Splitterbrötchen (CLXIX)

Erste Erfahrung mit neuem E-Book-Reader: Das Bewusstsein, den unmittelbaren Zugriff auf eine Buchhandlung mit sich herumzutragen, ist für einen sammelwütigen Lese-Süchtigen die Hölle.

Enttäuschung an Halloween: nur zwei versprengte Zombie-Gruppen haben an der Tür geklingelt. Hat sich bei den amerikanisierten Kackbratzen vielleicht herumgesprochen, dass es bei mir nur Bonbons vom Discounter gibt?

Zweite Erfahrung mit neuem E-Book-Reader: Ich vermisse Papier überhaupt nicht.

„Plug & Play – sofort loslegen“ dauert mit moderner Hardware nur noch 45 Minuten.

Dritte Erfahrung mit neuem E-Book-Reader: Es ist einfach herrlich, ganz bequem einen 1000-Seiten-Schmöker lesen zu können, während man auf dem Rücken liegt.

Splitterbrötchen (CLXVIII)

Mit dem Pseudonym der Woche erfreute mich eine mir bislang unbekannte Spammerin, die sich „Nicole Nackt“ nennt.

Früher hieß es „sturmfreie Bude“. Heute sagt man: „Niemand da, der aufräumt“.

Keine Waffe kann so viel Schaden anrichten wie die Gedankenlosigkeit.

Wieso versendet das ZDF geniale Action-Thriller-Perlen wie „Eiskalte Bedrohung“  samstagnachts um 00 Uhr 20? Bestrafung der Menschen mit geregeltem Tagesablauf? Belohnung für die Schlaflosen? Oder – wie ich erfahrungsgemäß fürchte – der gute Kumpel aller Redaktionen, die altbewährte Ignoranz?

Ein glücklicher Mensch ist derjenige, der weiß, dass er sich für das Nachschlagen des Worts „Prokrastination“ sehr viel Zeit lassen kann.

Splitterbrötchen (CLXVII)

Ich möchte wissen, was die zahlreichen neuen Integrationsexperten zu einer Kopftuch tragenden Frau sagen würden, die beim türkischen Back-Discounter Schweineohren ordert.

Erschütternde Erkenntnis: Mit fortschreitendem Alter steigt die Schnulzenanfälligkeit.

Ich bedanke mich herzlich bei Fa. RTL für das Senden des ultimativen Statements: „Mein Talent ist meine Begabung!“

Die rhetorische Figur der Woche gelang Matthias Opdenhövel, als er Sigmund Freud durchaus atemberaubend als den „Vadder Abraham der Psychoanalyse“ bezeichnete.

Menschen, die nur Sieger gelten lassen, haben ziemlich schnell eine Mehrheit gegen sich.

Splitterbrötchen (CLXVI)

Der Traum vom Leben wie im Kino endet meist im Leben mit einer Programmzeitschrift.

Eier in Senfsauce feiern derzeit ein etwas überraschendes Comeback.

Einmal mehr kann ich mich nicht entscheiden, was irrsinniger ist: das Wort „Bildungsgutschein“ an sich oder das dahinter stehende vollkommen wirklichkeitsferne Konzept.

Schon dem dritten jungen Supermarktangestellten begegnet, der an der Kasse saß und die Obst- und Gemüsesorten nicht identifizieren konnte, die er da über die Scannerkasse ziehen sollte.

Splitterbrötchen (CLXV)

“Erschaffe ein Königreich und knechte andere mit deiner Streitmacht! Sei kein Feigling, sei dabei!“ las ich in einer Anzeige für das “erste ECHTE Facebook-Spiel“. Wirklich das “erste ECHTE“? Dieses Spiel scheint mir seit ein paar tausend Jahren sehr populär zu sein. Auch in ECHT.

Das iPhone scheint mehr und mehr zu einem Gadget für hektisch darauf herumwischende Hausfrauen zu werden. Vermutlich suchen Sie vermittels einer App nach der nächstgelegenen Raucherecke.

Den Satz der Woche prägte BoardsofHamburg auf Twitter: „Jedesmal, wenn ein Journalist über Özils Tor ‚was für eine Story‘ sagt, verliert Bob Woodward einen Hoden.“

Die CDU verursacht verlässlich grundlegende Veränderungen der Parteienlandschaft, in dem sie versucht, technischen Fortschritt, den sie für erstrebenswert hält, in Bürger hineinzuprügeln, die das anders sehen. Vor 30 Jahren sorgte sie so für die Gründung der Grünen. Heute könnte sie mit der gleichen Maßnahme mindestens das Ende der FDP eingeläutet haben.

Ich plädiere für die Einführung eines „Tags der Gegenwehr“. An (mindestens) einem Tag im Jahr sollte man jedem, der öffentlich sagt oder singt, dass er „mitten im Leben“ steht, straffrei eine runterhauen dürfen.

Viele gute Ratschläge erreichen die Menschen, für die sie bestimmt sind, einfach dadurch nicht, dass man sie ihnen sagt.

Splitterbrötchen (CLXIV)

Filbinger und Konsorten haben es in den 70ern nicht kapiert, Merkel, Mappus und Konsorten kapieren es heute nicht. Es geht nur bedingt um Atomkraft oder einen Bahnhof oder sonstwas. In Wirklichkeit ist es der jeweils aktuelle Politikstil, der die Leute auf die Barrikaden bringt. Man konnte es ihnen damals nicht verdenken, man kann es heute nicht.

Wunderbares Zitat von Dylan Thomas entdeckt: „Ich werde den Verdacht nicht los, dass Abstinenzler die Sachen nicht mögen, auf die sie verzichten.“

Was für eine fantastische Zeit, die Worte wie „ebay-Kleinanzeigen-Facebook-App“ hervorbringt!

Die Frage der Woche: Wenn Politiker ziemlich genau zwanzig Jahre nach der Vereinigung beider deutscher Staaten friedliche Demonstranten niederknüppeln lassen… ist das mangelndes Geschichtsbewußtsein, staunenswerte Chuzpe oder sind die wirklich so doof, wie ich befürchte?

Splitterbrötchen (CLXIII)

Beim Frühstück gelesen, dass Disney eine Romeo-und-Julia-Version mit Gartenzwergen plant. Zum erstenmal in meinem Leben vor halb acht morgens das Bedürfnis verspürt, sofort einen Schnaps trinken zu müssen.

Erstaunlich, dass einige Blätter anlässlich des Töpperwien-Abschieds so etwas wie Wehmut zu produzieren versuchen. Es war doch wirklich schon lange genug.

Für den Satz der Woche ist Denis Scheck zu danken, der ihn heute im Tagesspiegel schrieb: „Ich glaube, die bildungsfernen Schichten in  Deutschland sitzen zur Zeit im Kanzleramt, im Schloss Bellevue und in der Bundesbank.“

Die Debatten mit dem höchsten Unterhaltungswert sind nicht unbedingt die, in denen die Debattierenden über ihr Thema gut Bescheid wissen. Es ist wie im Kindertheater: Wer den Mut hat, sich zum Kasper zu machen, bekommt sein Publikum.

Splitterbrötchen (CLXII)

Zynismus bei Politikern stört mich nur, wenn er so plump und unelegant vorgetragen wird wie von den Hanseln, die derzeit am Ruder sind.

Alice Cooper ist deutlich rasanter gealtert als Reinhard Mey.

Welche Unternehmensberatung hat Fa. Vodafone eingeredet, dass es vorteilhaft wäre, sich wie eine desorganisierte Drückerkolonne aufzuführen?

Verblüffend ist die Hartnäckigkeit, mit der Feuilletonjournalisten Harald Schmidt mit dem Autorenteam verwechseln, das für ihn schreibt.

Splitterbrötchen (CLXI)

Wenn man wichtig aussieht, es aber nicht ist… Ist das gut oder schlecht?

“Der Dingsbums-Notebook ist das Werk eines überlegenen Ethos“, lese ich staunend in einem Prospekt. Aufschlussreich, dass auch ein überlegener Ethos nichts anderes als zukünftigen Elektronikschrott zustande bringt.

Der Deutsche hat kein Talent fürs Normale, wohl aber für die Verallgemeinerung.

Splitterbrötchen (CLX)

Eine kleine Polit-Clique, die sich aufführt, als wäre die Macht im Staate ihr Privateigentum, glaubt, Menschen abschießen zu können, weil ihnen deren öffentlich vorgetragene Ansichten  nicht in den Kram passen. Kommt einem bekannt vor, nicht wahr? Es hat zwar ein bisschen gedauert, aber zwanzig Jahre nach Mauerfall ist die DDR endlich in der BRD angekommen.

Fa. Google ist übrigens ganz bei Sarrazin. Wenn man nach „Zentralrat der Juden“ sucht, kommt eine Google-Kleinanzeige: „Juden: Sind Sie Jude? Genetische Herkunftsanalyse zeigt,ob Sie jüdische Wurzeln haben.“ Warum schweigt hierzu die Kanzlerin? Empfindet sie diese Anzeige als hilfreich?

Die Antwort der Woche gelang Henryk M. Broder auf die Frage, wie er sich fühle, wenn sich Deutschland wirklich abschaffen würde: „Sie finden wieder leichter einen Parkplatz am Kurfürstendamm.“

Und mit dem Augenblick der Woche beschenkte uns Reinhold Beckmann, der in die leere Kabine der deutschen Fußballnationalmannschaft schalten ließ, um Philipp Lahms Trikot zu übertragen. Gänsehaut. Fernsehgeschichte. Wahnsinn.