Splitterbrötchen (DCIV)

Weltanschaulich bin ich meilenweit vom Innenminister entfernt, aber der Romantiker in mir möchte ihn bewundern: Welch meisterhafte, elegant gesponnene Rankünen! Da kann sich jeder Shakespeare-Schurke eine dicke Scheibe abschneiden. Und Darth Vader wirkt gegen den Innenminister geradezu grobmotorisch. Arise, Lord Seehofer! 

Was ich sehr schade finde: Dass man bei „Deutschland spricht“ zwar einen Gesprächspartner für mich gefunden hatte, der aber nicht mit mir diskutieren mochte.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Das Nachschmecken beim Schreiben des Dankbarkeits-Postings.

Es hat lange gedauert, aber endlich scheint der Facebook-Algorithmus zu wissen, wer ich bin. Zumindest kennt er mittlerweile offenbar eins meiner Lieblingsbücher. Er hat mich gerade aufgefordert, die Seite des „BSV 1892 – die Störche“ zu liken. 

Offenbar wird allgemein erwartet, dass der Innenminister bei den anstehenden Neuverhandlungen zu Maaßen über seinen Schatten springt. Selbstverständlich wird der Innenminister nichts dergleichen tun. Er wird – geschmeidig wie immer – irgendeinen Schatten unter Merkel und Nahles durchziehen und sich anschließend bei den beiden bedanken, dass sie gesprungen sind.

In der Diskussion über das diese Woche abgesagte Mauer-Projekt „Dau“ hörte man immer wieder: „Wir hatten 30 Jahre lang eine Mauer in Berlin, wir wissen, wie es ist.“ Die nach 1985 geborenen wissen eben nicht, wie das ist. Und die immer größere Zahl von Menschen, die eine „Schließung der Grenzen“ fordern, wissen das offenbar auch nicht. 

Was ich einfach nicht kapiere: Warum wollte Philipp Amthor so werden, wie er ist?

Wer sich mit den Themenkomplexen Gewicht, Diät und Gesundheit auseinandersetzt, sollte diesen hervoragenden Artikel unbedingt lesen. In diesem Zusammenhang: Das Ärgerliche bei Arztgesprächen zum Thema Körpergewicht ist, dass man als Lügner behandelt wird. „Sie müssen sich mehr bewegen.“ – „Aber ich gehe dreimal die Woche ins Fitness-Studio und gehe täglich mindestens 5 km zu Fuß.“ – „Dann stellen Sie mal die Ernährung um. Hören Sie mit den Süßigkeiten auf…“ – „Ess ich nicht., Schmeckt mir nicht.“ – „Dann lassen Sie eben das fette Zeugs sein.“ – „Ess ich auch nicht…“ Und dann kommt dieser Blick, der überdeutlich sagt: „Ich glaub dir kein Wort.“

Die Dankbarkeit ist etwas wunderbares

Seit bald zwanzig Jahren ist das „Gasthaus zur Dankbarkeit“ in Podersdorf mein Lieblings-Restaurant. Wunderbare Atmosphäre, eine der besten Küchen und die beste Weinkarte des Burgenlandes – mehr braucht ein bescheidener Mensch wie ich nicht zum Glücklichsein. Auch dieses Jahr sind wir wieder in der Dankbarkeit eingekehrt. 

„Fischvariationen an Gurkengelee“ – was man in der „Dankbarkeit“ bestellt, bekommt man auch. Die variierten Fische waren Räucherlachs, eine stückige Fisch-Terrine (Zander, nehme ich an) und eine leicht rauchzarte Mousse, vermutlich Forelle. Der Hammer waren die hocharomatischen Gurkengelee-Würfel. Die werd ich demnächst versuchen, nachzuklöppeln. Vielleicht krieg ich sie halb so gut wie in der „Dankbarkeit“ hin…

Ebenfalls eine geniale Menüeinleitung: Dreierlei vom Pfifferling mit gebratenem Reh. Pfifferlingspastete, Pfiferlingsterrine und gebratene Pfifferlinge, mit wunderbar zartem Rehfilet und einem Klacks dunkler Aromabomben-Sauce… das versuch ich gar nicht erst nachzumachen. Krieg ich niemals hin.

Einer der Gründe, warum ich die „Dankbarkeit“ so liebe: Hier gibt’s keine Berührungsängste zur rustikalen Deftigkeit. Geselchtes Hauswürstel, gebratene Blunzen, Paradeiserkraut und leicht gebratene Kartoffeln… für sowas lass ich jeden Loup de Schmus an Sauce Poupolcourouse stehen.

DAS ist ein archetypisches Dankbarkeits-Gericht. Perfekt rosa gebratene Beiried-Schnitte („flaches Roastbeef“ muss man deutschen Fleischern sagen, wenn man Beiried will), Kartoffelküchlein, Paprika-Gemüse. Man hört den Küchenchef förmlich „Keine Umstände!“ rufen, und trotz der Einfachheit ist das ein höchst delikates Gericht. Produkte von bester Qualität brauchen keinen Handstandüberschlag beim Kochen.

Sie machen sensationelle Desserts in der Dankbarkeit, u.a. vermutlich die besten Somloer Nockerln im ganzen Burgenland… Aber ich kann nicht aus meiner Haut. Wer im Schatten des Hohen Meißner mit der Ahlen Worscht in der geballten Kinderfaust aufgewachsen ist, hat ein reserviertes Verhältnis zu Süßspeisen. Deshalb ist mein Standard-Dessert in der Dankbarkeit etwas Blauschimmelkäse mit einem süß-scharfen Fruchtdingenskirchen und einer von der Geschäftsleitung ausgesuchten Beerenauslese. Trotz oder gerade wegen der Einfachheit: reines Manna! 

Splitterbrötchen (DCIII)

Weit weg ist das neue nah dran.

Immer, wenn jemand „Es war ja nicht alles schlecht, damals.“ sagt, war alles schlecht, damals.

Geheimdienstmitarbeiter sollten sich meiner Ansicht nach grundsätzlich nicht öffentlich äußern. Erstens wären sie dann ja nicht mehr geheim. Und zweitens müssen sie ja von Berufs wegen dauernd lügen und könnten gar nichts anderes als Fake News von sich geben. Sowas sorgt für Irritationen.

Niveauregulierung

Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Das Zusammenstellen der Fotos für die „Podersdorfer Mahlzeiten„. Es war ein wunderbarer Urlaub, nicht nur kulinarisch.

Wenn es um Rechtsextremisten geht, knirscht’s im Gebälk der polizeilichen Infrastruktur: Zuwenig Manpower, von der Situation überfordert… da müssen sogar Fußballspiele abgesagt werden. Wenn ein Energie-Konzern ein Stückchen Wald benötigt, ist die Bereitstellung von 30 Hundertschaften, die 150 Hippies von den Bäumen holen, kein Problem1. 

Heimat ist wo mein Herd steht.

Nah dran ist das neue weit weg.

 

  1. Zur Erinnerung: In Chemnitz kamen auf 5000 Rechtsextremisten 600 Polizisten.

Podersdorfer Mahlzeiten 2018

Wir haben dieses Jahr in Podersdorf wieder sehr, sehr gut gegessen. Wir eröffneten – wie jedes Jahr – mit einem Speckbrot beim Heurigen, in der Elisabethschenke.

Ein Speckbrot und ein Glas Welschriesling ist eine unschlagbare Kombination. Ich freue mich jetzt schon auf das erste Speckbrot vor Ort in 2019.

Natürlich will man dann noch etwas warmes Essen. Ein Cordon Bleu ist dann meist meine erste Wahl. Das Cordon Bleu im Dawerna war ganz ausgezeichnet. 

Auch in Jupps Bierstüberl machen sie ein ausgezeichnetes Cordon Bleu. Das ess ich aber erst beim zweiten Besuch. Beim ersten bestell ich immer die Brettljause: Schinken, Wurst, Grammeln und was sonst noch vom Mangalitza-Schwein so da ist.

Jupp hat eine eigene Zucht von Mangalitza-Schweinen, mit denen er seine Karte bestückt. Saftig und von intensivem Geschmack: Gegrillte Mangalitza-Leber mit süßsäuerlichen Apfelscheiben.

Was mir das Cordon Bleu ist der besten, geduldigsten Gemahlin von allen, das Beuscherl (Lungenhaschee). Dieses hier war vom Mangalitza-Schwein, serviert im Pannonia.

Ein anderes Podersdorfer „Must“ ist die gebratene Blunzen (Blutwurst). Die beste gibt’s im Heurigen vom Haider, serviert mit herrlich schlotzigem Erdäpfel-Vogerl-Salat.

Eins der besten Caterings der Fußballwelt kann man beim UFC Podersdorf genießen: Zu jedem Match gibt’s einen anderen Wein von einem Podersdorfer Winzer, und das Grundlagen-Highlight ist das Pizzastangerl: gefüllt mit Käse, Schinken und Mais wird es frisch aufgebacken und mit heißer, glitzernder Knoblauchbutter bestrichen. 

Ein anderes, regelmäßig genossenes Urlaubs-Highlight: mit Knoblauch gebratener Zander an zitrischem Risotto im Seehof Gisch.

Ebenfalls Risotto, aber mit Kürbis und Schweinsbackerl gab’s bei einem Ausflug nach Schloss Halbturn im Restaurant Knappenstöckerl.

Ein anderer Ausflug führte uns nach Oggau, ins „Herztröpferl“, das einen der angenehmsten Gastgärten des Burgenlandes hat. Wunderbare Vorspeise: Räucheraal mit zweierlei Pesto.

Regelmäßig kehren wir auch im Gasthof Kummer ein. Saftgulasch können sie da besonders gut. Für etwas weniger traditionalistisch eingestellte Esser…

…empfehlen sich die gebackenen Zanderstreifen auf Blattsalat.

Andere Location, Schafskäse statt Zander, aber auch gebacken auf Salat. Sehr gutes kleines Gericht im Restaurant des Seehotel Herlinde.

Da waren auch die schön intensiv mit Kreuzkümmel und Knoblauch gewürzten Kürbis-Puffer ganz ausgezeichnet.

Newcomer und Überraschung der Saison war der neue Küchenchef im Seewirt Karner. Die perfekt gebratene, federleichte Lachsforellen-Tranche auf Babyspinat war noch grundsolide…

..aber bei den Deftigkeiten ging der Mann in den Overdrive. Spanferkelstelze.

Im ganzen gebratene Forelle.

Die Mutter aller Schweinsbraten (natürlich vom Mangalitza).

Und – mein Highlight, ausgenommen natürlich die Gerichte aus der Dankbarkeit – ein Sous-Vide-gegartes Short Rib vom Rind.

Apropos Dankbarkeit: Die diesjährigen Gerichte vom Lentsch bekommen einen eigenen Post. Stay tuned.

Podersdorf 2018

Kaum will man ganz unschuldig einen Sonnenuntergang fotografieren, schlagen die Poser zu.

Gute Werbeslogans sind immer einfach und klar.

Auch die beste, geduldigste Gemahlin von allen hat wieder Fleißig fotografiert. Hier den Podersdorfer Leuchtturm.

Als ich gleiches versuchte, kam mir ein Schiff in die Quere.

Room with a View. Hier ist allerdings nur der View zu sehen, der Room befand sich zum Zeitpunkt der Aufnahme hinter der Kamera.

View aus dem Room auf der anderen Seite, morgens bei Sonnenaufgang. Room wieder nicht zu sehen.

Splitterbrötchen (DCII)

Diskutieren wir jetzt ernsthaft darüber, wann eine Hetzjagd eine Hetzjagd ist? 

Frau Wiechatzek, unter anderem Mitglied im Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg freute sich im Tagesspiegel, dass der Herr Juncker auf Grund einer Online-Befragung die Umstellung auf die Sommerzeit EU-weit abstellen will: „Das Votum der übergroßen Mehrheit der EU-Bürger findet Gehör.“
Ca. 400 Millionen EU-Bürger hätten an der Online-Befragung teilnehmen können. 4,6 Millionen haben es gemacht. Zwei Drittel davon waren übrigens Deutsche. Juncker folgt also nicht der übergroßen Mehrheit der EU-Bürger, sondern springt über ein Stöckchen, dass ein paar quengelnde Deutsche hochhalten.

In der Bundesliga wurde er getestet, jetzt wird er in der Politik eingeführt: der Videobeweis.

Nichts nimmt das deutsche Feuilleton nachhaltiger übel als den Erfolg.

In der FAZ lese ich, dass MP Kretschmer gar nicht meint, dass es keinen Mob gegeben habe, wenn er sagt, dass es keinen Mob gegeben hat. Wenn er sagt, dass es keinen Mob gegeben habe, meint er, dass es sehr wohl einen Mob gegeben hat, er will jedoch durch seine Wortwahl lediglich zur Beruhigung beitragen.

Was nicht jeder weiß: Wenn ein Brite genug hat, gibt er das gern durch die Redewendung „I paint the sails.“ zu verstehen. 

Chaotentum kriegen die Konservativen mittlerweile besser hin als die Linken.

Splitterbrötchen (DCI)

Seit Jahrzehnten ist die Infrastruktur dieses Landes im Sinne einer neoliberalen Ideologie gnadenlos runtergerockt worden. Und wir diskutieren, ob daran Migranten schuld sein könnten.

Ich warte täglich darauf, dass die AfD fordert, Hotelzimmer landesweit wieder in „Fremdenzimmer“ umzubenennen. 

Einfache und wirkungsvolle Waffen gegen den Faschismus sind Bildung und Kultur. Diejenigen, die die entsprechenden Etats wieder und wieder zusammengestrichen haben, dürfen sich über nichts wundern.

Was nicht jeder weiß: Josef Haydn hat nie ein Unplugged-Album veröffentlicht.

Besorgnis ist kein Grund, auf Anstand zu verzichten.

Für die Fans meiner Abenteuer mit der absurden Faccebook-Kontext-Werbung: Zur Zeit werde ich hartnäckig von einem Plastik-Bindegerät für stramme 900 Öcken verfolgt.

Wer wissen möchte, wie das ausgeht, wenn besorgte Bürger durch Heben des rechten Arms auf sich aufmerksam machen: Am Donnerstag läuft auf 3sat „Die Brücke„.

Worauf ich ebenfalls warte: Dass endlich jemand eine Tippfehler-Korrektur für Textverarbeitungen erfindet, die sich nicht von meinen Wurstfingern überlisten lässt.

Ganz dicke Lese-Empfehlung: „Die Hungrigen und die Satten“ von Timur Verres. Kreuzdummes Reality-Soap-Sternchen organisiert total versehentlich einen riesigen Flüchtlings-Treck. Saukomische Satire mit bitterbösem, ehrlichem Blick auf unsere Gesellschaft.

Die gleichen Menschen, die von Flüchtlingen verlangen, in ihr Heimatland zurückzukehren, um dort für die Freiheit zu kämpfen, erklären die Fußgängerzone ihrer eigenen Heimatstadt zur No-Go-Area, weil da Ausländer sein könnten. Finde den Fehler.

Heute sind es die Migranten. Früher waren es die Vertriebenen, die Studenten, die Gammler, die Gastarbeiter, die Terroristen, die Sympathisanten, die kommunistischen Lehrer, die Atomkraft-Gegner, die Pazifisten, die Türken, die Demonstranten, die Ossis… die Probleme sind mehr oder weniger immer die gleichen, es werden nur alle paar Jahre die Sündenböcke ausgewechselt.

Ursache und Wirkung

Vor gut 25 Jahren schrieb ich zwei Theaterstücke für das Kleist-Theater in Frankfurt/Oder. Während ich an den Stücken arbeitete, war ich oft dort und sah mir natürlich fast alle Stücke im Repertoire an. Wie damals viele Theater in den neuen Ländern spielte auch das Kleist-Theater viele Stücke vom Grips-Theater nach. Die kannte da noch keiner, das waren Super-Stücke, der Erfolg beim Publikum war praktisch vorprogrammiert. Auch am Kleist-Thetaer war der Saal immer bruchvoll, wenn was vom Grips gespielt wurde.

Nur bei „Ein Fest für Papadakis“ nicht, einem Stück, dass sich explizit gegen Ausländerfeindlichkeit richtet. Da war der Saal lotterleer. Ich fragte in der Dramaturgie nach, da sagte man mir, dass die Schulen „das einfach nicht buchen“ würden.

Ich sprach daraufhin ein paar der Lehrer an, die mit ihren Klassen zu den anderen Grips-Stücken ins Theater kamen, und fragte sie, warum sie „Papadakis“ nicht buchten. Die Antwort war immer gleich: „Ach, DAS Stück. Da müssten wir im Unterricht das mit den Ausländern thematisieren. Was meinen Sie, was wir dann von den Eltern zu hören bekommen…“

Die Kinder, die damals „Ein Fest für Papadakis“ nicht zu sehen bekamen, sind heute ca. 40 Jahre alt. Genauso alt wie die Nazis, die derzeit in Chemnitz randalieren.

Splitterbrötchen (DC)

Das ziellose Lesen in Nachschlagewerken ist nicht nur amüsant, sondern auch äußerst fruchtbar. Wie sonst wäre ich zum Beispiel auf einen Flugpionier namens „Wrong Way“ Corrigan und seine faszinierende Geschichte gestoßen?

Früher stand in der Zeitung unter solchen Bildern „Ohne Worte“.

Es kann doch nicht sein, dass es nirgends aufblasbare Haie in über 20 Meter Länge zu kaufen gibt! Man möchte sich als Jason-Statham-Fan doch auch am Strand zu seinem Idol bekennen!

Fa. Facebook offerierte mir diese Woche via Kontext-Werbung ein „Erdbeerpulver“. Als ich meinem Entsetzen Ausdruck verlieh, ruderte der Social-Media-Gigant prompt zurück und offerierte mir ein alimentäres Dörrgerät namens „Excalibur“.

Manchmal sagt man ja gern, dass man was schon immer gesagt hat. Ich zum Beispiel behaupte seit Jahren, dass Twitter-Diskurse mitsamt der ganzen Hashtaggerei in der gesellschaftlichen Wirklichkeit keine Rolle spielen. Diese Woche wurde ich bestätigt. 

Was zum Henker soll das eigentlich sein, ein alimentäres Dörrgerät?

vom Knoblauch kann man nie genug haben. Der längste Zopf lohnt sich

Am Wochenende legte Fa. Facebook in Sachen kontextsensitive Werbung nach. Seit Freitag werden mir hartnäckig verbilligte Tickets für einen Säuglingsmedizin-Kongress in Bukarest angeboten. Weiß der Geier, warum.

Und dann ist Dieter Thomas Heck gestorben. In erstaunlich großen Teilen meiner Timeline wurde bei Bekanntwerden der Todesnachricht der Mann und sein Wirken verklärt. Versteh ich nicht. Der Mann war laut, nassforsch bis weit über die Brachialitätsgrenze hinaus, stand für Musik, die ich nicht mag, und agierte unangenehm pathetisch und humorfrei. 1995 wurde er im Spiegel sehr treffend porträtiert.

Der SPD ist nicht mehr zu helfen. Fast 50 Milliarden Haushaltsüberschuss, und der sozialdemokratische Finanzminister denkt über Steuererhöhungen nach.

Splitterbrötchen (DXCIX)

In meiner einige Jahre zurückliegenden Schulzeit waren die damals gerade aufkommenden Taschenrechner im Unterreicht selbst-ver-ständ-lich strengstens verboten. Die Begründungen dafür – Schüler verlernen das Kopfrechnen und erlernen nicht mehr den immens wichtigen Umgang mit dem Rechenschieber – klingen ähnlich überzeugend wie die, mit denen heute Smartphones aus den Schulen verbannt werden sollen.

Viel Holz.

Neuer Trend aus China. Menschen bilden Flashmobs, um Störche zu imitieren: Stolking.

Menschen, die sich über Hashtags aufregen, sind genauso doof wie Menschen, die glauben, mit Hashtags etwas verändern zu können.

Den zündenden Wortwitz der Woche lieferte Peter Glaser: „In Österreich kann man ‚Die Debatten‘ auch auf der ersten Silbe betonen, wodurch die Teilnehmer an denselben allerdings in Misskredit geraten.“

Wo Fischbesteck aufgedeckt wird, ist das Essen fast immer gut. 

Trash-Freunde, aufgepasst! Sat1 holt „Fort Boyard“ aus der Versenkung. So langsam sollte man bei RTL anfangen, nach der Telefonnummer von Horst Brack, dem Bestrafer, zu suchen. Ich war, bin und bleibe Bracks größter Fan.

Bei der Diskussion über die Wiedereinführung der Wehrpflicht bzw. die Einrichtung eines verpflichtenden Gemeinschaftsdienstes stößt mir das Argument „Junge Menschen könnten während eines solchen Jahrs dem Staat etwas zurückgeben“ besonders sauer auf. Was hätten denn junge Menschen dem Staat zurückzugeben, um Himmelswillen?

Dem Staat tatsächlich etwas zurückgeben sollte NRW-Innenminister Reul, nämlich sein Amt. Wer die Grundprinzipien des Rechtsstaats nicht verstanden hat, sollte nicht Innenminister sein.

Nochmal Rechenschieber: Ich war in der Schule zu doof, um zu kapieren, wie so ein Ding funktioniert bzw. unser Mathe-Lehrer konnte nicht gut erklären. Um mir Ärger zu ersparen, hab ich die Aufgaben im Kopf ausgerechnet. Mit ein bisschen Übung ging das sehr gut. Als wir mit dem Rechenschieber durch waren, konnte ich bis zu drei Stellen hinter dem Komma im Kopf ausrechnen. Das hab ich später verlernt. Bestimmt, weil ich anfing, Taschenrechner zu benutzen.