Splitterbrötchen (CCXXX)

Neuer Ausdruck für instinktloses Gewäsch: „Sich einen Wulff reden“.

Vollkommen überraschend feiert das Raclette-Gerät bei uns derzeit ein furioses Comeback. Die Bastelei mit den kleinen Pfännchen macht Spaß und schmeckt. Derzeitiger Favorit für die Käse-Unterlage: Lachswürfel und kleingehäckselter Staudensellerie.

Für das Ärgernis der Woche sorgte der NDR, der aus mir vollkommen unerfindlichen Gründen seine brillante, zum Brüllen komische Serie „Tatortreiniger“ so gut versteckt hatte, dass ich sie beinahe nicht gefunden hätte.

Die Ursache für tränende Augen beim Zwiebelschneiden sind definitiv stumpfe Messer. Seit ich meine Küchenmesser mit Vulkanus und Schärfsteinen richtig scharf halte, hab ich diesbezüglich keine einzige Träne mehr vergossen.

Splitterbrötchen (CCXXIX)

First things first: Frohes Neues Jahr!

Den Satz der Woche schuf Eckart Witzigmann vor 21 Jahren. in seinem Buch „Kochen mit der Mikrowelle“ schrieb er bemerkenswert klare Worte: „Lange Zeit konnte deutsches Geflügel dem französischen nicht die Stange halten.“

Auf den allerletzten Drücker ist mir das Buch des Jahres in den Reader gepurzelt: „22/11/63“ (erscheint Mitte Januar als „Der Anschlag“ auf deutsch) von Stephen King. Zeitreisender will die JFK-Ermordung verhindern, aber die Zeit wehrt sich, verändert zu werden. Was sich schon in „Die Arena“ andeutete: King hat wieder zu ganz großer Form gefunden. Hätte ich nach „Der Buick“ nicht mehr für möglich gehalten.

Das neue Jahr bringt Veränderungen. Nach 30 Jahren in Kreuzberg werden die geduldigste Gemahlin von allen und ich unsere Zelte hier abbrechen und in den Süden ziehen, wo es warm ist, eine mediterrane Atmosphäre herrscht und ein lockererer Lebensstil gepflegt wird. Nach Friedenau.

 

Splitterbrötchen (CCXXVIII)

Beim Anschauen der Captain-America-DVD: „Man kann gegen die Nazis sagen, was man will, aber Schuheputzen konnten sie.“

Was mich beim Nachdenken über die Wulff-Affäre nachhaltig irritiert: alle reden von günstigen Krediten, Erster-Klasse-Flügen und Urlauben, die der Präsident aus der Wirtschaft erhalten hat. Niemand redet von den Gegenleistungen. Wie hat Wulff sich erkenntlich gezeigt? Oder sind unsere Unternehmer tatsächlich so bescheuert, einen Politiker zu schmieren, ohne etwas dafür zu verlangen?

Endlich angesehen: „Midnight in Paris“, ein wundervoller Film. Und: Hemingway hockt im Polidor, wo es die geduldigste Gemahlin von allen und mich auch immer hinzieht. Kennt sich aus, der Hemingway!

 

Splitterbrötchen (CCXXVII)

Den Vogel Das Rindvieh schoss diese Woche Fa. eatsmarter.de ab, die ein Rezept für „Beef Wellington“ veröffentlichten, in dem weder Trüffelsauce noch Blätterteig noch eine Duxelles und schon gar keine Foie Gras vorkamen. Vom eigentlichen „Wellington“ war nur das Filet übriggeblieben. Was daran „smarter“ sein soll, entgeht mir komplett. Kollege Carsten Sohn aus dem Mitzwinkel taufte die Kreation geistesgegenwärtig und treffend wie immer in „Filet Guttenberg“ um.

Apropos „nicht smart“: Jeder Missetäter glaubt, nicht erwischt zu werden. Aber nur wirklich clevere Gangster entgehen der Entdeckung. Nuja, ein Bundespräsident muss wohl nicht clever sein. Augenscheinlich genügen andere Qualitäten.

Den Satz der Woche prägte der frischgebackene FDP-Generalsekretär Döring: „In einer verantwortungsvollen politischen Position ist ein Außenspiegel nicht einfach ein Außenspiegel.“ Ich warte mit angehaltenem Atem auf seine Expertise zum Thema Innenspiegel.

Apropos FDP: je höher der Unterhaltungswert einer Partei wird, desto bedeutungsloser wird sie im Gegenzug. „Wichtig“ ist wohl nicht witzig.

 

 

Splitterbrötchen (CCXXVI)

Mittwochabend verkündete Jens Riewa in der Tagesschau beunruhigende Neuigkeiten über steigende Rüstunsgexporte, da assoziierte ich natürlich sofort und ausschließlich seinen berüchtigten „Granatensex mit Michele“. Ich sollte mich für meine geistige Eindimensionalität schämen, tue es aber nicht.

Nun ist Niersbach designierter DFB-Vorsitzender. Da Zwanziger wohl dagegen war, scheint Niersbach mir eine gute Wahl zu sein.

Je einfacher ein Weltbild ist, desto leichter ist es den Mitmenschen zu vermitteln.

Zum Berliner Justizsenator Braun, der einer übel beleumundeten Immobilienfirma, vor der u.a. die Stiftung Warentest gewarnt hat,  beim Verkauf sogenannter Schrott-Immobilien notariell assistiert haben soll: Entweder, er hat gewusst, was er da tut, dann ist er ein Gangster, der als Senator nicht taugt. Oder er hat sich ahnungslos instrumentalisieren lassen, dann ist er zu doof, um als Senator zu taugen. Und jemand, dem die christliche Nächstenliebe offenbar ganz weit am Arsch vorbeigeht, hat in einer Partei, die nach wie vor das „C“ im Namen führt, nix zu suchen. Es sei denn, er ist dort unter Gleichgesinnten, die sich bisher nur nicht haben erwischen lassen.

Und vom Adventskalendertürchenaufmachen hab ich auch gründlichdieSchnauzevoll.

Splitterbrötchen (CCXXV)

Sonntagmorgen, kurz nach elf: Wonti begrüßt Fredi und gibt zum Dopafon ab. Nur in dieser Atmosphäre totaler Sinnfreiheit können frische Splitterbrötchen entstehen.

Ereignis der Woche war die erste Gans der Jahres, zubereitet nach Stevan Pauls Vorgehensweise für Gans mit Füllung: bei 180 Grad zwei Stunden angeschoben, dann nochmal zweieinhalb Stunden bei 130 Grad vollendet. Fleisch saftig, Haut beinahe so knusprig wie beim Tante-Manni-Rezept: sensationell! Foto und Details schiebe ich nach.

Eine ganz simple Tatsache, die bei dem ganzen Euro-Krisen-Geschwurbel selten bis nie erwähnt wird: Geld verschwindet nicht, wenn es geschuldet wird. Zu Schulden gehört immer  auch ein Guthaben. Wenn einer 100 Euro oder 100 Billionen Euro Schulden hat, haben andere 100 Euro oder 100 Billionen Euro Guthaben. Warum zum Henker fragt niemand nach denen, die in dieser sogenannten Krise das Geld mit der Kohlenschaufel einfahren?

Das Zitat der Woche stammt von Tim Raue, der Erhellendes von seiner Suche nach dem perfekten Gewürz zu berichten weiss: „Ich hatte sicherlich 50, 60 verschiedene Sorten Sechuan-Pfeffer im Mund, bis ich den jetzigen erwählt habe.“ Ja, das ist der Unterschied: Unsereins sucht aus. Tim Raue erwählt.

Splitterbrötchen (CCXXIV)

Vor fast 4 Jahren reminiszierte ich auf diesen Seiten  den „Schnarchsack der Woche“, eine sich aus dem Titel erklärende Serie, die ich mal für eine Radiosendung gemacht habe. Würde ich diese Reihe immer noch machen, wäre MdB Hans-Christian Ströbele ein ganz heißer Kandidat für eine lobende Erwähnung: Nicht nur dass er zugelassen hat, dass seine werte Gattin einen Dreizehnjährigen anzeigt, er hat auch noch dass Heddesheimblog, das darüber berichtete, abgemahnt. Um Himmelswillen, Herr Ströbele! Ich weiß, dass Sie mit dem Internet nicht so ganz auf Du sind, aber irgendwer in ihrem Büro MUSS doch die Begriffe „Streisand-Effekt“ und „Shitstorm“ und den Zusammenhang zwischen beiden kennen.

Das Zitat der Woche stammt natürlich von einem anderen Fiktionär, dem Baron Münch Freiherr zu Guttenberg: „Ich wusste offensichtlich später auch nicht mehr, an welchem Text ich selbst bereits gearbeitet hatte, welcher Text mein eigener und welcher möglicherweise ein Fremdtext war.“
Also, Freiherrchen, die Problematik ist mir nicht fremd. Ich hab jahrelang Kabarett-Texte für ein Stuttgarter Theater geschrieben, am Schluss hab ich immer eine Volltext-Suche auf meiner Festplatte gemacht, um sicherzugehen, dass ich ein Thema oder eine Idee nicht schon mal verwurstet hatte, aber so weich in der Birne, dass er eigene von fremden Texten nicht mehr unterscheiden kann, ist kein Autor dieser Welt. Obwohl, die Vorstellung, wie Sie ihrer Stephanie einen Band mit Shakespeare-Sonetten hinhalten und sagen: „Sag mal, Darling, ich bin mir plötzlich ganz unsicher, ist das von mir oder doch von wem anders?“ – doch, diese Vorstellung hat was.

Ach ja, uns weismachen, dass er bis 2006 mit Disketten rumgefummelt haben will, will z. G. auch noch. Dass ausgerechnet die ZEIT (Wissenschaft!) diesem Schmierenkomödianten eine Plattform bietet, irritiert.

Mindestens ebenso irritierend sind die dauernden Forderungen nach einer Kontrolle der Finanzmärkte durch die Politik. Liebe Kontrollfreaks, schaut auf Berlin: da haben es die Volksvertreter jahrelang nicht hingekriegt, die Griller im Tiergarten dazu zu bringen, ihren Müll wegzuräumen. Wie sollen Flachpfeifen, die nicht genug Autorität haben, um einfache Hobby-Brutzler zu beeindrucken, irgendwelche amoklaufenden Banker zur Raison bringen?

 

Splitterbrötchen (CCXXIII)

Lange haben die Fans warten müssen, lange haben es Kai Diekmann und seine Redaktionsmannschaft nicht geschafft, eine Schlagzeile zu kreieren, die ich zur „Headline der  Woche“ küren konnte. Diese Woche haben sie sich mit dem Kleinod „Porno-Klaus: Hüttenkäse macht mich geil!“ eindrucksvoll zurückgemeldet.  Klasse, Jungs: Über euch ist nur der Himmel!

Das Ereignis der Woche ist natürlich die Eröffnung des Blogs der geduldigsten Gemahlin von allen. Fünf Super-Beiträge in einer Woche… da stinkt die Netzecke gewaltig ab.

Bei der gestrigen Tagesspiegel-Lektüre blieb für mich kurzzeitig die Zeit stehen, nämlich als ich in einem Beitrag über eine Demo gegen Tierquälerei in der Ukraine den Satz „Mit so reger Teilnahme hatten die Organisatoren wohl nicht gerechnet – es gibt nicht genug Plakate für alle.“ las. Äh, kann das sein? Erwarten Demonstranten heutzutage wirklich, dass ihnen Materialien zum Ausdruck ihres Protests gestellt werden?

Beim Zitat der Woche bin ich unschlüssig. Favorisiere ich „Oranje hat Dienstagabend sein Ansehen in der Fußballwelt mit einer so verpfuschten Partie besudelt, wie sie in den letzten Jahren nur selten gezeigt wurde. Deutschland war ein harmonisches Orchester, die Niederlande eine angetrunkene Blaskapelle ohne Dirigenten.“ aus der niederländischen Zeitung „Volkskrant“, oder ist  “Flankenpass von Kroos, aus dem Fußgelenk über dreißig Meter, so elegant, dass Günter Netzer und Bernd Schuster auf der Tribüne weinend Lambada tanzen“ aus dem Liveticker von 11Freunde einen Tick schöner?

 

Splitterbrötchen (CCXXII)

Interessant: Schnapszahlen sehen auch in römischen Ziffern ein wenig schnapsig aus.

Als ich diese Woche mal wieder in einem „Mehrzweckraum“ ein Hotelfrühstück einnahm, fiel mir auf, dass ich noch nie in einem Mehrzweckraum gewesen bin, in dem ich mich auch nur ansatzweise wohlgefühlt hätte. Der auch nur ansatzweise irgendwie angenehm gewesen wäre. Der auch nur ansatzweise so etwas wie Charakter oder Atmosphäre gehabt hätte. Trotzdem mieten täglich tausende von Menschen solche Räume an, um dort die wichtigsten Ereignisse ihres Lebens zu feiern: Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen… Wir sind wohl wirklich nicht mehr zu retten.

Krimi-Entdeckung der Woche: Schneller als der Tod von Josh Bazell. Ja, ich weiß, ich bin spät dran, trotzdem ge-ni-al. Höchst amüsant. Allerdings nix für Zartbesaitete.

Krimi-Wiederentdeckung der Woche: Mickey Spillane. Den hab ich vor zwanzig Jahren schon mal gelesen, „Naja, so lala, verstehe die Aufregung nicht“, gedacht und ad acta gelegt. Jetzt les ich ihn zum ersten Mal im englischen Original und denke „Boah, ein ganz Großer!“ Die Übersetzungen aus dem Englischen, die einige deutsche Verlage vor zwanzig, dreißig Jahren auf den Markt gebracht haben, hätten auf den Müll gehört.

Wo wir beim Thema sind: Rex Stout könnte man auch mal wieder lesen.

Splitterbrötchen (CCXXI)

Ein Kommentar zu den letzten Splitterbrötchen, hat mich dazu gebracht, darüber nachzugrübeln ob es einen Unterschied zwischen „Grandeur“ und „Grandezza“ gibt. Ich hab extensiv nachgegooglet und keinen gefunden. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass es einen gibt. Grandezza ist wesentlich operettenhafter als Grandeur.

Neuzugang in der Blogroll: „september-blog„. Übers Älterwerden. Hilfreich und schön.

Dialog beim Anschauen einer romantischen Komödie: „Ich  würde Hugh Grant gern einmal als Richard III. sehen.“ – „Mir ist egal, als was ich den sehe.“

Die Statusmeldung der Woche verdanken wir Steffen Hellmann: „Hab beim Bäcker die Kunst getroffen. Meine Ex-Nachbarin, Bettina Kunst, kaufte Brötchen und Klöben.“