Schlagwort-Archive: Pseudoweisheiten

Splitterbrötchen (LV)

Es gibt Orte, an denen sich trefflich schwermütig werden lässt. Der Bahnhof in Würzburg ist einer von diesen.

„Regen und Dunkelheit bestimmten Schüttlers Spiel“, hieß es im ZDF-Morgenmagazin. Das hätte man positiver formulieren müssen.

Es ist nicht witzig, wenn jemand den Verstand verliert. Aber als der Trinker im Nürnberger Hauptbahnhof anfing, seinen beiden unsichtbaren Zechkumpanen Witze zu erzählen und sich vor Lachen ausschütten wollte… das wahr im Wortsinn irrsinnig komisch.

In den letzten Tagen mehrfach erlebt: Junge Menschen, die – offenbar fremd am Ort – mit dem Handy zuhause anriefen und Sätze wie „Papa. ich steh hier an der Sowiesostraße, kannst du mal schnell bei Google Maps gucken, wie ich in die Dingenskirchenstraße komme?!“ Ich glaube, es wird Zeit, sich um die Zukunft Sorgen zu machen.

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Splitterbrötchen (LIV)

Neulich sah ich auf dem Marktplatz in Minden einen blitzsauber restaurierten Opel Blitz, Baujahr 1951, stehen, an sich schon ein erfreulicher Anblick. Noch mehr freute mich, dass ich zur Abwechslung mal einen Gegenstand betrachten dürfte, der älter war als ich.

Wenn ich mich über die unproduktive Disziplinlosigkeit z. B. auf Theaterproben aufrege, die offenbar mir als einzigem gewaltig auf den Zeiger geht, bin ich dann ein gerade eben noch sympathischer Wertkonservativer, oder bin ich mittlerweile schon der ekelhafte Korinthenkacker, der ich niemals werden wollte?

In einer Pressemitteilung von Vodafone gelesen, dass man sich jetzt daran macht, Shops zu „Erlebniszonen“ umzubauen. Soso, Erlebniszonen. Manchen Marketing-Nutten ist nichts peinlich.

Im TV ein wunderbares Wort auf einem Arbeitsbogen des Neuköllner Jobcenters erhascht: Kundenreaktionsmanagement.

Lukas Podolski selbst ist mittlerweile komischer als Olli Pocher, wenn er Lukas Podolski nachmacht.

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Splitterbrötchen (LIII)

Randbemerkung (nicht nur) zu Olli Pochers EM-Beiträgen: Früher hat man Sachen, die nicht komisch waren, einfach nicht gesendet. Das funktionierte erstaunlich gut.

Herrlich: Nach der unsäglichen Coldcall-Eröffnung „Sie haben sich ja beim Gewinnspiel registriert…“ sofort anfangen zu brüllen. Nicht, dass es Sinn machen würde, aber es tut ziemlich gut.

Ronaldo bewegt sich gelegentlich wie seine eigene Playstation-Figur.

Das muss eine schöne Zeit gewesen sein, als man verreisen konnte, ohne jede Menge Netzteile einpacken zu müssen.

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Splitterbrötchen (LII) – EM-Ausgabe

Es sieht tatsächlich so aus, als könne nur noch Jörg Berger die italienische Nationalmannschaft retten.

Das taktische Spektakel, dass Jogi Löw gegen Kroatien geboten hat, erinnerte fatal an einen seiner Vorgänger. Genau an den! Den mit den „taktischöhn Massnahmöhn“, der schon mal einen Defensivmann einwechselte, wenn er zurück lag.

Souveräner Mißbrauch journalistischer Deutungshoheit bei der BILD: „Daniela Löw, seit 22 Jahren mit Jogi verheiratet, saß am Donnerstag in Klagenfurt im Stadion und litt mit. Traf hinterher am Mannschaftsbus nur kurz ihren Mann, fuhr jedoch (im Gegensatz zu vielen Spielerfrauen) wieder heim. Und hält ihm so den Rücken frei.“ Wie meinen? Muss ich das verstehen? Kann das irgendjemand verstehen?

Das, was die Niederländer derzeit anbieten, ist schlicht und einfach der beste Fußball, den ein Nationalteam überhaupt spielen kann. Punkt. Interessanterweise haben sie das schon mal bei einem anderen, länger zurück liegenden Turnier getan. Jenes Turnier endete mit dem Sieg einer deutlich schlechter spielenden Mannschaft höchst erfreulich.

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Splitterbrötchen (LI)

„Kriminaldauerdienst“ im ZDF ist in der Tat das Wunder einer deutschen Serie. Auch und gerade besteht das Wunder darin, wie Regie und Darsteller über den sozialdemokratischen Spirit der Bücher triumphieren.

Geschichten stehen für sich selbst. Sie werden nicht besser, wenn sie belehren.

Warum fällt es vielen Menschen so schwer, einfach auf Fragen zu antwörten? „Ich weiß es nicht.“ ist besser als Schweigen.

Empfehlung an unerfahrene Theaterbesucher: Lasst euch nicht reinlegen. Zählt immer nach, wenn ihr in Stücke geht, die „Drei Schwestern“ o.ä. heißen. Zwei Schwestern sind nicht genug.

Warum denke ich immer an Walt Disney’s spannende Taschenbücher, wenn ich einen Namen wie „Gundula Gause“ höre?

Wenn man in der Lage ist, die richtigen Prioritäten zu setzen, wird plötzlich alles unwichtig. Alles außer Fußball.

Wo beschwert man sich eigentlich, wenn man keine „Einkauf aktuell“ bekommen hat? Und kann man Ausgaben nachbestellen, die man verpasst hat?

Turnierzeit ist die schönste Zeit.

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Splitterbrötchen (L)

Ist Frau von der Leyen echt? Oder ist das Meryl Streep, die für die Darstellung einer Ministerin einen Academy Award gewinnen will?

Welcher fehlgeleitete Berater sorgt eigentlich dafür, dass Johann Lafer sich optisch und vor allen Dingen mimisch mehr und mehr dem Räuber Hotzenplotz annähert?

Manchmal hilft es, Dinge konsequent bis zum Ende durchzudenken. Wenn – wie jetzt viele Lautsprecher Politiker vorschlagen – der Bundespräsident vom Volk gewählt werden sollte… welche Partei würde zuerst versuchen, Dieter Bohlen aufzustellen?

Soso, Köche werden also zu Popstars… wie lange wird es noch dauern, bis einer dieser angehenden Popstars auf die Idee kommt, die Amy-Winhehouse-Rolle zu besetzen? Das Kunststück, dass JBK in seiner Kochsendung gelungen ist: nicht allzusehr zu stören.

Wenn all die Leute, die lautstark und öffentlich die Schließung von Radio Multikulti beklagen, diesen Sender auch nur einmal eingeschaltet hätten, würde man ihn wohl nicht schließen. Vergleicht man die massenhafte Begeisterung, die hierzustadts ein Ereignis wie der Karneval der Kulturen der Welt auslöst, mit den Multikulti-Quoten, muss man sagen: Klassenziel deutlich verfehlt.

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Splitterbrötchen (XLIX)

Hinreißender „Alter Sack kann es noch“-Film: der neue Indiana Jones. Ärgerlich, mit welcher Kenntnislosigkeit einige Filmkritiker vor diesem mit Zitaten und kernigen One-Linern vollgestopften Action-Spaß versagt haben.

Erstaunlich, dass es weder CDU noch SPD klar zu sein scheint, dass es der Mehrheit der von Ihnen regierten Bürger ziemlich wurscht sein dürfte, wer an Silvester den Grüßaugust macht.

Apropos SPD: man kann immer etwas falsch machen. Die Menschen verzeihen einem das sogar. Man muss nur den Fehler eingestehen und es ab sofort anders, idealerweise besser machen. Was ist eigentlich so schwer, SPD? Das zu begreifen, das umzusetzen, oder gar beides?

Dieter Bohlen soll gesagt haben, dass er sogar ein Pfund Hackfleisch in die Charts bringen kann. Dass ist das überzeugendste Konzept für einen Eurovision-Song-Contest-Beitrag, das ich seit Jahren gehört habe.

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Splitterbrötchen (XLVII)

Früher war die Welt einfach: Wenn ein Mensch zu einem Mülleimer ging, wollte er etwas wegwerfen. Jetzt ist die Welt komplizierter geworden: immer mehr Menschen nähern sich Mülleimern, um etwas herauszuholen. Es ist eine Schande.

Blick in die Kristallkugel: Wenn Gattuso in der nächsten Saison tatsächlich für die Bayern spielt, wird er in der ersten Saisonhälfte mindestens dreimal vom Platz fliegen. Der Firlefranz wird bei Premiere „Jo mei, der Gennaro…“ sagen, Wurst-Uli wird der Konkurrenz die Schuld geben („Das ist nachgerade perfide, wie die Stürmer sich zwischen Gattuso und den Ball werfen. Der kann ja gar nicht anders, als sie zu treten!“), und der Findensienichtauch-Kalle wird die Situation in seiner weltmännischen Art auf den Punkt bringen: „Die deutschen Schiedsrichter müssen sich erst noch an Gattusos Spielweise gewöhnen.“

Manchmal glaubt man, dass die Welt einem gehört. Dass das ein Irrtum ist, merkt man, wenn sie einem wieder weggenommen wird.

Die Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ ist ein richtiges Karriere-Sprungbrett. Ist es nicht toll, wie die Kandidaten der letzten Staffel immer noch die Schlagzeilen beherrschen?

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Splitterbrötchen (XLVI)

Willi, Wuppi und Wudy… das sind tatsächlich Dinge, die man in Supermarkt oder Bäckerei erwerben und angeblich essen kann. Ich werde nie erfahren, wie das Zeugs schmeckt. Ich kann nicht „Einen Schoko-Wuppi, bitte“ oder „Ich nehm einen mit Käse überbackenen Willi“ sagen, ohne mir unerträglich dämlich vorzukommen.

Was wirklich nervt, sind Leute, die Fragen stellen, weil sie glauben, irgendwas fragen zu müssen. Ohne etwas wissen zu wollen.

„Zeitversetztes Fernsehen“ wird mir gerade als neuestes Trumpfas von T-Online angepriesen. Das ist natürlich der Wahnsinn. Davon träume ich von Kindesbeinen an. Lieber wäre es mir allerdings, wenn die Marketing-Deppen, die diesen idiotischen Begriff erfunden haben, nicht auf Zeit sondern auf Dauer versetzt würden.

Die gewissenlosen Dummschwatz-Profiteure von McKinsey warnen davor, dass die Mittelschicht hierzulande verfällt. Aha. Die gleichen Leute, die jahrelang den Stellenabbau als Allheilmittel für jedes wirtschaftliche Problem gepredigt haben, bemerken plötzlich, dass es volkswirtschaftliche Probleme gibt, wenn man einer größeren Menge Leute die Arbeit wegnimmt. Ein Verfall von Firmen wie McKinsey könnte das Problem schlagartig lösen.

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Splitterbrötchen (XLV)

Im Supermarkt einen Fehlkauf getätigt. Welcher grenzdebile Vollspaten ist nur auf die Idee gekommen, auf eine Packung, die 40 Müllbeutel mit je 20 Litern Inhalt enthält, eine riesengroße 40 zu drucken?

Ein Satz wie „Rufen Sie an und gewinnen Sie ein schickes Auto!“ (Sat1, Donnerstag abend) ist weder inhaltlich noch literarisch zu toppen.

In Minden gesehen – genialer Name für eine Boutique: „Bonnie sucht Kleid“.

Warum finden so viele Menschen Essen vom Buffet so toll? Mir was durcheinander auf den Teller packen kann ich auch zuhause.

Ein Service, den ich nicht mehr missen möchte: Der Celebrity-Deathbeeper.

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