Splitterbrötchen (XXIX)

In verschiedenen Pressekommentaren wundert man sich über das Verschwinden der FDP aus dem öffentlichen Diskurs. Könnte es sein, dass mit Sabine Christiansen Westerwelle die wichtigste Plattform genommen wurde?

An Silvester aus dem Fenster schauend: Wie freudlos viele Menschen aussehen, die Knallkörper und Raketen abfeuern. Als würden sie verbissen ein Abknall-Pensum abarbeiten, anstatt Freude beim Vertreiben böser Geister zu empfinden.

Jetzt erst gesehen und für unendlich dröge befunden: Sidney Pollacks Remake von „Sabrina“. Kurz vor Schluß aber einer der besten One-Liner aller Zeiten: „Ich habe ihre Sachen gepackt. Ich war bis zu den Ellenbogen in Ihrer Unterwäsche. Ein Gefühl, als würde man das Grabtuch von Turin berühren.“

Jedes Lokal, das Rinderzunge serviert, ist zu loben. Ich lobe ausdrücklich den „Alten Klosterkeller“ in Oederan.

Warum glauben so viele kleine Geister, sich vergrößern zu können, in dem sie großen Geistern ans Bein pissen? Das einzige, was sie damit erreichen, ist, dass sie sich verlässlich als kleine Geister zu erkennen geben.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (XXVIII)

SpOn kürt Harald Schmidt zu einem der Verlierer des Jahres. Schlecht gezielt. Nicht Schmidt, sondern seine Autoren scheinen mir das Problem zu sein.

Ähnliches beim Sidekick – Der einzige Vorwurf, den man Pocher machen kann: er unterfordert seine Autoren. Er verlangt nur Pointen, wo er sich eine Persönlichkeit schreiben lassen sollte.

Die größte historische Errungenschaft der deutschen Demokratie ist sicherlich, dass deutsche Politiker mittlerweile vollkommen erfolgsunabhängig arbeiten können.

Vehemente Proteste erreichten mich, weil ich in den Splitterbrötchen (XXVI) einige Anhänger des SC Freiburg bzw. von Mainz 05 als „Pseudo-Intellektuelle“ bezeichnet habe. Gern bestätige ich daher den Anhängern beider Vereine, dass sie entweder schwerintellektuell oder überhaupt nicht von des Gedankens Blässe angekränkelt sind.
[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Ein Glas ist nicht genug

Fressack beobachtet mit Erstaunen, dass seine Gäste immer öfter das Mineralwasser im Glas vor sich verdunsten lassen, anstatt sich in bester Feierlaune den einen oder anderen Schoppen zu gönnen.
Zeit für ein Geständnis: Ich bekenne mich schuldig. Auch bei mir kommt’s immer öfter vor, dass ich ein Glas Wein über die ganze Zeit strecke, die ich in einem Restaurant verbringe, und den Durst vorwiegend mit Wasser lösche. Hier in Berlin – vor allen Dingen im Bereich der mittleren bis gerade mal soeben angehobenen Gastronomie – hat sich meiner Ansicht nach ein Missverhältnis zwischen den Preisen für Wein und Essen etabliert. Das fiel mir beim erstaunten Nachrechnen einiger Restaurantrechnungen auf: da stellte ich nämlich konsterniert fest, dass ich für die begleitenden Getränke genauso viel oder gar mehr gezahlt habe als fürs Essen, ohne dass ich etwas besonderes im Glas gehabt hätte oder auch nur in die Nähe eines Rauschs geraten wäre.
Eine Vorspeise geteilt, zwei Hauptgerichte, ein Nachtisch für die geduldigste Gemahlin von allen, da komm ich mit 30 bis 35 bis allerhöchstens 40 Euro hin, das freut, aber 4 Gläser eines plörrigen Chateau de Schwurbel á 6 bis 7,50 plus eine große Pulle Mineralwasser zum gleichen Preis… heißahoppsa, die Freude ist dahin. Jaja, ich weiß, das ist eine Mischkalkulation, das, was die Küche raus gibt, müsste eigentlich viel teurer sein, das holt sich der pfiffige Gastronom eben über die Getränke wieder rein.
Find ich aber nicht pfiffig. Erstens zahl ich lieber direkt und nicht über den Mixer, und zweitens möchte ich nicht mein Essen durch die Überbezahlung zweifelhaften Weins subventionieren. Dann meldet sich nämlich mein innerer Geizkragen zu Wort: „Mensch, Chris, trink langsamer. Ein Glas zum Essen reicht. Das Geld, was du hier sparst, kannst du im Weinladen um die Ecke für einen 02er Schwurbolo oder eine 96er Crianza Schwurbenillo anlegen, da kostet die ganze Flasche nur etwas mehr als ein Glas dieser Plörre und schmeckt hundertmal besser…“
Und wenn mein innerer Geizkragen mal angefangen hat, mich zuzuquallen, dann ist er kaum zum Schweigen zu bringen. Hinterher hör ich noch auf den. Dann bleib ich am Ende ganz zu Hause hocken, brutzel mir was zusammen und entkorke meine Schnäppchen, die ich mir durch Lokal-Abstinenz zusammengespart habe. Und merke dann gar nicht mehr, wenn um die Ecke endlich mal ein Laden aufmacht, in dem fair und ehrlich kalkuliert wird. Und in dem es Spaß macht, „noch einen allerletzten“ zu trinken.
Genauso ein Lokal scheint übrigens Fressack zu haben. Wenn ich da endlich mal aufschlage, werde ich’s sicherlich nicht bei einem Schoppen bewenden lassen. Braucht nicht irgendwer in Frankfurt ein paar Texte? ’n Drehbuch? Irgendwas? Schreibe auf Zuruf!
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Splitterbrötchen (XXVII)

Dem nächsten Fernsehkoch, der mir zeigt, wie man Orangen filiert, ramme ich das Office-Messer in die Wampe. Ich kann’s nicht mehr sehen!

Wunderbares Micha-Skibbe-Zitat bei Trainer Baade:

Wenn es darum geht, noch Butter aufs Brot zu bekommen, sind wir nicht in der Lage, mehr mitzunehmen als Erfahrung.

Man kann beim Sport nicht gewinnen, wenn man den Gegner falsch einschätzt.

Beim Surfen entdeckt: eine Universal-Fernbedienung für 400 Euro, die ich über meinen PC konfigurieren muss. Nun ja, für 400 Euro möchte ich eigentlich nicht noch selbst Hand anlegen müssen.

Was verwirrt: Nicht, dass Menschen korrupt sind, sondern wie pissig die Summen sind, für die sie sich verkaufen. Muss ein tolles Gefühl sein, sich bestechen zu lassen.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (XXVI)

Da sah mich ein Kollege mit meinem Kaffeepott (Modell „Größte Erfolge“) und meinte: „Du bist Bayern-Fan? Irgendwie passt das nicht.“ Was sollte denn das nun wieder heißen? Wirke ich wie einer dieser Fußball-Pseudo-Intellektuellen, die Vereine wie z. B. den SC Freiburg oder Mainz 05 bevorzugen? Oder sehe ich am Ende wie ein Loser aus?

Wenn man, nachdem man sich gerade den Einkaufswagen vollgepackt hat, merkt, dass man den USB-Stick mit der Sonntagsarbeit im Bürorechner stecken gelassen hat, daher nochmal zurück und die ganzen Einkäufe mitschleppen muss… wenn man dann zehn Minuten mit 4 angetrunkenen Jungmännern an der Kasse ansteht und sich an den Perlen juvenilen Humors ergötzen darf… wenn man endlich dran ist und beim Bon-Drucken prompt der Rollenwechsel kommt… wenn man dann drei proppenvolle U-Bahnzüge vorbeifahren lassen muss, weil die BVG nach über einer Stunde das Olympiastadion immer noch nicht leer bekommen hat… und man dann 20 Minuten lang den lichtvollen Ausführungen von Hertha-Urgestein lauschen darf (Ausdünstungen inklusive)… und einem am Schluss der Bus, mit dem man noch eine Station hätte fahren können statt diese immer schwerer gewordenen Tüten zu schleppen, vor der Nasse wegfährt… dann fragt man sich doch langsam, ob das noch unter „Pech gehabt“ zu verbuchen ist, oder ob man irgendwie den Zorn des Allmächtigen erregt hat.

Zwerchfellerschütternder Alptraum: Kalle Rummennigge feuert Ottmar Hitzfeld, und Uli Hoeneß holt Jörg Berger.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (XXV)

Gibt es etwas, was dümmer ist, als der Versuch, Bürger durch Verbote vor ihrer eigenen Dummheit zu schützen?

Tja, Herr Schmitz, es ist oft hilfreich, zur Veröffentlichung bestimmte Texte nach Niederschrift noch einmal durchzulesen. Wenn man dann entdeckt, dass Ausdrücke nebeneinander stehen, die sich direkt widersprechen, kann man das noch ändern. Ansonsten druckt der Tagesspiegel so einen Schwachsinn wie „Die Bernauer Straße wird im dezentralen Gedenkkonzept der zentrale Ort sein…“ gnadenlos ab. Auch wenn er von einem Kulturstaatssekretär stammt.

Apropos Tagesspiegel. „… die Blogosphäre, diese Welt der Internettagebücher und -journaillen…“ Nu ja, kann passieren. Wenn man selber dazu gehört, kennt man’s oft nicht.

89 Prozent des ZDF-Publikums fühlen sich blendend unterhalten, wenn ein Bauer mit verbundenen Augen seinen Äpfeln malmenden Kühen „Mogi“ (oder etwas ähnliches) zuruft. Nu ja, so etwas muss man auch erst mal toppen.

Warum hacken jetzt fast alle Theaterkritiker auf Frank Castorf herum? Nur, weil er weiterhin das macht, was sie vor nicht allzu langer Zeit noch ganz toll fanden?

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Bassman’s Diary 6.12.2007 – Weniger ist mehr

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Gestern stand ich vor der Frage: Softwarezeugs zum Laufen bringen (ich hab mir drei dieser Programme runtergeladen, ich kann sie starten, ich kann einen Musikschnipsel einladen, aber ich kann nicht abspielen oder aufnehmen. Wenn ich play oder record klicke, passiert reineweg nüscht. Also doch mal F1 drücken? Niemals. F1 ist für Warmduscher und Plektrumverwender!) oder neuen Song draufschaffen. Da ich kein Plektrum verwende, fiel die Wahl auf einen neuen Song, und um einem Wunsch der besten, geduldigsten Gemahlin von allen zu entsprechen, sollte es „House of the Rising Sun“ sein. Also kurz mal auf beim bassmasta nachgeschaut…
Kann ja nicht sein. Unmöglich, das Chas Chandler nur eine Note pro Takt anschlägt… mal nachschauen… Doch. Ist tatsächlich so einfach. Chas Chandler war eben ein Könner. Der ist mit ganz wenigen Noten ausgekommen. Der hatte es nicht nötig, mit so vielen Noten rumzuprotzen wie der Angeber vom Porree-Lied.
Und ich hab schon wieder ’n Song drauf. Man kann gegen Minimalismus einiges sagen, aber bequem isser schon.

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Bassman’s Diary 1.-5. 12. 2007 – Die GEMA schlägt zurück

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Eigentlich wollte ich ja heute von einigen bescheidenen Erfolgen auf der Bassgitarre („Pink Panther“ hört sich schon ziemlich gut an, „Sunshine of your love“ kann ich jetzt in zwei Versionen – eine unten, eine oben am Bassgitarren-Hals – und die ersten paar Takte vom Porreelied kann ich jetzt auswendig) und einigen unbescheidenen Misserfolgen im Wunderland der Musiksoftware berichten, aber dann hab ich doch tatsächlich Antwort von der GEMA bekommen. Nicht nur, dass hier bereitgestellte Übungssessions von mir auf der Bassgitarre GEMA-pflichtig wären und die Taschen der Bürokratie und des Querflöten-Zausels (ich bleib dabei, Achim!), Herr R. von der Bezirksdirektion Berlin hjat mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich auch GEMA bezahlen müsste, wenn ich hier Youtube-Videos einstelle. Deshalb gibt’s das Porree-Lied im letzten Tagebucheintrag nur noch als Link, und dem Herrn R. von der GEMA hab ich geantwortet:

Sehr geehrter Herr R.,
ich bedanke mich für Ihre ausführliche Antwort auf meine Anfrage.
Am 3 Dec 2007 um 18:18 hat R. geschrieben:
> Falls Sie sich für die weitere Nutzung von geschütztem Repertoire
> entschliessen, bitten wir um Rücksendung des Fragebogens
> in den nächsten 14 Tagen.
Danke, aber nein, danke. Da Sie – oder ein Mitarbeiter – ja auf meiner Seite waren, wissen Sie, dass es eine rein private Homepage ist. Den Server mit diesem MySQL-Zeugs muss ich schon bezahlen, GEMA-Gebühren würden mein Budget endgültig sprengen. Ich habe daher Jethro Tull mit dem Porree-Lied entfernt.
Wissen Sie, dieses Porree-Lied… Ich hab’s mir damals als LP gekauft, ich hab’s mir vor 15 Jahren als CD gekauft, ich zahl Rundfunkgebühren, ich weiß gar nicht, wie oft ich für das Porree-Lied schon bezahlt hab. Und jetzt soll ich nochmal bezahlen, weil ich es einigen Menschen vorspielen möchte, die sich auf meine Homepage verirren.
Nu ja. Mich wundert gar nix mehr. Wenn ich morgen beim Fleischer meines Vertrauens zwei Bockwürste kaufen und die zum Abendessen für die geduldigste Gemahlin und mich erhitze, die meiner Frau zugedachte Wurst auf einen mit einem Klacks Senf verzierten Teller lege und ihr einen „Guten Appetit“ wünsche, dann klingelt’s vermutlich an der Tür, und der Fleischer will die Wurst noch mal bezahlt haben, weil ich sie nicht selber esse.
Danke für Ihre Mühe, beste Grüße
Chris „Bassman“ Kurbjuhn

[tags]C&A, Weltkarriere, GEMA, Alterstorheit, Porree, Bockwurst, Ungeheuer![/tags]

Splitterbrötchen (XXIV)

Kennt eigentlich noch jemand „Joint Venture“? Haben schöne Texte gemacht, wie zum Beispiel:

Jahrelang hab ich meine Depressionen durchgeschleppt,
Jetzt geht’s mir besser, denn ich habe ein Rezept:
Immer wenn’s mich umhaut und mir schwindet der Humor,
Dann stell ich mir Politiker beim Ficken vor.

Es dauert ungefähr drei Tage, bis man wieder Tagesschau gucken kann, ohne dass sehr bizarre Bilder vor dem geistigen Auge auftauchen.

Wie schafft es eigentlich die Online-Ausgabe des Tagesspiegel, dermaßen kreuzdämliche Leserbriefschrieber dauerhaft an sich zu binden?

Was man so über die potentiellen Aust-Nachfolger beim SPIEGEL liest: Das sind Menschen, die „Einfluss“ haben oder eine „Hausmacht“ oder die sich „geschickt vernetzen“ können… Von Dingen wie Inhalten und Konzepten liest man nix. Und es wundert einen auch nicht mehr.

Irgendwie wiederholt sich das: Von Ottmar Hitzfeld trainierte Bayernmannschaften starten spielerisch furios in die Saison, beginnen nach 6 Wochen, den Faden zu verlieren und spätestens nach 3 Monaten ist jeder Spielfreude dahin. Ist Ottmar wirklich so eine Spaßbremse?

Nicht alles, was ungelenk formuliert ist, ist auch ungelenk gedacht.

Glauben die Grünen wirklich, dass es Wähler gibt, die gern gegängelt werden möchten?

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Bassman’s Diary 25.-27.11.07 – Erfolgserlebnisse und Software

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Okay, das Porree-Lied IST eine Herausforderung. Bis das halbwegs akzeptabel klingt UND ich im Rhythmus bleibe, werden wohl ein paar Wochen bzw. Monate ins Land gehen. Für das charmante zweite Bass-Solo (das mit den Akkorden, wirklich nett) werd ich wohl Jahre brauchen. Soviel Zeit haben Achim und ich nicht, deshalb hab ich noch was anderes geübt: Ich kann jetzt die Bassbegleitung zum „Pink Panther Theme“. Auswendig. Okay, das ist eine Spur einfacher als das Porree-Lied, aber wenn ich zwischen dem Zausel mit der Querflöte und Peter Sellers wählen muss, nehme ich immer Peter Sellers.
Kleine Frage am Rande. falls hier jemand mitliest, der von diesem ganzen Musiksoftware-Mididingsbums-Software-Gedöns eine Ahnung hat: Was mir die Weltkarriere unglaublich erleichtern würde, wäre eine Software, in der ich irgendeinen Titel von CD (meinethalben das Porree-Lied) einladen kann, und dann sozusagen scheibchenweise in einer Endlos-Schleife abspielen könnte, so dass ich mitspielen kann. Also: Software spielt Takt 4 bis 24 vom Porree-Lied, und Chris versucht erfolglos, mit seinem Bass mitzukommen. Kennt jemand was entsprechendes? Wenn möglich Freeware/Shareware?
[tags]C&A, Weltkarriere, Alterstorheit, EADG[/tags]