Splitterbrötchen (CLX)

Eine kleine Polit-Clique, die sich aufführt, als wäre die Macht im Staate ihr Privateigentum, glaubt, Menschen abschießen zu können, weil ihnen deren öffentlich vorgetragene Ansichten  nicht in den Kram passen. Kommt einem bekannt vor, nicht wahr? Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber zwanzig Jahre nach Mauerfall ist die DDR endlich in der BRD angekommen.

Fa. Google ist übrigens ganz bei Sarrazin. Wenn man nach „Zentralrat der Juden“ sucht, kommt eine Google-Kleinanzeige: „Juden: Sind Sie Jude? Genetische Herkunftsanalyse zeigt,ob Sie jüdische Wurzeln haben.“ Warum schweigt hierzu die Kanzlerin? Empfindet sie diese Anzeige als hilfreich?

Die Antwort der Woche gelang Henryk M. Broder auf die Frage, wie er sich fühle, wenn sich Deutschland wirklich abschaffen würde: „Sie finden wieder leichter einen Parkplatz am Kurfürstendamm.“

Und mit dem Augenblick der Woche beschenkte uns Reinhold Beckmann, der in die leere Kabine der deutschen Fußballnationalmannschaft schalten ließ, um Philipp Lahms Trikot zu übertragen. Gänsehaut. Fernsehgeschichte. Wahnsinn.

Splitterbrötchen (CLIX)

Den Spam-Betreff der Woche ließ sich Frau Tanja Fuchs einfallen: “Ihre Möhre ist zu klein“. Ich habe diese Nachricht sofort an meinen Gemüsehändler weitergeleitet.

Eine Problematik der Sarrazin-Debatte kann man bei Amazon begutachten. Derzeit kann man dort 19 Rezensionen des Buchs lesen. Ab morgen können die Rezensenten dann endlich auch das Buch lesen.

Immer wieder erstaunlich: Wieviel Spaß es schlechten Kellnern macht, ihre Gäste schlecht zu behandeln.

Und nochmal Sarrazin: Originell finde ich, wie viele Menschen fordern, dass er wegen seines Buchs als Bundesbanker nicht mehr tragbar ist und zurücktreten sollte. Wenn man diese Kausalkette konsequent zu Ende denkt, müsste jeder Klempner aufgefordert werden, seinen Laden dicht zu machen, wenn er am Stammtisch rassistischen Quatsch erzählt.

Splitterbrötchen (CLVIII)

Aus meiner Kristallkugel nach dem ersten Spieltag: Es wird ein Zweikampf zwischen Bayern und Leverkusen. Es könnte für Leverkusen langen.

„Kokett“ oder „exaltiert“ bleibt immer gleich, wird aber  ab einem bestimmten Alter einfach zu „blöd“.

Wohingegen „Ignoranz“ niemals zu „Altersweisheit“ wird.

Wenn einem als einzige Reaktion auf Veränderungen nur noch die Beschwerde  einfällt, kann man eigentlich einpacken.

Splitterbrötchen (CLVII)

Mit welcher Lust, welcher Energie und welcher Ausdauer sich viele Menschen beschweren… das scheint denen wirklich Spaß zu machen.

Nach Weltmeisterschaften ist das Kribbeln vor dem Bundesliga-Start am größten. Seit 44 Jahren ist das so.

In Podersdorf aufgeschnappt: Wenn du Österreich verstehen willst, dann stell dir eine Tür vor, an der ein Schild „Eintritt strengstens verboten!“ hängt. Und etwas darunter hängt ein zweites Schild: „Vorsicht, Stufe!“

Die häufige Geringschätzung der sportlichen Fähigkeiten Michael Ballacks wundert mich doch sehr. Mich jedenfalls würde es nicht wundern, wenn Bayer Leverkusen mit Ballack am Ende der  Saison ganz vorne landen würde.

Splitterbrötchen (CLVI)

Es ist nach jeder WM das gleiche: Was nach dem Abpfiff des Finales bleibt, ist der Hunger nach noch mehr Fußball. Fußball ist weder Sport noch Weltanschauung, Fußball ist Sucht.

Taktischer Nachklapp: Den notorisch ballsicheren, jedoch offensivschwachen Spaniern wäre möglicherweise tatsächlich mit Manndeckung und Libero nebst daraus resultierender Überzahl im Mittelfeld beizukommen gewesen. Allein der Gedanke ist schauerlich, aber es hätte funktionieren können.

Die Heimtücke eines neuen Küchengeräts: Kaum ist es da, sinnt man nach Möglichkeiten, es zu nutzen. Sprich: Dinge damit zu tun, die man gar nicht tun musste, bevor es nicht da war.

Die Möglichkeit, überhaupt zurücktreten zu können, ist ein ganz großes Privileg. Das scheint einigen der eifrig zurücktretenden Politiker nicht klar zu sein.

Splitterbrötchen (CLV) – WM-Special

Natürlich hätte man den verwandelten Elfmeter besser schießen können, wie der Kommentator forderte. Er wäre dann noch drinner gewesen.

Mit dem Zug an Malente vorbeigefahren. Von einem mythischen Schauer angeweht worden.

Tatsächlich erinnere ich mich an epische Niederlagen deutlicher als an triumphale Siege.

Splitterbrötchen (CLIV) – WM-Special

Großes Kommentatoren-Tennis: „…während Ghana wankend die Verlängerung herbeisehnt.“

Gibt es eine verlässliche Statistik darüber, wieviele südamerikanische Fußballer „El Loco“ genannt werden?

„Wie kann ein Freistoß zum Bumerang werden?“ – „Das geht nur bei australischen Mannschaften.“

Splitterbrötchen (CLIII) – WM-Special

Als Poet der Woche entpuppte sich Löw-Assistent Hansi Flick: „Jerome Boateng hat eine Gefährdung in der Wade.“

Italienischer Fußball in drei Worten. „Beleidigen durch verteidigen.“

Wenn’s beim Italiener lustig werden soll: Einfach mal ’ne Pizza Slovakia ordern.

Splitterbrötchen (CLII) – WM-Special

Die ausdauernde Beschäftigung mit Sport säubert das Gehirn zuverlässig von allen anderen – unwichtigen – Themen.

Ein Sieg ist eine Momentaufnahme, mehr nicht. Eine Niederlage kann sehr viel mehr sein.

Nach ihrem Rücktritt vom aktiven Sport sind erfolgreiche Athleten gelegentlich verwundbar, aber immer unangreifbar.

Wenn mich jemand nach meinen Vorbildern fragt, oder nach Menschen, die mich in meiner Jugend prägend beeinflusst haben, ist Uwe Seeler immer unter den ersten Fünf, die mir einfallen.

Splitterbrötchen (CLI) – WM-Special

Tagtraum: Karel Gott mit „Biene Maja“ in einem Vuvuzela-Remix.

Früher pflegte die uruguayische Nationalmannschaft vor einem WM-Turnier ein Spezialtraining in einem Shaolin-Kloster zu absolvieren („Zeige deinem Gegner den Weg des unendlichen Schmerzes“), und danach haben sie dann auf alles getreten, was sich bewegt hat und nicht rund war. Soll heißen: Früher hätte sich der Uru niemals mit nur einem Platzverweis begnügt. Nuja, vielleicht war’s auch nur die Nervosität beim Turnierstart.

Der Mexikaner ist der Schwede Südamerikas, der Südafrikaner sucht noch nach seiner Identität.

Außergewöhnlich geschmeidig hat der Engländer die ungeliebte Favoritenrolle abgeschüttelt.

Messi brilliert in sämtlichen Aspekten des Spiels. Er kann sogar mehr Chancen auslassen als Gomez – ein Kunststück, das nur echten Ausnahmekönnern gelingt.

Das Räsonieren deutscher Journalisten über die Vuvuzelas erinnert doch stark an Pauschaltouristen, die sich darüber beschweren, dass es in der Halbpension auf Malle nur einheimische Gerichte und keinen Sauerbraten gibt.