Splitterbrötchen (DCCCLXXXIII)

Nein, „Wir dürfen vier Jahre lang machen, was wir wollen“ ist eben nicht Demokratie!

Ist der Kanzler so weit abgetaucht, dass die Terroristen ihn gar nicht mehr auf dem Schirm hatten und deshalb die Entführung des Gesundheitsministers planten?

Offengestanden habe ich von einer Fa. namens Ankerkraut und ihrem angeblichen Kultstatus erst gehört, als die Leute sich bei Twitter über sie erregten. Werde wohl doch alt.

„Können wir irgendwas machen, um unsere Müslibecher etwas aufzupeppen? Die wirken so laaaangweilig…“ – „Salamischeibchen obendrauf?“

Apropos Altern: Das ist auch so eine Sache, über die man wirklich erst kompetent reden kann, wenn man begonnen hat, eigene Erfahrungen1 damit zu machen.

Was nicht jeder weiß: Camembert heißt auf Französisch keinesfalls „peigne-ours“.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war schlichtes Gyros mit Pommes und Tsatsiki, ein Comfort-Foof-Klassiker, im Medusa am Perelsplatz. Tatsächlich hatte ich seit ca. Anderthalb Jahren keinen Gyros mehr gegessen, weil unser Lieblingsgrieche, das „Pigasos“ gegenüber, wohl endgültig als Covid-Kollateralschaden gelten muss. Der (wohl ehemalige) Wirt Tolli beteuert zwar gelegentlich seinen festen Willen zur Wiedereröffnung, aber anscheinend ermöglicht ihm sein in den letzten zwei Jahren aufgebautes zweites Standbein ein stressfreieres Leben als die Gastronomie. Es sei ihm gegönnt.

Tja, je länger man einen Schatten werden lässt, desto mehr Anlauf muss man nehmen, um drüber zu springen. Wird immer schwieriger, und irgendwann scheint’s gar nicht mehr zu gehen.

Der Tweet der Woche. Die sarkastischen Antworten darauf sind auch nicht übel.

Wenn die Angst vor der nächsten anstehenden Wahl zur Leitlinie der Politik wird, können sowohl Regierende als auch Regierte eigentlich einpacken.

Insider wissen, was kommt: In der Endphase der Probenzeit wird man im Schlosspark Theater an enttäuschenden Vorverkaufszahlen merken, dass die für dieses Projekt offensichtlich angepeilte Zielgruppe 80plus wegen Virus-, Kriegs- und Inflationsangst von einem Theaterbesuch abzusehen gedenkt. In einem gewagten Publicity-Stunt generiert Frau Grothum (87) Aufmerksamkeit für die Premiere, indem sie Herrn Blanco (84) eines MeToo-Vergehens beschuldigt. Es folgt ein Shitstorm gegen Blanco auf Twitter und Faceboook. Intendant Hallervorden kündigt an, kurzfristig schwarz geschminkt die Rolle von Herrn Blanco zu übernehmen. Ein weiterer, noch gewaltigerer Shitstorm gegen Hallervordens Blackfacing lässt Blanco vom Täter zum Opfer werden und spült ihn zurück ins Ensemble. Hallervorden feuert den komplett unbeteiligten Peter Bause und übernimmt die Rolle des Monsieur Claude, für die er sich nicht schminken muss. Bei der Premiere stellt sich heraus, dass Herr Blanco leider keine Zeit gefunden hat, seinen Text zu lernen: Er improvisiert sich mit durchaus fantasievollen Variationen von „Woohoohoo! Pattapattapatta!“ durch den Abend. Frau Grothum beschließt, in schnippischer Sturheit auf ihr korrektes Stichwort zu warten. Da es nicht fällt, schläft sie schließlich auf offener Bühne ein. Theater-Veteran Hallervorden rettet den Abend, in dem er mit sich selbst alte Didi-Sketche spielt. Nach einem letzten „Palim, Palim“ fällt der Vorhang, ohne dass Fragen offen bleiben.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXXII)

Nicht die Impfpflicht ist gescheitert, arrogante Politiker haben eine absehbare Bauchlandung hingelegt. In zwei Jahren kommoden Durchregierens mithilfe einer von der Verfassung (aus guten Gründen, wie man jetzt sieht) nicht vorgesehenen Ministerpräsidentenkonferenz, haben Scholz, Lauterbach und Co. offenbar einfache, parlamentarische Gepflogenheiten vergessen. Wer ein Gesetz vom Parlament verabschiedet haben möchte, muss für eine Mehrheit sorgen. Wir müssen wohl wieder mehr Demokratie üben.

In Friedenau wird die Abschaffung der Maskenpflicht konsequent ignoriert. In alle Geschäften, in denen ich diese Woche eingekauft habe, trugen 99 Prozent von Kunden und Belegschaft, Maske. Find ich gut. Zumal ich jetzt seit zwei Jahren von Erkältungskrankheiten aller Art verschont geblieben bin. Das ist eine erhebliche Steigerung meiner Lebensqualität.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war unser Erstbesuch in der „Hafenküche“ an der Rummelsburger Bucht, ein sehr empfehlenswertes Wohlfühllokal mit ausgezeichneter Küche. Die beste, geduldigste Gemahlin von allen, die unseren Ausflug finanzierte, gönnte sich das vermutlich beste Schweinekotelette der Stadt vom Grill, ich erfreute mich an Parmesanhuhn mit Traubensauce und Blumenkohl. In ein paar Wochen, wenn man draußen sitzen kann, werden wir wiederkommen.

Patentrezepte sind üblicherweise niemals patent.

Beim Rennen um den Tweet der Woche konnte niemand diesem Meisterwerk das Wasser reichen.

Unsere derzeitige fantastische Abendunterhaltung: perfekt gemachter Brit-Kitsch vom Allerfeinsten. Ich will nicht unbedingt sagen, dass dieses Remake besser als die ursprüngliche Serie ist, aaaaber… Entscheidend ist Siegfried. Robert Hardy schien unüberwindbar, aber Samuel West hat in der aktuellen Staffel zumindest gleichgezogen. Wäre ich nicht schon Teetrinker, diese Serie würde mich zu einem machen.

Der Weg von Friedenau nach Rummelsburg war lang: Mit der BVG brauchten wir eine Stunde hin und eine zurück, und begegneten dabei gefühlt Milliarden von Menschen. Wir staunten: Was wollen denn die vielen Leute hier?. Auch Großstadt muss wieder geübt werden..

Splitterbrötchen (DCCCLXXXI)

Immer, wenn ich die Werbung für die „Postcode Lotterie“ höre, denke ich unwillkürlich: „Wer will denn so etwas gewinnen?“ Entschuldigung.

Ich hab lange nicht mehr so über einen Tweet gelacht wie über diesen:

Es ist meist eine gute Idee, auch den Politikern zu misstrauen, die sich ehrlich geben. Denen besonders.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren diese Short Ribs aus dem Backofen, die ich für Freunde gemacht habe, 3 Stunden bei niedriger Hitze unter Folie geschmort, dann mit selbstgeklöppelter Barbecuesauce noch ein Stündchen karamellisiert.

Und angespargelt haben wir auch. Am 1. April stellte ich auf dem Weg zum Supermarkt überrascht & erfreut fest, dass unser Lieblingsspargelstand in der Feuerbachstraße den Geschäftsbetrieb bereits aufgenommen hatte. Stangenspargel bewegte sich noch in astronomischen Preishöhen, aber 1 Kilo geschälten Bruchspargel gab’s zum erträglichen Preis. Der wanderte in die Pfanne, als Beilage zum Chuck-Eye-Steak.

Ich musste googlen, um herauszubekommen, was ein Chuck-Eye-Steak eigentlich ist. Dabei erfuhr ich, dass es in den USA als das „Rib-Eye-Steak des kleinen Mannes“ bezeichnet wird, und war beglückt.

Warum man darstellenden Künstlern, die nicht immer mit Klugheit und Weitblick gesegnet sind, politische Statements abzwingt, ist mir ein komplettes Rätsel. Singen die jeweils andere Töne, wenn sie sich zur einen oder anderen Seite bekannt haben? Werden entsprechend unterschiedliche Tempi dirigiert, andere Texte auf der Bühne gesprochen?

In der Splitterbrötchen-Ausgabe der vorigen Woche habe ich leider verabsäumt, auf ein historisches Ereignis hinzuweisen. Am 25. März d. J. habe ich Jutta Ditfurth zugestimmt. Ich hätte das niemals für möglich gehalten, aber da Frau Ditfurth „Es gibt keine Kultur ohne Aneignung.“ getwittert hat, konnte ich nicht anders.

Seit 5 Wochen freue ich auf den jeweils nächsten Freitag, weil da die nächste Folge der 2. Staffel von „Picard“ online geht. Allerdings hat diese 2. Staffel auch das hermetischste Serienkonzept, das ich kenne. Wer Staffel 1 nicht gesehen hat, über keine detaillierten Kenntnisse der Grundmotive von TNG verfügt und keine große Affinität zu „Star Trek IV“ hat, dürfte diesem Angebot recht hilflos gegenüberstehen.

Splitterbrötchen (DCCCLXXX)

Es gibt IMMER eine bequemere Lösung.

Vielleicht kann mir ja einer der Splitterbrötchen-Leser helfen. Ich kann einfach nicht verstehen, warum man ausgerechnet einen Lakritz-Likör(!) mit gerade mal 21,5 Volumenprozent nach einer vor fast 50 Jahren von Clint Eastwood verkörperten, moralisch und politisch zweifelhaften Filmfigur benennt, und dann auch noch ein Bild auf die Pulle klatscht, dass nichts, aber auch gar nichts mit dieser Filmfigur zu tun hat. Kann mir irgendjemand erklären, was das soll?

Zündende Wortwitze helfen durch schwere Zeiten.

„Wir werden sie noch sehr vermissen“ alberten  politische Kommentatoren in den letzten Wochen von Angela Merkels Kanzlerinnenschaft in Mikrofone und Tastaturen. Jetzt, wo sie in den Talkshows bereits anfangen, sich mit einem Atomkrieg zu arrangieren1, müsste die Sehnsucht nach mutmaßlich besonnener Zurückhaltung aus dem Hause Merkel am größten sein. Ist sie aber nicht. Aus Gründen.

Gestern recherchierte die beste, geduldigste Gemahlin von allen einem Erinnerungsbuch hinterher, dass wir vor 15 Jahren gemeinsam realisiert haben (Sie hat’s zusammen mit dem sich Erinnernden geschrieben, ich hab’s rausgebracht): Bei den üblichen antiquarischen Verdächtigen kostet es mittlerweile fast das Doppelte des damaligen Ladenpreises. Bedanken Sie sich für diese Preissteigerungen bei allen Buchhändlern, die auf Nachfragen nach dem Buch lügnerisch „Nicht erhältlich.“ – „Gibt es nicht.“ – „Kann man nicht bestellen.“ geantwortet haben.

Cem Basman ist gestorben. Jeder, der irgendwie gebloggt hat, kannte ihn. Ich auch, ein bisschen, via Qype damals, wo er auch mitgemischt hat. Man verlor sich dann aus den Augen, auch, weil er sich aus der Online-Welt zurückgezogen hat. Herr Buddenbohm hat sehr schön nachgerufen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren eine für Berliner Verhältnisse2 geradezu sensationelle, hausgemachte frische Bratwurst im Steglitzer Groschenkeller.

Die Plätze zwei und drei wurden in der heimischen Küche vergeben, einmal für ein ohne Firlefanz gebratenes unfotografiertes Flanksteak, zum anderen für einen in der Pfanne fruchtig karamellisierten3 Seidentofu mit Curry-Kokos-Gemüse.

Bitte, nehmen Sie die folgende Warnung ernst, ich kann das hundertprozentig bestätigen.

Fantastische Werte beim diesjährigen Checkup. Habe mir spontan bei amazon ein Stethoskop bestellt. Bin jetzt Gesundheitsexperte und Wunderheiler. Anfragen der Privatsender bitte an meine Agentur.

Splitterbrötchen (DCCCLXXIX)

Anfang der Woche hat Alexa mich aufgefordert, sie zu fragen, ob Otter schwitzen. Was weiß man eigentlich über Drogenprobleme bei KIs?

Fast alles, was einem 20 Jahre später nicht peinlich sein muss, ist gut.

Ein Tweet von erschütternder Klarheit und Wahrheit, wie ich aus Erfahrung bestätigen kann:

Den Bundestagsabgeordneten kann man mangelnde Empathie und Stillosigkeit vorwerfen, aber nicht, dass sie zur Tagesordnung übergegangen sind. Das ist doch die Aufgabe eines Parlaments.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war der Besuch des Schöneberger Gsthauses „Renger-Patzsch“, das sich spontan mit angenehmer Wirtshaus-Optik, ausgezeichneter Küche, schönen, bezahlbaren offenen Weinen (es gibt Elsässer Riesling!) und freundlich-humorvollem Service in die erlesenen Top Five unserer Lieblingsrestaurants boxte. Zur Vorspeise teilten wir uns ein Meeresfrüchte-Risotto, zum Hauptgang trennten sich unsere Wege. Die geduldigste, beste Gemahlin von allen, die den Gasthausbesuch großzügig finanziert hatte, erfreute sich an ausgezeichneten Kalbsnierchen in Senfsauce, ich austriasierte mit außen wunderbar knusprigen, innen schön cremigen Kaspressknödeln auf Gemüse-Rahmsauce.

Beim Nachtisch entdeckte ich eine nur auf den ersten Blick exotische, in Wahrheit sich genial ergänzende Kombination: eine Scheibe Brie de Meaux mit einer Kugel Portwein-Eis. Herrlich.

Sollte wirklich das Gelingen bzw. dessen Möglichkeit Maßstab politischen Handelns sein?

Die Lektüre-Empfehlung der Woche: taz-Interview mit Nicole Henneberg, der Herausgeberin von Gabriele Tergit. Ich habe mittlerweile alles gelesen, was von Frau Tergit erhältlich ist. Die Beschäftigung mit ihrem Werk und ihrer Vita ist außergewöhnlich bereichernd.

Silvio Berlusconi besitzt 25 Prozent von ProSieben/Sat1 und hat den Laden noch nicht in „Bunga Bunga TV“ umbenannt? Was ist los, ist der Cavaliere außer Form?

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXVIII)

Erneut hat Wladimir Putin nichts unternommen, um mich zu besänftigen. Enttäuschung macht sich breit.

Wenn es eine rationale und eine abstruse Erklärung gibt, favorisiere ich grundsätzlich die abstruse,

Die Legende lebt: Eine Million und zweihunderttausend Käsestullenfoto-Freunde können nicht irren!

Im Gegensatz zum Käse auf der populären Stulle war der auf dem kulinarischen Wochenhöhepunkt geschmolzen: Pizza Frutti di Mare im „Al Dente“ in Brandenburg.

Alle Menschen, die die Deutung von Putin als „durchgeknalltem, unberechenbaren Irren“ akzeptiert haben, sollten vielleicht in Betracht ziehen: Einem Menschen, für den Gewalt eine Option ist, kann gar nichts Besseres passieren, als als verrückt und unberechenbar gelabelt zu werden. Vor wem hatte man auf dem Schulhof mehr Angst: vor dem berechenbar agierenden Jungen aus dem Boxclub, oder vor dem verschlagenen Typen, der „wie ein Irrer“ schlägerte?

Der Tweet der Woche:

Als der Zahnarzt kurzfristig einen Termin absagte, den ich kurz vor unserem Aufbruch in den Kurzurlaub noch wahrnehmen wollte, gelang mir die fantastische Wortschöpfung von der „Abreiseablaufentzerrung“.

Im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg lernte ich hinzu: In dieser Gegend gab es mal hochinteressante Tiere, die Oderschnurken. Irgendwann in der Steinzeit scheinen sie ausgestorben zu sein. Ihre Überreste bezeichnet man als „Oderschurkeramik“.

Es gibt schon dolle Berufe:

Ist es wirklich zu begrüßen, dass bei politischen Entscheidungen moralische Gesichtspunkte stärker bewertet werden als Sachzwänge? Skrupellose Menschen können moralische Fragen deutlich flexibler handhaben als Fakten.

Entsetzen über die Untätigkeit der Bayerischen Landesregierung: Immer noch wird in den dortigen Gaststätten und Biergärten eine „Russenmaß“ (Weißbier und Zitronenlimo, eigentlich ganz schmackhaft) angeboten. Warum wurde nicht schon längst per gesetzlicher Verordnung die Umbenennung in „Zelensky-Schoppen“ veranlasst, Herr Söder?

Wenn das sinkende Schiff die Ratten verlässt, wird’s wirklich brenzlig.

Splitterbrötchen (DCCCLXXVII)

Auch wenn er quasi im Alleingang die Pandemie beendet hat: Meine Verärgerung über Wladimir Putin ist nicht kleiner geworden.

Gerade als Mann fortgeschrittenen Alters sollte man sich zeitgemäß kleiden.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war eine Koproduktion aus gebratenen Sardinen (beste, geduldigste Gemahlin von allen) und Aioli (Mixstab und ich). Runner-Up war  – endlich mal wieder – die gute, gute Curryrahmsuppe.

Wenn Sie starke Nerven haben und wirklich wissen wollen, wie in den 60er Jahren Ausflugslokale in Nordhessen aussahen, schauen Sie sich diese Postkarte an. Links oben. „Hähnchen-Kniese“, die Hitzelröder Feinschmecker-Legende. Doch, doch, so war das damals. Nicht wirklich schön. Ich habe Sie gewarnt.

Spontane Frage an mich selbst: Arbeitet da vielleicht auf übergeordneter Ebene doch jemand mit Entscheidungsbefugnis und einer Art Kompass, der sich gesagt hat: „Diese Generation hatte es bisher viel zu einfach, denen pack ich noch eine Pandemie und einen Krieg obendrauf, damit sie sich bewähren können“?

Zivilisationsmüde Schwermut hat noch nie jemanden auch nur einen Millimeter weiter gebracht. Aber das ist ja auch nicht ihre Aufgabe.

Kann es sein, dass der Löffel Senf beim Selbstklöppeln von Mayo mit dem Mixstab tatsächlich spielentscheidend ist?

Der Tweet der Woche;

Ein potenzieller, in unmittelbarer Nähe zum Zentrum der Macht positionierter Thronprätendent/Königsmörder ist in autoritären Systemen ein eminent wichtiges politisches Korrektiv. Wenn es fehlt, merkt man’s schmerzlich, wie gerade jetzt.

Alle paar Tage/Wochen fordert WordPress mich auf, den vor ein paar Jahren mit großem Umpftata eingeführten Editor „Gutenberg“ zu aktualisieren. Ich habe dieses User-feindliche Tool, das neue Maßstabe in Sachen Unpraktikabilität gesetzt hat, sofort nach Erscheinen deaktiviert und nie benutzt. Ich kenne auch niemanden, der es benutzt, benutzt hat oder irgendwelche Hoffnungen in eine glorreiche Zukunft mit diesem Tool setzen würde. Der Starrsinn, mit dem WordPress an dieser Totgeburt festhält, würde mir beinahe Bewunderung abnötigen. Wenn die sinnlosen Update-Aufforderungen nicht so nervig wären.

So langsam müssen wir anfangen, den Zynismus vor Putin zu schützen.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXVI)

Wladimir Putin hat mich diese Woche sehr verärgert.

Am Dienstag musste ich aufs Bürgeramt Kreuzberg, meinen steinalten grauen Lappen in einen zeitgemäßen Kartenführerschein umtauschen. Auf dem Weg dorthin ist Ulrich Tukur an mir vorbeigeradelt, im eleganten Tweedmantel mit einem Hund an der Leine. Interessanterweise begegnete mir Tukur an fast der gleichen Stelle, an der vor 15 Jahren Martenstein an mir vorbeigeradelt ist. Das kann doch kein Zufall gewesen sein!

Am Freitagabend erklärte Herr Llambi treffend den Turniertanz: „Wenn’s unten rum stimmt, kannst du oben alles machen.“ Der über die Maßen geschätzte Kollege Pitt Krüger hat mich vor bald vierzig Jahren mit ähnlichen, inhaltlich aber diametral entgegengesetzten Worten in die Geheimnisse des Bühnentanzes eingeweiht: „Du musst oben rum verkaufen, was unten rum nicht klappt.“

Ich liebe den Geruch von Amalgam am Morgen.

Nachricht an den Maschinenraum: Mach dir keinen Kopp. Der Autor eines Textes kann nicht verantwortlich für das sein, was die Menschen tun, nachdem sie den Text gelesen haben. Man müsste dann ja auch Verantwortung für die aus dem Text resultierenden Missverständnisse übernehmen. Was wiederum dazu führen würde, dass man nur noch unmissverständliche Texte veröffentlichen dürfte. Das wäre dann das Ende jeder Literatur.

Neuer, begeisternder Beitrag zu meiner Serie „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“. Heute: Eiskaffee.

Ein Vorteil, wenn man sich aus dem öffentlichen Diskurs weitestgehend heraushält: Man muss sich nicht so oft korrigieren.

Wenn ich diese Meldung richtig verstehe, dann stand der BND bezüglich des russischen Angriffs auf die Ukraine dermaßen auf dem Schlauch, dass man den BND-Präsidenten dort noch am Mittwoch fröhlich durch die Gegend tölpeln ließ und ihn anschließend mit einem Sonderkommando rausholen musste. Immerhin inspirierte mich diese – eigentlich für einen Jerry-Lewis-Film typische – Nummer zu einer Plotidee für eine ARD-Freitags-RomCom: Eine total verpeilte Geheimdienstchefin (Andrea Sawatzki) feuert ihren besten Mann, einen Zyniker, der sich an keine Regeln hält (Hardy Krüger jr.) wegen Insubordination. Als sie kurz darauf in einem überraschend von den Russen überfallenen Land festsitzt, ist es natürlich haargenau dieser Mann, der die Kohlen aus dem Feuer und sie zurück in die Heimat holt. Im Supporting Cast hätten wir Lauterbach als Putin, Ochsenknecht als Scholz, Simon Schwarz als intriganten Gegenspieler, der die GPS-Daten der Chefin fortlaufend dem russischen Geheimdienstchef (Tobias Moretti) zuspielt. Am Ende quittieren BND-Chefin und Agent den Dienst und eröffnen eine Süßwarenmanufaktur in Kampen oder Bad Gastein, je nachdem, welcher Sender produziert. Welthit.

Das Alter klopft an deine Tür, wenn du Spam erhältst, der einen Reinigungsschaum für orthopädische Fußeinlagen bewirbt.

„Was läuft denn da für ein Film?“ – „Der Pferdeflüsterer.“ – „Warum redet der Kerl so leise? Man versteht kein Wort.“

Auf dem Bürgeramt Kreuzberg gab’s erst heftiges Geduze und kumpelhaften Smalltalk mit einem linksalternativen Veteranen, der beim langen Marsch durch die Institutionen in der Pförtnerloge hängengeblieben ist. Anschließend wurde ich auf die Sekunde(!) pünktlich aufgerufen. Eine freundliche, kompetente Beamtin organisierte den Führerscheintausch binnen fünf Minuten. Kreuzberg – weltbester Stadtteil!

Mein Tweet der Woche:

Ich hoffe wirklich sehr, dass Prof. Astor recht behält.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXV)

Wenn man etwas gelernt hat, kann man es noch lange nicht.

Habe erfahren, dass Alan Ritchson, der Jack Reacher in der amazon-Serie spielt, 6 ft. 2 groß ist. Der Reacher in den Büchern misst 6 ft. 5. Ich bin mir nicht sicher, ob das okay ist, dass Reacher schon wieder von einem Zwerg gespielt wird.

Perfide Strategie: Karl Lauterbach versucht, Querdenker durch einen gezielten „Mental Overload“ auszuschalten.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein selbstgeklöppelter Blumenkohlauflauf mit Crème fraîche, Schinkenwürfeln, Cheddar und Ergänzungsgemüsen. Die Kombination aus Blumenkohl und Cheddar wurde im Himmel erfunden.

Der Zweitplatzierte wurde im „Golden Brown“ auf den Teller gewuchtet: stilsichere Oldschool-Cuisine mit Cordon Bleu, Pommes und einem Hauch Salat. Um den Ruf des Lokals zu schützen, verschweige ich mal,  dass die freundliche Bedienung mir dazu eine vollkommen deplatzierte Gorgonzola-Sauce angeboten hat1.

Ich verneige mich unter großen Schmerzen:

Hier laufen tatsächlich Menschen rum, die behaupten, Masken wäre ein Symbol der Unterdrückung. Nuja. Anzug und Krawatte sind in der Hinsicht eindeutig schlimmer. Meine 2 Cents.

Daily Quordle #27
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quordle.com
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Falls jemandem Wordle zu langweilig wird, kann er ja mal die Champions League probieren: quordle.com. 4 Wordles gleichzeitig. Es gibt einen Trainingsmodus, und den braucht man auch. Ich habe mein erstes Quordle nach 8 Versuchen hinbekommen. Als Nicht-Muttersprachler braucht man ein Lexikon, es sind auch exotische Wörter dabei. Stift und Papier sind hilfreich bis unerlässlich. Am besten nutzt man die ersten drei Versuche, um so viele Buchstaben wie möglich zu verifizieren bzw. auszuschließen. Derzeit halte ich „aeons – fully – trick“ für optimal.

Splitterbrötchen (DCCCLXXIV)

Der Gag der Woche: Gendern ist, wenn der Sachse mit dem Boot umkippt. Entschuldigen Sie vielmals.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren selbstgeklöppelte Rotkohlsteaks, also in Scheiben geschnittener Rotkohl, mit Knoblauch-Öl bestrichen im Ofen gebacken und abschließend gratiniert. Hab ich zum ersten Mal gemacht, werde ich öfters machen.

Der Tweet der Woche (der hessische Dialekt ist die halbe Miete):

Jeder noch so abstrusen Meinung oder Forderung eine Bühne zu bieten, ist keine journalistische Aufgabe. Man kann auch einfach mal sagen. „Für so einen Quatsch interessiert sich niemand.“

Chuck Norris hat drei Streifen auf seinem Corona-Test.

Die Menge der Menschen, die in den sozialen Medien wieder und wieder höchste sprachliche Sensibilität in allen Belangen einfordern, gleichzeitig aber gern das Bild von den „alten weißen Männern“ benutzen, ist erstaunlich groß.

Alkoholfreies Bier ist unterlassene Hefeleistung.

Was, denke ich, noch stark unterschätzt wird: Wie viel Probleme es dabei geben wird, die Distanz zu anderen Menschen wieder aufzugeben.