Splitterbrötchen (CCX)

In Naumburg gehört – ein wunderschönes Wort für einen Durchgang zwischen zwei Straßen: „Da gehen Sie da hinten einfach durch die Schlüppe…“

Das Zitat der Woche stammt von Regie-Genie Hans Neuenfels, der uns im ZEIT-Interview darüber aufklärte, wie das war, als er merkte, dass er zum Regisseur geboren war: „Ja, das war in einer Waschküche in Essen-Werden, als ich an der Folkwangschule studierte. Meine damalige Vermieterin arbeitete als Prostituierte, und eines Nachts beobachtete ich zwei Freier beim Onanieren.“

Dem Vernehmen nach soll Dietmar Hopp, Hoffenheim, ja irgendwas mit Software zu tun haben. Vermutlich war dieser Klapperatismus, mit dem er den Gästeblock in seinem Stadion beschallen ließ, nur ein Testlauf für ein zukunftweisendes Plug-In, mit dem man im Internet unliebsame User-Kommentare auspiepen kann.

 

Splitterbrötchen (CCIX)

Bei Twitter gesehen: „Noch 1 Jahr bis London 2012 – Unterstütze dein Lieblingsteam und fülle das Olympische Stadium mit Tweets“. Lieblingsteam bei Olympischen Spielen? Stadium? Mit Tweets füllen?

Ärgernis der Woche war – natürlich – der Alarmismus bei Spiegel-Online inkl. Börsen-Liveticker, der binnen zwei Stunden zwischen „Historischer Crash, Schwarzer Montag“ und „Dax macht Verluste wieder wett“ mäanderte.

Das Zitat der Woche stammt von Russell Brand(!): „If we don’t want our young people to tear apart our communities then don’t let people in power tear apart the values that hold our communities together.“

Duplizität der Ereignisse: Auch den Schwachfug der Woche fanden wir in einem Spiegel-Online-Liveticker, diesmal zum Bau der Berliner Mauer. 50 Jahre her? Kein Problem, vertickern wir trotzdem und nennen es „Historisches Live-Protokoll“. Herr, solltest du doch noch mal Hirn vom Himmel schmeißen wollen, Hamburg liegt 53° 33′ N, 10° 0′ O.

Einer der Menschen, die ich vorbehaltlos bewundere, ist David Crosby. Heute wird dieser ewig junge Mann unfassbare siebzig Jahre alt.

 

 

Splitterbrötchen (CCVIII)

Der liebe Bundesinnenminister Friedrich fordert das Ende der Anonymität im Internet. Ich wage nicht, ihn zu fragen, wie er das technisch und organisatorisch bewerkstelligen will, vor der Antwort fürchte ich mich ernsthaft. Statt sinnloser Fragem rufe ich ihm stattdessen zu: Weiter so! Als nächstes brauchen wir Einlasskontrollen bei Demonstrationen und die Ausweispflicht dortselbst. Die Demokratie ist kein rechtsfreier Raum, Sie Nasenpeter!

Ich sollte mich nicht darüber wundern, tue es aber trotzdem: Wie gering Politiker die eigene Glaubwürdigkeit schätzen.

Und dann war da noch dieses ungarische Duo in der Podersdorfer Grube, dass sich durch jede Menge Operettenmelodien geigte und cymbalte, um plötzlich und unvermittelt „Que sera“ zu intonieren. Hommage an Budapests große Diseuse Doris Dösz?

Möchte wer nach Google+? Mir gefällt’s da, und ich hab noch jede Menge Einladungen übrig. Hier klicken, viel Spaß beim Einkreisen.

Splitterbrötchen (CCVII)

Die Idiotie der Woche gelang dem Bewertungsportal „qype“. Dort kann man jetzt Plätzen „folgen“.

Geniale Facebook-Kleinanzeige: „Vermiete deine Unterkunft an Tennisspieler und lerne nette Leute kennen.“

Blödsinniger, fauler Kompromiss in Schwäbisch Gmünd: Statt dem Tunnel will man nun ein Schwimmbad nach Bud Spencer benennen. Dabei wäre es doch so einfach gewesen: Einfach einen zweiten Tunnel neben den ersten bohren und das Ensemble „Zwei-Himmelhunde-auf-dem-Weg-zur-Hölle-Tunnel“ nennen.

Problem: Gescheibelte Radieschen unfallfrei und unauffällig vom Frühstücksbuffet auf meinen Teller zu bekommen. Wieso hat WMF für diese Herausforderung eigentlich noch kein Spezialwerkzeug auf den Markt gebracht?

Splitterbrötchen (CCVI)

Groß-Gastronomin Melitta T. begrüßt die geduldigste Gemahlin von allen und mich, als wären wir Stammgäste („Wie schön, dass Sie wieder reinschauen…“), komplimentiert uns an einen Tisch… und dann werden wir 15 Minuten lang von ihren Kellnern ignoriert, bis wir woanders hingehen.

Auch ein Zeichen beginnenden Altersstarrsinns: Wenn man Geschäfte mit seltsamen Bezeichnungen wie „Proscutteria“ oder „Wurst-Boutique“ aus Prinzip gar nicht erst betritt.

Und dann wurde ich noch Zeuge einer Brise, die war dermaßen steif, dass die Porzellan-Schiffchen im Ramschladen zu schwanken begannen.

Mann der Woche ist Gurkenzüchter Robert Bergenhenegouwen, der uns in einer ganzseitigen Anzeige der Europäischen Kommission Landwirtschaft und ländliche Entwicklung mit einem klarsichtigen Statement beglückte, das unserer Jugend hoffentlich die Augen öffnen wird: „Es ist schade zu sehen, wie Teenager ihr Geld für Fast Food und Alkohol ausgeben statt für gesundes Essen.“

Der Niedergang des deutschen Theaters ist eng mit dem Niedergang der Kortner-Anekdote verwoben.

Und schließlich hab ich noch ein Geschäft gesehen, wo ich einige Herrschaften gern zum Shopping hinschicken würde.

Splitterbrötchen (CCV)

Nach wie vor gültige Weisheit des grandiosen Kochs Dieter Kalldewey: „Wer Teller bemalen kann, kann noch lange nicht kochen.“

Mancher Wein duftet ganz ausgezeichnet. Bis man ihn trinkt.

In memoriam Heinz Reincke – Wie er mal Marianne Koch bei „III nach Neun“ schwindlig talkte (nach dem Gedächtnis zitiert):
„Sie sind wirklich immer betrunken, wenn Sie Theater spielen?“
„Aber natürlich. Anders halte ich das Lampenfieber nicht aus. Nur neulich, nach 130mal Mephisto, hab ich mir gesagt, das hast du so oft gemacht, das probierst du mal nüchtern. Das war aber auch nichts. Da hab ich die Kollegen so deutlich gesehen.“

Schöne Leistung von Fahrradverleiherin Gloria T., die eine Sektbar vor ihrem Laden aufstellte, ohne jedoch Sekt auszuschenken. Stattdessen las der Durstige ein Schild: „Sektbar zu vermieten“.

Eine zeitig eingenommene Weinprobe bringt den weiteren Tag so angenehm zum Diffundieren.

Typische Reaktion der geduldigsten Gemahlin von allen, wenn ich mal was Lustiges sage:

Splitterbrötchen (CCIV)

Wann haben Journalisten eigentlich begonnen, recherchierte Berichte grundsätzlich durch Kaffeesatzlesereien zu ersetzen?

In den Dialog der Woche geriet ich bei Fa. Saturn. Ich: „Ich such eine Schutzhülle für einen Netbook, 21 mal 29 Zentimeter.“ – Verkäufer: „Wieviel ist das in Zoll?“ Manchmal möchte man zur Pumpgun greifen.

Es steht nicht gut ums deutsche Tennis. Beim Davis-Cup war die halbe Hütte leer, und Patrick Kühnens Koteletten sahen echt scheiße aus.

Fa. Philips irritiert nachhaltig mit dem Slogan „Die fortschrittlichste Rasur aller Zeiten“. Was kann an „Haare ab“ fortschrittlich sein?

 

Splitterbrötchen (CCIII)

Schauen sich Supermarkt-Kassiererinnen nach Feierabend wirklich Storno-Filme an?

Den Preis für die couragierteste Information der Woche gebührt natürlich ZDF-Urgestein Claus Lufen, der während einer Frauen-Fußball-Übertragung kolportierte, dass die „Kids“ heute „Netz“ zum Internet sagen würden. Wirklich sehr mutig von Lufen, auf diese außergewöhnlich freche Wortwahl hinzuweisen.

Die wichtigste Information der Woche lieferte uns Trainer Baade via Twitter: „Endlich eine angemessene Würdigung für Zwanziger. Der Wackeldackel im WM-Bus der Frauen ist nach ihm benannt.“

Ein Kreuzberger Steakhaus offeriert auf seiner Karte „Garnelen im Panzer“. Konsequentes Front-Cooking.

Und die Berliner sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Sepp Blatter nicht ausgepfiffen. Tststs. Das hätt’s früher nicht gegeben.

 

 

Splitterbrötchen (CCII)

Das Wort der Woche verdanken wir Norbert Röttgen: „Begründungszugänge“ ist einfach brillant.

Auf dem zweiten Platz ist natürlich das während der Preliminarien des gestrigen Boxkampfs Sturm-Macklin geprägte „Bademantel-Problem“.

Ich mag nicht glauben, dass Peter Falk wirklich gestorben ist. Ich warte darauf, dass er mit den Worten „Beinahe hätte ich’s vergessen, ETWAS muss ich Sie noch fragen…“ wieder auftaucht.

Was qualifiziert Axel Schulz eigentlich zum Box-Experten? Dass er ein netter Kerl ist? Nette Kerle verstehen doch nichts vom Boxen.

 

Splitterbrötchen (CCI)

Erkenntnisse über das eigene Älterwerden schleichen sich nicht vorsichtig rein sondern springen einen unvorhergesehen an. Natürlich kann man das auch positiver ausdrückten: Ich hab endlich gelernt, mich selber zu erschrecken.

Wenn Spiegel-Online so weiter macht, wird es bald zu einem ähnlichen Ärgerns wie die BILD. Die EHEC-Schlagzeilen-Brüllerei dieser Woche, hinter der nur längst bekannte Banalitäten steckten, hatte mit niveuavollem Journalismus oder gar dem Mitteilen von Neuigkeiten ungefähr soviel zu tun wie ein Effjott-Wagner-Brief mit einem Kommentar zum Zeitgeschehen.

Erst heute, als ich jemanden anders sie gebrauchen hörte, habe ich bemerkt, dass sich die Wörter „Ortsgespräch“ und „Ferngespräch“ bereits vor längerer Zeit aus meinem aktiven Wortschatz verabschiedet haben.

Die Spam-Betreffzeile der Woche war „So gewinnen Sie im Lotto“. Nur folgerichtig war, dass der Absender dieser Mail eine „McCrazy GmbH“ war.