Splitterbrötchen (CDXIX)

Schwerste Wehmuts-Attacken anlässlich des Todes von Pierre Brice. Merkwürdigerweise Logischerweise fielen mir als erstes keine Filmszenen ein, sondern die zahllosen Stunden, die ich über den Alben mit den Winnetou-Sammelbildchen verbracht habe, Die ersten Filme hab ich als Junge gar nicht sehen dürfen. die waren „ab 12“ und meinem autoritätsgläubigen Vater wäre ein Zuwiderhandeln gegen die Empfehlungen der FSK wie ein Staatsverbrechen vorgekommen. Diskussionsversuche, wieso denn die Sammelalben, in denen die gleichen Geschichten mit den gleichen Bildern erzählt wurden, okay wären, der Kinobesuch aber nicht, wurden mit dem vertrauten „Machtwort“ abgebügelt. War schon eine schräge Generation, die meines Vaters.

Und dann fielen mir die „Illustrierten Filmkuriere“ ein, vierseitige Programmheftchen, die’s für einen Groschen an der Kinokasse gab. Meine studierenden Geschwister haben mir immer welche geschickt, von Filmen, die sie gesehen hatten. Für die ich noch zu jung war. Die kannten die Problematik.

Jedem Tennis-Schlitzohr ist das Herz aufgegangen angesichts der fantastischen Stops, mit denen Djokovic Nadal zugedeckt hat. Bemerkenswert allerdings, dass Nadal gleichzeitig verzweifelt und tückisch gucken kann.

Kulinarische Höhepunkte habe ich diese Wohe am eigenen Herd erzeugt: endlich mal wieder Krautshäuptchen und ein neues Nigel-Slater-Dessert: geschälte Birnenhälften  in Zuckersirup pochieren, steif geschlagene Sahne mit kleingeschnittenen Florentiner Keksen vermischen, über die Birnen geben, mit geschmolzener Schokolade beträufeln und durchkühlen. Ich hab allerdings statt der Birnen vollreife Nektarinen genommen (musste ich nicht pochieren) und statt Florentiner Keksen Schoko-Crossies.  Auch so sehr gut.

Genial und saukomisch: Olli Dittrich in „Schorsch Aigner – der Mann, der Franz Beckenbauer war“. Da hat das Erste mal so eine richtige Perle, und dann versenden sie sie um 23 Uhr 30. Wer’s nachholen möchte: youtube oder hier, bei Männers.

Der andere kulturelle Höhepunkt der Woche hatte ebenfalls Fußball-Bezug.

2015-06-04 19.42.00Köster und Kirschneck wie immer in Top-Form, den zweiten Teil der Lesung bestritt dann überraschend das Liveticker-Team, und bei der Verlosung am Schluss hab ich sogar noch ’n Abo gewonnen. Wenn alle Lesungen so wären…

Davor Currywurst mit Pommes Frites erstmals bei „Kurfürstendamm 195“. Vermutlich auch letztmals.

Und am Samstagnachmittag mit Bertram Schulte aus Minden bei sengender Hitze vorm Teehaus gesessen. Kühles Weizenbier getrunken. In die Gegend gequatscht. Zwei Musiker spielten Gitarrenjazz, die Kinder spielten irgendwas, die Erwachsenen Frisbee. Da war man auf einmal ganz eins mit sich und der Welt.

Der Vollständigkeit halber: „Winnetou III“ war dann der erste Karl-May-Film, den ich im Kino gesehen hab 1. Ich war immer noch nicht zwölf, aber endlich mutig oder verzweifelt genug, um mich über idiotische Verbote hinwegzusetzen. Als ich nach dem Film2 merkte, dass das gar nicht so schwer gewesen war, wurden die darauffolgenden Jahre für meinen Vater und mich… recht aufregend.

Auch dafür: Danke, Häuptling.

  1. in der „Palette“, wenn ich mich recht entsinne, den Geruch der Plastiksitze dieses Kinos hab ich heut noch in der Nase
  2. Ich habe nicht geweint. War mir einen Tick zu kitschig, damals.

Splitterbrötchen (CDXVIII)

Sensationeller Facebook-Anzeigentext: „Sie wünschen einen frischeren Gesichtsausdruck? Entdecken sie die Möglichkeiten.“

Die Vorgänge um die FIFA haben einmal mehr William Shakespeare bestätigt: Königsmord ist verdammt schwierig.

Und die große Enttäuschung bei der ganzen Sache war war dann auch nicht Blatters Wiederwahl („Widerwahl?“), sondern das erneute Versagen der deutschen Presse(„neuerlicher Tiefpunkt“, G. Netzer). Warum bekomme  ich oberlehrerhafte Visionen mit wenig Realitätsbezug („Zerschlagung der FiFA“ – Wie soll das gehen? Und auf welcher rechtlichen Grundlage?) und die umpfzichste Aufzählung der Verfehlungen von Slippery Sepp und seinen Korrumpels anstelle saftiger Geschichten über das Scheitern der Königsmörder? Wer hat denn mal knallhart bei Platini oder Niersbach nachgefragt?

Unbedingte Leseempfehlung: Alex Capus. Lese gerade „Leon und Louise“, habe schon „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ und „Fast ein bisschen Frühling“ gelesen. Alles Volltreffer. Großes Erzähler-Kino. Wobei die wucherstramme E-Book-Bepreisung seines Verlags wiederum ärgerlich ist.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein Kalbs-Blanquette aus eigener Herstellung. Macht man viel zu selten.

Und abschließend möchte ich auch mal einen weltweiten Shitstorm auslösen. Unfassbar, aber wahr: ich habe im Facebook-Daddelspiel „Criminal Case“ ein Eis am Stiel entdeckt, das wie Hitler aussieht.

HitlerEis

Wie Hitler!!!!!!!!!!!!! Die spinnen ja wohl!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Alle entlassen!!!!! Sofort!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!11

 

Splitterbrötchen (CDXVII)

Ihre Beherrschung des Marschrhythmus ermöglicht es den Deutschen, jeden Tanz der Welt zu erobern.

Unschönes Lowlight der Woche: Die überraschende Schließung meiner Stammkneipe.  Ich bin untröstlich. Und die Skatrunde muss sehen, ob sie ein anderes Lokal an ihre Marotten gewöhnen kann.

Es sieht so aus, als würde der HSV noch einmal den Kopf aus der Schlinge ziehen. Das einzig Positive an Relegationsgewürge und einer weiteren Saison Grusel-Fußball: dass uns die Bilder eines schluchzenden Uwe Seeler erspart bleiben.

Über das herausragende Ende von „Mad Men“ schreibe ich später. Wenn ich meiner Begeisterung über die Gleichzeitig von Sarkasmus und Weisheit Herr geworden bin. Kann noch ein bisschen dauern.

 

Splitterbrötchen (CDXV)

Meine Einschätzung zu Rainer Werner Fassbinder, der unlängst 70 geworden wäre: Der Mann hat entweder Stellproben abgefilmt oder Rohschnitte ins Kino gebracht. Hätte er einmal einen Film zu Ende gearbeitet, hätte es spannend werden können. Und: Merkwürdigerweise kann man seinen Fernseharbeiten diesen Vorwurf nicht machen.

Ein Streik, der nicht weh tut, ist keiner.

Grandioser Wochenhöhepunkt: Thomas Quasthoff singt mit Ina Müller „Send In The Clowns“ auf der Gala der Rampensäue.

Symbol-Politik verändert nichts. Symbolischer Protest verändert noch weniger.

Kulinarischer Wochenhöhepunkte: frischer grüner Spargel, einfach 15 Minuten auf dem Blech im Ofen gegart, mit grobem Salz bestreut (zuhause), Kalbsbäckchen in Brick-Teig mit Morchelsauce. (auswärts, Zwischengericht bei Fräulein Fiona).

Zum umpfzichsten Mal: Geheimdienste machen böse Sachen, dafür sind sie da. Man kann ihnen das Machen böser Sachen nicht verbieten, wenn sie sich das verbieten lassen würden, wären sie keinen Schuss Pulver wert. Wenn man nicht möchte, dass im Namen des eigenen Staats bösen Sachen gemacht werden, muss man auf Geheimdienste verzichten. Das ist (hahaha!) alternativlos.

In der Metro gesichtet: „Horeca Select Bömlo Premium Lachsfilet“. Mehr Branding geht wohl nicht.

 

 

 

Splitterbrötchen (CDXIV)

Ein Torhüter, der in den letzten Minuten eines entscheidenden Spiels mit allem, was er hat, zum Ball geht, verdient Anerkennung, auch wenn er dabei ein Foul begeht. Ein Torhüter, der anschließend den Spieler, den er gefoult hat, nicht nur ignoriert, sondern auch noch über den am Boden Liegenden wegsteigt, um sich mit einem Kollegen abzuklatschen, ist zum Kotzen.

Für Freunde der Schleuderküche: Die TK-Beerenmischung (750g-Beutel) von „gut & günstig“ ergibt mit 1 bis2 EL Zucker, ungefähr ebenso viel Speisestärke und etwas Sauerkirsch-Saft eine ganz fantastische Rote Grütze.

Ex-Pirat Lauer ist jetzt bei Springer angestellt, agitiert für das Leistungsschutzrecht und löscht laut netzpolitik.org eifrig alte Tweets, in denen er die Gegenposition vertreten hat.  Nicht, dass wir nicht schon vorher gewusst hätten, was Glaubwürdigkeit im Hause Springer für einen Stellenwert hat.

Die halten uns wirklich alle für doof.

Irgendwo auf englisch gelesen: Je veganer das Café, desto uninformierter die Kundschaft. Umgekehrt wäre es allerdings richtiger: Uninformiertheit ist die Einfallstraße für jedwede Ideologie.

 

 

 

Splitterbrötchen (CDXIII)

Wenn man sich eine gute Suppe gekocht hat, warten hierzulande immer schon ein paar Leute drauf, einem reinspucken zu können.

Wer hätte denn gedacht, dass Fußball-Trainer mal mit Klappstühlen und geplatzten Hosen arbeiten. Teufelskerl Guardiola!

Schafft’s jemand, das folgende Wort auf Anhieb unfallfrei zu lesen? Dragonerareal. Auch nicht schlecht: Businnenraum.

Diese Woche war Anthony Quinns hunderter Geburtstag. Und der Grieche schräg gegenüber hatte Ruhetag!

Zwei Wochen-Highlights: Für Freunde mal wieder ’ne Bolognese gekocht und anschließend „Yuppi Du“ angeschaut (ja, ich hab mittlerweile eine DVD).  Und am Sonnabend haben wir unsere Skatkasse bei Fräulein Fiona verfressen. Ich hatte Spargel mit pochiertem Ei, Zander auf Saubohnenpüree, blutig gebratenes Entrecote und Käse. Das war mordsgut.

Auch wenn es „Theaterstreit“ genannt wurde, das war keiner. Das waren alte Säcke, die forderten, das alles so bleiben soll wie es niemals war.

 

Splitterbrötchen (CDXII)

Fa. Reichelt-Edeka enttäuscht schmerzlich mit der Produktbezeichnung „italienischer Parma-Schinken“. Bei „Original-Parma-Schinken aus Niedersachsen“ hätte ich vermutlich sofort zugeschlagen.

Das Internet ist nicht für jeden.

„Er wird neben Goethe stehen.“ wurde laut SpOn Günter Grass nachgerufen. Das ist natürlich Unsinn. Ein Günter Grass nimmt selbstverständlich kommod Platz, der Geheimrat kann stehen.

Früher war mehr Erdbeermarmelade.

Der Rechtschreibfehler der Woche, des Jahres, vielleicht des Jahrhunderts: An Sonnsten.

Lesetipp: „Fuckin Sushi“ von Marc Degens. Ich hab’s im Männer-Blog besprochen. Dazu ein kleiner Nachtrag über amazons prüde Algorihtmen.

So, das war jetzt die SEO des kleinen Mannes.

SAMSUNG CAMERA PICTURESDer kulinarische Höhepunkt der Woche: Nigel Slaters Lieblings-Sandwich. Huhn, Avocado, Salat, grüner Spargel, Frühlingszwiebel, Kräuter-Mayo, getoastetes Graubrot… kommt nächste Woche ausführlich auf „Männer unter sich„.

Der angebliche Spitzname von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gefällt. Sehr. „Flinten-Uschi“.

Zitat der Woche: „Nur weil wir zusammen gelacht haben, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht widerlich bin.“ (Pierce Brosnan als durchgeknallter Killer in „Mord und Margaritas“).

 

 

 

Splitterbrötchen (CDXI)

Punktest and what? Ach so, Punktestand! Sagt das doch gleich.

Erfolgreich angespargelt. Spargelrisotto grün/weiß, dazu Vinho Verde. Kann man so machen.

Man kann niemanden vor der Unwahrheit schützen, noch nicht einmal sich selbst.

Jetzt ist es schon eine Sensation, wenn Pep Guardiola auf einem Klappstuhl sitzt. Wenn ich auf einem Klappstuhl sitze… wir lassen das besser, glaube ich.

 

Splitterbrötchen (CDX)

Beim Discounter 2 kg Äpfel für 1,79 Euro gesichtet. Ein solcher Preis ist nur durch Massenobsthaltung realisierbar.

Mal wieder einen Versuch mit der Volksbühne unternommen, nach 30 Minuten aus „der die mann“ rausgegangen. Ich kann mit dieser Sorte Theater einfach nichts anfangen, ich sehe und höre nur nackte Kaiser.

Kulturelles Highlight der Woche: das „Rossini“-Wiedersehen Donnerstagspätabend im Ersten. Den Film von „sehr, sehr gut“ auf „Meisterwerk“ hochgestuft. Fast alle beteiligten Schauspieler waren nie wieder so gut wie in diesem Film. Und: desillusionierter und zynischer als Dietl mit diesem Film kann man keinen Blick auf das männliche Geschlecht werfen.

Angesichts der Formulierung „Ei-Lights zu Ostern“ überkam mich der unbändige Wunsch, ihren Urheber in die Low Lights zu treten.

Zu „Rossini“ noch ein wunderschönes Detail: Der einzige Rezensent, der Rossini bei amazon nur 1 Stern gegeben hat, hat den Film vollkommen korrekt verstanden, aber überhaupt nicht begriffen. Dietl hätte Tränen gelacht.

Die einzige noch offene Frage bezüglich des anstehenden Endes von „Mad Men“: Springt er oder wird er gestoßen?

Splitterbrötchen (CDIX)

Magischer Moment am Freitagmorgen vor dem „Nah und gut“ in der Beckerstr. „Sie sind doch der, der das Blog schreibt! Ich habe einen Kneipentipp für Sie!“ – Auf offener Straße erkannt, ich werde berühmt!

Eine Woche lang überlegt, wie ich das höchst inspirierende Treffen mit Frank Baade in adäquate Worte fasse. Dann war er schneller und treffsicherer als ich.

Wir trafen uns übrigens im Teehaus: Sehr angenehm dort.

Das Gegenteil von Wehmut setzte ein, als ich Im Tennisverein zum letzten Mal beim Abbau der Traglufthalle mitgeholfen habe. Unsere neue, massive Tennishalle konnte ich mit einem problemlosen Zwei-Satz-Sieg einweihen. So stelle ich mir moderne Sportstätten-Architektur vor.

Wenn es die Absicht deutscher Journalisten war, sich letzte Woche mehrheitlich als würdeloser Sauhaufen zu präsentieren, ist ihnen das gelungen.

Ergänzend dazu:  hier ist ein Staatsanwalt, der knapp 24 Stunden nach einem Flugzeug-Unglück eine auf einem akustischen Mitschnitt aus dem Cockpit basierende Theorie präsentiert, die von der deutschen Presse unisono akzeptiert und als Faktum verbreitet wird. Von der gleichen Presse kommt keinerlei Wort der Verwunderung darüber, dass es 8 Monate nach dem Abschuss von Flug MH17 über der Ukraine immer noch lediglich einen vorläufigen Untersuchungsbericht gibt, in dem nur wolkig von „Teilen mit hoher Geschwindigkeit“ die Rede ist, die das Flugzeug zerstört hätten.  Ich bin sicherlich nicht der einzige, der sich über diese Diskrepanz wundert.