Splitterbrötchen (CXCV)

Nur etwas googlen, etwas downloaden, etwas uploaden, etwas aktivieren und ich verfüge in der Netzecke über ganz neue Möglichkeiten1. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Wir leben in einer großen Zeit!

Diese Woche, im Supermarkt: „Möchten sie die Treueherzen2?“ – „Nein, danke. Aus dem Lego-Alter bin ich raus.“ – „Aber vielleicht für die Enkel…“ Autsch.

Rechtsstaat hat etwas mit dem Festhalten an Grundsätzen zu tun, nicht mit der Freude darüber, dass andere die mal eben schnell über den Haufen werfen.

Irritierende Beobachtung: Professionelle Trauerredner scheinen gern darauf hinzuweisen, dass der oder die Verstorbene gern gebastelt habe. Sollte das nach meinem Ableben jemand von mir behaupten, bitte ich, dem Betreffenden eine runter zu hauen.

 

  1. Fußnoten!
  2. Bei Kaiser’s gibt es pro 5 Euro, die man ausgibt, ein Treueherz. Die Dinger kann man sammeln, und dann rabattiert irgendeinen Ramsch kaufen. Zur Zeit sind’s Legosteine.

Splitterbrötchen (CXCIV)

Wie jetzt? BILD veröffentlicht die Liste der peinlichsten deutschen Adeligen, und Prinz Fréderic von Anhalt landet nur auf Platz 7? Total gemein! Das dürfen Hoheit nicht auf sich sitzen lassen!

„Bestellsoftware hier gratis erhältlich“ – die Großzügigkeit von Fa. Bertelsmann lässt mich erschaudern.

Auch wenn Herr Knipphals von der taz das möglicherweise nur schrieb, um zu provozieren: Der Satz „Ironie kann jeder.“ ist die Dummbeutelei der Woche. Mindestens der Woche.

Das war zu erwarten: Menschen, die ihr Lokal „Baku-Napoli (italienische und internationale Spezialitäten)“ nennen, glauben auch, dass „Biergarten im Restaurant“ eine sinnreiche Information ist.

 

 

Splitterbrötchen (CXCIII)

Da kommt man ins Büro und der Router tut so, als wäre er nicht da. Anderthalb Stunden frickelt man rum, probiert dies, probiert das, nix da, der Router blinkt, bleibt aber verschwunden. Und plötzlich, zack!, ist er wieder da. Als wäre nix gewesen. Soll ich mich jetzt freuen, dass er wieder da ist, oder soll ich ihn wegen der vergeudeten Lebenszeit verfluchen?

Diese Woche mal Tee mit und ohne vorgewärmte Kanne zubereitet. Der Tee in der vorgewärmten Kanne schmeckte deutlich aromatischer. Gibt es dafür eigentlich eine begreifbare Erklärung?

Thomas Wark hat beim Clásico richtig gerockt: „Sie rücken nicht mehr nach! Sie hinterlassen Löcher!“

Splitterbrötchen (CXCII)

Clemens Tönnies sieht immer mehr aus wie der junge Helmut Kohl. Vielleicht sollte er einen Arzt aufsuchen.

Diese Woche angespargelt und nachgespargelt. Ab nächster Woche wird durchgespargelt.

Immer öfter liest man als Berufsbezeichnung „Buchautor“. Wodurch unterscheidet sich ein Buchautor von einem Schriftsteller?

Seit ich vor ca. einer Woche nach einer bestimmten Sorte italienischen Olivenöls gegooglet habe, verfolgt mich die Werbung eines Internet-Gourmet-Shops auf allen Webseiten, die ich besuche. Natürlich ist derartiges „Ad-Stalking“ die sicherste Methode, mich NICHT als Kunden zu gewinnen. Hallo, ihr aufdringlichen Trottel von gourmondo: Eh ich bei euch einkaufe, verhungere ich lieber.

Splitterbrötchen (CXCI)

Spruch der Woche: May the bridges I burn light the way.

Zwomal in dieser Woche hat Firma Groupon mein Leben bereichert: zum einen mit der brillanten Abseitigkeit „foodmarkt der unendlichen Möglichkeiten“, zum anderen mit der Vorlage zum Verleser des Jahres, der mir bei dem Wort „Schiess-Simulator“ unterlief.

Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich Buchhändler (!), die hartnäckig darauf  beharren (!), dass es „Rezession“ und nicht Rezension heißt.

Nach der van-Gaal-Entlassung habe ich nur noch einen Wunsch: Dass die Saison möglichst schnell vorüber geht.

Splitterbrötchen (CXC)

Warum nimmt man Erdöl nicht als Medikament in der Psychiatrie? Bereits wenige Barrel machen aus einem vollfetten Irren einen liebenswerten Exzentriker.

In einem Info-Brief spricht die Commerzbank Privatkunden, Geschäftskunden und „Wealth-Management-Kunden“ an. Leute, die sich so titulieren lassen,sind entweder borniert oder vollkommen blöde oder beides.

Wenn man sich die immer unerträglicher werdenden Kommentare auf zeit.de oder tagesspiegel.de (die reflexhaft ihren immergleichen Krawall herauspöbelten Engstirner scheinen die Verlagsgruppe Holtzbrinck zu bevorzugen) anschaut, ist man dankbar für jeden Leserbrief, der nicht geschrieben wird.

Splitterbrötchen (CLXXXIX)

Bisher war uns der Erfolg von Justin Bieber durchaus rätselhaft. Deshalb bedanken wir uns bei Udo Jürgens, der uns  mit Songtexten wie
“Die Welt ist eine Google
da bleibt gar nichts mehr geheim
ob Wohnung, Haus, ob Garten
jeder schaut da rein“
dessen Popularität erklärt. Dem jungen Mann werden die Fans also von maulenden Greisen geradezu in die Arme getrieben.

Da  recherchiert man akribisch alle ruder- und streckentaktischen Finessen im Vorfeld vom Boatrace Oxford-Cambridge, ist top-präpariert, und dann rudern die einen ganz einfach schneller als die anderen.

Béla Rèthy kennt sich mit harten Nüssen aus: „Es dauert lange, bis man kasachische Mannschaften knackt.“

Alle Welt beklagt sich über lügende Politiker. Dann steuert einer wie Brüderle mannhaft dagegen, äußert sich mit brutalstmöglicher Ehrlichkeit, und dann ist es auch nicht recht. Da versteht man, dass manche Politiker resignieren und korrupt werden.

Splitterbrötchen (CLXXXVIII)

Die Menschen sorgen sich wegen der Strahlengefahr. Sushi essen sie schon jetzt nicht mehr, bald kaufen Sie keine Toyotas mehr und werfen die Mangas weg, nur um auf der sicheren Seite zu sein. Und wenn der Herrgott doch mal Hirn vom Himmel schmeißt, weichen sie geschmeidig aus, damit sie nicht getroffen werden.

Anfang der Woche dachte ich, es wären nur die durchknallenden Wurstfabrikanten, die ihren Wahnsinn in den Fußball tragen.  Jetzt haben sich aber überraschend die Automacher dazu gesellt. Wo soll das alles enden?

Man sollte das nicht mehr „Boxen“ nennen. „Vitali Klitschkos Faustkampf-Stadl“ wäre treffender.

Während ich dies schreibe, sehe ich einen Japan-Live-Ticker, einen Lybien-Live-Ticker und einen Klitschko-Live-Ticker. Vor soviel Aktualität kann man nur in die Knie gehen.

Splitterbrötchen (CLXXXVII)

Sarkozy könnte mit einem Schlag zum weltweit beliebtesten Politiker werden, wenn er die Pariser Gastronomie an die Kandare nimmt und endlich einen realistischen Bierpreis durchsetzt. 10 Euro für den Halben ist peinlicher Nepp, sonst nichts.

Man kann nur hoffen, das Colin Firth genug Geld beisammen hat, um sich zur Ruhe setzen zu können. Was will der Mann nach dieser sternstündigen Meisterleistung denn noch spielen?

Und Frau Merkel tut mal wieder so, als würde sie die Sorgen der Bürger ernst nehmen, will die deutschen KKWs checken lassen und irgendwann wird sie behaupten, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und den Fall als erledigt betrachten. Diese Dame ist das mit Abstand schlechteste Regierungsoberhaupt, das wir jemals hatten. Man sehnt sich tatsächlich beinahe nach einer Charaktermaske wie Kiesinger zurück.

Splitterbrötchen (CLXXXVI)

Keine Ahnung von Orthografie, die Wittenberger. Schreiben „Kranich“ mit C und zwomal a. Wie kann man nur.

Die Trash-Entdeckung der Woche verdanke ich Carsten Sohn, der mich auf „Es ist Mitternacht, John“ aufmerksam machte, eine  wahrlich atemberaubende Sprechgesang-CD von Dieter Thomas Heck. Eine Art Crossover von Johnny Hill und Europa-Kinder-Hörspiel. Etwas für fortgeschrittene Musikfreunde.

Die Dummbeutelei der Woche kommt aus einem Spammer-Laden namens „Havanna Lounge“: „Profitieren Sie von unserem perfekt aufeinander abgestimmten Entertainent Konzept!“

Und auch wenn’s jetzt mal nicht so läuft: Van Gaal ist der beste Bayern-Trainer seit langer, langer Zeit. Es wäre Unfug, plötzlich alles in Frage zu stellen.ManU ist ManU geworden, weil man Alex Ferguson über Jahrzehnte hinweg hat machen lassen. Barca ist Barca geworden, weil man über Jahrzehnte hinweg eine Philosophie implementierte. Van Gaal muss bleiben.