Splitterbrötchen (CCXL)

Schluss mit dem Gejammer wg. Induktion. Habe diese Woche einige ausgiebige Koch-Sessions eingelegt und komme mittlerweile sehr gut klar. Die Unterschiede zu Gas beschränken sich auf die etwas längere Ankochzeit und die Abwesenheit der offenen Flamme. Die Reaktionsgeschwindigkeit und Präzision bei Temperaturänderungen ist beinahe identisch. Und darauf kommt’s ja an.

Wenn Fleisch von der Lammkeule übrig geblieben ist: Champignons anbraten, Frühlingszwiebeln in 1-cm-Stücken dazu, mit Wein und Fond /egal welchen) ablöschen, kurz einreduzieren, kleingeschnittenes Fleisch dazu, heiß werden lassen und mit einem Schuss Sahne und einem Gläschen Kapern vollenden. Geht rasend schnell und kommt gut.

Das Fleisch blieb übrigens von einer 8-Stunden-Keule übrig. Das Problem bei dieser Zubereitung sind immer die letzten drei Stunden: wie hält man diesen betörenden Duft aus, ohne sich vorzeitig an der Keule zu vergehen?

Die Aktion der Woche gelang mir, als ich ein Telefon über meine Teetasse hielt und versuchte, ihm durch mehrfaches Drücken der Hörertaste ein paar Süßstoff-Klötzchen zu entlocken.

Ärgerlich mal wieder bild.de: Wie kann man eine Klickstrecke der „zehn versoffensten Schriftsteller aller Zeiten“ basteln und Malcolm Lowry, F. Scott Fitzgerald sowie – vor allen Dingen – Dylan Thomas (dessen letzte Worte „I just had 19 shots of whiskey, I think that’s a record.“ waren) weglassen?

 

Warum lassen wir uns das gefallen?

Ein ganz normaler Abend in der neuen Wohnung. Die geduldigste Gemahlin von allen teilt mir mit, dass sie – wenn möglich – gern auf ein oder zwei Dateien zugreifen würde, die sich auf der Festplatte eines Rechners befinden, den ich noch nicht angeschlossen habe. „Sollte unproblematisch sein“, sage ich Idiot, stöpsele den Rechner an den Strom, schraube einen gerade greifbaren Samsung-Monitor dran und fahre hoch.
Klappt alles, jetzt muss das neue W-Lan eingerichtet werden, kein Problem, Netzwerkname, Passwort… er rödelt und rödelt, eingeschränkte Konnektivität, kein Internet. Kenn ich von XP, ein Neustart sollte es richten. Nach dem Neustart hat er das Passwort vergessen, kein Problem, wozu haben wir’s denn aufgeschrieben? Die Konnektivität ist immer noch eingeschränkt, ruhig bleiben, nochmal Neustart… diesmal hat er sich das Passwort gemerkt und kommt ins Internet. Alles klar.
Jetzt den Benutzer wechseln, damit die geduldigste Gemahlin von allen… nanu? Was das? Wieso hat er jetzt bei dieser Benutzerin noch die alten W-Lan-Daten drin und findet das eben für alle Benutzer eingerichtete Profil nicht? Nuja, richten wir das W-Lan für diesen Benutzer nocvhmal ein… Was soll jetzt das? Wieso lässt er mich das neue Passwort eingeben, aber nicht auf „Apply Changes“ klicken?? Vielleicht hilft hier auch ein Neustart?
Äh, nein, ich kann immer noch nicht auf „Apply Changes“ klicken, und diese Userin kommt nicht ins Internet. Wenn ich zum anderen User wechsele, funktioniert alles… sehr merkwürdig.
Ich mag jetzt nicht weiter vertiefen, dass der Samsung-Monitor plötzlich zu spinnen anfing und bei jedem Neustart und bei jedem User-Wechsel abstürzte und nur durch jeweils 1-minütiges Trennen vom Stromnetz zum Weitermachen bewegt werden wollte. Ich mag auch nicht weiter vertiefen, dass nur drei Neustarts und vier User-Wechsel nötig waren, bis der Rechner sein mysteriöses Gezicke aufgab und beide User problemlos ins Internet ließ. Vielleicht hätte ja jemand, der mehr von der Materie versteht, es schneller geschafft, dem amoklaufenden Elektonengehirn Manieren beizubringen. Vielleicht hätte es ja erfolgsversprechendere Strategien gegeben als ständiges stupides Neustarten 1.
Darum geht es aber nicht. Es geht darum, dass ich gerade wieder anderthalb Stunden Lebenszeit damit verbracht habe, um eine vollkommen simple, alltägliche Sache gebacken zu kriegen, die fünf, allerhöchstens zehn Minuten hätte dauern dürfen. Ich hätte in diesen vergeudeten 70, 80 Minuten gern etwas anderes, sinnvolleres gemacht.
Wir sollten uns das wirklich nicht länger gefallen lassen.

 

  1. Wobei ich das nicht glaube: Ich habe bisher noch jedes XP-Problem durch ständiges stupides Neustarten gelöst.

Splitterbrötchen (CCXXXIX)

Ein Umzug endet nicht. Man hört einfach irgendwann resigniert auf, auszupacken.

So etwas wie Menschenkenntnis existiert nicht. Die einzige Konstante ist grenzenloses Erstaunen, das manchmal sehr weh tut.

Kleiner Tipp für alle, die einen Umzug bewältigen müssen: immer ein sog. Multi-Tool (ausklappbare Zange inkl. Zusatz-Werkzeuge in den Griffen) in der Tasche oder am Gürtel haben. Es ersetzt kein richtiges Werkzeug, aber man hat immer was zu Kneifen, Schrauben oder Sonstwassen zur Hand.

Wenn mir jemand die Motive von Ex-Präsi Wulff erklären könnte, wäre ich sehr dankbar. Wie sich ein halbwegs intelligenter Mensch einen derartigen Spießrutenlauf wie diesen Zapfenstreich antun kann, ist mir ein komplettes Rätsel. Ist dem Mann wirklich das Gefühl für seine Außenwirkung komplett abhanden gekommen? Er muss es ja mal gehabt haben, sonst hätte er es in der Politik nicht so weit gebracht.

 

 

 

 

Splitterbrötchen (CCXXXVIII)

Friede-Now!

Die ständig wiederholte Antwort einer Kabel-Deutschland-Hotlinerin: „Ich würde das ja gerne veranlassen, aber ich komme nicht ins System.“ ließ mich die immer noch andauernde Aktualität Kafkas bewundern.

Michael Spreng weist daraufhin:  Gustav Heinemann hat, als seine Präsidentschaft endete, auf den Großen Zapfenstreich verzichtet und stattdessen eine Dampferfahrt auf dem Rhein gemacht. Was hatten wir damals für einen wundervollen Präsidenten!

Wo wir bei Gustav Heinemann sind, kann ich auch gleich mein Lieblingszitat von ihm anbringen: „Ich liebe nicht mein Vaterland, ich liebe meine Frau.“

Die neue Wohnung ist kulinarisch gesegnet: In unmittelbarer Nähe ein gehobener Gutbürgerlicher, ein sportiver Grieche, ein ebenfalls sportiver Australier mit Klasse-Wein, eine familiäre Trattoria, ein Italo-Jugo (Steinofen-Pizza und Potpourri-Platte!) und ein ganz bonfortionöser Riesen-Reichelt-Supermarkt. Und zwei Wochenmärkte in fußläufiger Entfernung, wo ich von Mittwoch bis Sonnabend einkaufen kann. Ich könnte zufriedener nicht sein.

Ich habe Romina Pawlicki in GooglePlus geblockt, mehrfach dem Google-Support als Spammerin gemeldet, und ihre Hinweise auf mich nicht die Bohne interessierende ebay-Auktionen mehrfach dem Spam-Filter mitgeteilt: trotzdem taucht die Dame immer wieder in meinem Posteingang (mit GooglePlus-Absender) auf. Ist das die offizielle Google-Spammerin oder was?

 

Splitterbrötchen (CCXXXVII)

Die letzten Splitterbrötchen aus der Großbeerenstraße.

Im Tagesspiegel von heute steht ein recht lesenswertes Interview mit Peter Kraus. Er lässt den arroganten alten Sack raushängen. Scheint ein ganz netter Kerl zu sein.

Und ebenfalls im Tagesspiegel fand sich das Zitat der Woche. Steve McQueen zu einem Polizisten, der ihn wegen Alkohol am Steuer festnahm: „Hallo, ich bin Steve McQueen, und ich verbringe eine tolle Zeit in Ihrer wertlosen kleinen Stadt.“

Freudiger Moment beim Einpacken: die verloren geglaubten Schindelschwinger-Comics wiedergefunden. Gut gealtert, nach wie vor gran-di-oses Zeugs.

Solange man Dreck nicht scheut, nicht in Panik gerät und über eine gewisse Leidensfähgikeit verfügt, macht ein Umzug richtig Spaß.

Beim Einpacken kommt es auf das richtige Knowhow an. Z. B. gehen Sektgläser nicht kaputt, wenn man sie ausschließlich in Zeitungspapier einwickelt, das dem Wirtschaftsteil entnommen wurde.

Die nächsten Splitterbrötchen werden aus Friedenau geliefert.

 

Splitterbrötchen (CCXXXVI)

Der ideale Bundespräsident wäre ein nicht dogmatisch denkender Mensch, der sich unerschrocken in alle möglichen Dinge einmischt, sich nicht scheut, neben Erhellendem auch mal was Törichtes zu sagen und der Integration eher lebt als davon redet. Ja, doch. Joschka Fischer wäre ein idealer Bundespräsident. Aber er will ja nicht.

Noch acht Tage bis zum Umzug. Die neue Adresse (Beckerstr. 10) ist jetzt schon ganz fantastisch. Sie ermöglicht mir, Dinge wie „Beckerstraße. Mit E. Wie Boris.“ zu sagen.

Wunderbares Zitat aus „Cincinnati Kid und der Poker-König“: „Was du bezahlt hast, war der Zuschauerpreis. Unterricht kostet extra.“

Ich hätte schwören können, dass die Stimme, die „Bitte haben Sie einen Augenblick Geduld, unsere Beraterplätze sind immer noch besetzt.“ sagt, NICHT vom Band gekommen ist.

Und dann hat Sender Vox noch eine Doku über die „wahre Geschichte der Spione“ angekündigt. Ich weiß nicht, was sie gezeigt haben, aber die wahre Geschichte war es sicherlich nicht. Die ist doch geheim.

 

Splitterbrötchen (CCXXXV)

Fa. Groupon entschloss sich, die vorübergehend eingestellten Bauarbeiten am Babel Tower wieder aufzunehmen und begeisterte mit der Sprachverschwurbelung „Italian Cuisine“.

Seit Wochen, Monaten, Jahren gibt es Diskussionen um (durchaus notwendige) Reformen des Urheberrechts. Was allen Debatten gemeinsam ist: kaum ein Urheber erhebt in ihnen die Stimme.

Ich bedanke mich für alle Vorschläge meine eingebrannten Topfböden betreffend: Chemie und Scheuern hab ich ausprobiert, es wird auf Abschleifen rauslaufen.

Spam-Betreff der Woche war: „Ich packe meine GRATIS Sporttasche und nehme meine neue Hose mit, Herr Kurbjuhn!“

Diese ganzen sinnfreien Rücktrittsdiskussionen um ein eh nur mit Repräsentationsaufgaben betrautes Staatsoberhaupt könnten wir uns mit der Wiedereinführung der Monarchie ruckfrei schenken. Also: Wulff adeln oder die Hohenzollern zurückholen? Ich bin für Foffi!

Und hoffentlich kommen endlich diese Casting-Shows aus der Mode. Ich kann gar nicht sagen, wie unangenehm es mir ist, junge Menschen, die eigentlich aufmüpfig jede althergebrachte Autorität in Frage stellen sollten, gläubig an den Lippen irgendwelcher Oberlehrer hängen zu sehen.

 

Splitterbrötchen (CCXXXIV)

Kulinarischer Hit der Woche war Rosenkohl mit Schokoladensauce (zum ohne Firlefanz gebratenen Schweinsrücken) nach einem Rezept von Petra Hildebrandt. Hätte nicht gedacht, wie gut Rosenkohl und Bitterschokolade zusammengehen. Kommt ins Repertoire.

Okay, „Killing of a Chinese Bookie“ fand ich furchtbar. Vor allen Dingen langweilig. Aber „Ganz normal verrückt“ war grandios, ich bin Bukowski-Verehrer. Und „Opening Night“ ist einer der besten Filme über das Theater überhaupt. Verdammt schade, dass Ben Gazzara tot ist.

Ein Problem, mit dem ich mich herumschlage und bei dem mir die Netzecken-Besucher vielleicht helfen können: Anlässlich des bevorstehenden Umzugs wechsele ich von Gas auf Induktion. Notwendige neue Töpfe anzuschaffen ist kein Problem, aber ich möchte mich ungern von meinen beiden Doufeus1  trennen, doch die offenen Gasflammen haben eine gewisse Patina in die Topfböden gebrannt, mit der ich mir das neue Kochfeld nicht einsauen will. Weiß jemand eine andere Methode, die Böden sauber zu kriegen, als stundenlanges Scheuern mit Stahlwolle?

 

  1. schwere, gusseiserne Schmortöpfe, die besten der Welt!

Profis allenthalben

Es ist immer wieder eine Freude, zu sehen, mit welch akribischer Sorgfalt die Online-Redaktion des Tagesspiegel Fotos zur Bebilderung ihrer Artikel aussucht und aufbereitet. Da merkt man gleich: Hier arbeiten detailversessene Profis, die nichts dem Zufall überlassen.

Und die Endkontrolle scheint auch nicht von schlechten Eltern zu sein.

Splitterbrötchen (CCXXXIII)

Wenn halbgare Gedanken sich mit nächstbesten Assoziationen paaren, entstehen gelegentlich ganz fantastische Wortschöpfungen, z. B. die Bezeichnung, die die Kreativ-Genies von BILD für Brigitte Nielsen erfanden: „Brust-Altmeisterin“.

Wäre ich Intendant oder – was Gott verhüten möge! – Dramaturg, dann würde ich mich jetzt an eine Brecht-Erzählung mit dem Titel „Safety First“ erinnern, in der es um einen Kapitän geht, der der Feigheit beschuldigt wird. Zwangsläufig würde ich mich auch daran erinnern, dass das Fernsehen der DDR diese Erzählung unter dem Titel „Die Rache des Kapitäns Mitchell“ ganz exzellent verfilmt hat. Und dann wüsste ich, was ich möglichst zeitnah auf den Spielplan setzen könnte. Aber ich bin ja kein Intendant. Und – gottseidank – kein Dramaturg.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, eine Weile lang einen Bogen um skandinavische Ermittler zu machen. Nach 100 Seiten „Leopard“ musste ich diesen Vorsatz aufgeben und anfangen, mich durch Jo Nesbøs Gesamtwerk zu lesen.

Für den Wehmuts-Moment der Woche sorgten die Woodstock-Fotos bei den Retronauten. „We are stardust, we are golden…“