Splitterbrötchen (CCXLI)

Der Induktionsherd und ich rücken immer näher zusammen. Sympathisch, dass er viel leichter zu reinigen ist als der Gasherd. Saulus, Paulus, Schmaulus.

Den Schock der Woche erlitt ich bereits am vorigen Sonntag, direkt nach der Veröffentlichung der letzten Splitterbrötchen. Da sah ich Ingo Lenßen im Sport1-Doppelpass sitzen. Was machte Ingo in dieser Sendung? Hat er undercover ermittelt?

Gedanke beim Betrachten eines Schildes mit der Aufschrift „Reifenfachhandel“: Ist der Handel mit Reifenfächern wirklich so rentabel?

Der größte Luxus, den ein Mensch sich leisten kann, ist Eitelkeit. Die kann wirklich sehr teuer werden.

Ein dringender Rat an Fa. Google: Weiter an der Kernkompetenz arbeiten! Der erste Treffer einer Suche nach „Künstlerlokal Berlin“ liegt in Düsseldorf.

Es war zwar ein trauriger Anlass, aber da saß diese Woche plötzlich die ganze Tennis-Jugendmannschaft aus ’72 gemeinsam am Tisch. Und fast alle sind noch aktiv. Tennis lässt einen ein Leben lang nicht los.

 

Splitterbrötchen (CCXL)

Schluss mit dem Gejammer wg. Induktion. Habe diese Woche einige ausgiebige Koch-Sessions eingelegt und komme mittlerweile sehr gut klar. Die Unterschiede zu Gas beschränken sich auf die etwas längere Ankochzeit und die Abwesenheit der offenen Flamme. Die Reaktionsgeschwindigkeit und Präzision bei Temperaturänderungen ist beinahe identisch. Und darauf kommt’s ja an.

Wenn Fleisch von der Lammkeule übrig geblieben ist: Champignons anbraten, Frühlingszwiebeln in 1-cm-Stücken dazu, mit Wein und Fond /egal welchen) ablöschen, kurz einreduzieren, kleingeschnittenes Fleisch dazu, heiß werden lassen und mit einem Schuss Sahne und einem Gläschen Kapern vollenden. Geht rasend schnell und kommt gut.

Das Fleisch blieb übrigens von einer 8-Stunden-Keule übrig. Das Problem bei dieser Zubereitung sind immer die letzten drei Stunden: wie hält man diesen betörenden Duft aus, ohne sich vorzeitig an der Keule zu vergehen?

Die Aktion der Woche gelang mir, als ich ein Telefon über meine Teetasse hielt und versuchte, ihm durch mehrfaches Drücken der Hörertaste ein paar Süßstoff-Klötzchen zu entlocken.

Ärgerlich mal wieder bild.de: Wie kann man eine Klickstrecke der „zehn versoffensten Schriftsteller aller Zeiten“ basteln und Malcolm Lowry, F. Scott Fitzgerald sowie – vor allen Dingen – Dylan Thomas (dessen letzte Worte „I just had 19 shots of whiskey, I think that’s a record.“ waren) weglassen?

 

Splitterbrötchen (CCXXXIX)

Ein Umzug endet nicht. Man hört einfach irgendwann resigniert auf, auszupacken.

So etwas wie Menschenkenntnis existiert nicht. Die einzige Konstante ist grenzenloses Erstaunen, das manchmal sehr weh tut.

Kleiner Tipp für alle, die einen Umzug bewältigen müssen: immer ein sog. Multi-Tool (ausklappbare Zange inkl. Zusatz-Werkzeuge in den Griffen) in der Tasche oder am Gürtel haben. Es ersetzt kein richtiges Werkzeug, aber man hat immer was zu Kneifen, Schrauben oder Sonstwassen zur Hand.

Wenn mir jemand die Motive von Ex-Präsi Wulff erklären könnte, wäre ich sehr dankbar. Wie sich ein halbwegs intelligenter Mensch einen derartigen Spießrutenlauf wie diesen Zapfenstreich antun kann, ist mir ein komplettes Rätsel. Ist dem Mann wirklich das Gefühl für seine Außenwirkung komplett abhanden gekommen? Er muss es ja mal gehabt haben, sonst hätte er es in der Politik nicht so weit gebracht.

 

 

 

 

Splitterbrötchen (CCXXXVIII)

Friede-Now!

Die ständig wiederholte Antwort einer Kabel-Deutschland-Hotlinerin: „Ich würde das ja gerne veranlassen, aber ich komme nicht ins System.“ ließ mich die immer noch andauernde Aktualität Kafkas bewundern.

Michael Spreng weist daraufhin:  Gustav Heinemann hat, als seine Präsidentschaft endete, auf den Großen Zapfenstreich verzichtet und stattdessen eine Dampferfahrt auf dem Rhein gemacht. Was hatten wir damals für einen wundervollen Präsidenten!

Wo wir bei Gustav Heinemann sind, kann ich auch gleich mein Lieblingszitat von ihm anbringen: „Ich liebe nicht mein Vaterland, ich liebe meine Frau.“

Die neue Wohnung ist kulinarisch gesegnet: In unmittelbarer Nähe ein gehobener Gutbürgerlicher, ein sportiver Grieche, ein ebenfalls sportiver Australier mit Klasse-Wein, eine familiäre Trattoria, ein Italo-Jugo (Steinofen-Pizza und Potpourri-Platte!) und ein ganz bonfortionöser Riesen-Reichelt-Supermarkt. Und zwei Wochenmärkte in fußläufiger Entfernung, wo ich von Mittwoch bis Sonnabend einkaufen kann. Ich könnte zufriedener nicht sein.

Ich habe Romina Pawlicki in GooglePlus geblockt, mehrfach dem Google-Support als Spammerin gemeldet, und ihre Hinweise auf mich nicht die Bohne interessierende ebay-Auktionen mehrfach dem Spam-Filter mitgeteilt: trotzdem taucht die Dame immer wieder in meinem Posteingang (mit GooglePlus-Absender) auf. Ist das die offizielle Google-Spammerin oder was?

 

Splitterbrötchen (CCXXXVII)

Die letzten Splitterbrötchen aus der Großbeerenstraße.

Im Tagesspiegel von heute steht ein recht lesenswertes Interview mit Peter Kraus. Er lässt den arroganten alten Sack raushängen. Scheint ein ganz netter Kerl zu sein.

Und ebenfalls im Tagesspiegel fand sich das Zitat der Woche. Steve McQueen zu einem Polizisten, der ihn wegen Alkohol am Steuer festnahm: „Hallo, ich bin Steve McQueen, und ich verbringe eine tolle Zeit in Ihrer wertlosen kleinen Stadt.“

Freudiger Moment beim Einpacken: die verloren geglaubten Schindelschwinger-Comics wiedergefunden. Gut gealtert, nach wie vor gran-di-oses Zeugs.

Solange man Dreck nicht scheut, nicht in Panik gerät und über eine gewisse Leidensfähgikeit verfügt, macht ein Umzug richtig Spaß.

Beim Einpacken kommt es auf das richtige Knowhow an. Z. B. gehen Sektgläser nicht kaputt, wenn man sie ausschließlich in Zeitungspapier einwickelt, das dem Wirtschaftsteil entnommen wurde.

Die nächsten Splitterbrötchen werden aus Friedenau geliefert.

 

Splitterbrötchen (CCXXXVI)

Der ideale Bundespräsident wäre ein nicht dogmatisch denkender Mensch, der sich unerschrocken in alle möglichen Dinge einmischt, sich nicht scheut, neben Erhellendem auch mal was Törichtes zu sagen und der Integration eher lebt als davon redet. Ja, doch. Joschka Fischer wäre ein idealer Bundespräsident. Aber er will ja nicht.

Noch acht Tage bis zum Umzug. Die neue Adresse (Beckerstr. 10) ist jetzt schon ganz fantastisch. Sie ermöglicht mir, Dinge wie „Beckerstraße. Mit E. Wie Boris.“ zu sagen.

Wunderbares Zitat aus „Cincinnati Kid und der Poker-König“: „Was du bezahlt hast, war der Zuschauerpreis. Unterricht kostet extra.“

Ich hätte schwören können, dass die Stimme, die „Bitte haben Sie einen Augenblick Geduld, unsere Beraterplätze sind immer noch besetzt.“ sagt, NICHT vom Band gekommen ist.

Und dann hat Sender Vox noch eine Doku über die „wahre Geschichte der Spione“ angekündigt. Ich weiß nicht, was sie gezeigt haben, aber die wahre Geschichte war es sicherlich nicht. Die ist doch geheim.

 

Splitterbrötchen (CCXXXV)

Fa. Groupon entschloss sich, die vorübergehend eingestellten Bauarbeiten am Babel Tower wieder aufzunehmen und begeisterte mit der Sprachverschwurbelung „Italian Cuisine“.

Seit Wochen, Monaten, Jahren gibt es Diskussionen um (durchaus notwendige) Reformen des Urheberrechts. Was allen Debatten gemeinsam ist: kaum ein Urheber erhebt in ihnen die Stimme.

Ich bedanke mich für alle Vorschläge meine eingebrannten Topfböden betreffend: Chemie und Scheuern hab ich ausprobiert, es wird auf Abschleifen rauslaufen.

Spam-Betreff der Woche war: „Ich packe meine GRATIS Sporttasche und nehme meine neue Hose mit, Herr Kurbjuhn!“

Diese ganzen sinnfreien Rücktrittsdiskussionen um ein eh nur mit Repräsentationsaufgaben betrautes Staatsoberhaupt könnten wir uns mit der Wiedereinführung der Monarchie ruckfrei schenken. Also: Wulff adeln oder die Hohenzollern zurückholen? Ich bin für Foffi!

Und hoffentlich kommen endlich diese Casting-Shows aus der Mode. Ich kann gar nicht sagen, wie unangenehm es mir ist, junge Menschen, die eigentlich aufmüpfig jede althergebrachte Autorität in Frage stellen sollten, gläubig an den Lippen irgendwelcher Oberlehrer hängen zu sehen.

 

Splitterbrötchen (CCXXXIII)

Wenn halbgare Gedanken sich mit nächstbesten Assoziationen paaren, entstehen gelegentlich ganz fantastische Wortschöpfungen, z. B. die Bezeichnung, die die Kreativ-Genies von BILD für Brigitte Nielsen erfanden: „Brust-Altmeisterin“.

Wäre ich Intendant oder – was Gott verhüten möge! – Dramaturg, dann würde ich mich jetzt an eine Brecht-Erzählung mit dem Titel „Safety First“ erinnern, in der es um einen Kapitän geht, der der Feigheit beschuldigt wird. Zwangsläufig würde ich mich auch daran erinnern, dass das Fernsehen der DDR diese Erzählung unter dem Titel „Die Rache des Kapitäns Mitchell“ ganz exzellent verfilmt hat. Und dann wüsste ich, was ich möglichst zeitnah auf den Spielplan setzen könnte. Aber ich bin ja kein Intendant. Und – gottseidank – kein Dramaturg.

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, eine Weile lang einen Bogen um skandinavische Ermittler zu machen. Nach 100 Seiten „Leopard“ musste ich diesen Vorsatz aufgeben und anfangen, mich durch Jo Nesbøs Gesamtwerk zu lesen.

Für den Wehmuts-Moment der Woche sorgten die Woodstock-Fotos bei den Retronauten. „We are stardust, we are golden…“

Splitterbrötchen (CCXXXII)

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde heute u. a. behauptet, ich hätte während eines Interviews am Tee genippt. Ich möchte klarstellen, dass ich grundsätzlich nicht nippe, sondern immer trinke.

Das egozentrierte Heulsusen-Geschwader, das sich dieses Jahr im australischen Dschungel eingenistet hat, hat bisher einen ziemlich niedrigen Unterhaltungswert. Und Ailton gehört schlicht und einfach nicht in so eine Veranstaltung.

Noch fünf, sechs Wochen bis zum Umzug und mir schlottern die Knie: Elektro nach mehr als 25 Jahren Gas.

 

Splitterbrötchen (CCXXXI)

Falls es noch jemand nicht mitbekommen hat: Auf der Facebook-Seite des Schlosspark-Theaters tobt ein Shitstorm. Dieter Hallervorden (!) und seinem  Theater wird Rassismus vorgeworfen, weil dort ein weißer Schauspieler mit dunkler Schminke im Gesicht einen Schwarzen spielt. Um mir Klarheit über die Positionen zu verschaffen, postete ich einen Link zu einem Video dorthin, indem Laurence Olivier als Othello1 zu sehen ist, und fragte die Empörten, ob das auch rassistisch sei. Warum war ich nur überrascht, als das umgehend bejaht wurde?

Übrigens ist Oliviers Buch „On Acting“ meines Erachtens immer noch das beste, wahrhaftigste Buch, was über den Theaterberuf geschrieben wurde. Schlägt z. B. den eitlen Quatsch von Stanislawski um Längen.

Vor Menschen, die die Freiheit der Kunst geringschätzen, sollte muss man Angst haben. Meist bleibt es nicht bei bloßen Ideen, die auf dem Altar der Befindlichkeit geopfert werden.

Empörungs-Weltmeister aber bleiben die ZEIT-Online-Lebensart-Diskutanten: Sieben Seiten Kommentarschlacht um ein Rezept für Makkaroni-Auflauf! Das kriegen nur Top-Profis hin.

  1. Franco Zeffirelli nannte Oliviers Othello „eine Anthologie von allem, was in den letzten dreihundert Jahren über Schauspielerei herausgefunden wurde“