Splitterbrötchen (DCXCIV)

Nicht die Hitze ist das Problem sondern die Erhitzten.

Das Mindener Tageblatt, eine der besten Lokalzeitungen des Landes, ist 100 geworden. Gefeiert wurde mit einer Gratis-E-Paper-Ausgabe.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: eine deftige, trotzdem sehr delikate Flecksuppe in der Dammschenke in Jonsdorf. Jonsdorf ist überhaupt ein sehr empfehlenswerter Ort. Brachiale Faller-Häuschen-Idylle, angenehme Ausflugsgastronomie, preiswerte, komfortable Unterkunft und… die Waldbühne.

Wir amüsierten uns dort bei „Vier Fäuste für ein Halleluja“ 2 Stunden lang wie Bolle. Das war richtig gut gemachtes, sehr gut gespieltes Freilicht-Theater. Und es war alles da: das Ohrfeigen-Colt-Duell, das furzende Baby (elektrisch verstärkt!), die Restaurant-Szene, die Massenschlägerei in der Mission… wie gesagt, ein großer Spaß.

Die Hölle stelle ich mir mittlerweile wie eine Kommentarspalte im Internet vor.

Ärgernis der Woche: Dass der Tagesspiegel einem Knalldepp von Maler, der mit seiner AfD-Nähe hausieren geht und sich darüber beschwert, dass er deswegen bei einigen Ausstellungen ausgeladen wurde, eine ganze Seite widmete. Wer sich freiwillig zu Leute wie Höcke, Weidel, Gauland und von Storch gesellt, der soll sich auch seine Kundschaft unter Leuten suchen, für die Anstand ein Fremdwort ist.

Und, äh… Frau Baerbock? Was genau habe ich mir unter einem „Klimasommer“ vorzustellen?

Splitterbrötchen (DCXCIII)

„Das Soziale mit dem Nationalen versöhnen“ wollen zwei CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt. Diese doch recht eindeutige Wortwahl lässt nur zwei Schlüsse zu: Entweder die beiden haben komplett den Geschichtsunterricht geschwänzt und in den letzten vierzig Jahren vergessen, den Fernseher anzuschalten, oder sie versuchen gerade mit erstaunlicher Chuzpe, sich an die Spitze einer extrem unappetitlichen Sammlungsbewegung zu setzen.

Hat der Flachpfirsich nun das Zeug zur Symbolfrucht oder nicht?

Das Zielen könnte zum Problem werden. Eine Kosten-Nutzen-Analyse, die die eventuelle zusätzliche Reinigungskosten gegen die zu erwartende Stromersparnis aufrechnet, dürfte sinnvoll sein.

Hab ich was überhört, oder haben Rainer Wendt und Co. bisher keine Gesetzesverschärfungen und erweiterte Befugnisse für Polizei und Staatsschutz gefordert? Machen sie doch sonst immer nach Terroranschlägen. Ich geh dann davon aus, dass mit der Gesetzeslage alles okay ist.

Auch wer mit Rudern nix am Hut hat: „Das Wunder von Berlin“ (der Originaltitel „The Boys in the Boat“ ist um Klassen besser) ist ein grandioses, lehrreiches Lesevergnügen, das den Weg des amerikanischen Achter zur Goldmedaille 1936 beschreibt.

Ich präsentiere ein neues Bild aus meiner beliebten Serie „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge und Sehenswürdigkeiten“,

Diesmal: Aperol Spritz.

Unfotografiert blieb der kulinarische Wochenhöhepunkt: ein selbstgeklöppelter Österreich-Dreigang für besonders formidable Gäste, Claudia und Louie von der Mainlust. Hauptgang (Kellerfleisch) und Dessert (Somloer Nockerln) hab ich aus dem Repertoire gekocht, die Vorspeise war eine Premiere, ein Gericht mit der österreichischst möglichen Bezeichnung überhaupt: Blunznstrudelpackerln mit einbrennten Fisolen nach Susi Liedl. Sensationell gut.

Der Tweet der Woche:

Fragen, mit denen man Aufmerksamkeit erregt: „Kann ich zu der Weinprobe auch ein Bier bekommen?“

Vor zehn Tagen, beim „Let’s Dance“-Finale, hab ich mich plötzlich gefragt, ob Jorge Gonzalez auch in Gebärdensprache so spricht, wie er spricht.

Splitterbrötchen (DCXCII)

Bei Edeka in der Hedwigstraße gesichtet: einen Automaten, der … (gedämpfter Trommelwirbel) ,,, Tücher zum Desinfizieren von Einkaufswagengriffen ausgibt. Wir werden alle sterben! Alle!

Im Tagesspiegel fand ich einen Artikel, in dem Philipp-Amthor-Kritiker dafür kritisiert werden, dass sie sein Äußeres kritisieren. Weil Philipp Amthor dafür ja nichts kann. Hmmmm. Wenn Philipp Amthor für sein Äußeres nichts kann, muss ihn also heimlich jemand zum „verklemmten Klassenprimus aus den Paukerfilmen“ gestylet haben.

Vor über vierzig Jahren habe ich zum ersten Mal „Cisco Pike“ gesehen1, und war – das ging damals nicht anders – von Stund an Kristofferson-Fan, besaß in den Vor-Streaming-Zeiten alles Vinyl und alle CDs komplett. Am letzten Pfingstmontag habe ich ihn zum ersten Mal live gesehen. Die lange Wartezeit hat sich durchaus gelohnt.

Erschütternde Neuigkeiten, kommuniziert über Nachbarschaftsnetzwerk „nebenan.de“. Friedenau und das Malerviertel werden nie wieder so sein, wie sie mal waren.

Wer am Mittwochabend um 20 Uhr 15 nicht „Die Auferstehung“ gesehen hat, hole das bitte, bitte in der Mediathek nach. Der Film seziert einen unangenehmen Menschentyp so gnadenlos und gemein, dass einen ach ein paar Minuten das unfilmisch Theaterhafte nicht mehr stört. Und grandios gespielt ist das. Ganz wunderbar: Leslie Malton. Knaup- Und Król! Król! Aber niemand hat eine Chance gegen Mathieu Carriére: der tritt auf, spielt sie alle an die Wand und geht ab. Mission accomplished.

Auf meine Desinfektionstuch-Automaten-Sichtung bekam ich einiges Feedback, für die verschmutzte Einkaufswagen-Griffe ein wiederkehrendes Problem2 sind. Offenbar bin ich gesegnet: Als Frische-Fanatiker gehe ich seit ca. 40 Jahren beinahe täglich in stinknormale Supermärkte und Discounter einkaufen, ich kann mich an keinen einzigen Einkaufswagen erinnern, der unangenehm verschmutzt gewesen  wäre.

Beim Kristofferson-Konzert im Admiralspalast bin ich übrigens hinter sein Erfolgsgeheimnis gekommen: Sparsamkeit. Offenbar um die Gage für den Basser zu sparen, hat er die notwendigen Noten auf den dicken Saiten seiner J-45 selbst gespielt.

Und im Herbst werde ich wohl mal wieder ins Kino gehen…

 

 

  1. in einer Spätvorstellung in einem der Schwabinger Leopold-Kinos, glaube ich
  2. Sogar vo Fischbrötchen-Resten war die Rede!

Splitterbrötchen (DCXCI)

Ist es erstaunlich, dass „subjektiv“ und „ichbezogen“ immer wieder verwechselt werden?

Als Bildungsbürger greife ich beim Pilz-Einkauf ausschließlich zum Kulturchampignon.

Irgendjemand wollte diese Woche mal wieder (kommt alle 2 Jahre auf die Tagesordnung) die „Spanische Allee“ umbenennen, weil „spanisch“ zwar irgendwie unverfänglich ist, aber sich ja doch irgendwer erinnern könnte, dass die Benamung der Straße auf die Legion Condor zurückgeht. Um der politischen Korrektheit für die nächsten zehn Jahre genüge zu tun, schlage ich hiermit als neuen Namen „Allee des demokratischen Spaniens aber ohne den Schlingel Juan Carlos wegen #metoo“ vor.

Die Frauenfußball-WM läuft und viele Menschen beklagen das geringe Interesse, die (zu) wenigen Zuschauer usw. Natürlich ist klar, wer die Schuldigen sind, oder? Nein, im Gegenteil. Meistens sind’s Frauen, die nicht hingucken. Die größte Zuschauergruppe beim Frauenfußball sind alte, weiße Männer.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Short Rib vom Rind mit Spargel im „Foreign Affairs“ am Werderschen Markt.

In dem Zusammenhang interessant: Ich werde recht häufig darauf angesprochen bzw. angepostet, dass ich „dauernd“ Essens-Foto poste, demzufolge ich ja „nur noch“ ans Essen denken würde und dass das alles sehr „auffällig“ sei. Nun, ich poste praktisch alle Fotos meiner Mahlzeiten über meinen Instagram-Account. Wie man auf den ersten Blick sehen kann, poste ich keinesfalls „nur“ Food-Fotos, und ein bis zwei Essensbilder pro Woche ist nach meinen Maßstäben auch nicht „andauernd“. Aber augenscheinlich gilt man bei einem Teil meines Online-Bekanntenkreises bereits ab zwei gelungenen Mahlzeiten pro Woche als prassender Verschwender.

Da ist ein Politiker mal grundehrlich und sagt, dass er Gesetze absichtlich kompliziert, damit sie schwer zu verstehen sind. Da nimmt eine Bloggerin den bekannten Ratschlag „Du musst dich neu erfinden“ wirklich Ernst und zieht das Ding konsequent durch. Und dann ist es auch wieder nicht recht.

Das ist eine Binsenweisheit: Rauchern fällt es leichter, mit dem Rauchen aufzuhören, wenn sie sich ein rauchfreies Leben als positives Ziel setzen. Solange man Rauchern ausschließlich den Verzicht predigt, werden sie munter weiter qualmen wollen, egal wie gefährlich das sein mag. Mit dem Klima wird es sich ähnlich verhalten, denke ich. Auf Länge bringt man Menschen nicht dazu, sich zu verändern, indem man ihnen Angst einjagt und Verzicht predigt.

Splitterbrötchen (DCXC)

Technologie-Event der Woche: die neueste Version von Peppermint OS (Linux) auf meinem Notebook installiert.

Peppermint OS ist höchst komfortabel und man braucht beinahe keine Ahnung von Linux zu haben, um damit arbeiten zu können. Mein Laptop wäre schon vor 4 Jahren auf den Müll geflogen, weil er für Windows viel zu langsam geworden war. Mit Linux läuft er immer noch sehr geschmeidig.

Politologen sind Politiker auf Crack.

Wenn alle sich zu Füßen liegen, um sich gegenseitig ihrer Bewunderung zu versichern, ist zwangsläufig der Überblick verloren gegangen.

Hurra! Der Rechtspopulismus ist so gut wie besiegt. Wir müssen nur die Gebühren erhöhen, dann kackt er ab, heidewitzka! Danke, lieber Rundfunkrat! Danke! Danke! Danke!

Die effektivste Methode zur Zementierung eines Stauts Quo ist eine Beschwerde über denselben.

Nach der Installation von Betriebssystem und Software (< halbe Stunde) habe ich mir natürlich noch einen meiner Persönlichkeit und Lebenserfahrung angemessenen Desktop-Hintergrund zugelegt.

Splitterbrötchen (DCXXXIX)

Korruption ist die Voraussetzung für Rechtspopulismus. Anders kriegt man den Quatsch ja nicht finanziert.

Wenn die Karriere reduziert wird auf die Vokabel „Ex-Herthaner“… kann‘s immerhin nicht mehr schlimmer werden.

Gesellschaftlicher Höhepunkt der Woche war ein Kurztrip nach Eschwege, um die Schwester und den ältesten Freund wiederzusehen. In der kalten Heimat gab es dann auch den unfotografierten kulinarischen Wochenhöhepunkt, frische, grobe Rostbratwurst auf die Hand im Brötchen mit Senf. Das reinste Manna. Den Runner-Up habe ich abgelichtet, perfektes Rumpsteak mit Zwiebeln und Kräuterbutter im „Goldenen Engel„.

 

Während einer Werbepause der freitäglichen „Let’s Dance“-Sendung pries ein Hersteller sein Fußboden-Sortiment an. Warum er das mehr als naheliegende „Lambinat“ ausgelassen hat, ist mir ein Rätsel.

Keine Flüssigkeit ist so banal, dass aus ihr nicht zum Modegetränk werden könnte.

Das Erlebnis der Woche: Ein achtjähriges Mädchen versucht energisch aber vergeblich , ihrer Mutter ihre Schultasche zu entwinden. „Ich will das selber tragen, Mama!“ – „Nein, das ist zu schwer für dich.“ Merken diese Helikopterpiloten wirklicht nicht, was sie da anrichten?

Popolismus ist für’n Oarsch.

Splitterbrötchen (DCXXXVIII)

Ich weiß nicht, warum immer gemeckert wird. Ich finde, dass der Videobeweis hervorragend funktioniert.

Hätte mir vor zwanzig Jahren jemand prophezeit, dass ich irgendwann einmal vor einer „Eiweißbrot-Mixkiste“ stehen, ich hätte ihn des Irrsinns beschuldigt.

Der Tweet der Woche:

Am Dienstag begeisterte BILD mit zwei Headlines: „Norweger-Prinzessin liebt Schamanen – er kann Atome verändern“ und der Instant Classic „Fürst-Ex zieht nach Penis-OP blank!“. Ich grübele immer noch darüber nach, wie der das mit den Atomen macht.

Auf dem zugewachsenen Schild steht tatsächlich „Kein Durchgang“ (am Schlachtensee).

Rechtspopulismus funktioniert ohne Korruption und Menschenverachtung nicht. Von daher war das Ibiza-Video eher nicht überraschend.

Hoffentlich werde ich Franck, Arjen, Rafinha und Boa noch mal im Pokalfinale spielen sehen. Ich schätze diese vier Spieler sehr  Es fällt mir gerade ein bisschen schwer, mich auf die neue Mannschaft der nächsten Saison zu freuen.

Splitterbrötchen (DCXXXVII)

Warum die Herzogin und der Herzog von Sussex ihren Erstgeborenen nach einem Posträuber benennen, der im deutschen Fernsehen von Horst-Michael Neutze gespielt wurde, entgeht mir komplett.

Ein Motiv, das ich nicht fotografierte: Eine junge Dame, die mir in der Beckerstraße entgegenkam und ihre Haare zu einem zylinderförmigen Dutt hochgebunden hatte. Sie sah aus wie eine Tipp-Kick-Figur.

Der Werbeclaim „Dünnes Haar im Alter? So hilft Basilikum ohne Nebenwirkungen.“ wirft Fragen auf, nämlich: Wo bekomme ich Basilikum MIT Nebenwirkungen? Und welche sind das? Machen die eventuell Spaß?

Lesefehler der Woche: „Bohnerwachssteuer“ statt „Bodenwertzusatzsteuer“. Irgendwie verständlich.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Köstliches Gulasch mit Nudeln, zubereitet von Kitty in der indisoft-Kantine.

Und warum bekomme ich dauernd Kontext-Werbung für Ukulele-Ständer zu sehen? Warum? Was habe ich falsch gemacht?

Herausragende Idee: Eine Fortsetzung von „Kramer gegen Kramer“, in der der kleine Sohn – der mittlerweile erwachsen geworden ist und natürlich von Ben Stiller gespielt wird – seine Eltern verklagt. Titel: „Kramer gegen Kramer und Kramer“! Läuft.

 

Splitterbrötchen (DCXXXVI)

Natürlich ist das brandgefährlich, wenn der Vorsitzende der Jungsozialisten mal laut über sozialistische Ideen nachdenkt. Damit ist die SPD nicht mehr wählbar, meint der Betriebsratsvorsitzende von BMW. Schon klar. Logisch. Wehret den Anfängen! Ich versuche mich nur gerade zu erinnern, wann das letzte Mal eine Idee der Jungsozialisten von einer an der Regierung beteiligten SPD übernommen und umgesetzt wurde… Und welche das war… ich hab’s gleich…

Vor 30 Jahren hatte „Rotes Koma“ Premiere, ein Musical, für das ich das Libretto geschrieben habe. Das Stück begann in einem Off-Theater, in dem der Theaterleiter die Applausordnung durchpeitschen wollte, obwohl niemand mehr im Zuschauerraum saß. Dabei offenbarte ihm sein Inspizient, dass er an einer theaterwissenschaftlichen Magisterarbeit mit dem Titel „Theater unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ arbeite. Ja, war ganz komisch. Damals. Diese Woche nun las ich im Tagesspiegel ein Interview mit Regie-Gigant Ersan Mondtag, der sich darüber beschwert, dass seine zum Theatertreffen eingeladene Inszenierung nach wenigen Vorstellungen wg. Zuschauermangel abgesetzt worden ist: „Zu vielen Stücken anderer Regisseure kommen auch keine Zuschauer, die bleiben richtigerweise trotzdem im Repertoire. Wo kommen wir hin, wenn wir Inszenierungen absetzen, weil die Zuschauerzahlen niedrig sind?“
Kannste dir nicht ausdenken, sowas. Doch, man konnte es sich ja ausdenken. Aber dass es mal wahr wird…

Der Tweet der Woche.

Es haben ja heutzutage alle Ahnung. Und genau das ist das Problem.

5 Tage lang waren wir an der Ostsee, gewohnt haben wir in Świnoujście. Da hat es uns sehr gefallen.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Frisch gebratener Hering. Wunderbar, eine ganz große Delikatesse. Würde ich ja öfters selber machen, wenn die Küche nach dem Braten nicht dermaßen nach Hafenlokal riechen würde, trotz auf Volllast laufendem Dunstabzug.

Kultureller Wochenhöhepunkt war eine montägliche „Inspektor Barnaby“-Folge auf ZDFneo, in der ein überambitionierter Regisseur versuchte, mit einem angetrunkenen Kameramann Hitchcock-Einstellungen nachzustellen. Groß!

Nochmal zum Genossen Kühnert, Die Genossen Brandt und Schmidt wären zutiefst dankbar, wenn sie sich damals nur mit einem wie Kühnert hätten rumschlagen müssen. Die hatten mit dem Genossen Johano Strasser zu tun, das war ein ganz anderes Kaliber. Stamokap, rememberdeng?

Splitterbrötchen (DCXXXV)

Früher kamen ja süddeutsche Bürgermeister, die versuchten, anderen Menschen ihr kleinbürgerliches Weltbild aufzuoktroyieren, nur als Witzfiguren in Volkstheater-Stücken vor.

Ideenreiche Hamburger: Ziehen sich ihr Bierchen durch die Nase rein, als wär’S ’ne Linie Koks.

Der Tagesspiegel veröffentlichte diese Woche eine sehr lesenswerte Reportage über einen angeblich renitenten Mieter, der sich weigert, seine Wohnung zu verlassen. Derart kriminelles, von öffentlichen Stellen geduldetes Vorgehen von Vermietern gegen ihnen lästige Mieter hat in Berlin leider eine sehr ungute Tradition. Ich habe in meinen drei ersten Berlin-Jahren in der Skalitzer Str. 32 gewohnt, genau gegenüber einem einzeln in einer großen Brache stehenden Mietshaus. Dort weigerten sich die Mieter ebenfalls, auszuziehen, und der Vermieter schreckte vor nichts zurück, um sie zu vertreiben. Der Höhepunkt war erreicht, als ich eines Morgens durch Lärm und eine eigentümliche Knallerei aufwachte, die sich nach Schüssen anhörte. Es waren Schüsse. Auf der abgesperrten Straße standen mehrere Fahrzeuge des amerikanischen Militärs, ein Trupp Soldaten sprang gerade von einem Mannschaftswagen und enterte mit gezückten Waffen das alleinstehende Mietshaus. Der Vermieter hatte das Haus den Amerikanern zur Verfügung gestellt, damit die dort Häuserkampf trainieren konnten. Dass noch Menschen in dem Haus wohnte hatte er „vergessen“, den Militärs mitzuteilen.

Am Dienstagabend sagte ich beim Abendessen spontan etwas, was vermutlich gleichzeitig schlau und lustig war, denn die beste, geduldigste Gemahlin von allen sagte sofort: „Merk dir das für die Splitterbrötchen!“ Natürlich hatte ich es Im Bruchteil einer Sekunde vergessen.

Ich seh es kommen: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis jemand Seminare für „digitale Manschlichkeit“ anbietet. Ach nee, gibt’s ja schon.

Meine Rede seit bald 60 Jahren: Man braucht genug Grundplatten, wenn man beim Lego den dicken Larry machen will.

Wer die eigene Ignoranz wie ein Banner vor sich her trägt, glaubt auch, dass der Satz „Ich kann dich gut verstehen…“ grundsätzlich Zustimmung signalisiert.

Ich möchte das Ableben von Schauspiel-Gigant Ken Kercheval zum Anlass nehmen, an die letzte (Doppel-)Folge von „Dallas“ zu erinnern, m. E. dem unterschätztesten Serienschluss aller Zeiten. J.R. steht vor den Trümmern von Ewing Oil und denkt, dass alles sinnlos war, was er in seinem Leben angestellt hat. Da erscheint ihm der Leibhaftige (von Joel Grey gespielt, von wem sonst?) und führt ihm in einer grandiosen Anti-These zu Capras widerlicher Schmalzorgie „It’s a Wonderful Life“ vor, wie die Welt ohne J.R. Ewing ausgesehen hätte: Sue Ellen glücklich, Bobby on Top of the World usw. J.R. ist nicht überzeugt. Aber dann muss er sehen, dass Cliff Barnes, diese unerträgliche Natter, die ständig chinesisches Essen aus Pappkartons in sich hineinstopfte, anstatt im „Club der Ölbarone“ stilvoll zu speisen, es ohne seine Intrigen bis zum Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten gebracht hätte. Und dann wird J.R. Zeuge, wie Barnes den Anruf bekommt, dass der Präsident den Löffel abgegeben hat und der Präsident der USA ab sofort Cliff Barnes heißen wird. Und J.R. erkennt, dass all seine Niedertracht letztlich einem höheren Ziel gedient hat: Leute wie Barnes zu verhindern. Groß. Einfach nur groß.

Warum gibt es eigentlich in Lokalen keine „Hippie Hour“, in der gealterten Anhängern einer drogennahen Alternativkultur attraktive Preisnachlässe gewährt werden?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Gegrillter Spießbraten mit ganz fantastischer Kruste im „Franziskaner“ in Hamburg.

Älter werden ist ein ständiger Spagat zwischen permanentem Dejá vu und dem anderen… dem genauen Gegenteil… ich hab’s gleich…