Splitterbrötchen (CXXXIV)

Das Telefonat der Woche führte ich mit einem Roboter, der sich als „Carmen Götz“ vorstellte. Carmen fragte mich: „Spreche ich mit Familie Brschwschwschk?“ Ich blieb die Antwort schuldig.

Die Ursache der ganzen Aufregung um Helene Hegemanns  sogenanntes Plagiat besteht darin, dass die Menschen, die sich gerade so furchtbar aufregen, keine Ahnung vom Handwerk des Schreibens haben. Und an literaturgeschichtlichen Kenntnissen mangelt es ebenfalls gewaltig.

Dass in der deutschen Hauptstadt die Logistik zur Schnee- und Eisbeseitigung schlechter funktioniert als in hinterwäldlerischen Alpengemeinden, muss man widerwillig akzeptieren. Das ist mangelnde Erfahrung. Die Unfähigkeit bzw. der Unwillen einiger Menschen und Institutionen, sich an das an sich vollkommen normale Winterwetter anzupassen, ist allerdings höchst erstaunlich.

Und natürlich erstaunt es immer wieder, wie wenig Politiker von den Lebensumständen der Menschen wissen, die sie regieren.

 

Splitterbrötchen (CXXIII)

Unfassbar, wie spießig ausgerechnet die jungen Menschen zu sein scheinen, die Popstars werden wollen.

Wer hätte denn gedacht, dass es ausgerechnet der DFB sein würde,  der das Shakespeare’sche Königsdrama ins 21. Jahrhundert bringt?

Die E-Mail der Woche kam von Roxanne Delarose, die mir unter dem schönen Betreff „Es ist Unwahrscheinlich Einfach bei uns zu Kaufen“ schrieb: „Hier prasentiert sind nicht teuere, aber echte und voellige Produkte der Software. Die Software auf allen europaischen Sprachen, fuer Windows und Macintosh vorherbestimmt. Nur bezahlen und auslasten. Die koennen Sie momentan bekommen.“

Was hat die Bundesregierung eigentlich daran gehindert, diese ominöse Steuersünder-CD heimlich, still und leise – z. B. über Mittelsmänner – zu erwerben? Oder, andersrum gefragt, von was möchte die Bundesregierung ablenken, indem sie einen offensichtlichen Akt der Hehlerei an die große Glocke hängt?

Splitterbrötchen (CXXXII)

Endlich lief mal wieder eine „ConAir“-Wiederholung im TV. Ich hatte schon gedacht, dem Film wäre etwas passiert.

Im 1-Euro-Laden Pantoffeln gekauft, um mit den Moonboots das Büro nicht einzudrecken. Der zu allem entschlossene Rebell von einst trägt jetzt Büro-Pantoffeln. Die Schande!

Ich kann immer noch nicht am Schiller Theater vorbeigehen, ohne wütend zu werden. Wütend auf die kulturlosen Politbanausen, die es geschlossen haben. Wütend auf die arroganten Wichtigtuer, die das Haus über Jahre hinweg so heruntergewirtschaftet haben, dass die Schließung erst möglich wurde.

Am Anhalter Bahnhof. „Entschuldigung, wie komm ich denn hier in die Innenstadt?“ – „Welche Innenstadt meinen Sie denn? Wir haben hier mehrere.“ – „Ja, äh, ich weiß auch nicht…“ – „Wo wollen Sie denn hin?“ – „Zur Sparkasse.“




Splitterbrötchen (CXXXI)

Ich verstehe nicht, warum Sigmar Gabriel FDP und CDU Korruption vorwirft. Ist doch sein Problem, wenn er für lau arbeitet.

Marcell Davis wird den Nahostkonflikt lösen und bei der WM in Südafrika das Siegtor schießen.

Auf Spiegel-Online las ich einen Artikel über hochintelligente Schleimpilze, die das Bahn-Netz von Tokio imitieren können. Plötzlich hatte ich die Idee für eine unkonventionelle Personal-Entscheidung, mit der man die Berliner S-Bahn auf einen Schlag logistisch und finanziell sanieren könnte.

Meine Geschäftsidee der Woche: Eine Mobilfunk-Flatrate, die es einem ermöglicht, für eine geringe monatliche Gebühr unbegrenzt zu schweigen. In allen Netzen.

 


Splitterbrötchen (CXXX)

Die sinnlose Entdeckung der Woche: Wenn man nach dem Genuss von Broccoli-Cremesuppe und Mohnkuchen aufstoßen muss, hat man plötzlich den Geschmack von Rotkraut im Mund.

Das Zitat der Woche stammt von Richard Sennett: „Die Stasi war eine Organisation wie Google. Sie hat nicht gewusst, ob sie all das Material über die DDR-Bürger verwenden würde, aber das Sammeln wurde zum Ziel, bloß damit der Staat die Daten hatte.“

Bei SpOn las ich von der Premiere eines Musicals über Barack Obama. Natürlich sann ich sofort nach einer Angela-Merkel-Variante. Ziemlich vorhersehbar fiel mir eine Schüleraufführung von „Die Physiker“ ein. Musikalisch untermalt von der Templiner Feuerwehrkapelle.

Wenn ein abgeblitzter Kandidat „Es waren drei positive Neins!“ in die Kamera stammelt, gewinnt sogar „Deutschland sucht den Superstar“ eine gewisse transzendentale Qualität.

Splitterbrötchen (CXXIX)

Die Facebook-Werbung der Woche: „Why be normal? Do Jivamukti Yoga! Hot, hip and holy in Berlin-Mitte.“

Ja, ich weiß. BILD ist böse. Aber die Schlagzeile „Dr. Tod plastiniert sich selbst!“ ist ein Geniestreich.

Dietrich Fischer-Dieskau hat ein Buch über Wilhelm Furtwängler geschrieben. Immerhin 69 Seiten stark. Und sein Verlag feiert diesen Kraftakt mit einem Buchpreis von 19,90 Euro.  Man gönnt sich ja sonst nichts.

Seit es Journalisten und Wetterdiensten gelungen ist, eine ganze Jahreszeit zu vergessen, muss Gedächtnisverlust als Kunstform angesehen werden.

Marcell Davis ist die neue Nicole Okaj.

Splitterbrötchen (CXXVIII)

Wenn man nach ein paar Jahren in die Heimat zurückkommt und dort eine junge Frau sieht, die einem bekannt vorkommt, fragt man sich „Kannte ich die?“ Wenn man nach vielen Jahren in die Heimat zurückkommt und dort eine junge Frau sieht, die einem bekannt vorkommt, fragt man sich „Kannte ich die Mutter?“

Der Spam-Betreff der Woche war: „Der Baumgeruch und Geldgeruch im Haus“

Das Zitat der Woche urheberte Rowan Atkinson vor 5 Jahren: „Das Recht, zu beleidigen, ist wesentlich wichtiger als jegliches Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Bin ich der einzige, der sich bei dem Wort „Nacktscanner“ zuverlässig an die Anzeigenseiten in alten Jerry-Cotton-Heften erinnert, auf denen es eine „Röntgenbrille“ zu kaufen gab?

Splitterbrötchen(CXXVII)

Weihnachten wird unterschätzt.

Kurz vor den Feiertagen wurde im Büro eine neue Türklingel – unter anderem mit Farbmonitor – installiert. Abschließend überreichte mir der Handwerker ein Handbuch, dass mir die Benutzung der neuen Türklingel erklärt. Handbücher für Türklingeln – der Preis des Fortschritts kommt mir manchmal ziemlich hoch vor.

Erkenntnis beim Kofferpacken: Knüllen ist das neue Falten.

Weihnachten wird überschätzt.

Splitterbrötchen (CXXVI)

Berufserfahrung: Nach über 30 Jahren Theater erkenne ich eine Intrige ca. eine Woche, bevor sie dem Intriganten einfällt.

Wenn ich Zeit zum Nachdenken habe, kann ich sehr schlagfertig sein.

Laut Fa. Tchibo hat Christian Rach einen „interaktiven Toaster“. Nuja, Erfolg macht einsam. Wird wohl nötig sein.

Splitterbrötchen (CXXV)

Mehrheit und Mittelmaß fangen beide mit „M“ an.

Tiger Woods will auf Golf verzichten, um sein Familienleben zu retten. Wäre der Verzicht auf Cocktail-Kellnerinnen nicht wesentlich sinnvoller?

Eine Abstimmung löst kein Problem, sie reduziert es lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner.

Die Erkenntnis, dass man sich nur weiterentwickeln kann, wenn man sich gelegentlich überfordert fühlt, sollte eine Binsenweisheit sein.  Da muss man nicht viele Worte drüber machen.

Eine Gruppe kann allenfalls über die Beliebtheit eines Einzelnen entscheiden, niemals über seine Eignung.