Splitterbrötchen (CLV) – WM-Special

Natürlich hätte man den verwandelten Elfmeter besser schießen können, wie der Kommentator forderte. Er wäre dann noch drinner gewesen.

Mit dem Zug an Malente vorbeigefahren. Von einem mythischen Schauer angeweht worden.

Tatsächlich erinnere ich mich an epische Niederlagen deutlicher als an triumphale Siege.

WM-Agenda 2010: Tag 28

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Ich bin noch nicht mal sonderlich traurig. Spanien hat fantastisch gespielt, besser als im ganzen Turnier, sie waren in diesem Match haushoch überlegen und konnten trotzdem dieser blutjungen, unerfahrenen Mannschaft nur eine Bude reindrücken. Mehr war gestern nicht drin, Mund abwischen, weitermachen. Mit Löw. Darum geht es. Das Löw weitermacht. Ich will keinen anderen Bundestrainer.

Das Video des Tages:

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=LXp_OT5hqdc[/youtube]

Der Mann wurde geboren, um Bundestrainer zu sein. Wie Helmut Schön.

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
„Wir haben uns lange zu wenige Gedanken über die Offensive gemacht.“ taz-Interview mit DFB-Chefscout Urs Siegenthaler
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Zitat des Tages:
„All teams knocking out Argentina since 1994 were eliminated in the following round at the #worldcup.“ InfostradaLive auf Twitter

Splitterbrötchen (CLIV) – WM-Special

Großes Kommentatoren-Tennis: „…während Ghana wankend die Verlängerung herbeisehnt.“

Gibt es eine verlässliche Statistik darüber, wieviele südamerikanische Fußballer „El Loco“ genannt werden?

„Wie kann ein Freistoß zum Bumerang werden?“ – „Das geht nur bei australischen Mannschaften.“

WM-Agenda 2010 – Tag 18

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Hihihi. Hohoho. Hähähä. Soweit meine klarsichtige Analyse des Englandspiels. Jetzt Argentinien. Die hauen wir wech. Hihihi. Hohoho. Hähähä.
Kurz ernsthaft: Ich fühlte mich stark an das Achtelfinale 1990 erinnert. Auch da haben wir geächzt, schon im Achtelfinale einen mordsdicken Brocken wie die Niederlande zu bekommen, und dann hatte man während der ganzen Partie nicht das Gefühl, dass das Match verloren gehen konnte. Okay, die Niederlande waren damals über ihren Zenith hinaus, und die Engländer waren nicht der starke Gegner, den ich erwarte habe, aber unsere Mannschaft hat beeindruckt. Wie 1990. Und wie 1990 kann’s weitergehen.
Und Argentinien? Gegen Mexico sahen wir 1 Abseitstor, 1 Treffer nach gröbstmöglichem Abspielfehler und 1 (brillanten) Sonntagsschuss. Es wird nicht einfach, aber sie sind machbar. Wir hauen sie wech.

Video des Tages:
Brasilien spielt, und- wie versprochen – „meine“ besten Brasilianer aller Zeiten, die Mannschaft, die nie Weltmeister wurde, aber für mich den schönsten Fußball aller Zeiten spielte.  Wenn Fußball zum Gedicht wird.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=zZxvYy5-ekI[/youtube]

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
Germany 4 – England 1 – Der Internet-Kommentarstream der BBC
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Die Tipps des Tages:
Niederlande – Slowakei 3:1
Brasilien – Chile 2:1

Zitat des Tages:
„…und es gibt doch einen Fußballgott…“ Dieter Wockenfuß auf Facebook.

Splitterbrötchen (CLIII) – WM-Special

Als Poet der Woche entpuppte sich Löw-Assistent Hansi Flick: „Jerome Boateng hat eine Gefährdung in der Wade.“

Italienischer Fußball in drei Worten. „Beleidigen durch verteidigen.“

Wenn’s beim Italiener lustig werden soll: Einfach mal ’ne Pizza Slovakia ordern.

Splitterbrötchen (CLII) – WM-Special

Die ausdauernde Beschäftigung mit Sport säubert das Gehirn zuverlässig von allen anderen – unwichtigen – Themen.

Ein Sieg ist eine Momentaufnahme, mehr nicht. Eine Niederlage kann sehr viel mehr sein.

Nach ihrem Rücktritt vom aktiven Sport sind erfolgreiche Athleten gelegentlich verwundbar, aber immer unangreifbar.

Wenn mich jemand nach meinen Vorbildern fragt, oder nach Menschen, die mich in meiner Jugend prägend beeinflusst haben, ist Uwe Seeler immer unter den ersten Fünf, die mir einfallen.

WM-Agenda 2010 – Tag 9

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Die eigentlich relevante Frage hat niemand gestellt: Warum irrt unser Mittelstürmer in der 36. Minute im Mittelfeld umher und versucht sich an taktischen Defensiv-Fouls, die nicht zu seinem Aufgabenbereich gehören bzw. gehören sollten?
9 gelbe Karten in einem vollkommen fairen Spiel sind ein Witz.
Und Klose hätte wissen müssen, dass eine Attacke von hinten Gelb bringt. Er war doch 2002 dabei, als Ballack sich gegen Südkorea „opferte“.
Apropos Ballack: dieses Spiel hat gezeigt, wie sehr er fehlen kann. Mit ihm wäre diese Partie nicht verloren gegangen.

Video des Tages:
Nach einem Griff ins Klo einem Tag wie dem gestrigen muss man sich aufheitern. Mit allen Mitteln.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=O72hfoqkzBw[/youtube]

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
Von 11 Freunde: 25 Dinge über Schiedsrichter
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Das Spiel des Tages:
Jetzt müssen alle Kräfte gebündelt werden, um das Entscheidungsspiel am kommenden Mittwoch gegen Ghana zu gewinnen. Deshalb wird Ghana beobachtet, auch wenn Australien nur ein besserer Sparringspartner sein wird. Und weil ich mich konzentrieren muss, gibt’s kein Public Viewing. Ich guck zuhause.

Die Tipps des Tages:
Ghana – Australien 1:0
Niederlande – Japan 2:0
Kamerun – Dänemark 1:2

Zitat des Tages:
„Ändere nichts, wenn du verlierst, denn Niederlagen gehören auf dem Weg zum Erfolg dazu.“ Walerij Lobanowski

WM-Agenda 2010 – Tag 5

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel:
Italien war erschreckend schwach. Man möchte beinahe schreiben, dass diese behäbige, ideenlose Vorstellung eines Weltmeisters unwürdig war. Nö, das möchte man nicht nur, das schreib ich mal so hin und lass es stehen: behäbig, ideenlos, eines Weltmeisters unwürdig.
Das Problem ist nur, dass Italien immer so ins Turnier startet. Und so weiterspielt. Sie wurschteln sich von Spiel zu Spiel, plötzlich stehen sie im Halbfinale oder im Finale, kein Mensch weiß, wie sie dort hingekommen sind, und keiner kann sie mehr stoppen.
Wirklich keiner? Vielleicht gibt es ja doch Hoffnung. Nordkorea startet heute ins Turnier…

Video des Tages:
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=1GVUS-M3_fo[/youtube]
Ein kurzer Schnipsel, in dem man sieht, wie 1966 Nordkorea den Azzurro aus dem Turnier kegelt. Wir verneigen wir uns vor dem Torschützen Pak Do Ik und danken ihm für diesen Akt der Gnade.

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
Englands beste Torwart-Bubus
Endlich merkt die Sportjournaille, was ich schon seit über 40 Jahren sage: Deutschland ist Favorit! Pressestimmen zu Deutschland-Australien
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich)
Jens Weinreich (täglich)

Das Spiel des Tages:
Okay, ich hab noch nie ein Spiel der neuseeländischen Nationalmannschaft gesehen. Von daher wäre Neuseeland-Slowakei natürlich die ideale Gelegenheit, sich über aktuelle Tendenzen  und Strömungen zu identifizieren… Und natürlich interessiert mich brennend, wie die Brasilianer drauf sind. Satt, überheblich, arrogant und damit im Viertelfinale raus? Oder gut drauf und hungrig und damit beinahe sicher im Finale? Nuja, Nordkorea sollten sie in beiden Inkarnationen zerlegen können. Also bleibt Elfenbeinküste-Portugal, und das könnte ja nun ein echter Kracher werden. Leider wieder zu Public-Viewing-feindlicher Zeit, also Live-Stream im Büro.

Die Tipps des Tages:
Neuseeland – Slowakei 0:3
Elfenbeinküste – Portugal 1:1
Brasilien – Nordkorea 4:0

Zitat des Tages:
„Eine unüberwindliche Mauer in der Defensive, das sind die Italiener nicht mehr!“ RTL-Veltman bringt ein festgefügtes Wertegebäude zum Einsturz.

WM-Agenda 2010 – Tag 3

Nach dem Spiel ist wieder vor dem Spiel:
Dass Griechenland enttäuscht hat, hätte man nur sagen können, wenn man von den Griechen etwas anderes erwartet hätte. Trotzdem: es ist schön, dass Otto Rehagel sich einen Deubel um das Gefasel von Günter Netzer schert, der schon vor vier Jahren grämlich „So häßlichen Fußball wie die Griechen darf man einfach nicht mehr anbieten!“ verkündete. Total folgenlos, wie wir gestern gesehen haben.
Wie die Argentinier angefangen haben, war schon furios bis begeisternd. Genau wie die Engländer. Da hab ich jedesmal gestaunt und wollte schon vom neuen Top-Favoriten des Turniers reden, hab’s dann aber beide Male gottseidank gelassen. England hat kolossal abgebaut und war schließlich fast so schwach wie Nigeria. Nigeria hat aber immerhin die Entschuldigung, unter den Spätfolgen der Ära Vogts zu leiden. Man kann gegen Hans-Hubert sagen was man will, aber nachhaltig scheint seine Arbeit zu sein. Wie dem auch sei: Argentinien schien nicht als Mannschaft zu spielen, sondern als Truppe, die die Anweisung hatte, den Ball über Veron an Messi weiterzugeben, der dann seine One-Man-Show abziehen sollte. Und da Messi mehr Chancen als Gomez versemmelt hat…
Immerhin ein Argentinier hat sich über die volle Spielzeit reingehauen, war ständig in Bewegung und hat mit allem, was er hatte, bis zur Erschöpfung gekämpft: Maradona an der Seitenlinie.Und wenn der SPIEGEL hundertmal was von Drogenwrack und Pausenclown schreibt, der Kerl ist Klasse.

Video des Tages:
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=3mr-5YUVvjY[/youtube]
Die WM-Partie Deutschland-Australien hatten wir ja schon mal, 1974. Trotz der drei Tore, es war ein Grottenkick. Ich weiß noch, wie mir während der Partie Angst und Bange wurde wegen des unsäglich pomadigen Auftretens der Nationalmannschaft, allen voran – man wagt es ja kaum zu sagen – die Lichtgestalt, Beckenbauer. Okay, sowas wird nicht mehr vorkommen. Vor allen Dingen heute nicht. Nicht wahr, Herr Löw? Herr Löw?
Woran sich offenbar nur wenige erinnern: 1974 hat die Bundesliga von den Australiern gelernt. Die weiten Einwürfe des Australiers Ray Richards waren damals ein absolutes Novum. Bis dato ging der normale Einwurf über eine Distanz von höchstens zehn, fünfzehn Metern, aber Richards schaffte dreißig, vierzig Meter und konnte mit seinen Einwürfen den Ball tatsächlich nahe ans gegnerische Tor bringen. Von Stund an wurden bei den Bundesliga-Teams Einwürfe trainiert, und ab der nächsten Saison hatte fast jede Mannschaft schon einen „australischen“ Einwurfspezialisten.

Die heutigen Pflicht-Kick-Klicks:
11 Freunde Liveticker Argentinien – Nigeria
Köster und Kirschneck von 11 Freunde (täglich neu)
Jens Weinreich (täglich neu)

Das Spiel des Tages:
Ja, dann schau mer mal: Algerien – Slowenien? Die Algerier sind vielleicht die spielstärkste Mannschaft des afrikanischen Kontinents, und die meisten Experten unterschätzen m. E. Slowenien nachgerade sträflich, das könnte eine hochinteressante Partie werden. Ebenso wie Serbien – Ghana, wenn eine der Mannschaften gut ins Turnier startet, kann sie einen Lauf erwischen und… Wen versuche ich hier eigentlich zu vergackeiern? Deutschland-Australien! Es geht um alles, wir wollen den Titel! Ich brülle vor der großen Leinwand im Kreuzberger Bergmannhof.

Die Tipps des Tages:
Algerien – Slowenien 1:1
Serbien – Ghana 2:0
Deutschland – Australien 3:0

Ärgernis des Tages:
Dass der Spielball vor jedem Match wie eine Reliquie präsentiert wird. Welche kreuzdämliche Marketing-Nutte ist denn auf diese abwegige Idee gekommen?

Das Zitat des Tages:
„Lars Lagerbäck versus Maradona. Das ist wie Thomas Mann gegen Rainer Werner Fassbinder. Angst würden Seele aufessen, haben sich aber den Magen verkleinern lassen.“
(Liveticker 11 Freunde, Argentinien – Nigeria)

Splitterbrötchen (CLI) – WM-Special

Tagtraum: Karel Gott mit „Biene Maja“ in einem Vuvuzela-Remix.

Früher pflegte die uruguayische Nationalmannschaft vor einem WM-Turnier ein Spezialtraining in einem Shaolin-Kloster zu absolvieren („Zeige deinem Gegner den Weg des unendlichen Schmerzes“), und danach haben sie dann auf alles getreten, was sich bewegt hat und nicht rund war. Soll heißen: Früher hätte sich der Uru niemals mit nur einem Platzverweis begnügt. Nuja, vielleicht war’s auch nur die Nervosität beim Turnierstart.

Der Mexikaner ist der Schwede Südamerikas, der Südafrikaner sucht noch nach seiner Identität.

Außergewöhnlich geschmeidig hat der Engländer die ungeliebte Favoritenrolle abgeschüttelt.

Messi brilliert in sämtlichen Aspekten des Spiels. Er kann sogar mehr Chancen auslassen als Gomez – ein Kunststück, das nur echten Ausnahmekönnern gelingt.

Das Räsonieren deutscher Journalisten über die Vuvuzelas erinnert doch stark an Pauschaltouristen, die sich darüber beschweren, dass es in der Halbpension auf Malle nur einheimische Gerichte und keinen Sauerbraten gibt.