Splitterbrötchen (CXLIV)

Erinnerung an einen schönen Abend in einem nordhessisschen Traditionslokal vor paarunddreißig Jahren: Nach Lektüre eines damals aktuellen Lucky-Luke-Bandes versuchten wir herauszufinden, ob man schneller trinken kann als sein eigener Schatten. Mit einer hastig organisierten Taschenlampe starteten wir eines Versuchsreihe und kamen zu einem verblüffenden Ergebnis: Ja, es geht. Wir wissen nur nicht, wie.

Den Titel der Woche kreierte ein bei Sat1 herumkommentierender Herr Fuß, als er einen Fuß(sic!)ballspieler zum „zweitbesten Top-Scorer der Liga“ kürte.

In Australien ist ein Restaurantbesitzer zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein Kellner seines Etablissements hatte einem Blinden den Zutritt verweigert, weil er dessen Blindenhund für schwul hielt. Selbstverständlich fühle ich mit dem Blinden, andererseits nötigt der Kellner mir echte Bewunderung ab: mehr Diskriminierung geht nicht.

Splitterbrötchen (CXLIII)

Unmittelbar nach dem Erwerb von Tomaten zum „Aktivpreis“ fühlte ich mich lebhaft und vital. Ein beglückender Moment.

Auf Eatsmarter ein Video bestaunt, in dem das korrekte Pellen eines hartgekochten Eis erklärt wird. Ich bin begeistert und warte auf „Wasserkochen II – Wie Profis es noch heißer kriegen“.

Wäre ich Jogi Löw, würde ich Kevin Kurányi sofort verzeihen, dass er während eines Länderspiels Dortmunder Westfalenstadion und deutsche Nationalmannschaft im Stich gelassen hat. Auf keinen Fall verzeihen würde ich dem guten Kevin sein kreuzdämliches Interview im neuen SPIEGEL. Ein  dermaßen steindummer, larmoyanter Vollspaten wird der Mannschaftauf keinen Fall weiterhelfen können, weder in Südafrika noch sonstwo.

Gerade festgestellt, dass ich „Larmoyanz“ ein Leben lang falsch geschrieben und ausgesprochen habe. Wie so vieles habe ich auch diese Erkenntnis dem Fußball zu verdanken.

Dass ein Großteil der Menschen, die länger als zehn Jahre Tennis spielen, zu missgünstigen, rechthaberischen Korinthenkackern mutieren, scheint mir empirisch beweisbar zu sein. Tennis ist ein gefährlicher Sport.

Splitterbrötchen (CXLII)

Es gibt gelungene BILD-Schlagzeilen. Es gibt hammerharte BILD-Schlagzeilen. Und es gibt Meisterwerke, die auf olympischen Höhen vom eisigen Wind der Ewigkeit umweht werden. Also Schlagzeilen wie „Polizei beschlagnahmt toten Opa aus Billigflieger“.


„Ihre Kreditkarte freut sich über dieses erwerb.“, teilte mir Spammer-König Horatio Acosta mit. Seitdem sehe ich bargeldlose Zahlungssysteme mit ganz neuen Augen.

 

Warum hat es eigentlich noch kein ARD-Sender mit einem Tatort-Kommissar probiert, der seine Fälle durch ausgiebiges Aktenstudium löst, samstags Bier trinkend vor der Sportschau hockt und gemeinsam mit seiner Frau eine umfangreiche Briefmarkensammlung pflegt? Wenn ich die anderen TV-Verbrecherjäger betrachte, hätte so ein Typ durchaus Chancen, von der Presse mit dem Etikett „unkonventioneller Ermittler“ versehen zu werden.

 

Es gibt wenige Dinge, die lustiger sind als alte Filmplakate. Sperrige Schriften, rührend-hilflose Fotomontagen, trashige Zeichnungen… wirklich saukomisch. Bis einem einfällt, dass man selbst die Dinger noch im Schaukasten hat hängen sehen.

Splitterbrötchen (CXLI)

Das Angebot der Woche sandte mir Meister-Spammerin Heinrike Bielefeld zu: „Unsere Gesellschaftsleiter sind auf der Suche landesbreit Arbeitskollegen, welche naeherungsweise sieben Werkstunden die Arbeitswoche nichts zu tun besitzen mit Interesse fuer unserer Gesellschaft aktiv zu sein.“ Dicht auf den Fersen folgte ihr Nachwuchskraft Isabella Marquardt, die unter dem bezaubernden Betreff „Lassen Sie uns Ihre Finanzen verhundertfachen“ mit „Unser Projektleiter spueren deutschlanduebergreifend Personen, diese naeherungsweise sieben Uhr jede Arbeitswoche keine Beschaeftigung verfuegen um bei unserer Firma ein zu springen.“ beglückte.

Den Olymp der Fernsehunterhaltung erklomm Fa. RTL mit „Die Jagd nach der Heiligen Lanze“. Als sich gegen Ende dieses außergewöhnlich imaginierten Films herausstellte, dass Goethe unter dem Brandenburger Tor eine Höhle zur Aufbewahrung einer dubiosen Reliquie gebaut hatte, kniete ich vor dem Fernseher nieder und betete an.

Charmante Sprach-Idiotie auf einem Cabernet Sauvignon-Etikett: „Die Aromatik dieser Rebsorte enthält Anklänge  an den Duft der Johannisbeere.“

Aber turmhoch über dem ganzen bereits erwähnten Irrsinn dieser Woche thront der „Geistige Begradigungstherapeut“ Christian H., der mir in seinem kunstreich verschwurbelten Prospekt nicht nur eine „Göttliche Aufrichtung“ sowie einen „Beinlängenausgleich“ offeriert, sondern im gleichen Aufwasch auch mein Handy von „gesundheitsgefährdenden Strahlenbelastungen“ reinigen möchte. Ja, was will ich denn mehr.


 



 

Splitterbrötchen (CXL)

Das Wort der Woche schuf Daniele Dell’Agli in einem Artikel für Welt-Online: „konsenssedierte Öffentlichkeit“.

Die Sprachtölpelei der Woche schenkte uns Tom Buhrow, als er Wolfgang Wagner als „langjährigsten Intendanten“ bezeichnete.

Und das Produkt der Woche ist selbstverständlich der mir von mehreren verdienstvollen Spammern ans Herz gelegte „Orgasmuskaugummi für die Frau“. Seit ich von dieser bahnbrechenden Novität gehört habe, sinniere ich, was wohl das entsprechende Produkt für den Herrn sein könnte. Vermutlich etwas mit „eingebauter Torgarantie“.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Schalke das Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern nicht mit 0:1 sondern mit 3:8 verloren hat.


Splitterbrötchen CXXXIX)

Die Uni Potsdam zieht eine Praktikums-Börse auf und nennt das „Career Service“. Jetzt bleibt wohl nur noch der bewaffnete Kampf.

Die Entdeckung der Woche – das Faktorsche Gesetz: “Jede neue Generation gibt der Welt das Gefühl der Normalität zurück.“

Immer wieder verblüffend: Dass manchen Menschen das Geldverdienen so verblüffend schwer fällt, während es anderen so verblüffend einfach gelingt.

In den USA ist im Jahre 2009 die Zahl der Schönheitsoperationen um 17 Prozent zurückgegangen. Niemand konnte ahnen, wie schlimm die Wirtschaftskrise uns alle treffen würde.

Zu den meisten Mitgliedern des derzeitigen Kabinetts fallen mir nur noch Formulierungen ein, die justitiabel wären. Mangelnde Kreativität? Geistige Hartleibigkeit auf Grund langjährigem Querulantentums? Oder sind doch die Kabinettsmitglieder schuld?

Splitterbrötchen (CXXXVIII)

Die abstruse Geschäftsidee der Woche: Eine App fürs iPhone, die es Schauspielern ermöglicht, sich mit Hilfe eines Malprogramms zu schminken.

Idee für eine Sitcom: Fröhliche Mittelmeer-Famile hat alle Hände voll zu tun, den durchgeknallten Opa auf Kurs zu halten. Arbeitstitel: „Die Gaddafis“.

Bloß weil etwas ungeordnet ist, ist es noch lange nicht anarchistisch.

Schaukelstühle und Geisterbahnen sind beinahe vollkommen aus unserem Leben verschwunden. Ein Riesenverlust.

Splitterbrötchen (CXXXVII)

Das Ärgernis der Woche: Kai Diekmanns Hasenfüßigkeit. Warum mussten wir auf die naheliegende, offensichtliche BILD-Headline „Affäre Amerell – DFB macht hinten dicht“ verzichten?

Der Spam-Betreff der Woche: „Jetzt für wenig Geld an tausend Orten gleichzeitig sein.“

Erkenntnis der Woche: Die Namen von Schauspielern aus Filmen, die älter als zehn, zwanzig Jahre sind, hab ich  sofort parat. Nach den Namen von Schauspielern aus aktuellen Filmen muss ich grübeln. Oh weh.

Splitterbrötchen (CXXXVI)

Meine schlagfertige Antwort de Woche: „Hast du einen Generalschlüssel?“ – „Tut mir leid, ich war nicht beim Bund.“

Für einen Sauhaufen braucht es weder Erfahrung noch Können. Die Fähigkeit, einen Sauhaufen zu formieren, ist angeboren.

Nach Jahren des Suchens und Probierens endlich das Beilagenproblem beim 40-Zehen-Knoblauchhuhn gelöst: Curry-Wirsing passt ganz wunderbar.

Splitterbrötchen (CXXXV)

Erfreut lese ich, dass die katholische Kirche vor ca. zwei Jahren John Lennon vergeben hat, dass er vor über vierzig Jahren gesagt hat, die Beatles seien jetzt populärer als Christus. Sollte der Papst das Lennon nicht persönlich sagen?

Die Tiger-Woods-Pressekonferenz war ein Höhepunkt (Wortwitz!) für Freunde bizarren Entertainments. Aber: reicht uns diese Entschuldigung aus? Sollte er sich nicht noch eine Aktion einfallen lassen, die uns endgültig von seiner tiefempfundenen Reue überzeugt? So was wie: eine Million Dollar pro Cocktailkellnerin für Haiti spenden?

Die Poesie der Woche hörte ich in einer ZDF-Olympia-Übertragung: „Man sieht sehr schön, wie steil sich das Gelände hinab bewegt.“

Apropos Poesie: die Spammer dichten immer besser. Diese Woche erfreute Gertraud Albright mit „im Moment erstreben wir Ihnen ein Hauch ganz besonders hinzuhalten“.