Splitterbrötchen (DCCCLXXIX)

Anfang der Woche hat Alexa mich aufgefordert, sie zu fragen, ob Otter schwitzen. Was weiß man eigentlich über Drogenprobleme bei KIs?

Fast alles, was einem 20 Jahre später nicht peinlich sein muss, ist gut.

Ein Tweet von erschütternder Klarheit und Wahrheit, wie ich aus Erfahrung bestätigen kann:

Den Bundestagsabgeordneten kann man mangelnde Empathie und Stillosigkeit vorwerfen, aber nicht, dass sie zur Tagesordnung übergegangen sind. Das ist doch die Aufgabe eines Parlaments.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war der Besuch des Schöneberger Gsthauses „Renger-Patzsch“, das sich spontan mit angenehmer Wirtshaus-Optik, ausgezeichneter Küche, schönen, bezahlbaren offenen Weinen (es gibt Elsässer Riesling!) und freundlich-humorvollem Service in die erlesenen Top Five unserer Lieblingsrestaurants boxte. Zur Vorspeise teilten wir uns ein Meeresfrüchte-Risotto, zum Hauptgang trennten sich unsere Wege. Die geduldigste, beste Gemahlin von allen, die den Gasthausbesuch großzügig finanziert hatte, erfreute sich an ausgezeichneten Kalbsnierchen in Senfsauce, ich austriasierte mit außen wunderbar knusprigen, innen schön cremigen Kaspressknödeln auf Gemüse-Rahmsauce.

Beim Nachtisch entdeckte ich eine nur auf den ersten Blick exotische, in Wahrheit sich genial ergänzende Kombination: eine Scheibe Brie de Meaux mit einer Kugel Portwein-Eis. Herrlich.

Sollte wirklich das Gelingen bzw. dessen Möglichkeit Maßstab politischen Handelns sein?

Die Lektüre-Empfehlung der Woche: taz-Interview mit Nicole Henneberg, der Herausgeberin von Gabriele Tergit. Ich habe mittlerweile alles gelesen, was von Frau Tergit erhältlich ist. Die Beschäftigung mit ihrem Werk und ihrer Vita ist außergewöhnlich bereichernd.

Silvio Berlusconi besitzt 25 Prozent von ProSieben/Sat1 und hat den Laden noch nicht in „Bunga Bunga TV“ umbenannt? Was ist los, ist der Cavaliere außer Form?

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXVIII)

Erneut hat Wladimir Putin nichts unternommen, um mich zu besänftigen. Enttäuschung macht sich breit.

Wenn es eine rationale und eine abstruse Erklärung gibt, favorisiere ich grundsätzlich die abstruse,

Die Legende lebt: Eine Million und zweihunderttausend Käsestullenfoto-Freunde können nicht irren!

Im Gegensatz zum Käse auf der populären Stulle war der auf dem kulinarischen Wochenhöhepunkt geschmolzen: Pizza Frutti di Mare im „Al Dente“ in Brandenburg.

Alle Menschen, die die Deutung von Putin als „durchgeknalltem, unberechenbaren Irren“ akzeptiert haben, sollten vielleicht in Betracht ziehen: Einem Menschen, für den Gewalt eine Option ist, kann gar nichts Besseres passieren, als als verrückt und unberechenbar gelabelt zu werden. Vor wem hatte man auf dem Schulhof mehr Angst: vor dem berechenbar agierenden Jungen aus dem Boxclub, oder vor dem verschlagenen Typen, der „wie ein Irrer“ schlägerte?

Der Tweet der Woche:

Als der Zahnarzt kurzfristig einen Termin absagte, den ich kurz vor unserem Aufbruch in den Kurzurlaub noch wahrnehmen wollte, gelang mir die fantastische Wortschöpfung von der „Abreiseablaufentzerrung“.

Im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg lernte ich hinzu: In dieser Gegend gab es mal hochinteressante Tiere, die Oderschnurken. Irgendwann in der Steinzeit scheinen sie ausgestorben zu sein. Ihre Überreste bezeichnet man als „Oderschurkeramik“.

Es gibt schon dolle Berufe:

Ist es wirklich zu begrüßen, dass bei politischen Entscheidungen moralische Gesichtspunkte stärker bewertet werden als Sachzwänge? Skrupellose Menschen können moralische Fragen deutlich flexibler handhaben als Fakten.

Entsetzen über die Untätigkeit der Bayerischen Landesregierung: Immer noch wird in den dortigen Gaststätten und Biergärten eine „Russenmaß“ (Weißbier und Zitronenlimo, eigentlich ganz schmackhaft) angeboten. Warum wurde nicht schon längst per gesetzlicher Verordnung die Umbenennung in „Zelensky-Schoppen“ veranlasst, Herr Söder?

Wenn das sinkende Schiff die Ratten verlässt, wird’s wirklich brenzlig.

Splitterbrötchen (DCCCLXXVII)

Auch wenn er quasi im Alleingang die Pandemie beendet hat: Meine Verärgerung über Wladimir Putin ist nicht kleiner geworden.

Gerade als Mann fortgeschrittenen Alters sollte man sich zeitgemäß kleiden.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war eine Koproduktion aus gebratenen Sardinen (beste, geduldigste Gemahlin von allen) und Aioli (Mixstab und ich). Runner-Up war  – endlich mal wieder – die gute, gute Curryrahmsuppe.

Wenn Sie starke Nerven haben und wirklich wissen wollen, wie in den 60er Jahren Ausflugslokale in Nordhessen aussahen, schauen Sie sich diese Postkarte an. Links oben. „Hähnchen-Kniese“, die Hitzelröder Feinschmecker-Legende. Doch, doch, so war das damals. Nicht wirklich schön. Ich habe Sie gewarnt.

Spontane Frage an mich selbst: Arbeitet da vielleicht auf übergeordneter Ebene doch jemand mit Entscheidungsbefugnis und einer Art Kompass, der sich gesagt hat: „Diese Generation hatte es bisher viel zu einfach, denen pack ich noch eine Pandemie und einen Krieg obendrauf, damit sie sich bewähren können“?

Zivilisationsmüde Schwermut hat noch nie jemanden auch nur einen Millimeter weiter gebracht. Aber das ist ja auch nicht ihre Aufgabe.

Kann es sein, dass der Löffel Senf beim Selbstklöppeln von Mayo mit dem Mixstab tatsächlich spielentscheidend ist?

Der Tweet der Woche;

Ein potenzieller, in unmittelbarer Nähe zum Zentrum der Macht positionierter Thronprätendent/Königsmörder ist in autoritären Systemen ein eminent wichtiges politisches Korrektiv. Wenn es fehlt, merkt man’s schmerzlich, wie gerade jetzt.

Alle paar Tage/Wochen fordert WordPress mich auf, den vor ein paar Jahren mit großem Umpftata eingeführten Editor „Gutenberg“ zu aktualisieren. Ich habe dieses User-feindliche Tool, das neue Maßstabe in Sachen Unpraktikabilität gesetzt hat, sofort nach Erscheinen deaktiviert und nie benutzt. Ich kenne auch niemanden, der es benutzt, benutzt hat oder irgendwelche Hoffnungen in eine glorreiche Zukunft mit diesem Tool setzen würde. Der Starrsinn, mit dem WordPress an dieser Totgeburt festhält, würde mir beinahe Bewunderung abnötigen. Wenn die sinnlosen Update-Aufforderungen nicht so nervig wären.

So langsam müssen wir anfangen, den Zynismus vor Putin zu schützen.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXVI)

Wladimir Putin hat mich diese Woche sehr verärgert.

Am Dienstag musste ich aufs Bürgeramt Kreuzberg, meinen steinalten grauen Lappen in einen zeitgemäßen Kartenführerschein umtauschen. Auf dem Weg dorthin ist Ulrich Tukur an mir vorbeigeradelt, im eleganten Tweedmantel mit einem Hund an der Leine. Interessanterweise begegnete mir Tukur an fast der gleichen Stelle, an der vor 15 Jahren Martenstein an mir vorbeigeradelt ist. Das kann doch kein Zufall gewesen sein!

Am Freitagabend erklärte Herr Llambi treffend den Turniertanz: „Wenn’s unten rum stimmt, kannst du oben alles machen.“ Der über die Maßen geschätzte Kollege Pitt Krüger hat mich vor bald vierzig Jahren mit ähnlichen, inhaltlich aber diametral entgegengesetzten Worten in die Geheimnisse des Bühnentanzes eingeweiht: „Du musst oben rum verkaufen, was unten rum nicht klappt.“

Ich liebe den Geruch von Amalgam am Morgen.

Nachricht an den Maschinenraum: Mach dir keinen Kopp. Der Autor eines Textes kann nicht verantwortlich für das sein, was die Menschen tun, nachdem sie den Text gelesen haben. Man müsste dann ja auch Verantwortung für die aus dem Text resultierenden Missverständnisse übernehmen. Was wiederum dazu führen würde, dass man nur noch unmissverständliche Texte veröffentlichen dürfte. Das wäre dann das Ende jeder Literatur.

Neuer, begeisternder Beitrag zu meiner Serie „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“. Heute: Eiskaffee.

Ein Vorteil, wenn man sich aus dem öffentlichen Diskurs weitestgehend heraushält: Man muss sich nicht so oft korrigieren.

Wenn ich diese Meldung richtig verstehe, dann stand der BND bezüglich des russischen Angriffs auf die Ukraine dermaßen auf dem Schlauch, dass man den BND-Präsidenten dort noch am Mittwoch fröhlich durch die Gegend tölpeln ließ und ihn anschließend mit einem Sonderkommando rausholen musste. Immerhin inspirierte mich diese – eigentlich für einen Jerry-Lewis-Film typische – Nummer zu einer Plotidee für eine ARD-Freitags-RomCom: Eine total verpeilte Geheimdienstchefin (Andrea Sawatzki) feuert ihren besten Mann, einen Zyniker, der sich an keine Regeln hält (Hardy Krüger jr.) wegen Insubordination. Als sie kurz darauf in einem überraschend von den Russen überfallenen Land festsitzt, ist es natürlich haargenau dieser Mann, der die Kohlen aus dem Feuer und sie zurück in die Heimat holt. Im Supporting Cast hätten wir Lauterbach als Putin, Ochsenknecht als Scholz, Simon Schwarz als intriganten Gegenspieler, der die GPS-Daten der Chefin fortlaufend dem russischen Geheimdienstchef (Tobias Moretti) zuspielt. Am Ende quittieren BND-Chefin und Agent den Dienst und eröffnen eine Süßwarenmanufaktur in Kampen oder Bad Gastein, je nachdem, welcher Sender produziert. Welthit.

Das Alter klopft an deine Tür, wenn du Spam erhältst, der einen Reinigungsschaum für orthopädische Fußeinlagen bewirbt.

„Was läuft denn da für ein Film?“ – „Der Pferdeflüsterer.“ – „Warum redet der Kerl so leise? Man versteht kein Wort.“

Auf dem Bürgeramt Kreuzberg gab’s erst heftiges Geduze und kumpelhaften Smalltalk mit einem linksalternativen Veteranen, der beim langen Marsch durch die Institutionen in der Pförtnerloge hängengeblieben ist. Anschließend wurde ich auf die Sekunde(!) pünktlich aufgerufen. Eine freundliche, kompetente Beamtin organisierte den Führerscheintausch binnen fünf Minuten. Kreuzberg – weltbester Stadtteil!

Mein Tweet der Woche:

Ich hoffe wirklich sehr, dass Prof. Astor recht behält.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXV)

Wenn man etwas gelernt hat, kann man es noch lange nicht.

Habe erfahren, dass Alan Ritchson, der Jack Reacher in der amazon-Serie spielt, 6 ft. 2 groß ist. Der Reacher in den Büchern misst 6 ft. 5. Ich bin mir nicht sicher, ob das okay ist, dass Reacher schon wieder von einem Zwerg gespielt wird.

Perfide Strategie: Karl Lauterbach versucht, Querdenker durch einen gezielten „Mental Overload“ auszuschalten.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein selbstgeklöppelter Blumenkohlauflauf mit Crème fraîche, Schinkenwürfeln, Cheddar und Ergänzungsgemüsen. Die Kombination aus Blumenkohl und Cheddar wurde im Himmel erfunden.

Der Zweitplatzierte wurde im „Golden Brown“ auf den Teller gewuchtet: stilsichere Oldschool-Cuisine mit Cordon Bleu, Pommes und einem Hauch Salat. Um den Ruf des Lokals zu schützen, verschweige ich mal,  dass die freundliche Bedienung mir dazu eine vollkommen deplatzierte Gorgonzola-Sauce angeboten hat1.

Ich verneige mich unter großen Schmerzen:

Hier laufen tatsächlich Menschen rum, die behaupten, Masken wäre ein Symbol der Unterdrückung. Nuja. Anzug und Krawatte sind in der Hinsicht eindeutig schlimmer. Meine 2 Cents.

Daily Quordle #27
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quordle.com
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Falls jemandem Wordle zu langweilig wird, kann er ja mal die Champions League probieren: quordle.com. 4 Wordles gleichzeitig. Es gibt einen Trainingsmodus, und den braucht man auch. Ich habe mein erstes Quordle nach 8 Versuchen hinbekommen. Als Nicht-Muttersprachler braucht man ein Lexikon, es sind auch exotische Wörter dabei. Stift und Papier sind hilfreich bis unerlässlich. Am besten nutzt man die ersten drei Versuche, um so viele Buchstaben wie möglich zu verifizieren bzw. auszuschließen. Derzeit halte ich „aeons – fully – trick“ für optimal.

Splitterbrötchen (DCCCLXXIV)

Der Gag der Woche: Gendern ist, wenn der Sachse mit dem Boot umkippt. Entschuldigen Sie vielmals.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren selbstgeklöppelte Rotkohlsteaks, also in Scheiben geschnittener Rotkohl, mit Knoblauch-Öl bestrichen im Ofen gebacken und abschließend gratiniert. Hab ich zum ersten Mal gemacht, werde ich öfters machen.

Der Tweet der Woche (der hessische Dialekt ist die halbe Miete):

Jeder noch so abstrusen Meinung oder Forderung eine Bühne zu bieten, ist keine journalistische Aufgabe. Man kann auch einfach mal sagen. „Für so einen Quatsch interessiert sich niemand.“

Chuck Norris hat drei Streifen auf seinem Corona-Test.

Die Menge der Menschen, die in den sozialen Medien wieder und wieder höchste sprachliche Sensibilität in allen Belangen einfordern, gleichzeitig aber gern das Bild von den „alten weißen Männern“ benutzen, ist erstaunlich groß.

Alkoholfreies Bier ist unterlassene Hefeleistung.

Was, denke ich, noch stark unterschätzt wird: Wie viel Probleme es dabei geben wird, die Distanz zu anderen Menschen wieder aufzugeben.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXIII)

Dieses ganze Wintersportgedöns finde ich schon seit jeher als Zuschauersport durchaus dubios: Mit vor Winterlandschaft runtertickenden Stoppuhren kann ich nichts anfangen. Habe trotzdem kurzzeitig erwogen, Wintersport-Fantum zu behaupten, um anschließend total authentisch die Spiele in Peking boykottieren zu können.

Die miese Stimmung im Land liegt nicht unbedingt am Virus, sondern an zwei Dingen, die die Politik nicht angeht: Zu versuchen, das in den letzten Jahren verlorene Vertrauen zurückzugewinnen und Anstalten zu machen, eine vollkommen aus dem Ruder gelaufene, selbstherrlich agierende Bürokratie wieder in die Spur zu bringen.

Eine Frau Capelli hat via -Mail versucht, mich für „Naturhörspiele“ zu begeistern. Vergeblich.

Der Tweet der Woche:

Auch nicht übel:

Warum versuchen Unternehmen, von denen ich seit Jahren nichts mehr gekauft habe, andauernd, mich für meine Treue zu belohnen?

Seit sieben Tagen ist meine Corona-Warn-App grün, seit 6 Tagen sogar frei von Risikobegegnungen. Kurzzeitig habe ich erwogen, ein Test-Center zu besuchen, einfach, um mal wieder ordentlich rot aufzukacheln.

Chuck Norris hat drei Striche auf dem Corona-Test.

Die beste, geduldigste Gemahlin von allen versorgte mich in dieser Woche mit zwei kulinarischen Höhepunkten: Am Mittwoch hatte sie uns zwei Plätze beim „Petit Chef“ gebucht…

Die Show war höchst amüsant, das Essen ausgezeichnet. Wir genossen Burrata, Bouillabaisse, Riesengarnele…

Roastbeef vom Simmentaler Rind und Zitronensorbet, alles perfekt zubereitet.

Damit nicht genug, Am Freitag stellte sich meine treffliche Frau selbst an den Herd und fertigte einen Trialog aus Perlhuhn-Supreme, Schwarzkohl und ihrem eigen Signature-Tomatenconcassé, ein wunderbares Essen.

Ratlose Momente vor dem Fernseher – Heute: „7 Tage, 7 Köpfe“
Warum man ausgerechnet dieses Format, das schon bei der Erstausstrahlung einigermaßen altbacken wirkte, wiederbelebt hat, ist mir ein totales Rätsel. Geradezu bestürzt bin ich über die Tatsache, dass man die Pointen offenbar aus dem Papierkorb des Headwriters von Mario Barth geholt hat. Nach 5 Minuten unter Schmerzen umgeschaltet. Sträter hatte bis dahin geschwiegen und blieb daher unbeschadet.null
Von xkcd, unter CC BY-NC 2.5

Die nächsten Olympischen Winterspiele sollten in Qatar stattfinden. Das würde sehr, sehr gut passen.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXII)

„So, drei Ballen Stroh. Kriegen Sie die überhaupt in den Wagen rein?“
„Doch, doch, ich klapp die Rückbank um, dann passt das.“
„Warten Sie, ich geb Ihnen ’ne alte Decke, die legense drunter, sonst gibt das ’ne Riesensauerei. Brauchen Sie ’ne Rechnung.“
„Ja, bitte auf ‚Theater Der rote Faden‘, Skalitzer Str. 103, 1 Berlin 36…“
„Was wollnse denn mit Stroh in Kreuzberg? Wollnse Champignons züchten?“
„Nein, die sind für Ernst Stankovski.“
„Stankovski? Der ausm Fernsehen?!!!“
Ich habe tatsächlich mal drei Ballen Stroh für Ernst Stankovski gekauft. Die waren das Bühnenbild für seinen Villon-Abend, mit dem er in den achtziger Jahren im ‚Roten Faden‘, einem winzigen Theater1 eine Woche lang aufgetreten ist. Ich saß in jeder Vorstellung, Stankovskis Villon war eins der eindrücklichsten Theater-Erlebnisse, die mir vergönnt waren. Er hat Villon vollkommen abseits von der üblichen, herausgebrüllten Berserkerei interpretiert, sein Thema war die Wut des Intellektuellen, die nach außen und innen schmerzt. Was wohl auch das eigentliche Thema Villons war. Stankovski hatte während der Vorbereitung zu diesem Programm eigens Altfranzösisch gelernt, um eine eigene Übersetzung anfertigen zu können. Das war großes Theater, in jeder Hinsicht.

Kirchen sind gewissenlose Organisationen, die aus der spirituellen Not von Menschen ein skrupelloses Geschäftsmodell gemacht haben.

Hätte Rudolf Augstein diesen Beitrag in einer Publikation aus seinem Haus entdeckt, er hätte sein aktuelles Bier geext, die Pumpgun geschultert und den verantwortlichen Redakteur unter dem tosenden Applaus aller anderen Mitarbeiter persönlich gerichtet.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt abseits des Tellers2 war die fantastische Koch- und Fress-Serie „The Dinner Club“ auf amazon prime. Ein italienischer Superkoch bereist mit Schauspielern die verschiedenen Regionen Italiens, um die jeweiligen Spezialitäten zu probieren. Sturzbäche im Mund! Und die Erkenntnis, dass ich von der authentischen italienischen Regionalküche absolut keine Ahnung habe. Ich habe bereits mit einer entsprechenden To-Do-Liste angefertigt. Auf Position 1: Cazzomarro.

Ich unterstütze die Einführung einer Präsenzpflicht für Bundeskanzler.

Das Fitness-Studio, das ich regelmäßig aufsuche, liegt im 6. Stock. Seit ein paar Wochen ist der Fahrstuhl kaputt. Erstaunlich, wie viele Leute weg bleiben, weil sie die Treppen nicht steigen wollen.

Dazu passt Peter Breuers Twitterbeobachtung:

Einer erschütternd großen Menge von Menschen ist der Unterschied zwischen „Schreiben“ und „Wörter tippen“ gänzlich unbekannt.

Herr Meuthen tritt aus der AfD aus:

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXI)

Als ich das erste Mal „Bat out of Hell“ hörte:
Platte aus dem Cover, auf den Teller gelegt, Plattenspieler gestartet, Tonarm auf die Platte gesenkt. Nach ca. einer Minute Tonarm wieder hoch, Lautstärke auf Anschlag, Platte neu gestartet. Album durchgehört. Atem geholt. Album nochmal durchgehört. Zum Telefon gegriffen, den damaligen besten Kumpel angerufen: „Hast du was zu trinken da? Ich komm gleich mit ’ner Platte, das MUSST du hören.“

Kirchen sind gewissenlose Organisationen, die aus der spirituellen Not von Menschen ein Geschäftsmodell gemacht haben.

Man kann einem Kunstwerk nicht die Zeit zum Vorwurf machen, in der es entstanden ist.

Wenn intelligente Menschen sich bei Idioten anbiedern, sollte das den Idioten zu denken geben. Oh, wait…

Ich sehe es vor mir. Fantastisches Kopfkino.1.

Unfotografierter kulinarischer Wochenhöhepunkt war eine zum Teil selbstgeklöppfelte, zum Teil zusammengekaufte Tapas-Party mit Freunden im heimischen Wohnzimmer. Ich habe zweierlei Aioli, Chorizo in Weißwein, weißes Bohnenpüree und Pulpo mit Knoblauch beigesteuert sowie komplett vergessen, die großspurig angekündigten Speckdatteln zuzubereiten.

Anfang Dezember habe ich – im Webshop des Herstellers – als Weihnachtsgeschenk für einen guten Freund 2 Fläschchen Chili-Sauce bestellt. Jetzt, über 5 Wochen später, sehe ich immer noch auf beinahe jeder Website Kontextwerbung für Zeug, das ich bereits gekauft habe.

Was nicht jeder weiß: Stanley Kubricks Meisterwerk „2001 – Odyssee im Weltraum“ wurde komplett auf der Erde gedreht.

Wie Menschen, die auf Twitter tagelang auf simplen Versprechern herumhacken und einer Historikerin vorwerfen, für ein Buch keine Vor-Ort-Recherchen betrieben zu haben, sich selbst noch ernst nehmen können, ist eins der rätselhaftesten Phänomene unserer Zeit.

Splitterbrötchen (DCCCLXX)

Wenn die Stadt voll ist, schimpft man gern über die vielen Touristen. Wenn sie nicht da sind, ist es erst recht nicht recht: ein freitagabendlicher Gang durchs Corona-bedingt leergefegte Nikolai-Viertel in Mitte war geradezu deprimierend.

Wie sieht das eigentlich mit rechtsextremen Impfgegner-Aufmärschen und Holocaustrelativierungen in anderen Ländern aus?

Wenn nicht so viele Menschen gestorben oder schwer erkrankt wären, müsste man dem Virus für die Augenöffnung geradezu dankbar sein: Dank Covid-19 wissen wir jetzt, dass wir in einer heruntergewirschaftete Bananenrepublik leben, und dass ein erschreckend großer Anteil der Bevölkerung massive Defizite in den Bereichen Demokratieverständnis, Anstand und Intelligenz hat.

Kultureller Wochenhöhepunkt war das freitägliche Durchbingen der dritten und letzten Staffel von Ricky Gervais‘ „After Life“. Große Bewunderung für diese (scheinbar) lässig aus dem Ärmel geschüttelte Dialog-Handwerk voller fallengelassener Pointen mit Nachbrenner. Okay, die erste Folge kommt ein bisschen schwer in die Gänge, und in der letzten übertreibt er’s mit dem Sentiment (ein bisschen mehr Bösartigkeit hätte er Tony durchaus lassen können), aber Schwamm drüber. Ganz großes Tennis!

Von dem gedanklichen Modell, dass etwas nicht stattfindet, wenn ich nicht daran teilnehme, musste ich mich schon im Kindergarten verabschieden. War nicht mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen.

Warum macht man sich in Sachen Parlamentspoetin nur über Frau Göring-Eckardt lustig? Warum nimmt niemand diese beiden liebedienerischen Flachpfeifen aufs Korn, die sie auf diese absonderliche Idee gebracht haben?

Dessert im Balthazar: Zweierlei (Mousse und Törtchen) von der Valrhona-Schokolade mit Himbeersorbet

Kulinarischer Wochenhöhepunkt und die Restaurant-Entdeckung des Jahres fanden gleichzeitig statt: die beste, geduldigste Gemahlin von allen hatte einen Groupon-Gutschein für einen Dreigang im „Balthazar“ erstanden. Um 18 Uhr haben wir den Laden zum ersten Mal betreten. „Hier bist du richtig“, dachte ich, als ich sah, dass der Laden geradezu verschwenderisch mit geleerten, namensgebenden Balthazars dekoriert war, und der erste Eindruck trog nicht: zwei Stunden später gingen wir als Fans. Hervorragende Küche (Tässchen Rosenkohlsuppe als Amuse Geule, dann gebratenem Zander mit Sesam-Krautsalat, Flanksteak mit Parmesan-Gnocchi und Tomatengedöns, Mousse au Chocolat und Schokoladentörtchen mit Himbeersorbet zum Dessert), gute offene Weine, hochkompetenter, humorvoller Service und dann sitzt man auch noch sehr angenehm… ein Restaurant zum Wohlfühlen!

Maximaler Belastungstest für italienische Gastronomen: „Kann ich die Pizza Bolognese auch mit Ananas bekommen?“

Warum Menschen denken, ihrem Anliegen durch möglichst schlechtes Benehmen Nachdruck verleihen zu können, entgeht mir komplett.