Kategorie-Archiv: Der Tach im Verlach

Ergötzliches aus dem MyStory Verlag

Rebootcamp

Einer der PCs in unserem Büro pflegte alle drei bis vier Stunden einen Neustart hinzulegen. Plötzlich, ohne Vorwarnung, hat das Biest einfach neu gestartet und dann die schicke Fehlermeldung „Windows wird nach einem schwerwiegenden Fehler neu ausgeführt“ angezeigt. Wenn man sich dann den Fehlerbericht anzeigen ließ, meldete Windows ein Problem mit der CAPI und empfahl, von der Website des Anlagenherstellers den neuesten Treiber zu laden.
So weit, so gut. Das klang plausibel. Am fraglichen PC hängt tatsächlich die ISDN-Anlage, dann tauschen wir halt die capi20.sys, wenn Windows muckt. Blöd nur, wenn da nix zu tauschen ist, weil der neueste Treiber schon auf dem PC ist. Wenn niemand, wiederhole niemand in der großen weiten Welt von ISDN und Internetz mit diesem Treiber Probleme hat.
Was macht man dann? Nun, man googelt ein wenig herum, sucht nach „IDN-Anlagen-Name Reboot“ und ähnlichem und probiert die dollsten Sachen aus. Anlagensoftware deinstallieren, neuinstallieren, hilft auch nix, mit den IP-Adressen des Routers spielen, undsoweiter, undsofort, so geht fröhlich Stunde um Stunde ins Land, die man eigentlich geldverdienenderweise verbringen sollte, und das Dreckding rebootet immer wieder. Es ist ihm nicht auszutreiben.
Und dann hab ich den USB-Stecker der ISDN-Anlage am PC rausgezogen und drei Millimeter weiter an einen anderen USB-Port gesteckt. Und seitdem rebootet das Ding nicht mehr. Es funktioniert plötzlich, wie es soll.
Kann mir irgendjemand erklären, woran das liegen kann? Kann mir irgendjemand erklären, wie man auf so etwas kommen soll? Kann mir irgendjemand erklären, wo meine vergeudete Lebenszeit geblieben ist?

[tags]IT Schwachsinn Lebenszeitvergeudung ISDN CAPI USB[/tags]

Granatendepp

Würde der Granatendepp, der ständig bei uns im Büro anruft, dessen Nummer mit 018052145210 im Display unserer Telefone erscheint und der sofort auflegt, wenn sich jemand meldet, dass bitte endlich unterlassen? Nein, wir werden nicht zurückrufen. Wir sind nicht so blöd wie die Menschen, die sich eine solche Masche ausdenken.

[tags]Vollidioten Telefon Abzocker Ungeheuer![/tags]

südwestpassage kultour

Die “südwestpassage kultour” ist ein Kulturrundgang durch den Berliner Ortsteil Friedenau, wo auch die Biographen und der MyStory Verlag zu Hause sind. Über 35 Künstler, Galeristen, Literaten, Musiker und Buchhändler öffnen am 6. (16 bis 22 Uhr) und 7. (12 bis 18 Uhr) Dezember ihre Ateliers, Studios, Schreibstuben und Geschäfte. Der “kulturelle Spaziergänger” kann Ausstellungen, Lesungen, literarische Führungen und musikalische Ereignisse erleben.
Nähere Informationen unter http://www.suedwestpassage.de.
Die Autoren vom MyStory Verlag sind natürlich auch dabei. Am Sonnabend ab 19 Uhr lesen Ursula Gesche und Gerd Borchert, am Sonntag ab 15 Uhr Regina Fischer und Meinhard Schröder.
Und ich steh die ganze Zeit dumm rum.
Eintritt ist frei.

[tags]Kultur Friedenau Verlach[/tags]

In eigener Sache: NaNoWriMo

In den nächsten paar Wochen wird es möglicherweise etwas ruhiger in der Netzecke werden. Nicht nur im Verlach ist Hochsaison, der November naht, und im November ist National Novel Writing Month. Wer sich an diesem Event beteiligt, versucht, in 30 Tagen einen Roman mit 50.000 Wörtern zu schreiben. Dieses Jahr mache ich mit. Ich bin mir ziemlich sicher, das schaffen zu können, aber von allein werden sich die ca. 180 Seiten nicht schreiben. Heute bin ich in die Vorbereitung eingestiegen, im November geht es los, ich weiß jetzt noch nicht, ob ich bis zum 30. November dazu komme, mehr als die Splitterbrötchen und den ein oder anderen Gelegenheitsbeitrag in die Netzecke zu stellen.
Über die Fortschritte, die ich mit dem Roman mache (oder die Dinge, die der Roman mit mir macht) werde ich in meinem anderen, immer nur sporadisch betriebenen Schreib-Blog berichten. In die Netzecke gehören Halbfertigkeiten nicht rein. Wer also in den nächsten Wochen etwas von mir lesen will, ist bei “Geschichten erfinden und erzählen” besser bedient.
Wer die Idee mit “ein Roman in dreißig Tagen” interessant findet und sich eventuell auch auf so eine Verrücktheit einlassen möchte: Wir bieten kostenlos eine begleitende Schreibgruppe an. Nähere Infos finden sich hier bzw. hier.
Ende der Durchsage. Wir danken für die Beachtung aller Sicherheitsmaßnahmen.

[tags]MyStory Verlag, NaNoWriMo, Schreibgruppe[/tags]

Ich hab ‘ne Nase…

“Du, Chris, du kannst doch so gut Englisch…”
“Naja, ich komm durch.”
“Was ist’n das für ‘ne Redewendung, was meint’n der Engländer, wenn er sagt: ‘I have a nose’?”
“Wenn er was sagt?”
“I have a nose!”
“Ich hab ‘ne Nase!”
“Nein, das kann nicht sein, das muss irgendeine Redewendung sein, das passt sonst nicht.”
“Wo passt das nicht?”
“In dieses Lied, von früher, in Eloise.”
“Da soll ‘I have a nose’ drin vorkommen? Kann nicht sein.”
“Wenn ich’s dir doch sage…”
Nachgegooglet. Eloise-Lyrics gefunden.
“Sorry, keine Nase im ganzen Song.”
“Kann nicht sein, ich hab’s doch eben noch gehört. I have a nose, I hope she goes…”
“Nein. Es heißt: And heaven knows…”
“Sag ich doch.”

[tags]Eloise, Lyrics, nose, Lost in Translation[/tags]

Argumentationshilfe

Dolles Argument
Das Dingen haben wir da, weil wir heute nachmittag ein paar Fotos für ein Buchcover (“Colt Concertos – Das Kompendium der Western-Komponisten” von Michael Stemmer, kommt im Frühjahr 2008 raus) schießen machen. Erstaunlich, wie groß und schwer so ein Teil ist. Wie man das abfeuern kann, ohne sich das Handgelenk zu brechen, ist mir ein Rätsel.
Andererseits verleiht es den eigenen Worten ein schönes Gewicht, wenn man es vor sich auf dem Schreibtisch liegen hat. Die Gesprächspartner scheinen einen Tick aufmerksamer zu sein.
[tags] Western, Verlag, Buchcover, Colt Concertos, Stemmer, Schleichwerbung[/tags]

Der Teufel in der Soorstraße

Gestern Abend schlug das Schicksal mit unbarmherziger Härte zu. Um 17 Uhr 15 fiel mir ein, dass ich noch die Büropost wegzubringen hatte, und wer schon einmal gegen 17 Uhr 30 das Postamt in der Berliner Soorstr. betreten hat, weiß was das heißt: mindestens 15 (gefühlte 30) Meter Schlange vom Diskretionsbalken bis zur Tür, maximal 3 (gefühlt 1) Schalter offen, mindestens 30 Minuten (gefühlt: 8 Stunden) Wartezeit, während der man sich anhören muss, wie die Postangestellten versuchen, statt Postwertzeichen Mobilfunkverträge, kostenlose Giro-Konten und Heizdecken preiswerten Strom zu verhökern… Mein Los verfluchend stürzte ich auf die Straße, eilte in die Soorstr., betrat das Postamt und erstarrte.
Keine Schlange. Nur ein weiterer Kunde weilte in der Filiale und der wurde bereits zu seiner vollsten Zufriedenheit bedient.
Ich wähnte mich in einem fantastischen Traum, tastete mich zum Diskretionsbalken vor, wo man mich zweifellos mindestens 5 (gefühlte 15) Minuten warten lassen würde, ich kenn ja meine Pappenheimer von der Post…
“Bitteschön…”
Nicht zu fassen. Nach maximal 20 (gefühlt 5) Sekunden Wartezeit war ich dran. Am Schalter gab ich meinen Poststapel ab, und da die Dame ihn zügig, kompetent und ohne Werbeeinblendungen (Handy, Girokonto, Strom) bearbeitete, wagte ich ein entspanntes Gespräch:
“Haben Sie das schon einmal erlebt? 17 Uhr 30, und keine Schlange?”
“Nicht, seit ich denken kann.”
“Ich hatte mein Schicksal verflucht, als ich feststellte, dass ich noch zur Post musste, aber jetzt dies… die reine Wonne…”
“Wären sie ein bißchen früher gekommen, hätten Sie gar nicht warten müssen, da hätten Sie glatt durchgehen können.”
“Das hätte ich nicht verkraftet. Das wäre zuviel Glück auf einmal gewesen.”
“Jetzt übertreiben Sie aber.”
“Keineswegs.”
“Quittung?”
“Ja, bitte, gerne. Ich übertreibe wirklich nicht. Seit eben weiß ich, dass es irgendwo dort oben doch ein höheres Wesen gibt, dass über mich wacht, dass mir wohlgesonnen ist…”
Und in genau diesem Moment ging der Quittungsdrucker kaputt.
[tags]Post, Nihilismus, Weltschmerz[/tags]