Splitterbrötchen (XVIC)

Erschütternde Erkenntnis: Ich bin älter als Nutella. Kleine Kinder werden nicht glauben, dass das möglich ist und mich für ein Naturwunder halten.

Ich gönne Claus Wilcke wirklich jeden Euro, aber Percy Stuart mit blödsinnigem Grinsen die Klößchen aus der Sonntagssuppe fischen zu sehen, tut jedesmal wieder weh.

Wenn Schauspieler sich nach Jahren wiedertreffen, sind zwei aufeinanderfolgende Gedanken in ihren Gesichtern abzulesen: Auf „Um Himmelswillen, ist der alt geworden!“ folgt unmittelbar „Ach du Scheiße. Am Ende sehe ich auch so alt aus!“

Unpassender Gedanke auf einer Beerdigung: Die meisten anwesenden Damen wären dem Verstorbenen viel zu alt gewesen.

Fatalerweise sind immer mehr Menschen der Ansicht, dass die Demokratie ein System ist, in der die Mehrheit der Minderheit vorschreiben darf, was sie zu tun oder zu lassen hat.

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Splitterbrötchen (XVC)

Abendschau vom Ostermontag. Eine junge Frau, die „im Regierungsviertel arbeitet“, schildert ihre Eindrücke von einer Bootstour durch Berlins Mitte: „Die alten Sachen kennt man ja nur, wenn man in der DDR gelebt hat.“
Hallo? In den letzten 19 Jahren keine Zeit gehabt, sich mal umzugucken?

Die Erkenntnis der  Woche gelang – wem denn sonst? – der BILD: „Fett ist das neue Nikotin“. Wusste gar nicht, dass man Gänseschmalz auch rauchen kann.

Das Schimpfwort der Woche: Email-Ausdrucker!

An die Person, die von Fa. Google in mein Fress-Blog geleitet wurde, als sie fragte „Wie serviert man Birnenbrand“: Entweder im Glas oder in der Flasche, niemals in der hohlen Hand!

Natürlich war es der Tagesspiegel, der – innovativ wie immer – eine längst vergessene Berufsbezeichnung wieder ausgegraben hat. In der Mittwochsausgabe war er plötzlich wieder da, der Polit-Barde.

Was für ein (Halb-)Satz: „Stefan Raab mit Problemen am Hosengummi!“

Und sie werden immer mehr: Die Vollidioten,  die unfähig sind, „Darf ich mal vorbei?“ oder „Du stehst im Weg, mach doch mal Platz!“ zu sagen und deshalb versuchen, im Supermarkt wortlos durch mich hindurch zu gehen oder mich einfach zur Seite zu schubsen oder wegzurempeln. Kennt irgendjemand eine Masche (Traumatisierung, während der Ausbildung bei einer militärischen Eilte-Einheit antrainierter Reflex o.ä.) , mit der ich straffrei davon komme, wenn ich diesen Vollspaten ein wenig Benimmunterricht auf der 12 erteile?

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Splitterbrötchen (XIVC)

Millionen und Abermillionen investieren die Formel-1-Rennställe in Forschung und Weiterentwicklung. Und dann können diese Autos bei Regen nicht fahren.

Fantastische Schlagzeile im Wurstblatt meiner Krankenkasse: „Neue Schwindelambulanz in Berlin!“

Ich kann mich einfach nicht an die Rücksichtslosigkeit gewöhnen, mit der wohlgeratene Säue, die man gerade eben noch freudig durchs Dorf getrieben hat, plötzlich einsam auf dem Anger stehen gelassen werden: warum interessiert sich die Sportjournaille kaum noch für Hoffenheim?

Google zerstört den familiären Zusammenhalt. Früher gehörten Telefonanrufe wie „Sag mal, wie hieß noch mal das Buch…“ oder „Wir fragen uns gerade, von wem dieses Zitat stammt…“ zur Tages- bzw. Nachtordnung. Diese Anrufe gibt es nicht mehr, seit es Google gibt.

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Splitterbrötchen (XIIIC)

Mit dem, was Krankenkassen alles nicht bezahlen, ließe sich vermutlich das Defizit des Staatshaushalts ausgleichen.

An alle, die gerade über eine „Interessenvertretung für Blogger“ nachdenken: jemand, der sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht durchsetzen kann, wird es auch mit einer Interessenvertretung nicht schaffen. Eine gemeinsame Interessenvertretung kann nur eines effektiv leisten: ein Niveau vorgeben, das auch das  schwächste Mitglied, dessen Interessen vertreten werden sollen, erreichen kann. Interessenvertretungen müssen finanziert werden. Und das funktioniert ausschließlich zu Lasten derer, deren Interessen vertreten werden sollen.

Kochrezepte sind zweitrangig. In erster Linie bestimmt die Qualität der Zutaten die Qualität der Mahlzeit.

Eine kurze Nachricht an die Person, die mit der Suchanfrage „wie gulasch stundenlang kochen“ in die Netzecke  geraten ist: Einfach den Herd nicht ausschalten!

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Splitterbrötchen (XIIC)

„Ich empfand seine Gegenwart wie die eines Tomatenhäutchens, dass sich schmerzhaft und unerreichbar zwischen den hintersten Backenzähnen festgesetzt hat.“ Dieser Satz ist mir letzte Woche eingefallen, überraschenderweise, nachdem ich einen Salat verzehrt hatte. Was nun? Soll ich diese Formulierung tatsächlich in einem meiner Projekte verwenden oder mich doch lieber in die Ecke setzen und das Ende des literarischen Anfalls abwarten?

Die Meldung der Woche hat dpa herausgetickert: „Schriftsteller Martin Walser fällt zu der aktuellen Wirtschaftskrise nur ein Wort ein: grotesk.“ In echt? Ein Wort? Einem Schriftsteller?

Das Erstaunen der Woche überfiel mich bei Pilawa: Bemerkenswert, wie defensiv Sigmar Solbach altert!

Boris Beckers jüngste Aktivitäten (Meyer-Wölden, Raab-Poker, Wetten Dass, Schlag den Star) interpretiere ich als ungewöhnlich engagierte Bewerbung für die Teilnahme am nächsten Dschungelcamp. Die Frage ist nur, ob er den Carlo-Thränhardt-Part oder die Werner-Böhm-Rolle anstrebt.

Was schön wäre: Wenn endlich jemand die Lücke füllen würde, die David Niven’s Tod gerissen hat.

Wenn ich zwischen „Bonanza“ und „Big Valley“ wählen müsste, würde ich mich für „High Chaparral“ entscheiden.

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Splitterbrötchen (XIC)

Das Wort der Woche kreierte Fa. Facebook. Die wollte mich dazu bringen, ihre „einfachen Einladungswerkzeuge“ zu benutzen.

Idee für ein spektakuläres Moby-Dick-Remake: Ahab ist ein gescheiterter Comedian, dessen Familie von einem weißen Wal getötet wurde, der einen Witz Ahabs nicht verstanden hatte. Ahab hat ein schlechtes Gewissen, weil er die Pointe versaut hatte, und deshalb sucht er jetzt den Wal auf allen Weltmeeren, um ihm den Witz noch einmal zu erzählen. Selbstverständlich versucht der weiße Wal mit allen Mitteln, sich Ahabs Zugriff zu entziehen. Mit Mario Barth als Ahab, Matthias Richling als Ishmael und Dieter Hildebrand als Queequeg.

Meine persönliche Wirtschaftstheorie unterscheidet zwei Sorten von Unternehmern: solche, die Geld verdienen, und solche, die Risiko-Kapital ausgeben.

Griffige Erklärung komplexer Mechanismen der Unterhaltungsindustrie durch eine Headline im Tagesspiegel-Wirtschaftsteil: „Produzenten leben von Kinoerfolgen“

Aus der Werbung: „Rolando Villazón singt die schönsten Arien von Händel. Das neue Album jetzt im Handel.“ Da hätte man mehr daraus machen können. Wo bleibt die Kreativität der Agenturen?

Und als ich am Sonnabend glaubte, die Woche wäre bereits gelaufen, versetzte mich ein Newsletter der SPD in geradezu rauschhafte Verzückung: „Nach der Finanzkrise müssen die Weichen bereits gestellt sein, um das Soziale und das Demokratische zu stärken. Weitgehend ungeregelte Märkte darf es nicht mehr geben. Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt stehen und der Primat der Politik muss gesichertwerden.“ Wo kann ich spenden, um diesem Primaten eine Heimstatt zu sichern?

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Splitterbrötchen (XC)

Immer öfter zu sehen: Menschen, die gleichzeitig mit zwei Mobiltelefonen hantieren.

Ein kleines großes Wunder: Dass der Inhaber des ausgezeichneten Pariser Restaurants „Chez Gladines“,  vor dem jeden Abend die Menschen Schlange stehen, die Preise immer noch nicht erhöht hat.

Mittlerweile gibt es sehr viele Dinge, die ich nicht mehr verstehen will. Ist das noch Individualismus oder schon Altersstarrsinn?

Die größte Sehenswürdigkeit  des diesjährigen Paris-Besuchs: Ein Buffet für die Serviettenringe der Stammgäste im Traditionsrestaurant Polidor.

Und ein Tipp, der in allen Paris-Reiseführern fehlt: Wenn man auf den Arc de Triomphe steigen will (282) Stufen, dann tue man das am letzten Tag des Aufenthalts. Die unausweichlichen Knallwaden pflegt man lieber zu Hause, anstatt mit ihnen das Pariser Pflaster platt zu treten.

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Splitterbrötchen (LXXXIX)

Die Ein-Wort-Alliteration der Woche schuf Restaurant Karl-Albert-Bad, Bad Löbau: „Buschbohnenbündchen“.

Der schwachsinnigste Claim der Woche gelang Fa. Lieken Urkorn: „Außergewöhnlich gutes Brot erkennt man am Geschmack.“ Herzlichen Dank! Wär ich von alleine nicht drauf gekommen.

Die Kleinanzeige der Woche war auf Facebook zu sehen: „Vergleichen Sie Putzfrauen aus Ihre Nähe – absolut kostenlos!“

Den brill-i-an-tes-ten Mail-Betreff der Woche verdanke ich Fa. UCI-Kinowelt: „Hallo Chris Kurbjuhn – Werden Sie Teil der Superhelden-Liga“

Und das Zitat der Woche lieferte Uli Hoeneß: „Wenn wir jetzt den Kopf in den Sand stecken, verlieren wir eventuell auch noch unsere anderen Ziele aus dem Blickwinkel.“

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Splitterbrötchen (LXXXVIII)

Seit letzten Dienstag abend weiß ich, wie ich sterben möchte: In einem Irish Pub sitzend höre ich, wie mein Freund Harry die Bedienung „Haben Sie Guinness auch in Seniorenportionen?“ fragt. Dann kann dunkel werden.

Wie schafft man es eigentlich, 30 Milliarden Dollar zu verlieren, ohne im Knast oder in der Gummizelle zu landen?

Zu Ihrer Suchmaschinenanfrage „tach zurück gedreht wie bekomm ich das mit“: Ein Blick auf die Uhr bzw. in den Kalender könnte helfen. Oder Sie googlen nach Maren Gilzer und kaufen bei ihr ein „O“.

Spontaner Gedanke beim Betrachten der zitty-Headline „Was wirklich zählt“: Addiermaschinen. Was sonst?

So langsam geht’s auf die hundertste Ausgabe der Splitterbrötchen zu. Ich staune und beginne, mich zu fürchten. Zu Jubiläen fällt mir nie etwas ein.

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Splitterbrötchen (LXXXVII)

Allgemein gilt das RTL-Dschungelcamp als der Punkt, an dem die Prominenz aufschlägt, wenn es nicht mehr weiter runter geht. Sätze wie „Wir trafen La Toya Jackson in Weil am Rhein, wo sie einem Europapokalspiel im Rollhockey als Stargast beiwohnte.“ (RTL Weekend vom 15.2.) eröffnen jedoch eine vollkommen neue Dimension.

DFB-Niersbach lobt Dietmar Hopp: „Wir müssen froh sein, dass er sein Geld nicht in Kunsthallen oder Museen steckt.“ Müssen wir nicht auch froh sein, dass der liebe Gott kein Gehirn in Wolfgang Niersbach gesteckt hat?

Wieso glaubt die ARD, Heinz Erhardt dadurch ehren zu können, dass man Ina Müller auf ein Sofa setzt und Olli Geißen nachmachen lässt?

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