Splitterbrötchen (CCCXXXII)

Der Beißreflex, wenn etwas unliebsames Neues im eigenen Vorgarten auftaucht ist doch enorm. Mutig von den ganzen Medienschaffenden, den ersten Tag der Huffington Post derart vehement zu kritisieren. Es hat ja Gründe, dass man sich bei Neuerscheinungen normalerweise ein Weilchen zurückhält, und erst kritisiert, wenn die Dinge sich eingespielt haben.

Das wurde mir in früher Jugend so einprogrammiert: zwischen zwölf und drei tätigt man keine Anrufe, da ist Mittagsruhe. Ist mittlerweile sicherlich überholt. Trotzdem: Wenn mich wer um 13 Uhr anruft, ich ihm sage, dass ich beim Essen bin, er mir „Guten Appetit!“ wünscht und dann weiterredet, staune ich schon ein wenig.

Wenn ein Ziel einfach zu treffen ist, gibt es immer ein lohnenderes anderes.

Seit Jahrtausenden lebt die katholische Kirche von opulenten Inszenierungen. Und wenn dann einer mal den ganzen Weg gehen will, ist es wieder nicht recht.

Der verstörende Anblick der Woche: Erst-Semester mit Zuckertüten, erstaunlich ironiefrei.

 

Splitterbrötchen (CCCXXXI)

Könnte man nur einen Bruchteil der Kräfte, mit denen täglich in Deutschland die Arbeit und der Erfolg anderer Menschen kleingeredet wird, anderweitig nutzbar machen, das Weltenergieproblem wäre gelöst.

„Wir begrüßen Sie zu einer neuen Ausgabe unseres Newsletters.“ So weit sind wir also schon. Ich erwarte „Herzlich willkommen auf den Seiten dieses Buchs!“ mit angehaltenem Atem.

Aus Anlass des heutigen Erntedankfests wird im Dorfgemeinschaftshaus von Groß Schwechte mein „Bauer Paul“ gegeben. Ich freue mich sehr und bedaure, nicht anwesend sein zu können.

Splitterbrötchen (CCCXXX)

Beim Einkauf das wunderbare Wort „warenverantwortlich“ entdeckt.

Bei der nächsten Wahl gehe ich in die Kabine, zähle bis zehn und rufe dann: „Was bedeuten denn die ganzen Abkürzungen?“

Natürlich werden sie von irgendeinem PR-Fuzzi geschrieben, trotzdem bekomme ich gern E-Mails mit dem Absender „Paul McCartney“.

Angefangen, über das Wort „Möbelgigant“ nachzudenken. Gleich wieder aufgehört. War besser so.

Was ich nicht verstehe ist das Aufkommen von Diskussionen über die Fünf-Prozent-Hürde. Wer Splitterparteien wie Piraten, AfD oder FDP wählt, die um die 5 Prozent herum positioniert sind, muss wissen, dass seine Stimme eventuell bei der Zusammensetzung des Bundestags nicht berücksichtigt wird. Noch weniger verstehe ich in diesem Zusammenhang das Argument, die 5-Prozent-Hürde würde die Politikverdrossenheit fördern. Man verringert also die Politikverdrossenheit, wenn man Crackpots der Sonderklasse wie Helga Zepp-Larouche Gehör im Bundestag verschafft?

Im Angebot eines Gewürz-Standes gesichtet: die total charmante „Allround-Gourmet-Gewürzmischung“. Wir erwarten jetzt mit angehaltenem Atem die „Geheim-Gourmet-Gewürzmischung der Sterne-Köche“.

Plötzlich und unvermittelt zeigte mir Fa. Google Werbung für Gabelstapler-Batterien. Was habe ich nur getan?

Und noch ein Wort aus dem Grenzbereich: „Wellness-Dorf“.

Splitterbrötchen (CCCXXIX)

Grandioses Umfragendeutsch: „Welches Bankprodukt einer dieser Banken besitzen Sie?“ Für die Stutzenden: Mit „Bankprodukt“ ist ein Konto oder Depot gemeint.

Tofu is the enemy.

Dank einer BILD-Headline wissen wir jetzt, wie mittelalterlich es im Kabinett zugeht: „Lässt Merkel Rösler jetzt hängen?“ Ich finde das übertrieben. Außerdem dürfte ein solches Vorgehen nicht mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen sein.

Das Wort „irgendwie“ in einer Problembeschreibung verweist direkt auf den Kern des jeweiligen Problems

Überraschend harmonische Kombination: Kisir (Tabouléh) und dänischer Curry-Matjes.

Üblicherweise geht die Herrschaft mit dem Hund spazieren. In Friedenau ist es umgekehrt. Ungelogen: Hier bestimmen die Viecher, wo’s langgeht.

Neu in der Blogroll und allen an Berlin interessierten Menschen dringend ans Herz gelegt: The Needle – Sharp On Berlin.

Ein Wort, dass man nicht auf Anhieb lesen kann, ohne zu denken, dass wesentliche Wortteile fehlen: Elektrorikscha.

Gestern die 5. Staffel „Mad Men“ am Stück angeschaut. Ganz großes Tennis.

Liebe Nichtwähler…

… das habt ihr ganz prima hingekriegt, letztes Wochenende in Bayern. Nur dank euch ist der Seehofer Horst mit seinen abgewrackten Korrumpels mit absoluter Mehrheit wiedergewählt worden. Wärt ihr wählen gegangen und hättet irgendwo außer beim Seehofer Horst euer Kreuz gemacht, dann wäre er nicht bei der absoluten Mehrheit gelandet, sondern bei miesen 25 Prozent.

Aber das wollt ihr ja nicht, liebe Nichtwähler. Ihr kennt die Statistiken: eine schwache Wahlbeteiligung hat noch nie zur Veränderung geführt, sondern zur Zementierung des Status Quo. Ihr wisst, dass das ein Ammenmärchen ist, dass eine schwache Wahlbeteiligung eine Ohrfeige für die Politiker ist. Im Gegenteil, der Seehofer Horst ist bereit, jedem Nichtwähler auf Knien zu danken, denn die Nichtwähler haben ihn und seine Komplizen für eine weitere Legislaturperiode den Platz an der Sonnenseite der Fleischtöpfe gesichert.

Mission beinahe accomplished, liebe Nichtwähler! Denn am Sonntag ist Bundestagswahl, und da könnt ihr eurer Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzufügen. Wieder Nichtwählen, und die nächsten vier Jahre Angela Merkel sicherstellen. Wird eine gewaltige Anstrengung werden, denn eigentlich wäre es ja Zeit wenigstens für ein bisschen Veränderung hier im Lande. Für Gestaltung statt Verwaltung. Oder einfach mal emotional sein, indem man diese brunzdummen selbstverliebten Pappnasen abstraft, indem man sein Kreuz irgendwo anders macht, nur nicht bei ihnen. Das wäre so einfach, das würde sogar Spaß machen… Da braucht es sicher eure ganze Willenskraft, das Wahllokal weiträumig zu umlaufen.

Mir wäre das zu anstrengend. Und, offengestanden, zu blöd.

Wie wird man Stewardess?

Wie ich dem SPIEGEL-Blog entnehmen muss, steht in der neuen Ausgabe des ehemaligen Hamburger Nachrichtenmagazins tatsächlich ein Artikel zum Thema, wie man Stewardess wird. Ich spar Ihnen das Geld für das teure ehemalige Nachrichtenmagazin und erklär’s Ihnen hier, gratis und franko.

Am Besten schmuggelt man sich als blinder Passagier an Bord eines Passagierflugzeugs. Da so ein Flugzeug durchaus überschaubar ist, wird man früher oder später entdeckt und muss für den Rest der Reise niedere Küchendienste verrichten, um seine Überfahrt abzubezahlen. Jetzt sind Sie gefordert: Hängen Sie sich richtig rein. Schälen sie Kartoffeln, als gäbe es kein Morgen. Wischen Sie die Kombüse, ohne dazu aufgefordert zu werden. Kochen Sie dem Flugkapitän ein Käffchen und bringen Sie’s ihm ins Cockpit. Wo Sie schon mal da sind, lachen Sie sich über seine anzüglichen Witze kaputt!

Kurz gesagt: Machen Sie sich so unentbehrlich wie möglich. Wenn Ihnen das gelungen ist – und Sie ein wenig Glück haben – wird man Ihnen anbieten, auch für die Rückreise an Bord zu bleiben. Natürlich gehen Sie auf dieses Angebot ein. Wenn Sie sich geschickt anstellen, wird man Ihnen schon anspruchsvollere Tätigkeiten wie das Befüllen von Pfeffer- und Salztütchen oder das Durchpassieren frischen Tomatensaftes anvertrauen. Hängen Sie sich genauso rein wie auf dem Hinflug, und vergessen Sie das Käffchen für den Käpt’n nicht. Und das herzliche Lachen, wenn er Ihnen sein Witzrepertoire zum zweiten Mal erzählt.

Spätestens auf der vierten oder fünften Reise sollten Sie erstmals Passagierkabinen-Luft schnuppern dürfen. Vielleicht lässt man Sie das gefüllte Kotztütchen eines Vielfliegers entsorgen oder Sie dürfen der Mutter eines durchfallkranken Babys beim Windeln helfen. Wenn es Ihnen gelingt, derartige Aufgaben freundlich und souverän zu lösen, sind Sie auf einem guten Weg. Bleiben Sie dran, lassen Sie nicht nach, arbeiten Sie sich und denken Sie immer ans Käpt’n-Käffchen. Und vor allen Dingen: Haben Sie Geduld! Stewardess wird man nicht von heute auf morgen!

Irgendwann, wenn Sie schon gar nicht mehr damit rechnen, werden Sie das Flugzeug besteigen und endlich in Ihrer Kajüte eine schmucke, elegant geschneiderte Uniform vorfinden: Dieser Augenblick wird Ihnen für immer unvergesslich sein, denn nun wissen Sie, dass alle Mühen und Entbehrungen sich gelohnt haben. Endlich sind Sie Stewardess.

Dies ist übrigens der einzige Weg, Stewardess zu werden, der auch wirklich funktioniert. Was im SPIEGEL steht ist Quatsch, erstunken und erlogen. Man sollte sich beim Presserat beschweren!

Splitterbrötchen (CCCXXVIII)

Günter Grass hat Facebook und ähnliches als „Scheißdreck“ bezeichnet. Erinnerte mich an meinen Vater. Der hat vor vierzig Jahren Grass‘ Bücher als „Scheißdreck“ bezeichnet. Im Fluss des Lebens scheint eine Biegung zu sein, an der jeder mal vorbei kommt.

Kulinarische Entdeckung durch Resteverwertung: Meerrettichsauce (ursprünglich zum gekochten Rindfleisch) passt ganz ausgezeichnet zu Kassler. Und zu Sauerkraut ebenfalls. Wo wir bei Sauerkraut sind: Curry. Curry!

Ärgerliche Hasenfüßigkeit bei Bezahlsender SKY. Wenn man schon ein Insert wie „Der Prince will regieren“ bringt, dann sollte man auch mutig den ganzen Weg gehen und Kevin-Prince Boatengs aktuelle Lebensabschnittsgefährtin als „Princeregententorte“ bezeichnen.

Seit ca. anderthalb Jahren habe ich eine Knoblauchpresse und einen Pendel-Sparschäler eines bekannten, im Ostallgäu ansässigen Herstellers in beinahe täglicher Benutzung. Ich hab die Teile im Rahmen einer Treueherzen-Aktion relativ preiswert bekommen, ansonsten lassen einen die Straßenpreise für diese doch eher simplen Küchenutensilien nach Luft schnappen, für das Geld hätte ich sie mir nie angeschafft. Allerdings muss ich zugeben, dass das ganz ausgezeichnete Küchenwerkzeuge sind, die ihre Billigheimer-Konkurrenten locker in die Tasche stecken. Da sie augenscheinlich unverwüstlich sind und man für den Sparschäler auch Ersatzklingen kaufen kann, empfehle ich widerstrebend, sich die Teile trotz des Preises anzuschauen, wenn eine Neuanschaffung ansteht.

Durchaus amüsant, diese heftigen Seriositätsanfälle angesichts Steinbrücks Stinkefinger: „darf man nicht, wenn man Kanzler werden will“. Locker bleiben. Das Amt hat sogar Raufbolde wie Helmut Kohl überstanden.

Was auch immer schlimmer wird: Mein Zehn-Finger-Alzheimer. Mindestens ein Vertipper pro Satz. Gerade eben wieder: Vertripper. Unerträglcih. Unerträglich.