätzen gelernt habe, scheint mir von Jahr zu Jahr weniger zu werden.

Ärgernis der Woche war die herablassende Arroganz, mit der große Teile des Feuilletons Hermann Hesses 50. Todestag kommentierten. Die Literatur-Hochnasen sehen Hesse als allenfalls mittelmäßig begabten Autor, gerade noch geeignet, um pubertierenden Jugendlichen bei der Sinnsuche behilflich zu sein. Liebe deutsche Schwerintellektuelle, das kriegt auch nur ihr fertig: über einen Autor die Nase zu rümpfen, weil (!) er auch noch fünfzig Jahre nach seinem Tod jugendliche Leser erreicht.

Splitterbrötchen (CCLX)

Ob das nicht „Sippenhaft“ wäre, fragen einige Journalisten angesichts der Abreise von Frau Drygalla. Und ob das nicht Privatsache sei, dass sie mutmaßlich einen Neonazi zum Freund hat. Nuja, da stellen wir uns doch einfach mal vor, ein junges Mädchen kommt mit Adolf Hitler am Arm nach Hause und bittet ihre Eltern, das Politische außen vor zu lassen. Privat wäre er ja ganz nett. Diese kleine Imagination sollte alle offenen Fragen beantworten.

Anders verhält es sich mit Herrschaften, die banale, der Lebenserhaltung dienende  Tätigkeiten des Alltags wie Einkaufen oder Essen zu politischen Taten raufstilisieren möchten. Eine solche Einstellung legt die Latte für erfolgreiches politisches Engagement auf eine erstaunlich niedrige Höhe.  Und postuliert gleichzeitig, dass ein gehobenes Einkommen und ausreichend freie Zeit (beides notwendig für die Beschaffungpolitisch korrdekter Lebensmittel) Grundvoraussetzungen für politisches Handeln sind.

Weiters: Wie sind Politiker zu beurteilen, die wirklich etwas bewegt haben, jedoch ihren Einkaufswagen politisch unkorrekt befüllten? Müssen wir unsere Meinung z. B. über Mathma Gandhi revidieren, wenn wir erfahren sollten 1, dass der Mann gerne an die Stopfleber ging, wenn niemand guckte?

Wobei der Einkaufskorb von Frau Merkel sehr sympathisch sein dürfte. ICh bin ihr schon des öfteren in den Galeries Lafayette begegnet, die Dame weiß, was gut ist.

Abschließend die Erkenntnis der Woche: Ich kenne tatsächlich niemanden, der Sir Michael Caine nicht mag.

  1. Wass Gott verhüten möge!

Splitterbrötchen (CCLIX)

Nach der Premiere vom „Olympia-Express“ Komplimente bekommen, Bier-Tycoon Heinrich von Hopfenberg sei ja wohl die „Rolle meines Lebens“. Aha. Engstirnig, stur, prüde, egomanisch und quengelig. Das kann ich also.

Die Kombination aus Pathos und tongue-in-cheek kriegt keiner so gut hin wie die Briten. Ganz, ganz tolle Eröffnungsfeier.

Was mir jedoch anhaltendes Nachdenken beschert: Paul McCartney’s Äußeres. Hat der Kerl irgendwie begnadete Gene, beschäftigt er eine Horde Chirurgen und Kosmetiker, oder hat doch irgendwann ein Double übernommen?

Das einzige, was Drohgebärden gegen Griechenland oder Spanien oder sonstwen bewirken: Sie entlarven diejenigen, die sie ausstoßen, als Anti-Europäer. Man droht niemandem, mit dem man als gleichberechtigter Partner zusammenarbeiten möchte.

Splitterbrötchen (CCLVIII)

Die Empörung der Woche betraf die Fernsteuerung der Politik durch die Wirtschaft am Beispiel des Herrn Mappus. Überraschend ist nicht das „was“ sondern nur das „wie“. Ist Herr Mappus wirklich so doof, dass er derart ausführliche Regieanweisungen benötigt?

Eine höchst angenehme Sendung: „Nicht nachmachen“, freitagabendlich im ZDF.

Fortschritt und Zivilisation – auch diese Güter sind nur zu einem hohen Preis zu haben.

Ein gutes Gedächtnis kann beides sein: Vorteil und Nachteil.

„Dying is Easy, comedy is hard“, soll angeblich Edmund Kean auf dem Totenbett gesagt haben. Solche Totenbett-Zitate sind zwar meist erfunden, aber: Auch wenn Kean es nicht gesagt haben sollte, er hätte trotzdem recht.

Nur noch eine knappe Woche bis zur Premiere des „Olympia Express„.  Ich werd jetzt doch langsam nerviös.