Der kleine Unterschied

Mensch, Effjott, was ist denn nur geschehen? Es lief doch so gut in den letzten Wochen. Da haben Sie ruhig und ausgeglichen kolumniert, den wirklich schlimmen Klöpsen sind sie geradezu meisterhaft ausgewichen, dass sogar Ihr Wärter Kai Diekmann nichts an Ihnen aussetzen konnte. Und dann… Irgendwas muss passiert sein. Hat die Putzfrau Ihre Fluppen stibitzt? Sind Ihnen die Froschpillen ausgegangen? War der Kellner in der Paris-Bar wieder böse zu Ihnen? Wie konnte dieser Satz

Ich denke, dass der König von Deutschland von allen Deutschen gewählt werden sollte.

Ihrer stählernen Feder entfleuchen?
Effjohott! Was war nochmal der Unterschied zwischen Demokratie und Monarchie? Ja, genau, in der einen wird gewählt und in der anderen nicht. Und in welcher wird nicht gewählt? Nein, falsch, es war die andere. Doch, doch. Nein, da hat Udo Walz sie angeschwindelt. Die Queen ist NICHT von den Engländern gewählt worden.

[tags] Effjott Wagner, Gehirnmissbrauch, grober Unfug, Ungeheuer![/tags]

Splitterbrötchen (XLIX)

Hinreißender „Alter Sack kann es noch“-Film: der neue Indiana Jones. Ärgerlich, mit welcher Kenntnislosigkeit einige Filmkritiker vor diesem mit Zitaten und kernigen One-Linern vollgestopften Action-Spaß versagt haben.

Erstaunlich, dass es weder CDU noch SPD klar zu sein scheint, dass es der Mehrheit der von Ihnen regierten Bürger ziemlich wurscht sein dürfte, wer an Silvester den Grüßaugust macht.

Apropos SPD: man kann immer etwas falsch machen. Die Menschen verzeihen einem das sogar. Man muss nur den Fehler eingestehen und es ab sofort anders, idealerweise besser machen. Was ist eigentlich so schwer, SPD? Das zu begreifen, das umzusetzen, oder gar beides?

Dieter Bohlen soll gesagt haben, dass er sogar ein Pfund Hackfleisch in die Charts bringen kann. Dass ist das überzeugendste Konzept für einen Eurovision-Song-Contest-Beitrag, das ich seit Jahren gehört habe.

[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Der Bratwurstritter

Von einer ganz, ganz großen Delikatesse ist die Rede: von der Bratwurst. Bevor ich jetzt zum Wahnsinnigen erklärt werde: mit Bratwurst meine ich natürlich nicht das, was in 99 Prozent alles Imbissbuden des deutschsprachigen Raums als „Bratwurst“ bezeichnet wird. Ein Verwendungszweck für diese fett-triefenden Holzkohlen-Brennstäbe, die dort verkauft werden, muss noch gefunden werden, denn Essen kann man derlei Zeugs sicherlich nicht, es sei denn, man erwägt die Eröffnung einer eigenen Sodbrennerei oder möchte seinen Gaumen mal wieder so richtig abhärten.
Insbesondere Berlin konnte ich bis vor wenigen Tagen nur als Bratwurst-Diaspora bezeichnen. Das, was in den Vitrinen selbst renommierter Berliner Fleischer lag und liegt, treibt jemandem, der mit den unvergleichlichen frischen, ungebrühten Bratwürsten Nordhessens großgeworden ist und seine erste solche auf einem traditionellen Schlachtekohl angemessen bekam, Tränen des Zorns und der Verzweiflung in die Augen. Doch damit ist jetzt Schluss.
Ein Ritter in schimmernder Rüstung hat die Berliner Wurst-Dämonen besiegt und bietet jetzt Berlins beste Bratwurst an, und zwar so, wie es sich für eine richtige Bratwurst gehört: frisch, grob und ungebrüht. Der Mann hinter der Wurst ist natürlich niemand anderes als der hier in der Netzecke schon mehrfach mit Ehrfurcht erwähnte Fleischer Marcus Benser, der Neuköllner Protein-Papst, den viele wegen seiner mehrfach preisgekrönten Hausspezialität auch als Blutwurstritter kennen. Nun, ab sofort ist er auch noch der Bratwurstritter, denn das, was da als „frische, ungebrühte Bratwurst“ bei ihm über den Tresen geht, ist schlicht und einfach eine der größten Delikatessen, die man für kleiens Geld in Berlin zu kaufen bekommt.
Mir schmeckt die ritterliche Bratleiste zur Zeit mit einer Art burgenländischem Kohlrabigemüse am besten, das ich mit dem Bratensatz der Bratwurst auf Höchstleistung tune.

Pro Nase 2 grobe, ungebrühte Bratwürste, 2 kleine oder 1 großen Kohlrabi, geschält und gewürfelt, 1 kleine Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, Tomatenmark, Paprikapulver (scharf und/oder edelsüß, nach Gusto), 1 Tomate, etwas Weißwein, 1 Esslöffel saure Sahne.
Die Bratwürste einstechen, eine Eisenpfanne auf mittlere Hitze bringen und die Bratwürste einlegen. Langsam (!) gar braten, dabei gelegentlich wenden. In einer zweiten Pfanne kleingehackte Zwiebeln und Knoblauch in etwas Butter angehen lassen, Kohlrabiwürfel dazugeben, großzügig Paprikapulver und etwa 1 Esslöffel Tomatenmark zugeben, kurz durchdünsten und mit wenig Weißwein oder Brühe ablöschen, entkernte kleingeschnittene Tomate zugeben, auf kleiner Hitze garziehen lassen. Wenn die Bratwürste fertig sind (15-20 Minuten), dieselben aus der Pfanne nehmen, das ausgetretene Fett wegschütten, den Bratensaft mit ganz wenig Wasser ablöschen und unter das Kohlrabigemüse rühren. Saure Sahne auf den Tisch stellen, davon ein Löffelchen unter das Gemüse rühren und reinhauen.

Bratwurst mit Kohlrabi

Mahlzeit!

[tags]Bratwurst, frisch, Benser, Kochen[/tags]

Da war doch was …

Zum

bedeutsamsten Sportereignis, das jemals auf Schweizer Boden durchgeführt wurde

erklärt SPIEGEL ONLINE die anstehende Fußball-Europameisterschaft.
Nun ja. Nichts gegen das anstehende Turnier, aber… ähm… muss ich denn wirklich die Fußballrechercheure, die das übermächtige Spiegelarchiv hinter sich wissen, daran erinnern, dass die wunderträchtige Stadt Bern in der Schweiz liegt? Nur mal so bedeutungshalber?

[tags]EM, Fussball, Schweiz, Mythos[/tags]

Splitterbrötchen (XLVIII)

In der BILD fantastischen Beruf entdeckt: „Opferjurist“.

Die Preise der Bahn im Bordbistro verwundern mich schon lange nicht mehr. 5,40 für Currywurst mit Brötchen, 6,60 für ein Schinken-Käse-Baguette und 225 ml Chili con Carne zum Dumpingpreis von 6,90 Euro, alles immerhin inkl. Getränk, okay, kennt man. Aber die Chuzpe, mit der die Mitropa-Marketing-Nutten das Wort „Spar-Tipp“ neben diese Angebote geschrieben haben, nötigt sogar mir Bewunderung ab.

Apropos Marketing-Nutten: Firma Pfennig bietet jetzt im Kühlregal einen „Berliner Currywurst-Salat“ an. Soso. Wat woll’nse mir verkoofen? Kalte Wurst? Kalte Wurst kann ick mir ooch alleene kochen.

Ich habe keinen Bauch. Was sich in meiner Körpermitte wölbt, sind liebevoll gehegte Erinnerungen an die herausragenden Leistungen großer Köchinnen und Köche, sowie wertvolle Ablagerungen internationaler Spitzenweine.


[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Saumon soufflé

Das ist ziemlich genau dreißig Jahre her: Ich guckte staunend auf den Teller, der gerade vor mich hingestellt worden war. So sieht also ein weltberühmtes Gericht aus. Nu ja. Einfach ein Stück Fisch mit ‘ner weißen Haube und ein Blätterteig-Fleuron. Reichlich Sauce drumrum, immerhin. „Also, von der Deko her hat er sich ja nicht gerade den Arm ausgekugelt“, dachte ich noch, schnitt mir ein Stück Fisch ab, schob mir den Bissen in den Mund und kaute.
Eine Welt brach zu sammen, neue Welten errichteten sich auf den Trümmern der alten. Wahnsinn. Es war „Saumon soufflé“, eins der Star-Gerichte Paul Haeberlins, das ich da zunächst mißtrauisch beäugt hatte, dann aber mit wachsender Andacht Bissen um Bissen genußvoll vertilgte. Das war in der Tat der Küchenhimmel auf Erden. Der Lachs von absolut perfekter Konsistenz, gerade eben durch und wunderbar saftig, das soufflierte Hechtfleisch oben schön aufgegangen, aber noch so cremig, dass es sich aufs vorteilhafteste an den Gaumen schmiegte. Und diese Sauce… dieser Traum von einer Sauce, in der sich die milde Säure des elsässischen Rieslings mit der Süße der Sahne und dem leichten Nuss-Aroma der Butter vermählte… ein Traum. Ein Traum!
Das war das erste Mal, dass ich bei einem Drei-Sterne-Koch essen durfte. Das erste Mal vergißt man nie, und „Saumon soufflé“ erst recht nicht. Am Wochenende ist Paul Haeberlin, dem die Welt dieses Gericht und noch viel mehr verdankt, gestorben. Schade.

[tags]Haeberlin, Auberge de l’Ill, Saumon soufflé[/tags]

Splitterbrötchen (XLVII)

Früher war die Welt einfach: Wenn ein Mensch zu einem Mülleimer ging, wollte er etwas wegwerfen. Jetzt ist die Welt komplizierter geworden: immer mehr Menschen nähern sich Mülleimern, um etwas herauszuholen. Es ist eine Schande.

Blick in die Kristallkugel: Wenn Gattuso in der nächsten Saison tatsächlich für die Bayern spielt, wird er in der ersten Saisonhälfte mindestens dreimal vom Platz fliegen. Der Firlefranz wird bei Premiere „Jo mei, der Gennaro…“ sagen, Wurst-Uli wird der Konkurrenz die Schuld geben („Das ist nachgerade perfide, wie die Stürmer sich zwischen Gattuso und den Ball werfen. Der kann ja gar nicht anders, als sie zu treten!“), und der Findensienichtauch-Kalle wird die Situation in seiner weltmännischen Art auf den Punkt bringen: „Die deutschen Schiedsrichter müssen sich erst noch an Gattusos Spielweise gewöhnen.“

Manchmal glaubt man, dass die Welt einem gehört. Dass das ein Irrtum ist, merkt man, wenn sie einem wieder weggenommen wird.

Die Sendung „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ ist ein richtiges Karriere-Sprungbrett. Ist es nicht toll, wie die Kandidaten der letzten Staffel immer noch die Schlagzeilen beherrschen?

[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]