Splitterbrötchen (CDXCVI)

Die in Worte gegossene Rache gepaart mit grundsolider Beschimpfung ist eine literarische Gattung, die hierzulande viel zu selten gepflegt wird. Manfred Krug hat vor 25 Jahren ein Meisterstück dieses Genres vorgelegt.

Immer mehr Restaurants, zu denen mir Groupon-Gutscheine offeriert werden, sind mir vollkommen unbekannt. Könnte es sein, dass ich mittlerweile „Lokale für alte Leute“ bevorzuge?

Am Freitag vertrat ich eine Kollegin. Anhand der Werbung, die mir ihr Dozentenrechner einblendete, konnte ich feststellen, dass sie augenscheinlich deutlich kultivierter ist als ich. Werbebanner von Konzert-Agenturen für klassische Musik beispielsweise sah ich zum ersten Mal in meinem Internetleben.

Unser Best-Ever-Manfred-Krug-Moment: Anwalt Liebling hat sich mit seiner Rochter im Restaurant verabredet. Folgender Dialog: „Papa, ich habe mich entschlossen, mein Germanistik-Studio abzubrechen und Schauspielerin zu werden.“ – „Sind wir hier beim Griechen oder Italiener?“ – „Beim Italiener…“ – „Ah, ja. Einen Grappa bitte!“ Ist natürlich ohne die entgeistert-versteinerte Miene, mit der Krug das gespielt hat, nur halb so komisch.

Überraschend wurde diese Woche der Konjunktiv II zum Thema. Ich wusste nur noch nebulös, was das sein sollte, bemühte die Wikipedia und las „Der Konjunktiv II ist innerhalb des grundsprachlichen Systems der Konjugation (Grammatik) formal der Optativ des Perfekts…“ Da wurde schlagartig alles einfach und klar.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche war das an kulinarischen Höhepunkten reiche Verfressen unserer aktuellen Skat-Kasse im Paris-Moskau (gewohnt exzellente Küche, gewohnt exzellenter Service, einfach ein Klasse-Lokal).

2016-10-29-20-36-14Ein feststofflicher Höhebunkt: Kalbsbäckchen mit Pak Choi und Wasabi-Kartoffelpüree. Ein flüssiger Höhepunkt: der Rotwein zum Hauptgang, die von einem absoluten Spitzen-Kenner georderte Cuvée K7 vom Weingut Hoepler in Breitenbrunn am Neusiedlersee.

Der Vorschlag, die Kreuzberger Wrangelstraße in Manfred-Krug-Straße umzubenennen ist naheliegend und folgerichtig. Aber wäre es nicht noch einen Tick sinnvoller, die Kreuzbergstraße in Lieblingsstraße umzubenennen?

Splitterbrötchen (CDXCV)

Wer hätte denn gedacht, dass ein seriöses Nachrichtenportal wie ntv in die Splitterbrötchen möchte? Und dann beglücken sie uns mit einer Headline wie „Nasenknorpel funktioniert auch im Knie“!

Laut SpOn hat sich ein Mitglied der Schwedischen Akademie darüber empört, dass Dylan sich noch nicht in Sachen Nobel-Preis gemeldet hat. Kleiner Tipp für die Zukunft: Googlen Sie eine Person, bevor Sie ihr einen Preis verleihen.

2016-10-22-21-14-34Kulinarischer Wochenhöhepunkt: eine herrliche Pizza mit Cimi di Rape und stark gefenchelter Salsiccia im Miseria e Nobiltà nebenan. Dolle Kombination. Pizza können Sie da wirklich gut (aber am Rand sollten Sie noch arbeiten, meint die beste, geduldigste Gemahlin von allen).

Geistige Verrohung bricht sich immer in der Sprache Bahn. Man wählt Pöbeln nicht als Stilmittel, man pöbelt, weil man nicht anders kann.

Meine Mutter, Brot essend

Wer das Privileg hat, älter werden zu dürfen, kennt das: Da sind ein paar Bilder hängen geblieben, aus den verschiedensten Abschnitten des eigenen Lebens.

Auf einem der frühesten Bilder, an die ich mich erinnern kann, sitzt meine Mutter in der Küche. Sie hat ihre Schürze umgebunden und isst einen Kanten Brot. Nicht den appetitlich-knusprigen Kanten eines frischen Brots, sondern den trockenen, steinharten Kanten eines mehre Tage alten Brotlaibs, den alle anderen Familienmitglieder verschmäht hatten. Meine Mutter, die meine Geschwister durch den 2. Weltkrieg und die Hungerjahre der Nachkriegszeit hatte bringen müssen, war unfähig, Lebensmittel wegzuwerfen. Und Brot schon gar nicht, auch wenn es ein steinharter Kanten war. Also aß sie ihn zum zweiten Frühstück, dünn mit Butter bestrichen. Um das harte Brot abbeißen zu können, schnitt sie das Brot immer wieder ein Stück mit ihrem Küchenmesser, dem “Kliffchen“, ein, so dass sie es mit große Mühe doch noch abbeißen konnte. Sie kaute jeden Bissen lange, um ihn überhaupt herunter schlucken zu können. Gelegentlich feuchtete sie dabei Brot und Kehle mit ein wenig Kaffee an. So ein Brotkanten-Frühstück dauerte recht lange, mindestens zwanzig Minuten. In kürzerer Zeit war dem harten Brot nicht beizukommen.

Ungerechtes Postscriptum: Viele Jahre später sah ich die große Schauspielerin Therese Giehse in der Berliner Schaubühne. Sie spielte die Hauptrolle in “Die Mutter“, einem Stück von Brecht nach einem Gorki-Roman. In einer Szene aß sie auf der Bühne mit großer Inbrunst, Hingabe und Sorgfalt einen Teller Suppe. Insbesondere dafür war sie von der Theaterkritik sehr gelobt worden. Ich hatte den Vergleich zu meiner Brot essenden Mutter. Für mich war’s – bei aller Bewunderung für Frau Giehses Können – eine Zirkusnummer..

Splitterbrötchen (CDXCIV)

Große Freude über den Nobelpreis für Bob Dylan. Wobei der Preis natürlich 40 Jahre zu spät verliehen wird.

Subterranean Homesick Blues, Highway 61 Revisited und Blonde on Blonde – diese drei Alben haben Popkultur und Hochkultur miteinander verschmolzen und dürften die einflussreichsten Alben aller Zeiten gewesen sein.

Großes Entsetzen über den engstirnig-spießbürgerlichen Literatur- und Kulturbegriff, den erstaunlich viele Menschen noch zu pflegen scheinen. Stopp, pardon, „Entsetzen“ ist natürlich Quatsch. Eher kommt „Bedauern“ hin. Darüber, dass so viele Menschen Gefangene ihrer geistigen Schrebergärtnerei sind und offenbar nicht wissen, was sie alles verpassen. Nicht wahr, Mr. Jones?

https://youtu.be/CUNZRlCeaEI

Gestern im Fernsehen gesehen: „Zu blöd, um alt zu sein“ mit Otto Schenk und Michael Niavarani. Wer’s verpasst hat, den Abend gibt’s auf DVD. Sehr komisch, ich habe Tränen gelacht. Obwohl mir einige Witze, die Schenk erzählte, schon seit mehr als fünfzig Jahren bekannt waren. Also genau so lang wie viele Dylan-Songs.

 

Splitterbrötchen (CDXCIII)

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: von der besten, geduldigsten Gemahlin von allen zubereitete Hühnerherzen. Jedesmal ein Festmahl.

Entdeckung der Woche: die Weinbar Amarcord. Tolle Weine (u. a. sensationeller weißer Rioja), souveränes, herzliches Gastgebership der Inhaberin Dana.

2016-10-03-11-03-13Seit ein paar Jahren verbringen wir den 3. Oktober immer in den in den Ministergärten gelegenen Landesvertretungen. Da herrscht eine entspannte, lockere Atmosphäre, und es  gibt gut zu essen und zu trinken. Dieses Jahr haben wir uns gefreut, dass unsere syrischen Freunde mitgekommen sind.

2016-10-03-12-30-40Ausgerechnet in der Vertretung des Saarlandes gab’s die kulinarische Befremdlichkeit der Woche, ein Stück Lyoner vom Schwenkgrill. Ich musste drei Plastikbestecke shreddern, um die ruppelharte Lederhaut runter zu bekommen. Muss das so?

Die Aufregung um die Aufdeckung des Pseudonyms „Elena Ferrante“ verstehe ich nicht. Sollen wir denn die Literaturwissenschaft, die sich ja u. a. damit beschäftigt, Werke Autoren zuzuordnen,  einstellen, nur weil jemand sein Inkognito wahren möchte? In dem Wort „Veröffentlichen“ steckt das Wort „Öffentlichkeit“.

2016-10-09-10-36-25Wenn es um das Führen von To-Do-Listen geht, sind moderne Tablet-Computer unschlagbar.

Splitterbrötchen (CDXCII)

Laut Terminkalender habe ich gestern mit meinem Kurs die Vergessenskurve nach Ebbinghaus durchgenommen. Es kann sich aber keiner dran erinnern.

Michael Altmann ist gestorben. Mit Heinz-Werner Krähkamp, der vor vier Jahren gestorben ist, bildete er eins der größten Komiker-Duos überhaupt. Höhepunkt des Schaffens der beiden war die Nummernrevue „Hartmann und Braun“1. Wer diese Show gesehen hat, muss instinktiv  Tränen lachen, wenn man den „indischen Hemdentrick“ auch nur erwähnt.

2016-10-01-16-11-07Kulinarischer Wochenhöhepunkt: schnell dahingeklöppelte, vage mediterrane Fischsuppe mit Knoblauch und Safran. Nicht im Bild: reichlich Aioli. Und Welschriesling von Frau Ettl aus Podersdorf.

ultimtumEin Ultimtum ist zwischen Verschwörung und Vermächtnis anzusiedeln. Vom Herzogtum ist das Ultimtum scharf abzugrenzen: Im Herzogtum wird Korrektur gelesen.

Und dann ist der neue Kluftinger in meinem E-Reader aufgeschlagen. Der Anfang ist furios: Klufti und Dr. Langhammer beim E-Mountain-Biking. Ich les jetzt weiter.

 

 

 

  1. nein, da reicht auch die „Kuh auf dem Dach“ nicht ran.

Splitterbrötchen (CDXCI)

Im Leipziger Zoo begegnete ich zum ersten Mal in meinem Leben einem Zwei-Finger-Faultier. „Ich hab zehn! Gewonnen!“, rief ich ihm zu. Das Tier reagierte perplex.

Es ist unmöglich, ein Wort wie Damschaffelsen auf Anhieb richtig zu lesen.

Im Leipziger Zoo hatte ich auch mein persönliches Wochenhighlight, als ich den Handkraft-Messer am Gorilla-Gehege benutzte. Ich kann mit den possierlichen Tieren ganz gut mithalten. Hätte ich nicht gedacht. Oder sollte der Messbereich etwas großzügig eingestellt gewesen sein?

Gegrillter Oktopus

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein hervorragendes Essen im Leipziger Lieblingslokal der besten, geduldigsten Gemahlin von allen, dem „La Provençe“. Wir hatten Blumenkohlsuppe mit Schinekn-Chips, gegrillten Oktopus (s. Foto), butterzart geschmorte Schweinebäckchen, gegrillte Wolfsbarschfilets, auf köstlichem, üppigem Spinat-Risotto und hinterher teilten wir uns noch eine Mouuse au Chocolat. Leipzig ohne das „La Provençe“ geht gar nicht.

WinUpdate

Dreieinhalb Stunden nahm sich mein Rechner beim Einschalten Zeit, um das Anniversary Update von Windows 10 zu installieren. Eine kleine Vorwarnung beim Ausschlaten wäre ganz nett gewesen. Meinichjanur.

Friebel

Für die Possierlichkeit der Woche sorgte ein Leipziger Apotheker.

Studio80

Und seine Nachbarn bewiesen, dass sie total cooles Design draufhaben.

Übrigens, wir waren in Leipzig.

Splitterbrötchen (CDXC)

Irgendwas hat mich diese Woche dazu gebracht, an „Katzelmacher“ zu denken. Mal abgesehen von der Mischung aus Manierismus und Laienspiel, die mir schon damals auf den Zeiger gegangen ist: Kann es sein, dass Fassbinder schon 1969 einen Film über die AfD gedreht hat?

Apropos Politik: Die Kugelschreiber der Berliner CDU liegen m. E. nicht sonderlich gut in der Hand.

2016-09-12-14-16-42Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Ein sehr, sehr leckerer Meeresfrüchtesalat im Castello am Sophie-Charlotte-Platz. Kam knapp vor den Schwarzwurzeln in Bechamelsauce vom letzten Sonntag über die Ziellinie.

Seit ein paar Wochen drücke ich wieder die Schulbank und nehme an den Wochenenden an einer Weiterbildung teil. Ich staune über mich selbst, mit welcher Selbstverständlichkeit ich gewisse schulische Techniken (Hausaufgaben auf dem Schulweg erledigen, ordentlich Alarm bei einfachen Fragen machen, damit man bei den schweren nicht gefragt wird) wieder aufgenommen habe.

Schockmoment beim Champions-League-Gucken am Mittwoch: Ich begann, Manchester-City-Fans um ihren Trainer zu beneiden.

Splitterbrötchen (CDLXXXIX)

Ich danke der Schweiz für die linguistisch wie semantisch gleich großartige Wortschöpfung „Impuls-Apéro“.

Jetzt hab ich endlich auch „Auerhaus“ von Bov Bjerg gelesen. Dicke Empfehlung, ein sehr, sehr komisches Buch. Die Vorbereitung der Ladendiebstahls-Pointe ist weltmeisterlich.

Ist „komaptibel“ nun der Rechtschreibfehler der Woche oder ein tolles neues Wort?

2016-09-11-09-39-44Taking the Schwarz out of Wurzel: geschälte Schwarzwurzeln im Kühlregal.  Wunderbar!

Dem Vernehmen nach steht der Prototyp eines Doppelrumpfboots mit Segeln aus recycelten Spielkarten kurz vor dem Stapellauf, ein sogenannter Skatamaran.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche: Essenseinladung bei einer befreundeten syrischen Familie. Ganz, ganz großes Küchen-Tennis, vor allen Dingen diese Lammhack-Auberginen-Dingsdas mit Minze!

Hörempfehlung der Woche: Sebels neues „Album vom Alleinesein“. Großes Songwriting!.

 

 

Podersdorf 2016

Es war mal wieder ganz bonfortionös am Neusiedlersee. Wir haben alte und neue Wege gefunden…

Julawiesen…ich war des öfteren mit dem Fahrrad unterwegs…

Fahrrad… um mir anschließend oder unterwegs das ein oder andere Speckbrot zu gönnen…

SpeckbrotElisabeth… wie zum Beispiel dieses wohlgeratene Exemplar in der Elisabethschenke. Die Brettljause in Jupps Bierstüberl (alles mögliche vom Mangalitza-Schwein inkl. Brot, Schmalz und Schnaps) ist die logische Fortsetzung des Speckbrots, und ein Abendessen, auf das ich mich das ganze Jahr lang freue.

BrettljauseNatürlich haben wir auch wieder in meinem Lieblingsrestaurant gegessen, dem Gasthaus zur Dankbarkeit. Köstlicher Zitronenbiskuit!

DankbarDessertDie beste, geduldigste Gemahlin von allen schoss wieder ein Foto nach dem anderen…

GGFoto1… unter anderem auch eins von einem Baum, unter erschwerten Bedingungen..

GGfoto4

Der Wein war fast immer schön kalt, der Himmel meistens blau…
Jagakölla… und wie immer wurden an den ungewöhnlichsten Orten ungewöhnliche Fragen aufgeworfen.

SandburgMacGyverEs war sehr, sehr schön. Nächster Jahr wieder.

Am Ende des Tages in Podersdorf