Ein Angebot, das man vielleicht nicht ablehnen kann

Kollege Impermeabile setzt mich massiv unter Druck: Ich soll hier alles stehen und liegen lassen, mir einen Bass besorgen und damit rumrumpeln, während Impermeabile die Hanika traktiert. Normalerweise würde ich einen solchen Vorschlag mir nichts, dir nichts abbügeln, für eine Absage gibt es zahlreiche gute Argumente (keine Zeit, Blutdruck zu hoch, außerdem kann ich überhaupt nicht Bass spielen), aaaaaber… zufällig bin ich auf die Seite Musicdiscount 24 gestößen, wo man einen äußerst preisgünstigen Einsteiger-Bass-Set anbietet. Und die dort abgedruckte Produktbeschreibung

Anstatt immer nur Musik zu hören, kannst Du selbst ein Instrument spielen! Wie wär’s? Lade Deine Freunde zu einer Session ein, gründe eine Band, schreibe eigene Songs, werde bekannt, gib Interviews und fahre einen Luxussportwagen. Natürlich brauchst Du spätestens dann auch Bodyguards, die Dich vor den unzähligen, kreischender Fans beschützen …
Nimm Deinen Bass und leg los – Deine Fans warten schon.

hat (Vorsicht, Metapher!) eine Saite in mir zum Klingen gebracht. Impermeabile hat mit

Nur das Saufen und Koksen überlassen wir den anderen.

diese Saite leider sofort wieder zum Verstummen gebracht, aber trotzdem…
Kurz und gut, bevor das wieder eine endlose „Soll ich… Soll ich nicht“-Arie wird, lasse ich die Netzecken-Gäste abstimmen. Der angefügte Poll läuft eine Woche, dann werde ich mich dem Abstimmungsergebnis beugen und zum Bass greifen oder die Finger davon lassen.

[tags]Bass, Musik, Demokratie, Alterstorheit[/tags]

Splitterbrötchen (XVIII)

Es gab gab mal einen Konsens, dass Qualität an sich grundsätzlich wichtig ist. Irgendwann während der letzten zehn Jahre ist dieser Konsens aufgegeben worden.

Dass Problem ist nicht, dass ein paar Jugendliche sich besaufen. Das Problem ist, dass diese Jugendlichen ihre hilflosen Kumpels auf der Straße liegen lassen, anstatt sie nach Hause zu bringen.

Vielversprechender Titel für einen trendigen, in Schottland angesiedelten Frauenroman: Die Kettenraucherin von Loch Lomond.

Wenn man älter wird, scheinen einem immer mehr Menschen zu begegnen, die ein wenig verwirrt und ein wenig ängstlich aussehen. Werden es tatsächlich mehr, oder bekommt man nur einen Blick für seinesgleichen?

Sollte Jürgen Schrempp einen Autor suchen, der seine Biographie verfasst, wäre Tommy Jaud die logische Wahl.

Wunderbar: dtv legt Carlo Manzoni endlich neu auf. Im Januar 2008 erscheint „Der Finger im Revolverlauf“.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Die Rückkehr der glorreichen Alko-Cops

Die unglaubliche Erfolgstory der vom Tagesspiegel auf unnachahmlich ulkige Art „Alko-Cops“ getauften Süffel-Kontrolettis geht weiter. In einem heute erschienenen Artikel wird anschaulich geschildert, wie diese Rächer der Enterbten, Beschützer von Witwen und Waisen zu allem entschlossenen Beamten in Zukunft abseits aller bürokratischen Hemmnisse ihren dreckigen Job, der dennoch getan werden muss, erledigen werden:

Die bezirklichen Ordnungsämter sollen gemeinsam mit der Polizei jetzt verstärkt nachts auf Streife gehen. Der Hauptpersonalrat hat gestern über eine Änderung der bisherigen Rahmenarbeitszeit von 6 bis 22 Uhr beraten. „Wir werden darüber verhandeln. Ausnahmen können nach 22 Uhr gemacht werden. Es soll aber nicht die Regel werden“, sagte Benita Hanke vom Hauptpersonalrat …
Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte, wie berichtet, vergangenen Freitag eine erste gemeinsame Kontrolle von Ordnungsamt und der Polizei in vier Gaststätten durchgeführt. Auch andere Bezirke wie Mitte und Steglitz-Zehlendorf haben schon einmal Ordnungsamtsmitarbeiter nach 22 Uhr auf Streife geschickt.

Bevor die Alko-Cops ihre nächste Kneipentour Reise ins Ungewisse unternehmen, sollten sie, um ihre Effizienz zu steigern und ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten, unbedingt mit einer Spezialausrüstung, bestehend aus je

    1 kugelfestem Cocktail-Schirmchen
    1 abwaschbarem Skat-Spiel
    1 lustigem Papierhütchen (Tarnung!)

ausgestattet werden. Vielleicht schaffen sie dann fünf statt vier Kneipen.
[tags]Alkohol, Beamte, Ordnungsschwurbel, krasses Gehirnversagen, Geheimagenten, Ungeheuer![/tags]

The Book of Love according to Effjott

Heut isses mit ihm mal wieder durchgegangen:

Lieber Präsident Putin, mit ausgebreiteten Armen näherten Sie sich dem Mann, zu dem die westliche Welt auf Distanz geht. Mahmud Ahmadinedschad, Irans Premier, der Israel auslöschen will. Ihre Arme umfassen den Irren, Ihre Hände fühlen seinen Rücken, Sie drücken Ihren Körper an den seinen. Ihre Köpfe sind sich nahe, von Angesicht zu Angesicht, Sie gucken sich in die Augen und halten sich dabei an den Armen fest, Sie sind auf Kussnähe, 10 cm von Mund zu Mund.

Effjott! Ich bin enttäuscht von Ihnen! Sie hatten doch versprochen, nicht mehr auf diese Internetz-Seiten zu gehen, die Udo Ihnen immer in der Paris-Bar empfiehlt. Und schon gar nicht, wenn sie kurz vor dem Heimweg noch ein Last-Minute-Grappa-Tasting durchgezogen haben. Naja, Schwamm drüber. Aber die nächste Kolumne schreiben Sie wieder mit beiden Händen an der Tastatur, ja?

[tags]Wagner, König der Autoerotiker, Gehirnmissbrauch, Sexwahn, Ungeheuer![/tags]

Ordnungsamt auf der Piste

Das find ich echt toll, dass das Ordnungsamt von Wilmersdorf-Charlottenburg sich zum kompromißlosen Handeln entschlossen hat, um dem Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen endlich Einhalt zu gebieten. Der Tagesspiegel berichtet unter der außergewöhnlich witzigen Schlagzeile Alko-Cops zum ersten Mal auf Streife von einer aufsehenerregenden Aktion:

Zwischen 22.30 Uhr und ein Uhr besuchten drei Bezirksmitarbeiter, fünf Polizisten und zwei Mitarbeiter vom Gewerbeaußendienst des Landeskriminalamtes vier Gaststätten zwischen Wilmersdorfer und Pariser Straße. „Sie ließen sich Ausweise zeigen und kontrollierten den Ausschank von Alkohol an Gäste“, sagte Marc Schulte, SPD-Bezirksstadtrat für Wirtschaft und Ordnungsangelegenheiten in Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Ergebnis war erfreulich: „Es wurden keine Verstöße gegen den Jugendschutz festgestellt“, sagte Schulte. Der Stadtrat gibt aber zu, dass bei dieser ersten Aktion Diskotheken und Kneipen ausgewählt wurden, bei denen „keine großen Überraschungen“ zu erwarten gewesen seien. Namen nannte Schulte nicht. Aber: Es werden bald weitere Kontrollen folgen – auch in anderen Bezirken.

Ist doch super gelaufen! Okay, dass zehn Mann in zweieinhalb Stunden gerade mal vier Kneipen geschafft haben, klingt auf Anhieb nicht so berauschend (Ich kann auch Wortwitze, Tagespiegel!), da hat unsereins früher auf dem Kreuzberger Trampelpfad locker das doppelte gepackt, aber immerhin hat die Behörde ein machtvolles Zeichen gesetzt. Auch dass man offenbar nur Lokale kontrolliert hat, wo es eigentlich nichts zu kontrollieren gab, halte ich für einen absolut vernünftigen Entschluss des Ordnungsamtes. Die jugendlichen Komasäufer sind pfiffig, die trinken sich nicht bei Arcor oder Alice fix und alle, eben weil da „Flatrate“ draufsteht. Das wäre zu offensichtlich.
Beim nächsten Kneipenbummel Kontrollgang kann man dann ja noch ein paar Versammlungsräume der Heilsarmee und der Anonymen Alkoholiker einer strengen Kontrolle unterziehen, diese Vereinigungen sind so auffällig anti-alkoholisch, da KANN doch was nicht stimmen.
Drücken wir also den Beamten die Daumen, wenn sie hart am Getränk bleiben, wird es ihnen in den nächsten sechs bis acht Monaten sicherlich gelingen, irgendwo einen zumindest leicht angetrunkenen Jugendlichen aufzutreiben. Das wäre dann ein noch schönerer Erfolg als die Promille-Patrouille vom letzten Wochenende.
[Tags]Alkohol, Beamte, Ordnungsschwurbel, krasses Gehirnversagen, Ungeheuer![/tags]

Unternehmerisches Handeln

Neulich habe ich mich lange erst an-, dann aufgeregt mit einer Person unterhalten, die recht erfolgreich im „mittleren Management“ eines großen deutschen Unternehmens tätig ist. Dabei fiel mehrfach das Wort „unternehmerisches Handeln“, weil die Person aus dem „mittleren Management“ ebendas für sich reklamierte. Ich äußerte meine Verwunderung. Unter unternehmerischem Handeln verstehe ich ein Handeln, das auch die volle Verantwortung für das eigene Tun mit einschließt, sprich, dass der Unternehmer auch mit allem, was er hat, dafür einsteht, sollte er den Karren vor die Wand fahren. Die Antwort, die ich bekam, fasziniert mich nach wie vor:

„Ach, hör mir doch auf. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder gleich haften müsste, wenn man sich bei einem Projekt mal ein bisschen verpeilt. Dann würde doch keiner mehr den Job machen!“

Okay. Ich weiß jetzt Bescheid.

[tags]Management, Haftungsausschluß, Verantwortungslosigkeit als Lebensprinzip, Ungeheuer![/tags]

Splitterbrötchen (XVII)

Mutmaßung, warum ein sehr schwungvoll Suppe tragender Kellner nichts verschüttete: „Wenn er anfängt, sich zu bewegen, bewegt sich die Suppe wegen der Massenträgheit erst einmal rückwärts.“

Die wenigsten Menschen wissen, dass der Satz „Ich habe keinen Schimmer!“ auf den Landgrafen von Hessen-Kassel zurück geht. Dieser wurde einst nach dem winzigen, zwischen Waldkappel und Rothenburg gelegenen Dörfchen Schemmern gefragt, und entgegnete irrig aber barsch, da er von diesem unbedeutenden Landflecken zum ersten Mal hörte: „Ich habe kein Schemmern!“

Ich würde gern eine konspirative Vereinigung gründen, deren einziges Ziel es ist, den Erfinder des Tisch-Mülleimers auf möglichst qualvolle Weise ums Leben zu bringen.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Mutmaßungen über Eva

Geschichtsquiz
Eine Blume im Programm-Bouquet der Öffentlich-Rechtlichen, die einige Fragen aufwirft, die von den Kandidaten wohl nicht beantwortet werden können, u.a.
a) Warum wurde sie nicht eingeladen?
b) Wurde sie eventuell kurzfristig wieder ausgeladen?
c) Wird sie vielleicht doch noch – als Studiogast und/oder Expertin – teilnehmen?

[tags]Hermansschlacht, Mutterkreuzzug, saudoof, Nazideppen, Quotengeilheit, Ungeheuer![/tags]