Archiv der Kategorie: Dies und das

Tagebüchliches

Splitterbrötchen (DLX)

Jedesmal wenn Ihnen ein Drink mit einem Cocktail-Schirmchen serviert wird, muss irgendwo auf der Welt ein Eichhörnchen pitschnass nach Hause gehen.

Vorwurf <=> Tatsache.

In dieser Woche habe ich zwei Dinge gelernt: Zum einen, wie das gelbe Dingenskirchen (s.o.) an der Ampel heißt, nämlich „Ampelarmatur“ oder „Anforderungstaster“. UND ich weiß jetzt, was die „Geheimtaste“ auf der Unterseite der Ampelarmatur macht: mit der kann man das Klacken ein- und ausschalten, das sehbehinderten Menschen akustisch signalisiert, wann grün ist.

Jedesmal, wenn irgendwo auf der Welt im November Weihnachten erwähnt wird, wird der Weihnachtsmann gezwungen, einen Elf zu erschießen.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war auf Facebook zu sehen, die vollkommen belagfreie „Pizza Squadra Azzurra“: „Hat nix drauf!“

Und diese Serie wird vielleicht auch ganz lustig werden…

„I bims“ ist also das Jugendwort des Jahres? Nun, Hornhaut war schon immer ein Generationen-übergreifendes Problem.

Zum Abschluss: neues Diskussionsmaterial für eins der drängendsten Probleme unserer Zeit: englische Torhüter.

 

Splitterbrötchen (DLIX)

Selbstportrait mit Teebecher

Ein Beitrag geteilt von Chris Kurbjuhn (@kurbjuhn) am

Was heißt „Catenaccio“ auf schwedisch?

Sie ist schon da, die neue Inquisition, in den Kommentaren der Klatschseiten brennen bereits die Fackeln und die Mistforken werden geschwungen: „He’s telling the truth!“ – „Prove it.“ – „No, disprove it!“

Salsiccie auf sardische Art

Ein Beitrag geteilt von Chris Kurbjuhn (@kurbjuhn) am

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Salsiccie auf sardische Art im Brigantino in der Rheinstr.

Es ist absurd, von einem Künstler gleichzeitig das Ausloten der dunkleren Teile unserer Existenz und kleinbürgerliche Wohlanständigkeit zu erwarten.

Den nächste Versuch mit dem Feuertopf gewagt, diesmal im „Chen’s Wok“ (sehr freundliche, hilfsbereite Bedienung) am Ernst-Reuter-Platz. Mir ist das alles – wie Fondue – immer noch zu fummelig, doch deuteten diesmal die u. a. auf dem Buffet angebotenen Kalbs- und Rinderkutteln an, dass der dabei entstehende, tatsächlich sehr leckere Eintopf das eigentliche Ziel dieser kulinarischen Operation ist.

Den Selbstgerechten, die sich auf der sicheren Seite des zeigenden Fingers wähnen, zur Erinnernung: Es gibt bei einer Inquisition keine sichere Seite. Wenn die erstmal am Rollen ist, kennt sie keine Schuldigen und Unschuldigen. Vor der Inquisition sind alle gleich.

 

Splitterbrötchen (DLVIII)

Wie, was? Luther war Anti-Semit? Reaktionär? Am Ende noch Sexist? Nit möööööchlich! Und ihr habt gerade mal schlappe 500 Jahre später die Traute, das an- und auszusprechen? Sagenhaft. Ihr seid Helden.

Eine Gesellschaft, die auf die Unschuldsvermutung verzichtet und auf bloßen Verdacht hin verurteilt, hat sich in die Hände der moralisch Schwächsten begeben, der Denunzianten.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt. Klassisch zubereitete Brandenburger Landente in der Stobbermühle in Buckow. Kloß, Rotkohl und Ente waren perfekt zubereitet und harmonierten aufs prächtigste. Eine der besten Enten ever.

Facebook steht kurz vor der Einführung eines „Kreuziget Ihn“-Buttons.

„Guten Fluch!“, wünscht sich Magier bei der Abreise.

Thema Buckow: Brecht hatte recht. Ort und See können gelegentlich sehr elegisch sein.

Ein Rat an alle Teilnehmer des aktuellen Vorverurteilungsspiels, die sich auf der sicheren Seite wähnen: Schlagt doch noch mal im Geschichtsbuch die Inquisition nach. Am Ende ist niemand mehr sicher, am Ende trifft es alle.

 

 

Splitterbrötchen (DLVII)

Große Freude über eine charmante Serien-Idee: britische Winzer-Familie, die ständig mit den Windsors verwechselt wird. Sekunden später heftiger Ärger über eben diese Idee, als ich sie als zu konstruiert und bemüht verwarf. Welcher Trottel kommt auf sowas?

Was macht eigentlich Oliver Hardy im Fenster des „Sardegna a Tavola“(Waldhaus)?

Eine der besten Erfindungen seit geschnitten Brot: Nachtischlampen, die man durch einfache Berührung des Lampenfußes einschaltet, anstatt im Dunkeln nach irgendeinem Schalter zu suchen.

Für Liebhaber des immer populärer werdenden Genres „Westcoast für alte Säcke“: Stephen Stills und Judy Collins haben ein gemeinsames Album gemacht, „Everybody Knows“ (nur als CD oder Vinyl, nicht im Stream, und sind gemeinsam auf Tour.  Die Live-Clips auf youtube klingen leider einigermaßen gruselig (Stills ist seit Jahren auf Hörhilfen angewiesen), das Album an sich ist sehr okay.

Sehr zu empfehlen: hausgemachte Bratwürstchen („Loukanika“) im „Ta Dio Aderfia“ am TeDamm.

 

Splitterbrötchen (DLVI)

Immer wenn Hollywood versucht hat, selbst zur moralischen Instanz zu werden, ist das grauenvoll schiefgegangen.

Es gibt wenig Uninteressanteres als das Innere von Bauchnäbeln 1 fremder Menschen.  Warum sollte es auch anders sein.

Wimmelndes Leben in Biesdorf.

Ein Beitrag geteilt von Chris Kurbjuhn (@kurbjuhn) am

Auch beim diesjährigen Biesdorf-Besucher war es wieder die quirlige urbane Atmosphäre, die mich am meisten beeindruckte.

Höchst angenehme Weinprobe beim „Weinmichel“ am Bayerischen Platz. Ausgezeichnete Weine aus Rust und Gols, zum Abgang ein Super-Gulasch und ein toller, angenehmer Austausch über guten Wein und gutes Leben… das hat richtig Spaß gemacht.

Auf Frau Merkel wird Verlass sein: Sie wird die vielfältigen öffentlichen Empörungen dieser Tage nutzen, um heimlich, still und leise die Gemeinheiten ihres Koalitionsvertrages durchzuwinken. Während wir die weltbewegende Frage diskutieren, ob man „Vom Winde verweht“ noch gucken darf, weil Selznick doch eigentlich viel schlimmer als Weinstein war, darf wahrscheinlich der ein oder andere arabische Potentat schon Vorfreude über neue Pakete von HEckler & Koch verspüren.

 

 

 

  1. Bevor Sie auch nachschlagen: der Duden kennt als Plural sowohl die Nabel als auch die Näbel. Der Duden findet die Näbel seltener, ich finde sie schöner.

Splitterbrötchen (DLV)

Wenn der Berliner zeigen will, wie schön seine Stadt eigentlich ist, macht er das Licht aus. Dolle Mondscheinfahrt mitjemacht.

Auf diesen Theaterbesuch hatte ich mich seit Wochen gefreut. „Mord auf Haversham“ tatsächlich „Der nackte Wahnsinn“ vom Thron der besten Hyper-Farce aller Zeiten stoßen können? Die Antwort fiel eindeutiger als gedacht aus: Not even close. „Haversham“ ist „nur“ eine saukomische, einfallsreiche Gagsammlung, Gegen das perfekt gebaute Stück „Der nackte Wahnsinn“ mit seinen dreidimensionalen, sich entwickelnden Figuren kann es nicht anstinken. Aber für einen entspannt verlachten Abend mit zwei, drei wohldosierten Erstickungsanfällen lohnt der Besuch des Renaissance Theaters allemal.

Von der Heynckes-Verpflichtung bin ich eher unterwältigt. Okay, direkte CL-Qualifikation sollte damit gebongt sein, aber die Lösung der eigentlichen Probleme (Umstrukturierung der Mannschaft, Trennung von Robbery) wird lediglich aufgeschoben. Nächste Saison, nächste Krise.

Vor der Vorstellung schnell noch mal im Marjellchen vorbeigeschaut, war ja um die Ecke. Der Pillkaller hatte Klappstullen-Format, der Pannfisch mit Senfsauce und Bratkartoffeln war mal wieder ein Gedicht.

 

Splitterbrötchen (DLIV)

Gegend

Die letzte Woche habe ich endlich mal wieder mit meinen vier besten Freunden auf dem Wasser verbracht, genauer gesagt auf der Mecklenbiurgischen Seenplatte.

Unser Boot

Dies war unser Fortbewegungsmittel.

Kulinarische Wochenhöhepunkte waren dreimal Matjes mit Bratkartoffeln, ein Gericht, das Köche in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Effeff beherrschen.

Matjes mit Bratkartoffeln

Matjes mit Bratkartoffel

Matjes mit Bratkartoffel

Gottseidank mag ich Matjes mit Bratkartoffeln.

Abseits von See und Matjes ist Mecklenburg-Vorpommern anders, als man es sich vorstellt.

So is Mirow

Kopfsteinpflaster ist übrigens weder romantisch noch nostalgisch oder irgendwie romantisch sondern einfach nur unbequem,

Nachdem wir das Heimat-Ufer erreicht und unser Boot zurückgegeben hatten, wären wir dann beinahe doch noch havariert: der Deutschen Bahn sei Dank, die noch am Freitagabend behauptet hatte, Wittstock/Dosse zu bedienen, sich Sonnabendfrüh kurzfristig anders entschied und uns auf eine kleine Odyssee schickte. Dazu lediglich eins: Manager von Unternehmen und Politiker, die nicht sinnvoll in ihre Infrastruktur investieren, um den vorhersehbaren(!) Folgen des Klimawandels zu begegnen, sind Verbrecher. Denk-Kräppel. Arschgeigen. Korrumpel. Gauner. Verklagt mich doch.

Friseurwerbung

Friseure mit Hang zur neckischen Außendarstellung mag ich übrigens auch nicht.

 

Splitterbrötchen (DLIII)

Einer Legende unter den  Aperitiven: Scheibe Hausmacher-Leberwurst mit einem Klacks Senf, untersetzt von einem klaren Schnaps – das ist der legendäre „Pillkaller“, kreiert in der gleichnamigen ostpreußischen Stadt. Gebrauchsanweisung: Leberwurst mit Senf ankauen, Schnaps drüberkippen, im Munde mixen und runter damit. Ja, ich war diese Woche endlich mal wieder im „Marjellchen„. Großes Kino, wie immer.

Was mich im Marjellchen sehr gefreut hat: es waren viele junge Leute (deutlich unter 30) da. Klops schlägt Chiasamen!

Was mich bei Maischberger überhaupt nicht gefreut hat: die Bildregie. Das dauernde Einblenden der zuhörenden Frau Petry war doch vollkommen überflüssig. Oder sollte mir dummem Zuschauer verklart werden, dass Madame deutlich weniger nervt, wenn sie die Klappe hält?

Apropos Pillkallen:
„Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd,
In Pillkallen ist es umgekehrt.“ (unbekannter Dichter)

Splitterbrötchen (DLII)

Die ersten Wahlen, die ich bewusst miterlebt habe, waren 69, die Willy-Wahl 72, und beim Wahl-Krimi 76 dürfte ich zum ersten Mal selbst wählen. Es fällt mir gerade sehr schwer, nicht „Früher war alles besser“ zu schreiben.

Wo wir bei „Der Senator erzählt vom Wackelsteiner Ländchen“ sind: als im Jahr 1956 Geborener hatte ich mehr als ausreichend Gelegenheit, Nazis kennen zu lernen und mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Die Unterschiede zwischen alten und neuen Nazis sind minimal. Beide haben keine gangbaren Lösungsvorschläge für aktuelle Probleme, beide sind unfähig zu jeglicher Empathie. Weil sie zu dumm sind, um Humor zu verstehen, haben sie Angst vor Menschen, die gute Witze erzählen können und drohen ihnen mit höhnischem Feixen Prügel oder Schlimmeres an.

Überraschend gut: Samosas im kleinen indischen Café-Restaurant „Joseph“ am Dürerplatz nebenem Aldi.

Heute besonders vermisst: Kiezneurotikers wahltägliche Rechtfertigung, warum er nicht wählen geht. Den Schwurbelschluss, wie das die AfD nicht stärken würde, würde ich wirklich gern lesen. Wie so einiges mehr: Zum Beispiel steige ich fast jeden Morgen neben einem Bäcker namens „Sweet Back Home“ in den Bus… Nur ein Kiezneurotiker in Topform hätte den Nerv, die völlig zerstörten  Leichen aus diesen Trümmerfeld von Sprache und Semantik herauszuziehen und zu sezieren… Aber ach, er hat sein Blog gelöscht. Bitte, Kiezneurotiker, komm endlich zurück!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Splitterbrötchen (DLI)

Für die Weisheit der Woche bedanke ich mich bei Facebook-Freund Tommy Tulip: „Wortspiele über Vegetarier könnt Ihr Euch bitte schinken!“

„Richtig guter Fußball, das macht Spaß, zuzusehen!“ meinte der Sport1-Reporter pfeilgerade in dem Moment, als ich mit dem Rücken zum Bildschirm stand und nichts sehen konnte. Ich erwog kurz den Entwurf einer neuen Verschwörungstheorie, musste aber vor deren Komplexität kapitulieren.

Zum kulinarischen Höhepunkt der Woche hatte die geduldigste, beste Gemahlin von allen eingeladen. Ganze Kalbshaxe für zwei im „Roten Jäger“ in Mitte. Das war perfekt gemachte, bürgerliche Küche, eine Kalbshaxe im ganzen so knusprig und saftig hinzukriegen ist nicht einfach, großes Kompliment!

Soeben gesehen: Jo Nesbø hat es wieder getan und einen elften Roman mit dem gebeuteltsten Protagonisten der Literaturgeschichte geschrieben: Was wird er dem armen Harry Hole jetzt wieder antun? Und warum tut er das? Doch hoffentlich nicht, weil verantwortungslose Sadisten wie ich diese Bücher zwanghaft kaufen?

Heimlich, still und leise hat Fa. Apple diese Woche die E-Books aus dem iTunes-Store entfernt. Dass es schwer ist, auf dem E-Book-Sektor gegen amazon anzustinken, ist einigermaßen klar, aber Bezos einfach sang-, klang- und vor allen Dingen kampflos gewinnen zu lassen, scheint mir keine weise Entscheidung zu sein. Erinnert ein bisschen an Fa. Siemens, die vor ein paar Jahren so furchtbar froh war, ihre Handysparte verkloppt zu haben. War ja eh gesättigt, der Markt…