Splitterbrötchen (CCCXCV)

Dieses Jahr freu ich mich auf Heiligabend wie ein kleines Kind. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen Kasseler Kochwurst. Und das passende Getränk dazu kann man endlich auch bestellen.

3 Gründe, warum der FC Bayern Arjen Robben ein Denkmal setzen sollte:
1. Er ist einer der besten Fußballspieler aller Zeiten.
2. Er schießt entscheidende Tore, wenn’s eng wird.
3. Er besitzt eine gültige holländische Fahrerlaubnis.

Dem Vernehmen nach plant RTL eine speziell auf Frauen zugeschnittene Wettervorhersage: „Schauer sucht Frau“.

Ein Fußball-Zweizeiler kurzes Fußball-Gedicht:
Der Pass fliegt lang, der Pass fliegt weit…
Warum auch nicht? Franck hat ja Zeit.

Bei Vorsätzen fürs neue Jahr sollte man Vorsicht walten lassen. Man könnte in die missliche Lage geraten, sie einhalten zu müssen.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche: Essen bei den lieben Frohnauer Freunden, nach exzellenter Maronensuppe und große frankophilem Huhn der mir bis dato vollkommen unbekannte Desserthammer „Banoffee Pie„. Boaah, eyh!

 

 

Ursachen für Pegida

So ca. 1992 war das, da habe ich ein Jahr lang für das Kleist-Theater in Frankfurt/Oder gearbeitet und im Auftrag der Intendantin, Frau Preuß, zwei Stücke für das Haus geschrieben. Während dieser Zeit spielte das Theater ein Paar GRIPS-Stücke, die – wen wundert’s? – wie die Feuerwehr liefen und von vielen Schulklassen über Wochen im Voraus ausgebucht waren. Bloß ein GRIPS-Stück wurde meist vor lediglich halb vollen Rängen gespielt, in „Ein Fest für Papadakis“ kam keine einzige Schulklasse. Die Dramaturgie fragte bei mehreren Lehrern nach, warum das Stück nicht gebucht würde. Die Antwort war bei allen die gleiche: „Dann müssten wir ja die Ausländerrfeindlichkeit thematisieren. Nein, das tun wir uns hier nicht an.“

Die Schüler dieser Lehrer gehen jetzt montäglich auf die Straße.

Splitterbrötchen (CCCXCIV)

Entdeckung der Woche: Bill Callahan. Merkwürdig. Bisschen schräg. Äußerst minimalistisch. Aber: tolle Stiimme, tolle Songs. Auf youtube ist ein Haufen Zeugs.

Der Versuch, anders denkende Menschen als „Spinner und Wirrköpfe“ zu diskreditieren, funktioniert nicht, wie die jüngere Geschichte zeigt. Im Gegenteil: Man macht die Bewegung, die man eigentlich marginalisieren möchte, erst recht für andere Spinner, Wirrköpfe und deren Sympathisanten attraktiv. Das können überraschend viele Menschen sein.

Ich versuche ungelogen seit Jahrzehnten, einen skatorientierten Kalauer aus „Bock“ und „Boccaccio“ zustande zu bringen. Es will mir einfach nicht gelingen.

Kulinarischer Hit der Woche war eine Resteverwertung aus Fenchel, getrockneten Tomaten, T-Blattspinat, gekochten Linsen und Knoblauch.

Nun stellen Sie sich mal vor, Sie betreiben ein Café und suchen einen Angestellten, der Ihren Gästen den Kaffee aufbrüht. Auf Ihre Stellungsanzeige meldet sich jemand, der einen ganz guten Eindruck macht. Sie fragen ihn, ob er den Beruf überhaupt beherrscht, und er weist ihnen stolz sein Zeugnis vor. Sie stellen ihn daraufhin ein, und müssen dann feststellen, dass er keine Ahnung hat. Sein Diplom hat er bei der Metro gekauft. Die haben ein ganzes Regal für Brüherzeugnisse.

Lese-Empfehlung: „Ruhige Straße in guter Wohnlage“ von Pascale Hugues. Mme. Hugues erzählt die Geschichte einer Schöneberger Straße, anrührend, spannend, überraschend. Und sehr, sehr gut erzählt.

 

 

Das Schweigen im abgeholzten Walde

Die Jahre 1969 bis 1972 wird wohl niemand vergessen können, der sie miterlebt hat. Die SPD7FDP-Koalition hatte die CDU nach 20 Jahren Regierung abgelöst, und Willy Brandt und Walter Scheel machten sich daran, das Land vom ultrakonservativen Muff zu befreien. Es wurde nicht nur mehr Demokratie gewagt, es wurde ein vollkommen neues Verhältnis zu unseren Partnern in Osteuropa definiert, die man nicht mehr nur als gemeingefährliche Gegner im Kalten Krieg sehen wollte, sondern mit denen man in Zukunft partnerschaftlich umgehen wollte.

Diese neue Ostpolitik politisierte das ganze Land. Sowohl die Befürworter dieser Politik als auch ihre Gegner meldeten sich täglich zu Wort, die Zeitungen druckten seitenweise Statements von Befürwortern und Gegnern, die Kolumnisten schrieben täglich neue (manchmal nicht ganz so neue) Kommentare zum Thema Ostpolitik und Ostverträge. Das ging drei Jahre lang so, bis zur „Willy-Wahl“ 1972, auf die dann der Guillaume-Kater folgen sollte.

Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ich will an eine elektrisierende, öffentliche Debatte erinnern , die ein Volk begeistert und nicht gespalten hat, wie die damalige Opposition nicht müder wurde zu behaupten. Wenn sich damals, sagen wir 1971, über 60 echte Hochkaräter des öffentlichen Lebens, darunter ein ehemaliger Bundespräsident, ein ehemaliger Bundeskanzler und etliche echte politische, kulturelle und/oder intellektuelle Schwergewichte zu Wort gemeldet und einen Grundsatzappell zur Ostpolitik veröffentlicht hätten,  wäre presse- und fernsehmäßig Großalarm gewesen. Interviews, Kommentare, Diskussionsrunden… die öffentliche Debatte wäre erst so richtig losgegangen.

Am Freitag letzter Woche haben sich hierzulande über 60 echte Hochkaräter des öffentlichen Lebens, darunter ein ehemaliger Bundespräsident, ein ehemaliger Bundeskanzler und etliche politische, kulturelle und/oder intellektuelle Schwergewichte zu Wort gemeldet und einen Grundsatzappell zur Ostpolitik veröffentlicht, nachzulesen hier, bei ZEIT Online. Obwohl die Ukraine-Krise und unser Verhältnis zu Russland und Putin ein Thema ist, dass die Bürger dieses Landes brennend interessiert, haben ARD und ZDF diesen Appell mehr oder weniger totgeschwiegen, wie Stefan Niggemeier schreibt. Und auch in den Presseveröffentlichung, die ich (online und auf Papier) verfolge, war dieser Appell so marginalisiert worden, dass ich ihn schlichtweg übersehen habe, ich bin erst durch Niggemeiers Blogposting darauf aufmerksam geworden.

Ich verstehe nicht, warum die öffentlich-rechtlichen Sender und die Presse, die sich angeblich so sehr nach steigender Auflage sehnt, diesen Appell nicht aufgegriffen haben. Keine Interviews mit den Unterzeichnern gebracht haben. Keine Pro und Contras gebracht haben. Das ganze oft nicht einmal kommentiert haben sondern über 60 Menschen, deren Ansichten normalerweise ernst und wichtig genommen werden, einfach ignoriert haben. Bei ZEIT Online, die den Appell immerhin online veröffentlicht hat, sieht man das Dilemma: Der Text ist auf enormes Interesse gestoßen und hat eine Debatte initiiert, über 1500 Kommentare sind auch bei der ZEIT rekordverdächtig. Doch taucht der Appell auf der Startseite unter „meistkommentierte Artikel“ auf? Nein. Merkwürdig, nicht wahr? Erinnert an das Totschweigen der Mollath-Debatte am gleichen Ort.

Die von 1969 bis 1972 geführte öffentliche Debatte über die Ostpolitik hat dieses Land nachhaltig und sehr zum Positiven verändert. Das Abwürgen eine ähnlich wichtigen Debatte, die von den Bürgern anscheinend gewünscht wird, wird dieses Land wiederum verändern. Und nicht zum Positiven.

Splitterbrötchen (CCCXCIII)

Der Blick auf das tagesaktuelle Groupon-Shopping-Angebot verstört: Touchscreen-Handschuh, Wallet-Ninja und Selfie-Stick… Ist das noch meine Welt? Zumindest weiß ich bei der „personalisierten Weihnachtssocke“, was das sein könnte.

Logik und ein Minimum an Geschichtsbewusstsein sollten den Menschen doch sagen: Man schafft keine Ungerechtigkeit aus der Welt, in dem man eine andere Ungerechtigkeit begeht. Man schafft nur mehr Ungerechtigkeit.

Auch gestern gab’s wieder Cimi di Rape auf dem Markt am Breslauer Platz. Ich hab aber keinen mitgenommen. Passt nicht zur Gans. Ja, gestern war das alljährliche Gänse-Pig-Out. Ganszubereitung natürlich wieder nach Paulsen.

Ultimativer Luxus: Etwas Rares nicht kaufen.

Seit knapp 4 Jahren benutze ich praktisch täglich einen E-Book-Reader einer japanischen Weltmarke. Und diese Woche ist er zum ersten Mal mitten bei der Lektüre abgestürzt, so dass ich den Reset-Schalter betätigen musste, um weiter lesen zu können. Seit dem frage ich mich ratlos, was dieses vier Jahre lang perfekt funktionierende Gerät zu diesem Augenblicksversagen gebracht hat. Any ideas, anyone?

Splitterbrötchen (CCCXCII)

Gestern war ein historisches Datum: Am 29.11.2014 ist es uns erstmals gelungen, auf deutschem Boden frischen Cime di Rapa zu erwerben. Die Welt wird nie wieder so sein wie vorher.  Und heute gibt’s das Zeugs mit Knoblauch, Zitrone und Olivenöl zur Kaninchenkeule.

Segensreiche Wirkung der Smartphones: Es ist wohltuend ruhig in Bussen und U-Bahnen geworden. Die Menschen tippen nunmehr still auf ihren Telefonen  herum, anstatt ihr Privatleben lautstark hineinzubrüllen.

Verwirrung beim Lesen von Robin Sloans „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra„: Was haben die Protagonisten für merkwürdige Berufe? Was tragen die für seltsame Kleidung, und was essen die für merkwürdiges Zeugs? Und irgendwann merkte ich dann, das die Zielgruppe des Buchs, die Berufe, Kleidung und Spezialitäten goutieren soll, wohl deutlich jünger ist als ich. Trotzem gerne gelesen. Charmantes, kleines Buch.

Advent ist, wenn die Schnurrbärte fallen. Die Rückgewinnung der Herrschaft über die eigene Oberlippe.

Teltower Rübchen haben wir  auf dem Markt am Breslauer Platz, wo’s den Cime di Rapa gab, übrigens auch noch bekommen.

Splitterbrötchen (CCCXCI)

Dialog an einem Markstand am Breslauer Platz: „Ich hätte gern eine Boulette.“ – „Sehr gern. Mit Fleisch?“
ES GIBT KEINE BOULETTEN OHNE FLEISCH! WENN KEIN FLEISCH DRIN IST, IST ES KEINE BOULETTE! GANZ EINFACH!!!!!!!!!!111

Was ist eigentlich ein Konditor sine qua non?

Die SZ hat es schon getan, tagesschau.de scheint es zu planen: Im Internet die Kommentafunktionen schließen, weil man der Trolle und Hater nicht mehr Herr wird. Herrschaften, es gibt da ein einfaches, sehr probates Mittel, um das unerwünschte Kommentariat abzuschrecken: Spicken Sie Ihre Artikel mit harten, nachprüfbaren Fakten, am Besten noch mit belastbarem, kompliziertem Zahlenmaterial. Mit anderen Worten: Hört selber auf, Trolle und Hater durch Mutmaßungen und wolkiges Geraune einzuladen. Doch, das funktioniert.

Immer häufiger erzählen mir Bekannte und Freunde von Menschen, die am Arbeitsplatz von Vorgesetzten und Kollegen planvoll in den vorzeitigen Ruhestand gemobbt werden. Man möchte an der Dummheit der Menschen verzweifeln, die sich für derartige Aktionen instrumentalisieren lassen. Das eigene Mitwirken an so einem Scheißdreck schafft doch gerade die Voraussetzung dafür, dass es einem später selbst widerfahren wird.

Für den Satz der Woche bedanken wir uns bei Marcel Reif: „Wenn du vorne presst, ist hinten Luft. Fußballerisch, meine ich.“

Höchst empfehlenswerte SF-Action: „Edge of Tomorrow“. Gelungene Kombination aus „Starship Troopers“ und „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Vielen Menschen hierzulande scheint die Fähigkeit abhanden gekommen zu sein, eine von der eigenen abweichende Meinung einfach mal zu akzeptieren. Als ob eine generell akklamierte Einheitsmeinung der Normalzustand wäre.

Zur Lammkeule endlich mal wieder gemacht: Rosenkohl mit Schokoladensauce nach Foodfreak. Schlichtweg sensationell.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXC)

Meilenstein in meinem Älterwerden: Diese Woche hatte ich bei Ömür-machsu-Backshop die Wahl, meine 1,70 Euro entweder mit einem 50-Euro-Schein zu begleichen, oder zu schauen, ob das Münzgeld reicht. Da Ömür-machsu-Backshop notorisch klamm mit Wechselgeld ist, entschied ich mich für die zweite Variante und brachte tatsächlich knapp die 1,70 zusammen. Als ich mich mit der Brötchentüte in der Hand umdrehte, kam der Schock: 5 Leute standen hinter mir und rollten mit den Augen. Soweit meine erste Erfahrung als nervender Kleingeld-Rentner.

Den „Tag des schlechten Wortspiels“ beging ich mit: Wenn Chemikern bei der Liebe der Gummi platzt, gilt das Periodensystem der Alimente.

Titelschutz in Anspruch genommen für „They stole Biermanns brain!“.

Für die Gäste gemacht: Weiße Bohnen gekocht, in den letzten zwanzig Minuten Suppengrün dazugegeben. Im Ofen Gänsekeulen gebraten, enthäutet, Fleisch von der geduldigsten (sic!) Gemahlin von allen vom Knochen fieseln lassen. Lammschulter gulaschiert, portionsweise angebraten, im Bratensatz Zwiebeln und Knoblauch angehen lassen, mit Dosentomaten abgelöscht, HdP dazu, Lamm darin weichgeschmort, mit Bohnen und Gänsefleisch vermischt und noch ein stündchen im Ofen vor sich hin pampen lassen. Sehr gut.

Weiße Bohnen kurz ankochen und dann eine halbe Stunde im Kochwasser stehen lassen spart das Einweichen über Nacht.

Splitterbrötchen (CCCLXXXIX)

Soeben „389 in römischen Ziffern“ gegoogelt. Es war nötig.

Das Wort der Woche schuf Stefan Rose von den Fliegenden Brettern: „Bionade-Bellizist“ ist bereichernd, danke!

Äh… wirklich, Fa. amazon? Ich soll euch einen Lautsprecher abkaufen, um dann hineinzusprechen? Nuja, wenn ihr meint…

Wer wissen möchte, was ich heute vor 25 Jahren gemacht habe, klickt hier.

Und 25 Jahre später…

Mauerlichter

Anfang der Woche verbrachten wir zwei sehr, sehr schöne Tage in Buckow. Empfehlenswerter Ort, empfehlenswerte Gastronomie (Restaurant Stobbermühle, Bäckerei Behrendt). Mehr dazu demnächst an bekannter Stelle, wo jetzt eine achtundfuffzich im Titel steht…