Splitterbrötchen (LXXVI)

Da es sich sonst niemand zu sagen traut, sag ich es eben: Armin Mueller-Stahl wird als Schauspieler vollkommen überschätzt. Mag sein, dass seine Masche (wässrig vor sich hingucken und grundsätzlich überhaucht sprechen) mal unter seinem Namen an Schauspielschulen gelehrt wird („Heute lernen wir Stahlmüllern!“), aber richtig gute Menschendarstellung geht anders.

Die Betreffzeile der Woche (aus dem Spam-Filter gefischt): „Weihnachten ist Potenz-Zeit“

Die Fernsehseite im Tagesspiegel am Mittwoch traf mich unvorbereitet wie ein Schock: Da hat ein Pathologe einen Besinnungsaufsatz darüber geschrieben, dass Serien wie „CSI Miami“ u.ä. nichts mit dem normalen Alltag des Gerichtsmediziners zu tun haben. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

Nochmal Mueller-Stahl: Ist klar. Fast die ganze Zeit eine Schauspielerlebens verbringt man mit Warten. Da wird einem schon mal langweilig, dann schmiert man im Drehbuch herum, malt kleine Männchen… ist doch okay. Aber muss man das Gekritzel wirklich verscheuern?

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Splitterbrötchen (LXXV)

Die Suchmaschinenanfrage der Woche betraf mein Schreibblog. Dort schlug jemand auf, der Google die Frage „wie schreibe ich einen dialog zwischen zwei fachmännin?“ gestellt hatte.

Heftig und ergebnislos sann ich nach einer Eindeutschung des Worts „Gadget“.

Kult auf RTL. Für Freunde des Absurden und diejenigen, die über laienhaft gestellten Unfug lachen können: Die Mutter, die das Internetradio mehr liebt als ihre Familie  – zwischen Tattoo und Damenbart (dauert 45 Minuten!).

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Splitterbrötchen (LXXIV)

Ich bin mir relativ sicher, dass zwischen gleichgeschlechtlicher Liebe, der Beschäftigung mit Bildender Kunst und fortschreitender Gehirnerweichung ein Zusammenhang besteht.

Peter Neururer über die Intelligenz eines seiner Spieler: „Der hat gehupt, wenn er gegen einen Baum gefahren ist.“

Wundert sich irgendwer, dass kein Mensch mehr Zeitungen und Zeitschriften kaufen will, in denen Inhalte zu „Content“ verkommen sind?

Bruce Springsteen schreibt Lieder, die man mitsingen kann, bevor man sie gehört hat.

Der Tagtraum der Woche: Aus allen Rohren feuernd in das Finanzministerium eindringen, sich dort reuelos den Weg in Steinbrücks Büro freischießen, und ihm dort – mit aller zur Verfügung stehenden Coolness  – die Wumme an den Kopf setzen und gaaanz gelassen sagen: „Peer, ich will meinen Anteil.“

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Splitterbrötchen (LXXIII)

Die Enttäuschung der Woche: „Nicht mein Tag“. Sich aus einer Position vermeintlicher Coolness über Spießer lustig zu machen, ist erst recht spießig. Von Husmann hatte ich viel mehr erwartet.

Wenn mir vor dreißig Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mir irgendwann über Herkunft und Qualität von Panierbröseln Gedanken machen werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

Charlotte Link im Tagesspiegel: „Diese Gunst der Stunde nutzen zu müssen hat mich wahnsinnig gestresst.“ Für diesen Satz gehört Frau Link geohrfeigt.

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Splitterbrötchen (LXXII)

Gestern seit Jahren (vermutlich Jahrzehnten) mal wieder Kriter getrunken. Ganz ausgezeichneter Sekt mit fantastischem Preisleistungsverhältnis. Wieso ist das Zeug irgendwann aus der Mode gekommen?

Den Wortmüll der Woche lieferte mein Lieblings-Snob, Hobbykoch Peter Wagner auf SpOn: „Quartalsbookazine“ ist ab sofort offizieller Geheimfavorit beim Unwort des Jahres.

Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, eine Eintrittskarte mit dem Aufdruck „Länderspiel“ in der Hand zu halten.

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Splitterbrötchen (LXXI)

Die Suchmaschinenanfrage der Woche betraf mein Schreibblog. Fa. Google empfahl die Seite einer verwirrten Seele, die nach „Wie sieht ein Sekt äußerlich aus?“ gesucht hatte. Na, dann Prost! Nicht zu toppen, obwohl die Konkurrenz in dieser Woche extrahart war, unter anderem verzeichnete ich steinstarke Versuche wie „Wann tut man das knoblauch zum kochen dazu“ und „wo mann keinen ton braucht“.

Äußerst erstaunlich, dass auch ein komplexes Stück High-Tech wie ein Farblaser-Drucker auf eine der archaischsten Reparaturmethoden anspringt: Ein kräftiger Faustschlag auf die Frontseite, und alle Kapriolen der letzten 14 Tage waren vergessen.

Für die Berliner Abendschau berichtete natürlich Ulli Zelle von der Premiere der Rocky Horror Show. Und natürlich trug trug Zelle dabei Gummihandschuhe. Wer kommt beim RBB nur auf diese unfassbar originellen Ideen?

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Splitterbrötchen (LXX)

Eine Fähigkeit, die ich gern hätte: eine Augenbraue hoch ziehen zu können.

An die Person, die von Google hierher geschickt wurde, weil sie dort gefragt hat, wie sie ihren Papierkorb umtauschen kann: Faszinierende Fragestellung. Können wir uns mal unterhalten? Gern auch in Gegenwart Ihres Therapeuten!

Ich beantrage, dem Urheber der BILD-Headline Koma-Saufen! Jetzt tun es so gar die Igel! den Pulitzer-Preis auf Lebenszeit zu verleihen.

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Splitterbrötchen (LXVIX)

An die Person, die von Fa. Google hierher verwiesen wurde, weil sie dort die Frage „Was passiert mit Wein beim Kochen“ gestellt hat: Der Wein wird heiß.

Der Discounter NP offeriert in seinem neuesten Prospekt ein Produkt namens „Hausschlachtebeutel“. Das muss ich nicht kommentieren: dieser Name spricht für sich selbst. Oder auch nicht.

Es gibt Situationen, in denen kann man sich das Leben stark dadurch vereinfachen, dass man nicht zuhört.

Man sollte stupide Gedankenlosigkeit nicht reflexhaft mit Disziplin entschuldigen.

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Splitterbrötchen (LXVIII)

Das Sprachbild der Woche wurde in der Sportredaktion von Spiegel-Online gezeichnet: „Tatsächlich stellen sich die Verantwortlichen derzeit noch offensiv hinter Klinsmann“

Eins der großen unlösbaren gesellschaftlichen Probleme: Dass man sozial stark herausgeforderten Menschen nicht klar machen kann, dass sie sozial stark herausgefordert sind.

Kurz vor Anpfiff des Länderspiels fragte ich mich, warum Sebastian Schweinsteiger noch keinen Vertrag als Testimonial für eine Haargel-Firma hat. Als ich mir eine Notiz für die Splitterbrötchen machen wollte, kam ich bis „Schweinigel“ und wusste sofort, warum das mit dem Vertrag noch nix geworden ist.

Mensch, Uli Hoeness! Jetzt geben Sie sich mal ’n Ruck, plündern Sie das Festgeldkonto und holen sie den Arshawin nach München. Vielleicht können Sie die Buddhas, die wir nicht mehr benötigen, in Zahlung geben.

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Splitterbrötchen (LXVII)

Ganz erstaunlich, wie oft man „Das tut mir leid“ sagt, ohne dass einem irgend etwas leid tut.

Fußball-Fans sind genial.
„Dass dich keiner leiden kann
Stand nicht in deinem Business-Plan“
wäre noch nicht mal Bob Dylan eingefallen.

Hm. Was wohl mit „kreativ genießen“ gemeint ist? Dreck fressen und für Kaviar halten?

Meine aufrichtige Bewunderung gilt dem Marketing-Genie, das für das Schild „Coffee To Go – jetzt auch zum Mitnehmen“ verantwortlich zeichnet.

Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, die eigentliche Ursache der FC-Bayern-Krise  anzusprechen: den Abgang von Ollie Kahn. Da steht jetzt kein Alphatier-Ausnahme-Keeper mehr im Tor, sondern ein begabter Nachwuchstorhüter. Wenn man dem nicht durch eine defensivere Ausrichtung des Spiels hilft bzw. einen Weltklasse-Abräumer davor stellt, kassiert man eben mehr Tore.

Und: Es gehört eine ganze Menge Chuzpe dazu, auf ein Tütchen, das ein Pulver erhält, das bei Kontakt mit heißem Wasser zu so etwas wie Suppe werden soll, das Wort „natürlich“ zu schreiben.

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