Splitterbrötchen (XIIIC)

Mit dem, was Krankenkassen alles nicht bezahlen, ließe sich vermutlich das Defizit des Staatshaushalts ausgleichen.

An alle, die gerade über eine „Interessenvertretung für Blogger“ nachdenken: jemand, der sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht durchsetzen kann, wird es auch mit einer Interessenvertretung nicht schaffen. Eine gemeinsame Interessenvertretung kann nur eines effektiv leisten: ein Niveau vorgeben, das auch das  schwächste Mitglied, dessen Interessen vertreten werden sollen, erreichen kann. Interessenvertretungen müssen finanziert werden. Und das funktioniert ausschließlich zu Lasten derer, deren Interessen vertreten werden sollen.

Kochrezepte sind zweitrangig. In erster Linie bestimmt die Qualität der Zutaten die Qualität der Mahlzeit.

Eine kurze Nachricht an die Person, die mit der Suchanfrage „wie gulasch stundenlang kochen“ in die Netzecke  geraten ist: Einfach den Herd nicht ausschalten!

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Splitterbrötchen (XIIC)

„Ich empfand seine Gegenwart wie die eines Tomatenhäutchens, dass sich schmerzhaft und unerreichbar zwischen den hintersten Backenzähnen festgesetzt hat.“ Dieser Satz ist mir letzte Woche eingefallen, überraschenderweise, nachdem ich einen Salat verzehrt hatte. Was nun? Soll ich diese Formulierung tatsächlich in einem meiner Projekte verwenden oder mich doch lieber in die Ecke setzen und das Ende des literarischen Anfalls abwarten?

Die Meldung der Woche hat dpa herausgetickert: „Schriftsteller Martin Walser fällt zu der aktuellen Wirtschaftskrise nur ein Wort ein: grotesk.“ In echt? Ein Wort? Einem Schriftsteller?

Das Erstaunen der Woche überfiel mich bei Pilawa: Bemerkenswert, wie defensiv Sigmar Solbach altert!

Boris Beckers jüngste Aktivitäten (Meyer-Wölden, Raab-Poker, Wetten Dass, Schlag den Star) interpretiere ich als ungewöhnlich engagierte Bewerbung für die Teilnahme am nächsten Dschungelcamp. Die Frage ist nur, ob er den Carlo-Thränhardt-Part oder die Werner-Böhm-Rolle anstrebt.

Was schön wäre: Wenn endlich jemand die Lücke füllen würde, die David Niven’s Tod gerissen hat.

Wenn ich zwischen „Bonanza“ und „Big Valley“ wählen müsste, würde ich mich für „High Chaparral“ entscheiden.

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Splitterbrötchen (XIC)

Das Wort der Woche kreierte Fa. Facebook. Die wollte mich dazu bringen, ihre „einfachen Einladungswerkzeuge“ zu benutzen.

Idee für ein spektakuläres Moby-Dick-Remake: Ahab ist ein gescheiterter Comedian, dessen Familie von einem weißen Wal getötet wurde, der einen Witz Ahabs nicht verstanden hatte. Ahab hat ein schlechtes Gewissen, weil er die Pointe versaut hatte, und deshalb sucht er jetzt den Wal auf allen Weltmeeren, um ihm den Witz noch einmal zu erzählen. Selbstverständlich versucht der weiße Wal mit allen Mitteln, sich Ahabs Zugriff zu entziehen. Mit Mario Barth als Ahab, Matthias Richling als Ishmael und Dieter Hildebrand als Queequeg.

Meine persönliche Wirtschaftstheorie unterscheidet zwei Sorten von Unternehmern: solche, die Geld verdienen, und solche, die Risiko-Kapital ausgeben.

Griffige Erklärung komplexer Mechanismen der Unterhaltungsindustrie durch eine Headline im Tagesspiegel-Wirtschaftsteil: „Produzenten leben von Kinoerfolgen“

Aus der Werbung: „Rolando Villazón singt die schönsten Arien von Händel. Das neue Album jetzt im Handel.“ Da hätte man mehr daraus machen können. Wo bleibt die Kreativität der Agenturen?

Und als ich am Sonnabend glaubte, die Woche wäre bereits gelaufen, versetzte mich ein Newsletter der SPD in geradezu rauschhafte Verzückung: „Nach der Finanzkrise müssen die Weichen bereits gestellt sein, um das Soziale und das Demokratische zu stärken. Weitgehend ungeregelte Märkte darf es nicht mehr geben. Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt stehen und der Primat der Politik muss gesichertwerden.“ Wo kann ich spenden, um diesem Primaten eine Heimstatt zu sichern?

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Splitterbrötchen (XC)

Immer öfter zu sehen: Menschen, die gleichzeitig mit zwei Mobiltelefonen hantieren.

Ein kleines großes Wunder: Dass der Inhaber des ausgezeichneten Pariser Restaurants „Chez Gladines“,  vor dem jeden Abend die Menschen Schlange stehen, die Preise immer noch nicht erhöht hat.

Mittlerweile gibt es sehr viele Dinge, die ich nicht mehr verstehen will. Ist das noch Individualismus oder schon Altersstarrsinn?

Die größte Sehenswürdigkeit  des diesjährigen Paris-Besuchs: Ein Buffet für die Serviettenringe der Stammgäste im Traditionsrestaurant Polidor.

Und ein Tipp, der in allen Paris-Reiseführern fehlt: Wenn man auf den Arc de Triomphe steigen will (282) Stufen, dann tue man das am letzten Tag des Aufenthalts. Die unausweichlichen Knallwaden pflegt man lieber zu Hause, anstatt mit ihnen das Pariser Pflaster platt zu treten.

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Splitterbrötchen (LXXXIX)

Die Ein-Wort-Alliteration der Woche schuf Restaurant Karl-Albert-Bad, Bad Löbau: „Buschbohnenbündchen“.

Der schwachsinnigste Claim der Woche gelang Fa. Lieken Urkorn: „Außergewöhnlich gutes Brot erkennt man am Geschmack.“ Herzlichen Dank! Wär ich von alleine nicht drauf gekommen.

Die Kleinanzeige der Woche war auf Facebook zu sehen: „Vergleichen Sie Putzfrauen aus Ihre Nähe – absolut kostenlos!“

Den brill-i-an-tes-ten Mail-Betreff der Woche verdanke ich Fa. UCI-Kinowelt: „Hallo Chris Kurbjuhn – Werden Sie Teil der Superhelden-Liga“

Und das Zitat der Woche lieferte Uli Hoeneß: „Wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken, verlieren wir eventuell auch noch unsere anderen Ziele aus dem Blickwinkel.“

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Splitterbrötchen (LXXXVIII)

Seit letzten Dienstag abend weiß ich, wie ich sterben möchte: In einem Irish Pub sitzend höre ich, wie mein Freund Harry die Bedienung „Haben Sie Guinness auch in Seniorenportionen?“ fragt. Dann kann dunkel werden.

Wie schafft man es eigentlich, 30 Milliarden Dollar zu verlieren, ohne im Knast oder in der Gummizelle zu landen?

Zu Ihrer Suchmaschinenanfrage „tach zurück gedreht wie bekomm ich das mit“: Ein Blick auf die Uhr bzw. in den Kalender könnte helfen. Oder Sie googlen nach Maren Gilzer und kaufen bei ihr ein „O“.

Spontaner Gedanke beim Betrachten der zitty-Headline „Was wirklich zählt“: Addiermaschinen. Was sonst?

So langsam geht’s auf die hundertste Ausgabe der Splitterbrötchen zu. Ich staune und beginne, mich zu fürchten. Zu Jubiläen fällt mir nie etwas ein.

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Splitterbrötchen (LXXXVII)

Allgemein gilt das RTL-Dschungelcamp als der Punkt, an dem die Prominenz aufschlägt, wenn es nicht mehr weiter runter geht. Sätze wie „Wir trafen La Toya Jackson in Weil am Rhein, wo sie einem Europapokalspiel im Rollhockey als Stargast beiwohnte.“ (RTL Weekend vom 15.2.) eröffnen jedoch eine vollkommen neue Dimension.

DFB-Niersbach lobt Dietmar Hopp: „Wir müssen froh sein, dass er sein Geld nicht in Kunsthallen oder Museen steckt.“ Müssen wir nicht auch froh sein, dass der liebe Gott kein Gehirn in Wolfgang Niersbach gesteckt hat?

Wieso glaubt die ARD, Heinz Erhardt dadurch ehren zu können, dass man Ina Müller auf ein Sofa setzt und Olli Geißen nachmachen lässt?

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Splitterbrötchen (LXXXVI)

Man merkt, dass man älter wird auch daran, dass man Übung im Kondolieren bekommt.

Als ich im aktuellen Tchibo-Sortiment „Teebeutel-Boxen“ ausmachte, dachte ich spontan „Das ist ja praktisch!“ und lachte anschließend gellend & irre. Ich bin immer noch stolz auf meine adäquate Reaktion.

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Splitterbrötchen (LXXXV)

Eigentlich dachte ich, dass mich keine Suchmaschinenanfrage mehr verblüffen kann. Allerdings… nun ja, die Suche nach „Automechanikertorte“ ist natürlich herzallerliebst. Wenn es dem Mechaniker gelingt, alle Zündkerzen auf der Torte auszupusten, darf er sich was wünschen, nicht wahr?

Früher oder später musste es soweit kommen: Ein offenbar vollkommen merkbefreiter Beta- bis Alpha-Blogschmreiber bezeichnet Cut & Paste als „neue Kulturtechnik“. Da kann man dem digitalen Feuilleton nur eine große Zukunft prophezeien.

Und schließlich schickte mir ein gewisser Ottokar Lehmann per Mail eine frohe Botschaft: „Wir verwandeln ihr einfaches Schreibvermögen in ein professionelleres.“ Das freut mich natürlich sehr.

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Splitterbrötchen (LXXXIV)

Das Bücherlesen scheint tatsächlich auszusterben. Wird schwer werden ohne.

Es muss wirklich nicht immer Leberwurst sein, aber etwas namens „Bio-Bärlauch-Streich“ (!) von einer Firma namens „Zwergenwiese“ (!) würde ich mir nur in einer akuten Notlage auf die Stulle schmieren. Korrigiere mich: Nein, auch dann nicht!

Twitter ist ein Zeitvertreib für Nerds mit Konzentrationsdefiziten, sonst nix.

Das Konzept der „Bad Banks“ finde ich toll. Kann man bei so einem Laden eigentlich unbürokratisch ein Giro eröffnen? Mit ’nem richtig fetten Dispo?

Es gehört Format dazu, zu erkennen, dass man kein Format hat. Deshalb ist Selbsterkenntnis niemals eine kleine Leistung.

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