Splitterbrötchen (CXIV) – Wahl-Spezial

Wenn jemand gesagt hätte, er würde dafür sorgen, dass in diesem Land die Rentner nicht mehr die Papierkörbe nach Pfandflaschen durchwühlen müssten, weil ihre Rente nicht reicht…

Wenn jemand gesagt hätte, dass er den jungen Menschen in diesem Land Perspektiven eröffnen würden, die ihnen eine Zukunft jenseits von Gewaltfantasien und Komasaufen eröffnen…

Wenn jemand gesagt hätte, dass er die Unternehmen in diesem Land nachhaltig dazu zwingen würde, ihre Verantwortung gegenüber ihren eigenen Arbeitnehmern wahrzunehmen und gegenüber der Gesellschaft, die ihnen erfolgreiches wirtschaftliches Handeln überhaupt erst ermöglicht…

Wenn jemand gesagt hätte, dass er dafür sorgen wird, dass die Banken ihre ursprüngliche Aufgabe wieder wahrnehmen – Menschen wirtschaftliches Handeln zu ermöglichen – anstatt nach Phantom-Gewinnen zu jagen…

Wenn jemand gesagt hätte, dass er eine Diskussion über eine grundsätzliche Veränderung unserer gesellschaftlichen Strukturen anschieben wird, damit alle Menschen in diesem Land wieder die berechtigte Hoffnung haben können, zu prosperieren oder wenigstens in Anstand und Würde leben zu können…

Wenn jemand gesagt hätte, er würde jedweder Ausländerfeindlichkeit in diesem Land mit „zero tolerance“ begegnen…

Wenn jemand gesagt hätte, er würde die bürgerliche Freiheit als höchstes Gut achten und dafür sorgen, dass  Verfassungsschutz und Polizei ihre Nase nicht in die Privatangelegenheiten der Bürger stecken, weil Privatangelegenheiten staatliche Behörden eben nichts angehen…

…dann hätte ich ihn wahrscheinlich auch nicht gewählt. Weil ich ihm nicht geglaubt hätte.

Splitterbrötchen (CXIII)

Im Tagesspiegel von heute sehe ich eine Todesanzeige, in der die Berliner Stadtreinigung dreier Mitarbeiter gedenkt, die bei einem Unfall ums Leben gekommen sind. Die Namen der  Opfer werden irritierenderweise nicht genannt. Die einzige Erklärung scheint zu sein, dass man die Angehörigen vor der Boulevardpresse schützen will. Das so etwas mittlerweile nötig ist, ist nur noch zum Kotzen.

Mit Videokameras verhindert man keine Gewalttaten.

Die faszinierendste Fußball-Floskel der  Woche hörte ich in der Tagesschau: „Hertha taumelt am Abgrund des Tabellenkellers.“

Es scheint in Deutschlands Imbissen und Fleischereien nur noch hundsmiserable Bouletten zu geben.

Splitterbrötchen (CXII)

Am Mittwoch ein Schild in der Vitrine von Backdiscounter Kamps gesehen: „Endlich Wochenende!“ Wenigstens die Bäcker haben noch Utopien.

Neue Sensation in meiner Mailbox: George Orwell schreibt mir „wirklich echt chris: botschaften aus dem jehnseits“

Nach wie vor die effektivste Methode,  erfolgreiche Projekte zu sabotieren: Die kleingeistige Intrige.

Wer mit den chinesischen Menschenrechtsverächtern paktiert, verliert vorhersehbar. Wie das IOC. Wie die Frankfurter Buchmesse.

Splitterbrötchen (CXI)

Das Zitat der Woche hat Stephen Fry bei Thomas Mann gefunden: „Ein Schriftsteller ist ein Mann, dem Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten.“

Schon merkwürdig, wenn man in einem Museum vor Dingen steht, die man mal selbst in Benutzung hatte. Auch wenn’s ein Design-Museum ist.

Erstaunlich, wieviele Leute der Ansicht sind, sich um keinerlei Verständnis für ihre Mitmenschen bemühen zu müssen.

Die CDU muss arg verzweifelt sein, wenn Rüttgers Kurs auf die Stammtische nehmen muss. Ich kann mir gut vorstellen, wie die Strategiebesprechung mit seinen Spin Doctors for dem Auftritt gelaufen ist: „Warum die Rumänen?“ – „Warum nicht die Rumänen?“

Fußball ohne Bernd Schneider ist kein schöner Fußball.

Splitterbrötchen (CX)

Die Abwesenheit von Einfällen als Einfallslosigkeit zu bezeichnen ist einfallslos.

Wieso sind seit zwei Wochen in ALLEN von mir aufgesuchten Supermärkten die koffeinfreien Kaffeepads aus?

Das Wort der Woche ist „Datingapp“. Glückliche Jugend, die das nicht mehr in mühseliger Handarbeit erledigen muss.

Wenn man als Autor erfolgreich sein will, müssen einem Sätze einfallen, die beim Publikum noch besser ankommen als „Das Büffet ist eröffnet“. Doch, es ist so schwer.

Splitterbrötchen (CIX)

Speerwerferinnen sind im Vergleich zu früher deutlich zierlicher geworden. Die Pharmaindustrie scheint diese verdammten Nebenwirkungen endlich in den Griff zu bekommen.

Überraschungen lauern dort, wo man sie nicht erwartet. Logisch, sonst wären es ja keine. Aber Kalbsbries auf einer Speisekarte in Freyburg/Unstrut hat mich doch aus den Schuhen gehauen.

Turnen scheint schwerhörig zu machen. Oder gibt es einen anderen Grund, warum Aktive, Ehemalige und Funktionäre dieser Sportart sich meist schreiend verständigen?

Erstaunlich, wie gut Weinfolklore auch beim sogenannten kennerischen Publikum ankommt. Bei uralten, längst disfunktionalen Weinfässern mit Bacchus-Schnitzereien wird Ah und Oh geschrien, und bei modernen Stahltanks wendet man sich mit Grausen „Nicht meine Welt.“ Wenn die wüssten, wo das herkommt, was sie im Glase haben.

Splitterbrötchen (CVIII)

Hypochondrie existiert genauso wenig wie Paranoia.

Ich verstehe die Aufregung um von und zu Guttenberg nicht, nur weil der Mann einen Gesetzesentwurf von einer Anwaltskanzlei statt von den eigenen Beamten hat schreiben lassen. Hier hat ein vorwärts gewandter Politiker ein Signal an den zukünftigen Finanzminister gesandt: „Im Finanzministerium wimmelt es von inkompetenten, arbeitsscheuen Dödeln, und zu tun haben wir auch fast nix. Lass uns das bißchen Arbeit outsourcen und den Laden dicht machen, da sparen wir ’ne Stange Geld.“ Wir brauchen mehr Politiker wie von und zu Guttenberg.

Die Worte der  Woche sprach – natürlich – Günter Netzer: „Wenn wir die Punkte brauchen, dann kriegen wir sie auch.“ Jung, dat is Fußball!

Mein Mitleid mit Unternehmen, die glauben, vollautomatisch Geschäfte machen zu können müssen, hält sich in engen Grenzen. Wer glaubt, Arbeitskräfte einsparen zu können müssen, die z. B. Korrektur lesen und Fehler beseitigen, der soll auch das damit verbundene Risiko tragen.

Der erste Teilnehmer ist von der Suchmaschine Bing in die Netzecke vermittelt worden. Sie hatten nach „Chris“ gesucht? Hier sind sie richtig.

Splitterbrötchen (CVII)

Wieso ist eigentlich die Wirtshausschlägerei als zivilisierter männlicher Zeitvertreib beinahe komplett aus dem Weltfilm verschwunden?

Es gibt wenige Menschen, die humorloser sind als deutsche Filmkritiker von Rang.

Schon erstaunlich, wie engagiert die Debatte um die Zukunft des E-Books geführt wird, bevor es hierzulande überhaupt Ernst zu nehmende Angebote gibt.

Seit Handys, Internet und dieses ganze Pipapo unsere Kommunikationsmöglichkeiten vervielfacht haben, ist es wesentlich einfacher geworden, für ein richtig deftiges Missverständnis zu sorgen.

Mittlerweile richtet die organisierte Dummheit wesentlich größeren Schaden an als das organisierte Verbrechen.

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Splitterbrötchen (CVI)

Immer wieder schön: Die bizarren Menschen, mit denen Fa. Facebook mich befreunden will.

Erstaunlich, wieviel Zeit man mittlerweile für Idiotenabwehr aufwenden muss.

Manche Texte wehren sich heftiger als andere dagegen, geschrieben zu werden.

Wenn Gesprächsabläufe in Callcentern standardisiert sind, warum erwisch ich dann in letzter Zeit immer den Abzweig Richtung Pampigkeit?

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

 


Splitterbrötchen (CV)

Verblüffend: Louis van Gaal spricht jetzt schon besser deutsch als Jürgen Klinsmann.

Die Schlagzeile  der Woche wurde bei Spiegel Online kreiert: „Gekenterter  CSU-Politiker – Alligatoren verschmähten  Günter Beckstein“

Im Bekanntenkreis bekanntgegeben: „Heut abend gehen wir ins Theater.“  Die erste Frage: „Wieso könnt ihr euch die teuren Karten leisten?“ Tja. Es scheint weit gekommen zu sein.

Ein Ärgernis, mit dem ich mich ausführlich befassen werde, wenn es denn die leidige Zeit erlaubt: Die bizarren Preise für Paketsendungen zwischen Österreich und Deutschland.

Immer öfter verspüre ich das Bedürfnis, mal wieder  einen Besinnungsaufsatz zu schreiben. Es lässt sich nicht mehr leugnen: ich werde alt.

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