Splitterbrötchen (CCCXV)

Cumberbatch in der ausgezeichneten – nur gelegentlich etwas arg gediegenen – BBC-Serie „Parade’s End“ beobachtet: ganz, ganz große Schauspielerei, das ist ein Stratege der Olivier-Klasse. Den würde ich wirklich gern mal auf der Bühne sehen.

In Leipzig kennengelernt: „Gose mit Allasch“ ein der Berliner Weiße ähnliches Bier mit Kümmellikör, also nichts anderes als ie Urform der Weiße, „Weiße mit Strippe“. Im Gegensatz zu Berlin, wo „Weiße mit Strippe“ praktisch nirgendwo mehr serviert wird, ist die köstliche, erfrischende „Gose mit Allasch“ in Leipzig ein populäres Getränk. Sympathische Stadt.

Und nicht nur die Gose mit Allasch sei Leipzig-Besuchern empfohlen, ich möchte noch das „La Provence“ in der kleinen Fleischergasse den Frankophilen als Begegnungsstätte ans Herz legen: gute bis sehr gute Bistro-Küche, gutgelaunter Service, prima offener Wein, der allerdings dünnwandigere Gläser verdient hätte.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXIV)

Für den Satz der Woche habe ich (wie für so vieles anderes) der geduldigsten Gemahlin von allen zu danken: „Irgendwas hat bestimmt W-Lan.“

Durch Smartphones, Social Media und das ganze Gedöns sind junge Menschen heute wesentlich kommunikationsfreudiger als früher. Das dabei gelegentlich banales, bizarres oder schlicht vollkommen falsches Zeugs in die Gegend gequatscht wird, ist wohl schlicht unvermeidlich. Diese Woche musste ich beim Besuch einer Uraufführung feststellen, dass diese Unbefangenheit banalem Unsinn gegenüber mittlerweile wohl auch für Theaterdialoge gilt. Das wiederum muss nicht sein.

„Banaler Unsinn“ bringt mich nun direktemang zu Effjott Wagner, der diese Woche über Bierduschen kolumnierte und unter anderem „“Männer, die Bier trinken, sind lauter. Frauen, die Tee trinken, sind leiser. Frauen, die Tee trinken, schütten sich nicht den Tee über den Kopf.“ irrlichterte. Ich glaube, Effjott kennt einfach die falschen Frauen.

Vollkommen zu recht sollte man alle Politiker (und vielleicht auch die Journalisten), die seit 2002 das Wort „Jahrhundertflut“ benutzt haben, in Regress nehmen, weil sie damit insinuierten, sowas könne nur alle hundert Jahre geschehen.

Man sollte immer sehr vorsichtig sein, wenn man andere als „oberflächlich“ kritisiert. Vielleicht ist man’s ja selber auch.

Splitterbrötchen (CCCXIII)

Das war gestern das letzte Spiel, das diese wunderbare Mannschaft auf den Rasen gebrannt hat. Ich freue mich auf Guardiola, aber es wird Veränderungen geben. Neuanfang bedeutet immer auch Abschied. Und der fällt mir bei dieser Mannschaft doch ziemlich schwer.

Der Tagesspiegel berichtete diese Woche über z. T. aus Badesalz hergestellte synthetische Drogen, die u. a. in der Berliner U-Bahn verkauft werden. Ich frage mich, warum der Berliner Senat nicht die logische Konsequenz zieht und die U-Bahn abschafft, um das zu verhindern.

Ein Badesalz-Drogen-Opfer ist ganz offensichtlich Jakob Augstein, der im Freitag tatsächlich die Bild-Zeitung meinte, als er „Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben.“ schrieb. Wünschen wir dem ansonsten trefflichen Mann, das ihn eine Entzugs-Klinik aufnimmt, bevor der Realitätsverlust irreversibel ist.

Peter Frankenfeld wäre diese Woche 100 Jahre alt geworden. Ich empfehle die Videos seiner Sketche auf youtube. Auch wenn einiges mittlerweile arg überkommen und strickjackig daherkommt: das Timing dieses Mannes ist atemberaubend perfekt.

Noch ein Abschied: Heute spiele ich in Minden zum letzten Mal das westfälische Urgestein Heinrich von Hopfenberg. Ich will nicht sagen, dass ich froh bin, den bornierten Blödkopp los zu sein, aber dieser Abschied fällt mir deutlich leichter.

 

Splitterbrötchen (CCCXII)

Großer Grund zur Freude: ich kann mir endlich einen neuen Kaffeebecher bestellen.

Mit Entsetzen in Rotenburg an der Fulda gesehen, dass sie sich ein riesiges Einkaufszentrum mitten in die Stadt setzen. Zwei Fliegen mit einer Klatsche erwischt: das Stadtbild verschandelt und dem ohnehin schon ums Überleben kämpfenden Einzelhandel in der historischen Altstadt den Todesstoß versetzt.

Was ich an Menschen nicht verstehe, die nach eigenem Bekunden nicht verlieren können: Warum man freiwillig mit einem derart reduzierten Weltbild leben will.

Splitterbrötchen (CCCXI)

Dan Brown schreibt im Prinzip immer wieder das gleiche Buch. Und ich les es immer wieder hochgespannt und mit Freude, wenn es „neu“ erscheint.

Den aktuellen Band „Inferno“ habe ich übrigens auf englisch gelesen, weil das englische e-book satte 9 (!) Euro preiswerter war als das deutsche. Sicherlich kann der Bastei-Lübbe-Verlag diesen Preisunterschied mit den fürstlichen Übersetzer-Honoraren erklären, die er freudevoll und großzügig zu zahlen pflegt.

Die Headline der Woche kreierten wackere Investigativ-Journalisten von SpOn:  „Zschäpes Anwälte planen weitere Anträge“. Mit angehaltenem Atem warten wir auf ähnliche SpOn-Scoops wie „Bundesregierung plant ein neues Gesetz“, „Dachdecker enthüllt Dachdeck-Vorhaben“ oder „Meteorologen halten morgiges Wetter für gesichert“.

Meine neueste Leidenschaft: Groupon-Beschreibungen lesen. Eine wahre Bonanza für Freunde unfallträchtiger Prosa. Ich zitiere aus dem Angebot für Peking-Ente in einem Berliner China-Restaurant: „Nun, jedes Ding findet irgendwann einmal seinen Meister – was die Beatles mit Tönen und Harmonien anstellten, was Alexander der Große mit seinem Heer vollbrachte und wie Sepp Herberger einst mit dem Ball verschmolz, so verschmilzt imLon-Men Ting, der Inhaber des traditionsreichen China-Restaurants, mit der wundervoll authentischen chinesischen Kochkunst, die den Gästen hier geboten wird.“

Wenn aus Schauspielerinnen „Aktricen“ werden, merken wir: die Herde der Berufs-Empörten ist wieder durchgegangen.

Und die Entdeckung der Woche: „Mord und Margaritas“ auf irgendeinem Digitalkanal des ZDF gesehen. Schöne, schwarze Komödie mit überraschenden Wendungen, und ein sensationeller Pierce Brosnan, der das Zeug zum Groß-Komiker gehabt hätte. Aber dann hat ein widriges Schicksal erbarmungslos zugeschlagen, und er musste James Bond spielen. Armer Kerl.

 


 

 

 

Splitterbrötchen (CCCX)

Wie der Zufall es wollte: einen Tag nach meinem Spargelverkäufer-am-Breslauer-Platz-Rant kam ich am Spargelstand eines Großanbieters aus Klaistow vorbei: Der Spargel war um ca. ein Drittel bis die Hälfte preiswerter, wurde auf Wunsch gratis im Automaten geschält, die Handelsklassen waren korrekt zugeordnet und es gab Sonderangebote in Spargel, der zu dünn, zu dick, zu krumm für eine korrekte Handelsklassen-Einsortierung war (3,99 pro kg). Liebe Spargelgauner vom Breslauer Platz, jetzt ratet doch mal, wo ich in Zukunft kaufe.

Das Zitat der Woche verdanken wir Harry Rowohlt: „Autorenkino. Regietheater. Befreiungstheologie. Alles genauso Quatsch wie mittelscharfer Senf.“

Roman Coppola gab in einem Interview zu Protokoll: „Charlie Sheen ist ein Gentleman.“ Sheen wird ihn verklagen, da bin ich mir sicher.

Mein Wochen-Highlight: ein höchst angenehmes Mittagessen (was sonst?) mit Lunch-Profi Sebastian Dickhaut und der der geduldigsten Gemahlin von allen im „Mainhattan“ in der Hessischen Landesvertretung. Gut, die Ahle Wurscht konnte den Hausschlachtungs-verwöhnten Gaumen nicht ganz überzeugen, die Leberwurst war hingegen ausgezeichnet, und kochen können Sie da: exzellentes Kraut zum saftigen Rippsche, tolle Beulchen mit Zwiebelsauce, alles zu Beinahe-Kantinenpreisen. Freundlicher, humorvoller Service. Empfehlung.

Dass immer noch Menschen Theaterregie mit dem Einrennen offener Türen verwechseln…

 

 

Splitterbrötchen (CCCIX)

Eine aus Minden mitgebrachte heftige Erkältung gab mir die nötige Muße, um zu einer bahnbrechenden Entdeckung zu kommen: in Millionen und Abermillionen Haushalten weltweit zieht der Tee zu lange. Wenn man sich das übliche Szenario „Tee aufgießen, Ziehzeit im Kurzzeitwecker einstellen – irgendwas machen – Wecker klingelt – zurück in die Küche eilen – Wecker ausstellen – Tee abgießen“ wird diese Tatsache sofort deutlich. Für die Teitspanne „Zeit Einstellen – Wecker klingeln – zurück in die Küche eilen – Wecker ausstellen“ können wir getrost einen Wert zwischen 30 Sekunden und mehr als einer Minute annehmen, so dass wir getrost davon ausgehen können, das nur ein Bruchteil  der Menschheit überhaupt weiß, wie Tee schmeckt, der nicht viel zu lange gezogen hat.
Das scheint aber niemanden zu stören. Warum sollte es auch? Wie jede bahnbrechende Entdeckung beginnt auch meine als nervende Besserwisserei.

Das Zitat der Woche verdanke ich einem mir bis dato vollkommen unbekannten englischen Ex-Fußball-Profi namens Barry Venison: „Niemand im Fußball sollte ›Genie‹ genannt werden. Genies sind Menschen wie Ronald Einstein.“

Diese Woche gesehen: die sträflichst unterschätzte Clash-of-Cultures-Komödie „Outsourced„, sehr, sehr komisch, dicke Empfehlung.

Couchpotatoes Wunderland: Tablet mit HDMI an den Fernseher und über Online-Videothek Filme und Serien für’n Appel und ’n Ei angucken. Macht Spaß. Ist bequem. Preisleistungsverhältnis stimmt. Gab’s früher nicht. Früher war nichts besser. Nichts. Nichts. Nichts.

Und was mir immer noch nicht in den Schädel will: dass es in einer Stadt wie München ein Ding der Unmöglichkeit sein soll, einen Gerichtssaal aufzutreiben, in dem die Akteure und ein paar hundert Pressevertreter Platz finden. Ohne irgendwelche Auswahlverfahren.

Abschließend: Liebe Spargelhändler vom Breslauer Platz: 6 Euro fürs Pfund und 10 Euro fürs Kilo Spargel sind angesichts des um die Ecke liegenden Spargelgebiets eine Unverschämtheit. Und „Handelsklasse I“ ist nicht etwas, das Ihr per declarationem festlegen könnt, dafür müssen die Spargel gewisse Anforderungen erfüllen. Ihr dürft auch nicht einfach ein paar Stangen zusammenpacken, die unterscheidlich lang, unterschiedlich dick und mal ein bisschen mehr oder weniger violett sind und diesen Bund in die gleiche Handelsklasse einsortieren, wenn ihr seriöse Händler sein wollt. Ach, wollt ihr gar nicht? Lieber so Halsabschneider, die den unwissenden Friedenauern ihren letzten Ramsch zu Mondpreisen andrehen? Na, dann weiß ich Bescheid und will nix gesagt haben.

Splitterbrötchen (CCCVIII)

Minden, am Samstagabend. Es sind ungefähr 5 Grad und es soll noch regnen. Gleich muss ich eine Vorstellung „Olympia-Express“ spielen, die zum Teil unter freiem Himmel stattfindet. So langsam dämmert mir, warum mir vor mehr als dreißig Jahren so viele Leute vom Theaterberuf abgeraten haben.

Wenigstens hat’s nicht geregnet. Nach Vorstellung und Absacker mit den Kollegen stoße ich auf dem Weg ins Hotelzimmer auf die Restausläufer eines Events. Ich habe vollkommen verpasst, dass vor einiger Zeit Dantes „Inferno“ in „Ü-30-Party“ umbenannt wurde.

Auch wenn ich ich nicht mehr lese: der SPIEGEL kann mich noch verblüffen, Die aktuelle Ausgabe wartet mit einer Titelgeschichte zu Uli Hoeneß auf. In der Vorankündigung erklärt der stellvertretende Chefredakteur, dass Hoeneß den Autoren nicht zur Verfügung stand. Die ermittelnden Behörden dürften wegen Wahrung des Steuergeheimnisses ebenfalls keine Informationen gegeben haben. Fast hätte die Neugier über meinen Widerwillen, die aktuellen Heißluft-Preise zu zahlen, gesiegt. Fast.

Nur noch wenige tausend Treffer bei einer Google-Suche: Müssen wir das Wort „Pennälerhumor“ auf die Liste der bedrohten Arten setzen?

 

 

Splitterbrötchen (CCCVII)

Was nicht jeder weiß: Ärgerliche Rotweinflecken können durch Biertrinken vermieden werden.

Mein Highlight der Woche fand an der Käsetheke im Supermarkt statt. Auf meine Frage nach einer m. E. doch eher bekannten italienischen Käsesorte berlinerte mir die Käsefachverkäuferin donnernd „Fontina-Käse? Was soll’n dat sein? Det hab ick ja noch nie jehört!“ zurück.
Und, ja, es war Reichelt-Edeka. „Wir lieben Lebensmittel.“

Allerdings hätte besagte Käsefachverkäuferin mich mit „Wejen dem Käse von Tina müssense morjen nochma nachfraren,  Tina is heute in der Berufsschule.“ sehr erfreuen können.

An alle, die glauben, der Rückwärtsgang führe ins Glück: Früher war nichts besser. Nichts, nichts, nichts.

Was auch nicht jeder weiß: Nüchternes Denken lässt sich wirksam mit Alkohol bekämpfen.