Splitterbrötchen (CLXIV)

Filbinger und Konsorten haben es in den 70ern nicht kapiert, Merkel, Mappus und Konsorten kapieren es heute nicht. Es geht nur bedingt um Atomkraft oder einen Bahnhof oder sonstwas. In Wirklichkeit ist es der jeweils aktuelle Politikstil, der die Leute auf die Barrikaden bringt. Man konnte es ihnen damals nicht verdenken, man kann es heute nicht.

Wunderbares Zitat von Dylan Thomas entdeckt: „Ich werde den Verdacht nicht los, dass Abstinenzler die Sachen nicht mögen, auf die sie verzichten.“

Was für eine fantastische Zeit, die Worte wie „ebay-Kleinanzeigen-Facebook-App“ hervorbringt!

Die Frage der Woche: Wenn Politiker ziemlich genau zwanzig Jahre nach der Vereinigung beider deutscher Staaten friedliche Demonstranten niederknüppeln lassen… ist das mangelndes Geschichtsbewußtsein, staunenswerte Chuzpe oder sind die wirklich so doof, wie ich befürchte?

Splitterbrötchen (CLXIII)

Beim Frühstück gelesen, dass Disney eine Romeo-und-Julia-Version mit Gartenzwergen plant. Zum erstenmal in meinem Leben vor halb acht morgens das Bedürfnis verspürt, sofort einen Schnaps trinken zu müssen.

Erstaunlich, dass einige Blätter anlässlich des Töpperwien-Abschieds so etwas wie Wehmut zu produzieren versuchen. Es war doch wirklich schon lange genug.

Für den Satz der Woche ist Denis Scheck zu danken, der ihn heute im Tagesspiegel schrieb: „Ich glaube, die bildungsfernen Schichten in  Deutschland sitzen zur Zeit im Kanzleramt, im Schloss Bellevue und in der Bundesbank.“

Die Debatten mit dem höchsten Unterhaltungswert sind nicht unbedingt die, in denen die Debattierenden über ihr Thema gut Bescheid wissen. Es ist wie im Kindertheater: Wer den Mut hat, sich zum Kasper zu machen, bekommt sein Publikum.

Splitterbrötchen (CLXII)

Zynismus bei Politikern stört mich nur, wenn er so plump und unelegant vorgetragen wird wie von den Hanseln, die derzeit am Ruder sind.

Alice Cooper ist deutlich rasanter gealtert als Reinhard Mey.

Welche Unternehmensberatung hat Fa. Vodafone eingeredet, dass es vorteilhaft wäre, sich wie eine desorganisierte Drückerkolonne aufzuführen?

Verblüffend ist die Hartnäckigkeit, mit der Feuilletonjournalisten Harald Schmidt mit dem Autorenteam verwechseln, das für ihn schreibt.

Splitterbrötchen (CLXI)

Wenn man wichtig aussieht, es aber nicht ist… Ist das gut oder schlecht?

“Der Dingsbums-Notebook ist das Werk eines überlegenen Ethos“, lese ich staunend in einem Prospekt. Aufschlussreich, dass auch ein überlegener Ethos nichts anderes als zukünftigen Elektronikschrott zustande bringt.

Der Deutsche hat kein Talent fürs Normale, wohl aber für die Verallgemeinerung.

Splitterbrötchen (CLX)

Eine kleine Polit-Clique, die sich aufführt, als wäre die Macht im Staate ihr Privateigentum, glaubt, Menschen abschießen zu können, weil ihnen deren öffentlich vorgetragene Ansichten  nicht in den Kram passen. Kommt einem bekannt vor, nicht wahr? Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber zwanzig Jahre nach Mauerfall ist die DDR endlich in der BRD angekommen.

Fa. Google ist übrigens ganz bei Sarrazin. Wenn man nach „Zentralrat der Juden“ sucht, kommt eine Google-Kleinanzeige: „Juden: Sind Sie Jude? Genetische Herkunftsanalyse zeigt,ob Sie jüdische Wurzeln haben.“ Warum schweigt hierzu die Kanzlerin? Empfindet sie diese Anzeige als hilfreich?

Die Antwort der Woche gelang Henryk M. Broder auf die Frage, wie er sich fühle, wenn sich Deutschland wirklich abschaffen würde: „Sie finden wieder leichter einen Parkplatz am Kurfürstendamm.“

Und mit dem Augenblick der Woche beschenkte uns Reinhold Beckmann, der in die leere Kabine der deutschen Fußballnationalmannschaft schalten ließ, um Philipp Lahms Trikot zu übertragen. Gänsehaut. Fernsehgeschichte. Wahnsinn.

Splitterbrötchen (CLIX)

Den Spam-Betreff der Woche ließ sich Frau Tanja Fuchs einfallen: “Ihre Möhre ist zu klein“. Ich habe diese Nachricht sofort an meinen Gemüsehändler weitergeleitet.

Eine Problematik der Sarrazin-Debatte kann man bei Amazon begutachten. Derzeit kann man dort 19 Rezensionen des Buchs lesen. Ab morgen können die Rezensenten dann endlich auch das Buch lesen.

Immer wieder erstaunlich: Wieviel Spaß es schlechten Kellnern macht, ihre Gäste schlecht zu behandeln.

Und nochmal Sarrazin: Originell finde ich, wie viele Menschen fordern, dass er wegen seines Buchs als Bundesbanker nicht mehr tragbar ist und zurücktreten sollte. Wenn man diese Kausalkette konsequent zu Ende denkt, müsste jeder Klempner aufgefordert werden, seinen Laden dicht zu machen, wenn er am Stammtisch rassistischen Quatsch erzählt.

Splitterbrötchen (CLVIII)

Aus meiner Kristallkugel nach dem ersten Spieltag: Es wird ein Zweikampf zwischen Bayern und Leverkusen. Es könnte für Leverkusen langen.

„Kokett“ oder „exaltiert“ bleibt immer gleich, wird aber  ab einem bestimmten Alter einfach zu „blöd“.

Wohingegen „Ignoranz“ niemals zu „Altersweisheit“ wird.

Wenn einem als einzige Reaktion auf Veränderungen nur noch die Beschwerde  einfällt, kann man eigentlich einpacken.

Splitterbrötchen (CLVII)

Mit welcher Lust, welcher Energie und welcher Ausdauer sich viele Menschen beschweren… das scheint denen wirklich Spaß zu machen.

Nach Weltmeisterschaften ist das Kribbeln vor dem Bundesliga-Start am größten. Seit 44 Jahren ist das so.

In Podersdorf aufgeschnappt: Wenn du Österreich verstehen willst, dann stell dir eine Tür vor, an der ein Schild „Eintritt strengstens verboten!“ hängt. Und etwas darunter hängt ein zweites Schild: „Vorsicht, Stufe!“

Die häufige Geringschätzung der sportlichen Fähigkeiten Michael Ballacks wundert mich doch sehr. Mich jedenfalls würde es nicht wundern, wenn Bayer Leverkusen mit Ballack am Ende der  Saison ganz vorne landen würde.

Splitterbrötchen (CLVI)

Es ist nach jeder WM das gleiche: Was nach dem Abpfiff des Finales bleibt, ist der Hunger nach noch mehr Fußball. Fußball ist weder Sport noch Weltanschauung, Fußball ist Sucht.

Taktischer Nachklapp: Den notorisch ballsicheren, jedoch offensivschwachen Spaniern wäre möglicherweise tatsächlich mit Manndeckung und Libero nebst daraus resultierender Überzahl im Mittelfeld beizukommen gewesen. Allein der Gedanke ist schauerlich, aber es hätte funktionieren können.

Die Heimtücke eines neuen Küchengeräts: Kaum ist es da, sinnt man nach Möglichkeiten, es zu nutzen. Sprich: Dinge damit zu tun, die man gar nicht tun musste, bevor es nicht da war.

Die Möglichkeit, überhaupt zurücktreten zu können, ist ein ganz großes Privileg. Das scheint einigen der eifrig zurücktretenden Politiker nicht klar zu sein.

Splitterbrötchen (CLV) – WM-Special

Natürlich hätte man den verwandelten Elfmeter besser schießen können, wie der Kommentator forderte. Er wäre dann noch drinner gewesen.

Mit dem Zug an Malente vorbeigefahren. Von einem mythischen Schauer angeweht worden.

Tatsächlich erinnere ich mich an epische Niederlagen deutlicher als an triumphale Siege.