Splitterbrötchen (CLXXXV) – Prof. Oliver Lepsius-Special

Prof. Oliver Lepsius  von der Universität Bayreuth hat den Durchblick, rückt die Dinge in Position und stellt Relationen her. Das kann er besser als ich, er ist eben Wissenschaftler. Deshalb und aus gegebenem Anlass bestehen die dieswöchigen Splitterbrötchen ausschließlich aus Zitaten aus diesem schönen Interview.

„Wie kann jemand etwas tun und nicht wissen, was er tut? Das ist eine große Frage, die am Ende dieser Woche offen bleibt.“

„Mir ist völlig schleierhaft, wie er diesen Vorsatz bestreiten kann. Mich würde – darf ich ehrlich sein? – die Einschätzung eines Psychologen interessieren. Was ein Psychologe zu einem solchen Fall von Wirklichkeitsverdrängung meint.“

„Das politische Berlin muss sich schon die Frage stellen, ob jemand das Amt eines Bundesministers ausüben kann, der X tut, aber in Abrede stellt, dass er X getan hat. Wer solch eine Selbsteinlassung vornimmt, den muss man fragen, wenn er in diese Fall nicht wusste, wass er tut, weiss er es dann in anderen Fällen?“

„Als Staatsbürger freilich möchte ich doch schon sagen: ich wünsche mir Minister, die wissen, was sie tun und ein Verantwortungsfühl für ihre eigenen  Handlungen haben. Und die Art und Weise, wie der Minister letzte Woche mit der Causa umgegangen ist, lässt bei mir als Staatsbürger erhebliche Zweifel an seinen charakterlichen Fähigkeiten zur Selbsteinschätzung seiner Handlungen erkennen.“

Splitterbrötchen (CLXXXIII)

Ich schreibe seit Jahrzehnten Leserbriefe an sämtliche seriösen Tageszeitungen, in denen ich Verdachtsmomente für die Manipulation der Lottozahlen fundiert begründe. Abgedruckt wurde bisher kein einziger. Das dürfte Beweis genug für eine globale Verschwörung sein.

In der Besetzungsliste des RTL-Films „Hindenburg“ entdeckte ich einen Schauspieler namens Wotan Wilke Möhring. Augenscheinlich gibt es Leute, die um jeden Preis Florian Henckel von Donnersmarck auf sich aufmerksam machen wollen.

Man muss den gerade verstorbenen Peter Alexander oder die Art Unterhaltung, die er machte, wirklich nicht mögen. Aber seine konsequent umgesetzte Entscheidung,  nicht vor den Augen seines Publikums zu vergreisen, verdient allerhöchsten Respekt.

Splitterbrötchen (CLXXXII)

Schöner Satz in einem Jeffery-Deaver-Thriller: «“Vertrauliche Quelle“ ist in Wahrheit bloß ein Synonym für “rückgratlos“.»

Kulinarisches Highlight der Woche war ein medium gebratenes, mit Blauschimmelkäse überbackenes Entrecôte im La Cocotte in der Vorbergstraße. Tolle Kombination!

Den Vogel im Bereich Kundendienst hat diese Woche Brauerei Störtebeker aus Stralsund abgeschossen. Ich hatte mich via Webformular nach Berliner Bezugsquellen für die (ganz ausgezeichneten) Biersorten erkundigt. Nach nur wenigen Tagen erhielt ich dann eine Mail von einer Frau W. die mir Mailadresse und Handy-Nummer von einer Frau J. schickte, an die ich mich mit meiner Frage wenden könnte. Nuja. Weiß Bescheid.

Splitterbrötchen (CLXXXI)

Habe mich sehr gewundert, dass die Bäckerei Ness am U-Bahnhof Yorckstraße keine Bagels anbietet. Mit der richtigen Marketing-Kampagne („Loch Ness“) würden die Dinger durch die Decke gehen.

Ich habe noch eine Pädagogik miterleben müssen, die darauf basierte, Kindern Angst einzujagen. Das meiste von dem, was ich auf diese Weise gelernt habe, habe ich längst wieder vergessen. Wer Kindern Angst macht, tut ihnen nichts Gutes. Sowas machen nur Arschlöcher.

Das diesjährige Dschungelcamp hat aufs schönste meine These bestätigt, dass es so etwas wie wandlungsfähige Schauspieler nicht gibt. Ein Schauspieler bleibt immer ein Schauspieler. Wenn du ihn auf den Mond schießt, wird kein Astronaut aus ihm, er bleibt ein Schauspieler. Auch wenn du ihn nach Australien schaffst, bleibt der Schauspieler immer bei sich selbst. Er sucht die nächste Kantine auf, um dort schlecht über die Kollegen zu reden.

Splitterbrötchen (CLXXX)

Zur Zeit entdecke ich in Berlin ständig französische Restaurants. Habe ich jahrelang in einer casserole avec purée gesteckt, oder ist das ein neuer Trend?

Die enervierende Ausdauer, mit der das konventionelle Feuilleton sich über die Niveaulosigkeit von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ beschwert, ist die härteste Dschungelprüfung von allen.

Was hab ich über Biolek gemeckert, solange er seine Kochsendung gemacht hat. Ist nun schon eine Wele her, dass er aufgehört hat. Und ich koch immer noch ein paar Rezepte von damals.

Derzeitige Lieblingsband: ein paar osteuropäische Swing-Kids, die die Berliner U-Bahn mit Akkordeon, Melodica, Trompete und/oder Saxofon bedröhnen. Die Jungs gehen aber sowas von ab!

Splitterbrötchen (CLXXIX)

Dass viele Menschen hierzulande es nicht ertragen, wenn jemand anderer Meinung ist als sie, ist ein kleines Problem. Dass viele Menschen hierzulande nicht in der Lage sind, anderen zuzuhören, ist ebenfalls ein recht kleines Problem. Menschen, die mit beiden kleinen Problemen zu kämpfen haben, werden allerdings rasch zu einem großen.

Wo sind eigentlich die Spammer mit den schwer originellen Namen geblieben?

Von lieben Freunden geschenkt bekommen: ein Schild mit der Aufschrift „Alles nochmal Menü passieren lassen“.

Heute findet in Berlin ein Bürgerentscheid statt, in dem es um die Zukunft der Wölffer-Bühnen am Kurfürstendamm geht. Abstimmen dürfen nur die Charlottenburger. Versteh ich wirklich nicht, die Zukunft eines Theaters betrifft die ganze Stadt.

Splitterbrötchen (CLXXVIII)

Rache ist ein Zeitvertreib für Menschen, die viel Zeit haben.

Ich verstehe die Aufregung um Frau Lötzsch nicht. Sie hat lediglich gesagt, dass sie sich auf den Weg zum Kommunismus machen möchte. Niemand ist gezwungen mit zu gehen, und in der Tat sollte man sich auch gut überlegen, ob man sich ihr anschließen möchte. In derart kleinen Wandergruppen kommt es meistens schnell zum Streit.

Wenn Frank-Walter Steinmeier das Wort ergreift, will er grundsätzlich Verwirrung stiften. Anders lassen sich Sätze wie „Freiheit braucht den Mut, zu sagen, was ist.“ nicht erklären.

Jetzt weiß ich. warum man keine Spam-Mails lesen soll. Seit ich eine Nachricht von „Unverbindliche Kreditanf.“ gelesen habe, rätsele ich zwanghaft darüber nach,  was um Himmelswillen „schufa-freies Geld“ sein könnte.

Splitterbrötchen (CLXXVII)

Bei der ARD scheint man „Prekariat“ gegooglet und herausgefunden haben, dass die kulturell interessierte Zuschauergruppe mittlerweile mehrheitlich Schichtarbeit verrichtet. Anders lassen sich die Sendezeiten interessanter Filme (aktuell z. B. die „Yorkshire Killer“-Triloge, alle Filme beginnen um 23 Uhr 30) nicht mehr erklären.

Irgendwie erstaunlich: die Deutschen machen wesentlich besseres Bier als die Briten, die Briten dafür die wesentlich bessere Bier-Werbung.

Ich scheue mich ein wenig, bereits am 2. Januar den größtmöglichen Unfug des Jahres 2011 auszurufen, aber das, was Annette Kögel im Tagesspiegel zum neuerlichen Berliner S-Bahn-Versagen schrieb, dürfte auch mit 363 Tagen Zeit zum Nachdenken schwer zu toppen unterbieten sein: „Wir müssen uns mit der Erkenntnis arrangieren, dass Technik eben fehlbar und die Natur unberechenbar ist.“ Gnä Frau, kann ja sein dass sie zu oft „Men in Black“ gesehen haben und daher geblitzdingst wurden, aber: Winter kommt immer zur gleichen Zeit im Jahr, und Technik, die funktioniert, war vor recht kurzer Zeit noch das Markenzeichen, dass dieses Land zu einer führenden Industrienation gemacht hat.

Splitterbrötchen (CLXXVI)

Eine der größten schauspielerischen Leistungen des Weltfilms liefert Alec Guinness in “Der kleine Lord“ ab. Wie er es schafft, unzählige Szenen mit dieser unerträglich auf niedlich getrimmten blondierten Kackbratze zu spielen, ohne ein einziges Mal in seinen Zylinder zu reihern, ist bewunderungswürdig.

Auf den eingeschneiten Flughäfen sollen Clowns eingesetzt werden, um die seit mehreren Tagen dort gestrandeten Fluggäste zu beruhigen und zu erheitern. Sollte ich in eine derartige Lage geraten und mit einem Clown konfrontiert werden, der z B. versucht, mir einen Pingpong-Ball aus dem Ohr zu zaubern, würde ich dem Kerl ansatzlos auf die Zwölf geben. Immerhin, möglicherweise wäre ich hinterher tatsächlich etwas ruhiger.

Man merkt, dass man alt wird, wenn einen die Friseurin nicht mehr fragt, ob sie Gel in die Haare schmieren soll.

Splitterbrötchen (CLXXV)

Neulich sah ich auf der Theaterbühne einen Herrn, der dauernd aus einer Rolle fiel, die er gar nicht spielte.

Schon bei „Männer unter sich“ angemerkt: Männer, die ihre Frauen mit in sehr gefährliche Gegenden nehmen, ohne dazu gezwungen zu sein, sind mir höchst unsympathisch.

Seit Helmut Schmidts Auftritt bei Sandra Maischberger muss der Duden das Wort „abmeiern“ durch „abschmidten“ ersetzen.

Immer wieder schön: Italienische Wirte, die dieses possierlich dahergeradebrechte Italo-Gastro-Kauderwelsch kultivieren, obwohl sie seit dreißig Jahren hier leben und vermutlich besser deutsch können als ich.