Schlagwort-Archive: Pseudoweisheiten

Splitterbrötchen (XLI)

Nichts gegen Gastronomen, die sich gegen das – in meinen Augen Bürger beleidigend bevormundende – Rauchverbot wehren. Allein die beinahe ausschließlich vorgebrachten wirtschaftlichen Argumente („Wir können das Rauchverbot nicht einhalten, unsere Umsätze gehen zu stark zurück!“) irritieren mich. Nehmen wir mal an, ich wäre ein Auftragskiller. Nette Menschen informieren mich dahingehend, dass meine berufliche Tätigkeit illegal ist. Ich erschrecke und höre damit auf, meine Mitmenschen ins Jenseits zu schicken. Nach einigen Wochen stelle ich fest, dass meine Umsätze zurückgehen, und mit eben dieser Begründung nehme ich meine Geschäftstätigkeit wieder auf…

Wenn man bei einem Umzug Kisten trägt und plötzlich nimmt ein junger Mensch einem die Kiste mit den Worten „Die ist zu schwer für dich.“ weg… au weh. Blödes Gefühl.

Ich will wirklich nicht kleinlich sein, aber mich würde wirklich eine überzeugende Begründung interessieren, warum ich Wurstpellen und Käserinden bezahlen muss, die grundsätzlich mit abgewogen werden, obwohl ich sie nicht esse.

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Splitterbrötchen (XL)

Mittelmaß macht ein Geräusch. Es greint.

Ich gucke House wegen House, aber Monk wegen Stottlemeyer.

Wer kennt eigentlich noch Carlo Schmid? Warum zitiert niemand mehr Carlo Schmid? Könnte es an der simplen Erkenntnis liegen, dass man große Vorbilder, die man nicht annähernd erreicht, besser totschweigt, um keine peinlichen Vergleiche zu provozieren?

Talent ist ein Versprechen, dass oft nicht gehalten wird.

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Splitterbrötchen (XXXIX)

Im Hof des Mietshaus, in dem wir wohnen, stehen heute zehn Fahrräder mehr als zu Beginn des Streiks im ÖPNV. Irgendwie glaub ich nicht, dass alle dieser Fahrradfahrer wieder Bus fahren werden. Könnte sein, dass ver.di der BVG doch ziemlich geschadet hat.

Das waren schöne Filme, in denen eine Prügelei noch als gesellschaftlich akzeptabler Zeitvertreib angesehen wurde. Und wo sind eigentlich die Auto-Verfolgungsjagden geblieben, bei denen richtig Material zerdeppert wurde?

Gerade im Radio gehört, dass man bei der BVG berät, wie man den Fahrbetrieb wieder anlaufen lassen kann. Hm. Eigentlich sollte doch so ein Plan nach zehn Tagen Streik fixfertig in der Schublade liegen. Erinnert irgendwie an das „Ministerium für gesamtdeutsche Fragen“, das seinerzeit vom Fall der Mauer auf dem linken Fuß erwischt wurde.

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Splitterbrötchen (XXXVIII)

„Wichtig ist, dass man morgens in den Spiegel schauen kann. Und das kann ich.“, gab Mirko Slomka zu Protokoll. Toll. Andererseits: Wer kann das nicht?

Wo wir bei Slomka sind: Wieso hat der sich am Mittwoch angezogen wie ein Unterbösewicht in einem Italo-Western? Wie die schwarz gekleidete Type, die immer die Ohrfeigen-Kaskaden von Terence Hill einsteckt?

Wenn ich die armen Raucher sehe, die auf der Straße stehen, an ihren Zigaretten ziehen und sich nervös umgucken, dann muss ich schaudernd daran denken, dass die Deutschen es wie kein zweites Volk verstehen, Minderheiten auszugrenzen.

Dass zwischen Macht und Verantwortung im Idealfall ein Zusammenhang bestehen sollte, scheint nur einer erstaunlich geringen Zahl von Politikern klar zu sein.

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Splitterbrötchen (XXXVII)

Die Fußballkommentare Wolf-Dieter Poschmanns ähneln mehr und mehr dem Rauschen bei schlechtem Radio-Empfang: störend, überflüssig, unvermeidlich.

Es gibt nur wenige Menschen, die ein spannenderes Leben führen als ein Paranoiker.

Eben in der U-Bahn mitgehört: „Kreuzberg ist mir zu spießig, zu yuppiehaft.“ Hm. Gibt es überhaupt noch Yuppies? Heißen die nicht mittlerweile irgendwie anders?

Bescheuerte Frage im Restaurant: „Den Salat mit Dressing?“ Fragt man zurück, was denn die Alternative wäre, bekommt man unfehlbar „Mit Essig und Öl“ zu hören. Als ob das kein Dressing wäre.

Wenn man wichtig sein will, langt es nicht, sich selbst für wichtig zu erklären. Man muss schon gelegentlich etwas wichtiges tun.

Nochmal Paranoia: Hat eigentlich schon mal jemand versucht, eine Verschwörungstheorie in die Praxis umzusetzen?

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Splitterbrötchen (XXXVI)

Der Preis für den besten Spitznamen der Woche geht an den kicker, der mit der fantastischen Headline „Torlos-Agali steht auf der Kippe“ für den Kickstart in die Woche sorgte.

Selbstgebackenes Brot, gerade noch warm aufgeschnitten, Stückchen richtige Butter (nicht den Euphemismus aus dem Kühlregal) drauf, Körnchen Salz, Gläschen ländlicher Merlot… die Papillen lassen sich auch mit ganz einfachen Argumenten überzeugen.

Persönliches Highlight der Woche: Auf zoomer.de wird einer meiner Kommentare über eine sogenannte „Meinungsmacherin“ gelöscht. Dabei hatte ich lediglich das zitiert, was der überaus geschätzte Eckard Henscheid mal über Heinrich Böll gesagt hat.

Seit ich den Beitrag über den Wahlwerbespot der Hamburger FDP in die Netzecke gestellt habe, bringt Fa. Google hier eine erstaunliche Zahl von Besuchern vorbei, die nach „Hinnerk Fock schwul“ gesucht haben.

Dass plötzlich „Wortbrecher“ und „Stratege“ Synonyme sein sollen, geht mir nicht ein.

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Splitterbrötchen (XXXV)

Naive Journalisten: Glauben die wirklich, dass ein katholischer Erzbischof über die Abschaffung des Zölibats nachdenkt? Das ist doch nicht Robert Zollitzsch, das ist Matthias Richling. Auch wenn er ein wenig zugenommen hat, ich hab ihn sofort erkannt.

Höhepunkt der Woche: Elmar Gunsch (!) am Dienstag Abend als Testosteronbombe bei Sandra Maischberger!.

Mit jedem Tag, den ich älter werde, verstehe ich diese Welt ein bißchen weniger.

Vorgestern geborgt bekommen, gestern durchgelesen, heute weiter empfohlen: Rob Sheffield’s „Love is a Mix Tape„. Wer Pop-Literatur und traurige Schnulzen mag, kann zur Zeit nichts besseres tun, als dieses Buch zur Hand nehmen. Danke, Kirsten!

Interessant, dass alle Welt sich über Senator Sarrazins Zynismus aufregt, wenn er einen Speiseplan für Hartz IV-Empfänger zusammenstellt. Dass er Dreckszeug wie Billigst-Bratwurst und -Leberkäse vom Discounter mit „ausgewogener Ernährung“ verwechselt, fällt augenscheinlich niemandem auf.

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Splitterbrötchen (XXXIV)

Gestern war ich ca. zweieinhalb Stunden mit Bus und U-Bahn unterwegs, dabei habe ich gezwungenermaßen ca. eine Stunde lang unfreiwillig den Handy-Gesprächen meiner Mitfahrer gelauscht. Seit gestern bin ich der unverrückbaren Ansicht, dass nur eine sofortige Erhöhung der Mobilfunk-Gebühren um mehrere tausend Prozent eine Möglichkeit ist, so etwas wie Kommunikationshygiene zumindest ansatzweise wieder herzustellen.

Es scheint sich noch nicht überall in Deutschland herumgesprochen zu haben, dass man sich streiten kann, ohne den Gegner verletzen oder vernichten zu wollen.

Ich erinnere mich noch an die Zeit, als Biathlon eine Nischensportart für Gebirgsjäger mit zuviel Tagesfreizeit war.

Erstaunlich, dass es Ronald Pofalla noch nicht einmal gelingt, einen Politiker glaubwürdig nachzuahmen.

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Splitterbrötchen (XXXIII)

Normalerweise interessiert mich nicht die Bohne, was im Absender von Spam-Mails steht. Aber ein Name wie „Porfirio Leach“ ist natürlich fantastisch.

Dieter Kosslick kann nicht nur Festivals leiten, er kann auch dämlich fragenden Filmjournalisten die Welt erklären:
„Wie hat man sich den Stones-Auftritt vorzustellen: Landen sie im Privatjet in Tempelhof? Wird das Hotel de Rome gemietet?“ – „Sie kommen wohl nicht mit Easyjet und schlafen nicht im Backpacker-Hotel.“

Interessant, dass im TV-Werbespot der Weight Watchers keine übergewichtigen Menschen zu sehen sind.

„Fühlen Sie sich ganz wie zuhause!“ plärrt es mir aus einem Hotelprospekt entgegen. Aber haargenau das will ich doch nicht, wenn ich verreise.


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Splitterbrötchen (XXXII)

Einmalig, wie Vogts Nigeria runterrockt. Die Jungs vom Nigerianischen Fußballverband müssen langsam glauben, dass dieser Trainer ihnen in einem hölzernen Pferd geliefert wurde.

Das Internet besteht aus Millionen kleiner Fenster, in die Millionen Menschen hineinsehen, um dem Leben beim Vergehen zuzugucken.

In der U-Bahn sehe ich immer mehr Menschen, die minutenlang schweigend in ihre Handys hinein horchen. Was machen die? Hören die sich besonders liebgewordene Mailbox-Nachrichten immer wieder an?

Manchmal erschrecke ich ob der Naivität von Zeitungsschlagzeilen: „Börsenhändler zockte mit 50 Milliarden Euro“. Warum soll so ein Mann nicht das machen, was in seiner Job-Beschreibung steht?

Titelidee für die Memoiren von Markus Maria Profitlich: „An den Haaren herbeigezogen“.

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