Splitterbrötchen (CCXCVII)

Im Rennen um den Spam-Betreff der Woche siegte ganz souverän Fa. Jochen Schweizer mit „Valentinsrabatt statt Sexismus“.

Letztlich altert man nur mangels Alternative.

Wenn es wenigstens formidable Schurken wären, gegen die man ständig anrennt… Aber es sind ja nur Krämerseelen, die nichts anderes im Sinn haben als faden Positionserhalt.

Zufällig im Netz auf den Text eines jungen Menschen gestoßen, der die politische Korrektheit offenbar als Kuschelgruppe begreift, die ihm allzeit die Sicherheit gibt, niemanden zu diskriminieren oder zu beleidigen. Kommt „Nur nicht Anecken“ als Lebensprinzip wirklich wieder?

 

Splitterbrötchen (CCXCVI)

Unmöglich, auf Anhieb unfallfrei zu lesen: Geleinlegesohlen.

Diese Woche hat sich doch glatt der allerhöchst geschätzte Werner Schneyder in eine TV-Talkshow verirrt. Und sofort mit „Ich verwende Eigenschaftswörter grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit“ einen Instant Classic abgeliefert.

Wenn man nicht-virtuelle Dinge ändern möchte, muss man nach wie vor die Maus für eine Weile aus der Hand legen.

Ratlosigkeit angesichts Déja Vu: Hab ich bestimmte Debatten tatsächlich schon einmal so erlebt, oder erinnere ich bloß entfernt ähnliche Debatten unscharf bis falsch?

Und dann war da noch dieser radikal verwirrende Moment, als Schauspielerin Sass den Moderator Kusmagk dermaßen ausgelassen zerpöbelte, dass er seinem Kollegen Lanz anvertraute, er würde am ganzen Körper zittern, worauf Matussek der Sass applaudierte und Dall ihr den Puls fühlte. Ich hingegen assoziierte plötzlich und unvermittelt die Worte „gefühlte Wirklichkeit“ und kenne mich seitdem gar nicht mehr aus.

 

Splitterbrötchen (CCXCV)

Nach „Pippi Langstrumpf“ und der „Kleinen Hexe“ geht’s weiter: beim Tagesspiegel hat ein Germanist Antisemitismus beim Gurkenkönig ausgemacht, und die BBC (!) hat in vorauseilendem Gehorsam vor einer Wiederholung die 30 Jahre alte (!) Serie „Fawlty Towers“(!) entschärft. Die Political-Correctness-Paste kriegt man nicht in die Tube zurück gedrückt.

Da war doch mal ein Buch namens „1984“. Da waren wir doch empört, als wir lasen, wie die Geschichtsbücher umgeschrieben wurden. Aber wenn uns das in den Kram passt, soll Umschreiben plötzlich okay sein?

„Ich nehm dann die Eier im Glas, aber statt der Eier hätte ich gern Rotwein, und statt des Glases nehme ich eine Flasche!“ ist meine Weiterentwicklung von „Einen Glühwein, bitte, aber kalt und ohne Gewürze!“

Faszinierende Neuerung bei Facebook: „Spiele your friends are playing“.

Wenn es stets einfach ist, einem Prinzip zu folgen, dann ist es oftmals keins.

Mit einem Hashtag verändert man einen Eintrag ins Internet, nicht die Welt.

Splitterbrötchen (CCXCIV)

Traut ihr euren Kindern wirklich so wenig zu, dass ihr fürchtet, sie würden zu Rassisten, wenn Sie das Wort „Neger“ lesen? Ist es euch wirklich peinlich, dem Kind erklären zu müssen, dass mit „Wichsen“ auch mal Schuheputzen gemeint war? Ist es euch anderen wiederum nicht peinlich, euch  über derartige Nichtigkeiten aufzuregen?

In diesem Zusammenhang reden jetzt alle von Astrid Lindgren und Otfried Preußler. Niemand redet von Immanuel Kant. Und der hat- unter anderem – geschrieben: „Einige Merkwürdigkeiten von der schwarzen Farbe der Menschen. 1. Die Neger werden weiß gebohren, außer ihren Zeugungsgliedern und einem Ringe um den Nabel, die schwarz sind. Von diesen Theilen aus ziehet sich die Schwärze im ersten Monate über den ganzen Körper. – 2. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß. Auch lange anhaltende Krankheiten machen die Neger ziemlich weiß; aber ein solcher, durch Krankheit weißgewordener Körper, wird nach dem Tode noch viel schwärzer, als er es ehedeß war. – 3. Die Europäer, die in dem heißen Erdgürtel wohnen, werden nach vielen Generationen nicht Neger, sondern behalten ihre europäische Gestalt und Farbe. Die Portugiesen am Capo Verde, die in 200 Jahren in Neger verwandelt seyn sollen, sind Mulatten. – 4. Die Neger, wenn sie sich nur nicht mit weißfarbigen Menschen vermischen, bleiben selbst in Virginien durch viele Generationen Neger … – 8. Die Mohren, ingleichen alle Einwohner der heißen Zone, haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen, sondern gespaltenen Rohren peitschet, wenn man sie züchtiget, damit das Blut einen Ausgang finde, und nicht unter der dicken Haut eitere.“
Wie man das jetzt nach PC übersetzen könnte, weiß ich nun wirklich nicht. Bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als Kant auf den Index zu setzen? Wäre doch schade, eigentlich.

Und wenn jetzt wieder jemand ankommt und meint, es dürfe nicht sein, dass Wörter oder Sätze in einem Buch andere Menschen beleidigen: Doch, das darf. Das muss manchmal sogar. Ich zitiere erneut Rowan Atkinson: “Das Recht, zu beleidigen, ist wesentlich wichtiger als jegliches Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Der Chuck der Woche: Chuck Norris hat die Flughafenleitung in Berlin-Schönefeld übernommen. #BER wird morgen früh, 6 Uhr 30, eröffnet.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCXCIII)

Immer, wenn man denkt, dass einen nichts mehr überraschen kann… Laut SpOn glaubt Ramsauer nicht mehr an eine Flughafeneröffnung vor 2015 und schlägt daher vor, das Projekt zu erweitern. Ja, Herrschaftszeiten, mit was für abgefahrenen Drogen experimentiert man denn im Verkehrsministerium?

Immer wieder gelesen, Wowereit könne gar nicht zurücktreten, da es in der Berliner SPD keine Alternative zu ihm gäbe. Mit der gleichen Begründung hat sich Ludwig XVI. im Amt zu halten versucht.

Das Event der Woche fand ich bei Xing, wo jemand ein Event namens „Am Fuße des Fernsehturms hier nun dieses herausragende Event“ veranstaltete. Eventiger geht wirklich nicht.

Den Tweet der Woche setzte FDP-Staatssekretär Otto ab: „Tragisch: Die Vorgänge, die #Christian_Wulff sein Amt gekostet haben,hat er nur getan, um Bettina zu imponieren ! So sind (manche) Frauen…“ Wenn ein Kerl Scheiß baut, um einer Frau zu imponieren, ist die Frau schuld. Immer wieder schön, den Ansichten eines Liberalen zum Thema „Verantwortung“ zu lauschen.

Die erste Dschungelcamp-Folge der neuen Staffel war hochkomisch und furios, Sonja Zietlows Einleitung und die abschließende Hommage an Dirk Bach waren anrührend. Großes Unterhaltungs-Fernsehen.

 

 

Splitterbrötchen (CCXCII)

Kulinarische Leistung der Woche: das Aufbohren des ursprünglich als langweilige Beilage zu Königsberger Klopsen gedachten Rote-Bete-Salats mit gebratenen Speckwürfeln, rohen Champignonscheiben, Apfelwürfelchen. Kommt so ins Repertoire.

Zum ersten Mal Wedels „Gier“ gesehen. Schrecklich, aber exquisit. Ein Gruselkabinett auf luxuriösem Betriebsausflug.

Immer mehr Menschen verwechseln Rezession und Rezension. Bin ich elitär, wenn ich das zum Kotzen finde?

Ich muss mich doch sehr wundern, dass andere Menschen sich über Depardieus russische Eskapaden wundern. Herrschaften, der Mann ist Schauspieler. Der ist aufgeschmissen, wenn ihm niemand den Text schreibt.

Ein paar Berufsempörte haben sich erstaunlich zurückgehalten, deshalb gebührt wohl einem SpOn-Kommentator der Lorbeer, Wolfgang Thierse wegen seines lahmen Schwaben-Schrippen-Weckle-Bashings zuerst als Rassist bezeichnet zu haben.

Die unerträglichen Unregelmäßigkeiten, die seit Wochen bei der Zustellung der „EInkauf aktuell“ auftreten, tragen nun wahrlich nicht zur Stabilisierung meines Nervenkostüms bei. Geht doch nicht, das!

 

Splitterbrötchen (CCXCI)

Den weihnachtlichen Vogel (keine Gans!) schoss Fa. Sim-Buy ab, die mir am Heiligabend um 19 Uhr 44 via Mail preisreduzierte Lichterketten offerierte.

Zu geradezu sensationellen Erkenntnissen kamen Meike Laaf und Johannes Gernert von der taz, als sie superkritisch hinter Fa. amazon herrecherchierten: „ Amazon sammelt automatisch Daten von Wettbewerbern – Preise etwa – und unterbietet sie.“ Unglaublicher Skandal!

Kulinarischer Höhepunkt der Weihnachtswoche war das elsässische Linsenragout nach Petra Hildebrandt. Das gabs an Heiligabend zu Mittag und hat uns so gut geschmeckt, dass wirs jetzt jedes Jahr an Heiligmittag essen wollen.

Und dabei fiel mir ein: viel zu selten elsässisch gekocht im letzten Jahr. Muss ich ändern. Könnte sehr zeitnah endlich mal wieder Coq au Riesling geben.

Die Entdeckung des Jahres kurz vor Jahresende: Trevanian. Keine Ahnung, wie ausgerechnet dieser Autor mir jahrzehntelang entgehen konnte. „Shibumi“ – ein ständig auf der Grenze zur Selbstparodie balancierender Thriller – ist ganz großes Tennis.

Und gleich eine Kostprobe der Trevanian-Weisheit: „Ratschläge nützen am meisten denen, die sie erteilen.“

 

Splitterbrötchen (CCXC)

Diese Woche ist’s passiert: eine CSU-Justizministerin lobte die „objektive“ Berichterstattung des SPIEGEL. Rudolf Augstein hätte daraufhin die halbe Redaktion gefeuert.

Allen Gesundheitsfanatikern ins Stammbuch, die angesichts von 30% Fett im Gänsefleisch cholesterinfreien Schaum vor dem Mund bekommen: schon mal die helle Flüssigkeit unten im Gänsebräter gesehen? Das ist das rausgebratene Fett. Das muss gar nicht auf dem Teller landen.

Zwei Super-Verleser an einem Tag: „Justizbeschädigte“ statt „Justizbeschäftigte“ und „Kulturwürste“ statt „Kulturwüste“. Facebook-Freundin Christina Striewski mutmaßte, ich hätte mich gar nicht verlesen sondern hätte etwas über den Streit um Suhrkamp gelesen.

Apropos Suhrkamp: Eigentlich erstaunlich, wie ein Verlag mit einer derartig bestückten Backlist nicht profitabel arbeiten kann.

Die Anschaffung der Woche tätigte die geduldigste, beste Gemahlin von allen und brachte einen Wasserfilter in die Beckerstraße. Hätte nicht gedacht, dass so ein Ding einen dermaßenen geschmacklichen Unterschied ausmachen kann.

Splitterbrötchen (CCLXXXIX)

Die römischen Ziffern für „289“ sehen nur beknackt und fehlerhaft aus, sind aber korrekt.

Wochenhöhepunkt war der hochamüsante Jahresrückblick der 11Freunde-Redaktion im Babylon-Kino. Fußball scheint nach wie vor Männersache zu sein, wie die Schlange eindrucksvoll dokumentierte, die sich zur Pause vor dem Herrenklo bildete.

Highlight des Höhepunkts: Koestners Analyse zu Tom Bartels‘ Kommentar des Schwedenspiels. „Beim 4:4 machte man sich ernsthaft Sorgen, dass Bartels sich mit seiner alten Wehrmachtspistole selbst richtet.“

Beim Anblick der Werbung für „esauvermietung.de“ mannhaft der Versuchung widerstanden, dort anzurufen und nachzufragen, ob man denn ein Auto für ein Linsengericht haben könne.

Am Montag wurde die London Bridge geöffnet, um ein fünfzig Fuß großes Gummi-Entchen durchzulassen. Ich bedanke mich erneut für die Gnade, in Zeiten von solcher Größe leben zu dürfen.

Notgedrungen bei einem Touri-Italiener in Mitte eingekehrt. Das Essen war äußerst durchschnittlich, aber der Service war dermaßen herzlich und gutgelaunt, dass wir tatsächlich erwägen, gelegentlich wieder reinzuschauen. Trotz der Küche.