Splitterbrötchen (CLXXIX)

Dass viele Menschen hierzulande es nicht ertragen, wenn jemand anderer Meinung ist als sie, ist ein kleines Problem. Dass viele Menschen hierzulande nicht in der Lage sind, anderen zuzuhören, ist ebenfalls ein recht kleines Problem. Menschen, die mit beiden kleinen Problemen zu kämpfen haben, werden allerdings rasch zu einem großen.

Wo sind eigentlich die Spammer mit den schwer originellen Namen geblieben?

Von lieben Freunden geschenkt bekommen: ein Schild mit der Aufschrift „Alles nochmal Menü passieren lassen“.

Heute findet in Berlin ein Bürgerentscheid statt, in dem es um die Zukunft der Wölffer-Bühnen am Kurfürstendamm geht. Abstimmen dürfen nur die Charlottenburger. Versteh ich wirklich nicht, die Zukunft eines Theaters betrifft die ganze Stadt.

Splitterbrötchen (CLXXVIII)

Rache ist ein Zeitvertreib für Menschen, die viel Zeit haben.

Ich verstehe die Aufregung um Frau Lötzsch nicht. Sie hat lediglich gesagt, dass sie sich auf den Weg zum Kommunismus machen möchte. Niemand ist gezwungen mit zu gehen, und in der Tat sollte man sich auch gut überlegen, ob man sich ihr anschließen möchte. In derart kleinen Wandergruppen kommt es meistens schnell zum Streit.

Wenn Frank-Walter Steinmeier das Wort ergreift, will er grundsätzlich Verwirrung stiften. Anders lassen sich Sätze wie „Freiheit braucht den Mut, zu sagen, was ist.“ nicht erklären.

Jetzt weiß ich. warum man keine Spam-Mails lesen soll. Seit ich eine Nachricht von „Unverbindliche Kreditanf.“ gelesen habe, rätsele ich zwanghaft darüber nach,  was um Himmelswillen „schufa-freies Geld“ sein könnte.

Splitterbrötchen (CLXXVII)

Bei der ARD scheint man „Prekariat“ gegooglet und herausgefunden haben, dass die kulturell interessierte Zuschauergruppe mittlerweile mehrheitlich Schichtarbeit verrichtet. Anders lassen sich die Sendezeiten interessanter Filme (aktuell z. B. die „Yorkshire Killer“-Triloge, alle Filme beginnen um 23 Uhr 30) nicht mehr erklären.

Irgendwie erstaunlich: die Deutschen machen wesentlich besseres Bier als die Briten, die Briten dafür die wesentlich bessere Bier-Werbung.

Ich scheue mich ein wenig, bereits am 2. Januar den größtmöglichen Unfug des Jahres 2011 auszurufen, aber das, was Annette Kögel im Tagesspiegel zum neuerlichen Berliner S-Bahn-Versagen schrieb, dürfte auch mit 363 Tagen Zeit zum Nachdenken schwer zu toppen unterbieten sein: „Wir müssen uns mit der Erkenntnis arrangieren, dass Technik eben fehlbar und die Natur unberechenbar ist.“ Gnä Frau, kann ja sein dass sie zu oft „Men in Black“ gesehen haben und daher geblitzdingst wurden, aber: Winter kommt immer zur gleichen Zeit im Jahr, und Technik, die funktioniert, war vor recht kurzer Zeit noch das Markenzeichen, dass dieses Land zu einer führenden Industrienation gemacht hat.

Splitterbrötchen (CLXXVI)

Eine der größten schauspielerischen Leistungen des Weltfilms liefert Alec Guinness in “Der kleine Lord“ ab. Wie er es schafft, unzählige Szenen mit dieser unerträglich auf niedlich getrimmten blondierten Kackbratze zu spielen, ohne ein einziges Mal in seinen Zylinder zu reihern, ist bewunderungswürdig.

Auf den eingeschneiten Flughäfen sollen Clowns eingesetzt werden, um die seit mehreren Tagen dort gestrandeten Fluggäste zu beruhigen und zu erheitern. Sollte ich in eine derartige Lage geraten und mit einem Clown konfrontiert werden, der z B. versucht, mir einen Pingpong-Ball aus dem Ohr zu zaubern, würde ich dem Kerl ansatzlos auf die Zwölf geben. Immerhin, möglicherweise wäre ich hinterher tatsächlich etwas ruhiger.

Man merkt, dass man alt wird, wenn einen die Friseurin nicht mehr fragt, ob sie Gel in die Haare schmieren soll.

Splitterbrötchen (CLXXV)

Neulich sah ich auf der Theaterbühne einen Herrn, der dauernd aus einer Rolle fiel, die er gar nicht spielte.

Schon bei „Männer unter sich“ angemerkt: Männer, die ihre Frauen mit in sehr gefährliche Gegenden nehmen, ohne dazu gezwungen zu sein, sind mir höchst unsympathisch.

Seit Helmut Schmidts Auftritt bei Sandra Maischberger muss der Duden das Wort „abmeiern“ durch „abschmidten“ ersetzen.

Immer wieder schön: Italienische Wirte, die dieses possierlich dahergeradebrechte Italo-Gastro-Kauderwelsch kultivieren, obwohl sie seit dreißig Jahren hier leben und vermutlich besser deutsch können als ich.

Splitterbrötchen (CLXXIV)

Ein älterer Spruch, ich hörte ihn aber diese Woche zum ersten Mal: „Ich koche immer mit Wein. Manchmal tu ich ihn sogar ans Essen.“

Zwei kulinarische Sensationen:  Grünkohl mit Chorizo und scharfem Paprikapulver zubereitet ist der Hammer überhaupt, und die Tante-Manni-Gans nach Stevan Paul wird meine neue Standard-Zubereitung. Wenn ich die geduldigste Gemahlin von allen und die jährlichen Gänse-Gäste davon überzeugen kann, dass es zum Gänseglück keine Füllung braucht.

Erschrocken habe ich mich, als ich auf der freitäglichen Nachruf-Seite im Tagesspiegel lesen musste, dass Helma Fehrmann vom Theater Rote Grütze gestorben ist. Als ich dann ein wenig googelte, wurde ich richtig sauer: sie  ist schon vor fast einem halben Jahr gestorben, den einzigen weiteren Nachruf entdeckte ich beim Theaterhaus Stuttgart. Dass der Tod einer Frau, die mit ihrem Werk vermutlich mehr Menschen für das Theater begeistert hat als die derzeit gefeierte Regie-Heroen-Riege zusammen, dem deutschen Feuilleton keine Zeile wert war, ist schlichtweg zum Kotzen.

Splitterbrötchen (CLXXIII)

Mit der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Katar ist das Ende der Satire als Kunstform erreicht. Die bizarre Realität der FIFA ist ihre eigene Parodie geworden, die Wirklichkeit schlägt die Kunst mit souveräner Mühelosigkeit.

Erstaunlich, wie gut Grünkohl mit Paprika harmoniert.

Der eigentliche Wikileaks-Skandal besteht darin, dass der Dilettant Assange nicht in der Lage ist, vorzulegen, was uns wirklich interessiert: FIFA-Interna.

Ich bin auf dem Weg zum dirty old man. Jedesmal, wenn bei Geißlers Schlichterei ein Satz wie „Beide Seiten müssen sich bewegen.“ fiel, assoziierte ich ausschließlich Zweideutiges.

Als ARD-Mann Dexne eine deutsche Biathletin mit „ÃŒch fühle mich sicher am Schießstand, ich brauche mein Gewehr nicht.“ zitierte, wurde mir schlagartig klar, dass unsere durchwachsenen Ergebnisse in dieser Sportart vermutlich auf eine grundlegende Fehleinschätzung zurückzuführen sind.

Splitterbrötchen (CLXXII)

Nach Innensenator Körtings Aufforderung, „seltsame Nachbarn“ als potentielle Terroristen zu melden, hab ich mich zum ersten Mal seit dem Abitur in die Schule zurückgesehnt. Wäre damals in den siebziger Jahren eine derartige Aufforderung ergangen, hätte ich keine Sekunde gezögert, die Eschweger Polizeiwache aufzusuchen und das gesamte Kollegium der Friedrich-Wilhelm-Schule als „seltsam“ und damit verdächtig zu melden.

Wieso denken beinahe alle Journalisten, dass das peinliche Gezerre bei Dumont Schauberg für ihre Leser von Interesse ist?

Ich kenne kein dämlicheres Wort als „Shopping-Event“.

Splitterbrötchen (CLXXI)

Die Verwarnung der Woche geht an Sandra Maischberger: Zu einem esoterischen Thema talken und Nina Hagen nicht einladen? Das geht gar nicht, gnä‘ Frau!

Immer wieder begeisternd: Die epost-Newsletter der Post. Diese Woche wurde mir der Unterschied zwischen epost-Brief und E-Mail erklärt. Endlich herrscht Klarheit!

Nach Jahren der Tagesspiegel-Lektüre mal wieder einen Leserbrief geschrieben. Ich hätte mich besser im Griff haben sollen.

Splitterbrötchen (CLXX)

Kleine Geister geben größeren immer gern den Laufpass. Besonders freudig tun sie’s, wenn sie dadurch sich selbst großen Schaden zufügen können.

Wenn man sie wieder sieht, sind alte TV-Serien manchmal nur noch halb so lustig wie früher. Meistens ist das immer noch ziemlich komisch.

Einen halben Tag lang vergeblich über einen funktionierenden Kalauer gesonnen, der „zum Verweilen einladende Parkbänke“ mit „hohen Ladezeiten“ in Verbindung setzt. War wohl doch eine Scheiß-Idee.