Splitterbrötchen (CXXIV)

Mann der Woche ist Tiger Woods. Ich wusste gar nicht, was für eine aufregende Sportart er betreibt.

Den Beruf der Woche ist „Cocktailkellnerin“. Wenn man es in dieser rasant fortschreitenden Welt zu etwas bringen will, muss man sich spezialisieren.

Die Formulierung der Woche gelang der BILD, in dem sie den Mann der Woche als „Schniedel“ Woods bezeichnete.

Und die Innovation der Woche erfand Mrs. Woods bzw. ihre Anwälte: Sich im Ehevertrag eine „Bleibeprämie“ auszubedingen ist im wahrsten Sinne des Wortes herzallerliebst.

Splitterbrötchen (CXXIII)

Erstaunlich, was für große Hallen Atze Schröder ohne jegliches Timing füllen kann.

Das Weinerlebnis der Woche: Ein an der Mosel abgefüllter Riesling aus der Pfalz, der noch nicht mal entfernt nach Riesling geschmeckt hat. Eine önologische Meisterleistung.

Alles, was vom „Baader-Meinhof-Komplex“ hängenbleibt: Unglaublich, was damals gequalmt wurde.

Den Slogan der Woche schuf RTL II: „„Wunschkinder – die Dokusoap über Paare, deren Wille stärker ist als die Natur“

Verbrecher und Politiker haben eines gemeinsam: Sie glauben fest daran, dass sie nicht erwischt werden.

Splitterbrötchen (CXXII)

Wer zwingt Wettbüros eigentlich, bizarre, unkontrollierbare Wetten – z. B. auf den Zeitpunkt von Freistößen, die in Sechstliga-Spielen in einem fernen Land verhängt werden – überhaupt anzunehmen?

Beim Wiederansehen von „Deutschland im Herbst“: Einen Menschen wie Rainer Werner Faßbinder würde man heutzutage keinen einzigen Film mehr drehen lassen. Sogar für einen Container-Auftritt wäre er den zuständigen Redakteuren zu mutig.

Heidi Klum hat also Seals Namen angenommen. Ab sofort heißt sie dann wohl Seal Klum.

Nochmal 1977:  die  „klammheimliche Freude“ haben damals m. E. nur Idioten empfinden können. Ich erinnere mich nur an ohnmächtige Wut und Hilflosigkeit.

Splitterbrötchen (CXX)

Nach zwei magenverstimmten Tagen mit Weißbrot und Kamillentee riechen altes Frittenfett und versalzene Pommes wie das reine Manna.

Der Satz „Mir ist egal, was die anderen sagen“ wird immer von der Ursache des Problems ausgesprochen.

Auffällig 20 Jahre nach dem Fall der Mauer: Wie groß und allgegenwärtig ausgerechnet in diesem Land die Angst vor Veränderung ist.

Splitterbrötchen (CXIX)

Das Produkt der Woche entdeckte ich in einem Netto-Supermarkt: „Frische Kräuter aus der Tube“. Ist es die Größe einer solchen Erfindung, die mich sprachlos macht, oder die Chuzpe der Behauptung, dass sich in einer versiegelten Tube in einem Supermarkt-Regal etwas Frisches befindet?

Spam-Betreff der Woche war „Herr Kurbjuhn, Ihre Ausreise wurde bewilligt“

Der Facebook-Kleinanzeigen-Text des Monats war „Brausen Sie Heiße Mädchen online!“

„Cisco Pike“ könnte man sich mal wieder angucken. Wenn es ihn denn hierzulande auf DVD gäbe.

Splitterbrötchen (CXVIII)

Warum sind eigentlich manche Holland-Gurken in Folie eingeschweißt, andere wiederum nicht? Dan Brown, übernehmen Sie!

Der Spam-Betreff der Woche war „Edelste Acrylglasplatte für Sie, Herr Kurbjuhn!“

Kann es wirklich sein, dass viele Menschen Ideenlosigkeit und Beharrungsvermögen  mit Verlässlichkeit verwechseln und als positive Merkmale ansehen?

Wieso ist das Kalbskotelett eigentlich so selten auf den Speisekarten zu finden? Hier in Berlin fällt mir ad hoc kein (!) Restaurant ein, wo man es bestellen könnte. Sieht’s woanders anders aus?

Splitterbrötchen (CXVII)

Diese Woche auf Speisekarten gesichtet und auf die To-Do-Liste gesetzt: Kabeljau mit Maronen-Sauce, Tintenfischtuben mit Kürbis gefüllt.

Erstaunlich ist nicht die Tatsache, dass Regierung, Beamte und (unter anderem) die Mitarbeiter des für die Impfstoffzulassung zuständigen Instituts sich einen eigenen Impfstoff gegen die Schweinegrippe gönnen. Erstaunlich ist die Unverfrorenheit, mit der das zugegeben wird.

Seit einigen Tagen findet man in jeder Tagesspiegelausgabe auf der letzten Seite ein – nicht als Anzeige gekennzeichnetes – farbiges Logo, in dem die Zeichenketten „IFRA“, „AMA“ und „2009“ zu finden sind, sonst nichts. Wenn man Google mit diesen Begriffen füttert, kommt man auf die Seite einer „worldwide research and service organisation for the news publishing industry“. Dort steht eine Meldung über einen E-Book-Reader vom 6. Mai dieses Jahres. Die Welt ist voller Rätsel.

Splitterbrötchen (CXVI)

Unter anderem durch das Internet hat der Begriff „Basisarbeit“ eine vollkommen neue Dimension bekommen. Zu schade, dass ausgerechnet die neue Führungsspitze der SPD das noch nicht gemerkt hat.

Man muss nur laut sein, wenn man unrecht hat.

Und genau deshalb müssen wir das Urheberrecht vor denjenigen schützen, die es am lautesten verteidigen.

Geflissentlich rapportiert die Berliner Presse alles, was Jugendliche hierorts treiben: Alcopop-Party auf dem Spielplatz, besoffen auf dem Schulklo, Prügel auf dem Pausenhof. Da frage ich mich, was wir vor vierzig Jahren alles angestellt hätten, wenn man seinerzeit mit jedem Scheißdreck in die Werra-Rundschau gekommen wäre.

Splitterbrötchen (CXV)

Für die bizarrste Schlagzeile der letzten Wochen ist die Lübbecker Kreiszeitung zu loben: „Rheinländer des Herzens jagt Ganoven aus Herford“

Wenn man gar nichts kann, kann man immer noch versuchen, diese Fähigkeit möglichst teuer zu verkaufen.

ARD-Oberpropeller Peter Boudgoust sagte: „Der Fernsehlegende Frank Elstner folgt der kesse Entertainer Guido Cantz.“ Wie schön, dass das Wort „kess“ bei der ARD eine Alterszuflucht gefunden hat.

Zur Zeit regt man sich mal wieder gern über aus dem Zusammenhang gerissene Äußerungen auf. Es wäre wesentlich sinnvoller, sich über diejenigen aufzuregen, die Äußerungen aus dem Zusammenhang reißen, um sich darüber aufregen zu können.