Splitterbrötchen (CVIII)

Hypochondrie existiert genauso wenig wie Paranoia.

Ich verstehe die Aufregung um von und zu Guttenberg nicht, nur weil der Mann einen Gesetzesentwurf von einer Anwaltskanzlei statt von den eigenen Beamten hat schreiben lassen. Hier hat ein vorwärts gewandter Politiker ein Signal an den zukünftigen Finanzminister gesandt: „Im Finanzministerium wimmelt es von inkompetenten, arbeitsscheuen Dödeln, und zu tun haben wir auch fast nix. Lass uns das bißchen Arbeit outsourcen und den Laden dicht machen, da sparen wir ’ne Stange Geld.“ Wir brauchen mehr Politiker wie von und zu Guttenberg.

Die Worte der  Woche sprach – natürlich – Günter Netzer: „Wenn wir die Punkte brauchen, dann kriegen wir sie auch.“ Jung, dat is Fußball!

Mein Mitleid mit Unternehmen, die glauben, vollautomatisch Geschäfte machen zu können müssen, hält sich in engen Grenzen. Wer glaubt, Arbeitskräfte einsparen zu können müssen, die z. B. Korrektur lesen und Fehler beseitigen, der soll auch das damit verbundene Risiko tragen.

Der erste Teilnehmer ist von der Suchmaschine Bing in die Netzecke vermittelt worden. Sie hatten nach „Chris“ gesucht? Hier sind sie richtig.

Splitterbrötchen (CVII)

Wieso ist eigentlich die Wirtshausschlägerei als zivilisierter männlicher Zeitvertreib beinahe komplett aus dem Weltfilm verschwunden?

Es gibt wenige Menschen, die humorloser sind als deutsche Filmkritiker von Rang.

Schon erstaunlich, wie engagiert die Debatte um die Zukunft des E-Books geführt wird, bevor es hierzulande überhaupt Ernst zu nehmende Angebote gibt.

Seit Handys, Internet und dieses ganze Pipapo unsere Kommunikationsmöglichkeiten vervielfacht haben, ist es wesentlich einfacher geworden, für ein richtig deftiges Missverständnis zu sorgen.

Mittlerweile richtet die organisierte Dummheit wesentlich größeren Schaden an als das organisierte Verbrechen.

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Splitterbrötchen (CV)

Verblüffend: Louis van Gaal spricht jetzt schon besser deutsch als Jürgen Klinsmann.

Die Schlagzeile  der Woche wurde bei Spiegel Online kreiert: „Gekenterter  CSU-Politiker – Alligatoren verschmähten  Günter Beckstein“

Im Bekanntenkreis bekanntgegeben: „Heut abend gehen wir ins Theater.“  Die erste Frage: „Wieso könnt ihr euch die teuren Karten leisten?“ Tja. Es scheint weit gekommen zu sein.

Ein Ärgernis, mit dem ich mich ausführlich befassen werde, wenn es denn die leidige Zeit erlaubt: Die bizarren Preise für Paketsendungen zwischen Österreich und Deutschland.

Immer öfter verspüre ich das Bedürfnis, mal wieder  einen Besinnungsaufsatz zu schreiben. Es lässt sich nicht mehr leugnen: ich werde alt.

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Splitterbrötchen (CIV)

Verwirrende Nach-Urlaubs-Beobachtung:In Österreich verbraucht man mehr Handy-Strom aber weniger Aftershave als hierzulande.

Wo liegt eigentlich dieser Kurort, der jetzt in aller Munde ist? Bad Banks? Zahlt den Aufenthalt die Kasse?

Entweder bin ich in 3 Urlaubswochen gewachsen, oder mein Bäcker backt jetzt kleinere Brötchen.

In Wien an einer „Zentralanstalt Schweißtechnik“ vorbeigefahren. Es hat aber nicht gerochen.

Genial formuliert: „Der Kerl hat keine Handschlagqualität!“

Es gibt keinen Dienstleister, an den Männer und Frauen derart unterschiedliche Ansprüche stellen, wie an den Friseur.

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Splitterbrötchen (CII)

Bisher war „Tschauiii!“ der tiefste Kreis in der Diminutiv-Hölle sich verabschiedender Frauen. Doch in dieser Woche kam „Bisdenniiii!“

Die Dunklen Horden der Dummheit preschen immer weiter voran. Bald wird ihnen alles gehören, und die Klugen, die übrig geblieben sind, werden ihre Sklaven sein.

Der Spam der Woche hatte den unschlagbaren Betreff „Ihre Spiritualität benutzerdefinierte“ und als Absender fungierte – na, wer wohl? – eine gewisse „Tara Medium“.

Bei Pro7 glaubt man, mich am Samstagabend fesseln zu können, indem man mir Lötzinn beim Schmelzen und Urinflaschen beim Umfallen zeigt. Nun weiß ich, was man bei Pro7 von mir hält.

Wenn man sich John Cleese’s Internetaktivitäten anguckt, dann staunt man unwillkürlich: Der Mann hat eine Homepage nebst Community, einen youtube-Channel, er twittert, er bloggt, er podcastet… und er weiß offensichtlich, wovon er spricht, wenn er sich zu Netz-Dingen äußert. Und wenn man sich das alles angeguckt und angehört hat, kratzt man sich verwundert am Kopf und fragt sich, warum ein bald 70jähriger britischer Komiker mehr vom Internet versteht als z. B. Wolfgang Schäuble. Oder Ursula von der Leyen. Oder…

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Splitterbrötchen (CI)

Die  Alternativen, die man immer hat, sind Verzweiflung und Ehrgeiz. Wenn eine von beiden fehlt, wird’s kritisch.

Was ich von all denen, die bei Opel nach „geordneter Planinsolvenz“ schreien, gern wüsste: Würden sie ein Auto mit mehrjähriger Garantie von einem (geplant) insolventen Konzern kaufen?

Wenn die Wirtschaft die Politik zur Hilfe ruft, beschleicht mich ein ungutes Gefühl: Da wird die nächste Runde eingeläutet, in der die Korrumpels die Deppen über den Tisch zu ziehen versuchen.

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Splitterbrötchen (C)

Jubiläen begeht man am besten, indem man zur Tagesordnung übergeht.

Warum Klinsmann wg. Kruzifix-Fotomontage gegen die taz geklagt hat: „Was sage ich da meinen Kindern, wenn die in der Schule darauf angesprochen werden? Die verstehen das doch nicht.“ Wenn er wegen allem, was seine Kinder nicht verstehen, zum Kadi rennt, bekommt er ganz schön zu tun.

Wie schaffen Frauen es, sich die Haare so hochzustecken, dass man denkt, ein Kanonenschlag habe ein Spatzennest verwüstet?

Den Satz der  Woche, möglicherweise des  Jahres, vielleicht des  Jahrzehnts oder tatsächlich sogar einen Generationen-Erklärungs-Satz verdanken wir Harry Rowohlt: „Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer.“ Danke.

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Splitterbrötchen (IXC)

Beobachtung in der öffentlichen Grünanlage: Gegenüber Nordic Walkern, Radfahrern, Joggern, Powerwalkern etc. bilden klassische Spaziergänger mittlerweile die Minderheit.

Es können deutlich weniger Menschen halbwegs gut grillen als halbwegs gut kochen.

Könnte sein, dass eine „Generation Casting Show“ auf uns zukommt: In den letzten Wochen sind mir ein paar junge Menschen begegnet, die ernsthaft zu glauben schienen, ein einmaliger Talentbeweis würde genügen, um durch den Rest des Lebens durchgecoacht zu werden.

Diese Woche im Supermarkt gesehen: „Bio-Bolognese-Fix“. Das Ende der Fahnenstange kommt in Sicht, das war es dann wohl mit der Zivilisation.

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Splitterbrötchen (XVIIIC)

Der Bank-Werbespot mit Dettmar Cramer ist gleichzeitig anrührend und erstaunlich cool.

Herrlicher Speisekartenfund in der nordhessischen Gastronomie: „Vitello Tornado“

Politiker halten die Menschen, von denen sie gewählt werden, augenscheinlich für doof. Menschen, die widerwillig noch zur Wahl gehen, halten Politiker für doof. Mexican Standoff.

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Splitterbrötchen (XVIIC)

Spammer der Woche ist „Prof. Dr. Abbi Abbie“.

Dill habe ich immer für ein völlig überschätztes Gewürz gehalten. Ein Gericht, an dem Dill dran ist, ist verloren, weil es nur nach Dill schmeckt. Es wird hingegen interessant, wenn man den Dill mit ebenbürtigen Gegnern konfrontiert: z.B. ist Knoblauch, Ingwer und Dill eine geniale Kombination.

Für den Titel „Relevanteste Zeitung der Woche“ qualifizierte sich wieder mal der Tagesspiegel mit der Pulitzerpreis-verdächtigen Headline „Jugendlicher sitzt betrunken auf Schulklo“.

Schöner Satz von Christian Rach: „Man muss sauber anfangen und sauber aufhören.“

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