Splitterbrötchen (LXV)

„Sie sind reich und prominent. Sie haben alles. Sie sind Milliardäre. Was ist ihr Geheimnis?“ fragt Guido Knopp in ZDF-History. Ist doch ganz einfach, Herr Knopp. Das Geheimnis der Milliardäre ist die riesige Menge Schotter, die die auf ihren Konten haben.

Siebecks achtzigster Geburtstag wäre so eine schöne Gelegenheit gewesen, die 12 Folgen seiner legendären Kochsendung auf DVD herauszubringen. Wäre gewesen. Schnarchsäcke.

Email ist not enough! Gestern die erste Potenzmittel-Werbung per Snailmail erhalten. Wie soll das weitergehen? Was sage ich, wenn der erste Viagra-Vertreter vor der Tür steht?

Hm. Seit ca. einem Jahr (geschätzt) habe ich nix mehr mit Estragon gekocht. Warum eigentlich? Ich mag Estragon

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Splitterbrötchen (LXIV)

Aus einer ebay-Auktionsbeschreibung (Konzertkarten): „Dieser unvergessliche Abend ist eine Gelegenheit für Jedermann. Die Lokation Berlin kompletiert damit dieses kulinarische Highlight.“ Danke für den Hinweis, liebe Kirsten!

In der Disziplin „tränentreibende Styling-Unfälle“ fährt Tempelhof zur Zeit einen wackeren Angriff gegen den scheinbar unangreifbaren Spitzenreiter Neukölln. Kreuzberg dümpelt unentschlossen in pink vor sich hin.

Wenn man sich mal die Erdinger-Werbespots mit dem Firlefranz anguckt: Die stoßen immer nur mit dem Zeugs an. Trinken sieht man keinen.

Den Kalauer des Monats entnehme ich deich.tv: „Was macht denn dein Kleiner?“ – „Der? Wird Mittwoch getauft.“ – „Das ist aber kein schöner Name.“

Gestern auf den „Kreuzberger festlichen Tagen“: alle zwanzig Meter ein Imbiss. Und in jedem Imbiß gibt’s die gleichen Bratwürste, Nackensteaks und Bouletten aus dem Großhandel. Sogar die Schilder, auf denen sie angepriesen werden, sind identisch. Hm. Wenn ich daran denke, wie wir uns früher beim Johannisfest auf dem Werdchen ausgetauscht haben, an welchem Stand die beste Bratwurst zu finden ist…

Der Berliner Kurier läuft bei der Produktion pulitzerpreiswürdiger Premium-Schlagzeilen zu Höchstform auf. Highlights dieser Woche: „Pflüger: Fahrstuhl zum Schafott“ und „Hitler heimlich zurück!“

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5 vor 12 in der U-Bahn

Ein ganz normaler Mittwochabend, auf dem Nachhauseweg seh ich von weitem die O2-Arena, dieses riesige Ufo, das mitten in einer fremden Stadt gelandet ist. Ein paar hundert Meter von dieser Luxusmuschel weg, vor der U-Bahn-Station Warschauer Straße, sitzen die jungen Leute auf der Straße, sie lassen die Flaschen kreisen, 3-4 Hunde sind auch dabei, die kriegen auf die Schnauze, wenn sie bellen, und im Kreis sitzt auch ein Mädchen, das sich eine Spritze in den Arm haut, und die andern tun so, als würden sie’s nicht sehen, und ich auch, ich muss zur U-Bahn, nach Hause.
Auf dem Bahnsteig Warschauer Straße steht diese Frau im schmutzigen Unterrock, wie alt mag die sein, vierzig, fünfzig, sechzig, ich kann’s nicht sagen, und sie singt. Erst frag ich mich, ist das ’ne Opernarie oder ein Kinderlied, was die da singt, und dann denk ich, dass sie das erfindet, so, wie es sich ihr aus der Kehle und der Seele heraus quält, und dann frag ich mich, ob sie wirklich singt, oder ob sie vor Hilflosigkeit heult. Die Lampe blinkt, die Sirene tutet, der Zug fährt gleich, und ich muss nach Hause.
Und am Kotti ist Schluss, Bauarbeiten, entweder Schienenersatzverkehr, oder über Hermannplatz nach Mehringdamm, erstmal Treppe runter, da komm ich an einem Kerl vorbei, der einfach mitten auf den Bahnsteig strullt, einen riesigen Bach, und dann stürz ich nur auf die Rolltreppe zu, wo eine Frau mich fragt, ob es hier zum Schienenersatzverkehr geht. Natürlich muss man runter, wenn man zum Bus will, ist doch klar, aber die hat wohl nur irgendwas gefragt, um dieses ekelhafte Plätschern zu übertönen, richtig dankbar muss ich ihr sein für die dämliche Frage. Bald bin ich zuhause.
Und dann im Zug nach Hermannplatz, kurz bevor er losfährt steigt ein Pärchen ein, sie sah aus, wie… ich weiß jetzt nicht, wie man das politisch korrekt ausdrückt, behindert, zurückgeblieben, eben wie jemand, der sich mit einem kapitalen Dachschaden durchs Leben kämpfen muss, und sie war stockbesoffen. Genau wie der Typ, der sie begleitet hat, riesengroß, mindestens zwei Zentner schwer, den Schädel zur Hälfte kahl rasiert. Als er sich ächzend auf die Bank niederließ, stand die Frau neben ihm auf, zwängte sich an ihm vorbei und stürzte aus dem Waggon raus, solange die U-Bahn noch stand. „Schlampe!“ brüllte der Kerl und stierte verschleiert hinter ihr her, dann holte er eine handvoll Portionsfläschchen Schnaps oder was aus der Tasche, und in den 3 Minuten bis zum Hermannplatz haben er und die Frau mit dem Dachschaden jeder zwei dieser Fläschchen leer gemacht. Sie hat nix gesagt, aber er hat ein paar mal was gebrüllt, ich konnte nicht verstehen, was er da brüllte, ich wollte es auch nicht verstehen. An der nächsten Station, Schönleinstraße, sind viele ausgestiegen. Als die Bahn wieder losfuhr, war der Waggon fast leer, was wollten die denn alle in der Schönleinstraße? Ich will nur noch nach Hause.
Und schließlich am Südstern, da steigt dieser Mann ein, mit einem Gesicht so voller Ekel, so voller Hass, das hab ich noch nicht gesehen, wie dieser Mann die Welt mustert. Dann seh ich, er hat ’ne Tasche dabei, da ist was Schweres drin, was kann das sein? ’ne Wumme? Oder ’ne Granate? Soll ich aussteigen? Quatsch, ich mach mich nicht lächerlich, der nächste Zug kommt erst in zehn Minuten, ich will endlich nach Hause.
Ein ganz normaler Mittwochabend in der Berliner U-Bahn, von Friedrichshain nach Kreuzberg. Das kann nicht viel länger gut gehen.

[tags]Berlin, U-Bahn, Katastrophe[/tags]

Splitterbrötchen (LXIII)

Pop-Up der Woche: „Glückwunsch! Sie wurden auserwählt, 250 Visitenkarten zu erhalten.“ Vielleicht sollte ich mir „Der Erwählte“ auf diese Karten drucken lassen.

Was an Christian Ulmen fasziniert, ist nur in zweiter Linie die Schauspielkunst. In erster Linie ist es sein heldenhafter Mut.

Das Wort „Vollidiot“ ist – richtig angewendet – keine Beleidigung sondern das Ergebnis einer gründlichen Analyse.

Grandiose Geschäftsidee: Gründung eines Social Networks, in dem die Teilnehmer sich verpflichten, einander in Ruhe zu lassen.

[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (LXII)

Die Fischfilets waren „angenehm zurückhaltend paniert“, schreibt Frau Binder vom Tagesspiegel. Interessant. Wie paniert man angenehm zurückhaltend? Drei Brösel pro Quadratzentimeter? Ab wann paniert man penetrant?

Laut einer Selbstmordstatistik bringen sich immer weniger Deutsche um. Spätestens morgen sollte einem Sat1-Selbstmord-Experten auffallen, dass das daran liegt, dass keine Wiederholungstäter in diese Statistik auftauchen.

Erkenntnis nach der „Langen Nacht der Museen“: Schieben, Schubsen und Versuchendurchanderemenschendurchzugehen ist unter kulturell interessierten Menschen mittlerweile vollkommen akzeptabel.

Schon als Shakespeare „All the world’s a stage, and all the men and women merely players“ schrieb, war das vermutlich ein Klischee. Heute mehrt sich von Tag zu Tag die Zahl der Schmieranten, die Dialog-Fetzen nachplappern, die sie nicht verstehen.

[tags]Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Danke!

Es gibt Momente, da bin ich von einer derartigen Glückseligkeit erfüllt, dass ich auf die Knie sinken, den Namen meines Schöpfers lobpreisen, tausend Kerzen in einer x-beliebigen Kirche anzünden und ein ums andere Mal ausrufen möchte: „Danke, Herr, dass du mich in einer Zeit leben lässt, in der es das Internet gibt!“
Denn ohne das Internet gebe es http://www.ulmen.tv nicht.

[tags]Ulmen, Komik, Weltmeister[/tags]

Splitterbrötchen (LXI)

Der Spammer der Woche heißt Nuttipol Buckbee.

Schöne Wahrheit aus einem Internetforum: „Der normale mitteleuropäische Mann verträgt kein Gemüse.“

Seit einer Weile fangen alle Intercity-Züge an, bestialisch nach heißem Metall zu stinken, wenn er bremst. Die Zugbegleiter sagen, dass liege an den Bremsscheiben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Deutsche Bahn vor einem Jahr noch geruchlose Bremsscheiben verwendet hat.

Idee für eine neuartige Dienstleistung, die man einem veganen Zielpublikum anbieten könnte: Gemüseflüsterer.

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Autofocus

Wenn ich den Zeitungen glauben kann, dann ist das Geheimnis der meisten olympischen Medaillengewinner gelüftet:: sie sind bis zu den Ohren zugedopt können besonders gut fokussieren. Womit nicht gemeint ist, dass sie in der Lage sind, ein Kamera-Objektiv scharf einzustellen (damit wären die meisten wohl überfordert), nein, sie können sich einfach besonders gut auf ihren Sport konzentrieren, in dem sie alles andere ausblenden. Von Steroid-Bolide Michael Phelps zum Beispiel sagt man, dass er beim Wettkampf nur das Wasser sieht, sonst nichts. Er sieht also nichts als Wasser, und dann, ja, dann schwimmt er. Muss wahnsinnig aufregend sein. Wäre nix für mich.
Auf alle Fälle ist der Aufenthalt in Peking sicherlich wesentlich kommoder, wenn man in der Lage ist, das Schicksal von Menschen wie Herrn Ji Sizun auszublenden. Herr Ji Sizun hat nichts weiter getan, als den Worten der chinesischen Machthaber und der Herren vom IOC in Sachen Meinungsfreiheit zu vertrauen. Die beide versichert hatten, dass es möglich wäre, während der Spiele in eigens dafür vorgesehenen „Protestzonen“ in Peking friedlich zu demonstrieren. Alles, was man tun musste, war, die geplante Demonstration anzumelden. Herr Ji Sizun glaubt an Recht und Gesetz, denn er ist Anwalt. Deshalb hat er in der ersten Woche der Spiele einen entsprechenden Antrag gestellt. Nachdem er dies getan hatte, konnte er gerade noch seine Angehörigen telefonisch von „Problemen“ benachrichtigen, dann verschwand er. Niemand hat seitdem etwas von Herrn Ji Sizun gehört.
Es wäre natürlich ein schöner Zug vom IOC, wenn es jetzt den Gastgeber mit gebotenem Nachdruck auf das Einhalten seiner Versprechen hinweisen würde. Was hindert diese feigen, geldgierigen Säcke eigentlich daran, den Despoten „Der Weitsprung findet erst statt, wenn Herr Ji Sizun wieder wohlbehalten aufgetaucht ist und unbehelligt demonstriert hat, wie es zugesichert war“ zu sagen? Ach so, das geht nicht, weil die TV-Sender ordentlich Geld hingelegt haben, damit der Weitsprung pünktlich stattfindet. Und die Sponsoren haben auch ordentliche Summen abgedrückt, die wollen keine „bad news“ im Zusammenhang mit den Spielen Hat Herr Ji Sizun eben die Arschkarte gezogen. Selber Schuld, dass er den Worten von IOC und chinesischer Regierung vertraut hat. Hätte doch wissen müssen, dass das gewissenlose Lügner sind, denen Herr Ji Sizun am Arsch vorbei geht.
Und deswegen interessiert es mich immer weniger, wenn irgendeine fokussierende Schwimmerin zur „Power-Frau“ hochgejubelt wird und Franzi „Ich bin so stolz auf sie!“ kreischt, wenn J. B. Kerner heldenhaft zwischen Peking und Nürnberg pendelt, weil wir ihn bei keinem Event verpassen dürfen und wie‘s allüberall so heftig menschelt, wenn‘s statt Gold nur Silber, Bronze oder garnix gibt.
Darauf fokussiert man gern. Auf Menschen wie Herrn Ji Sizun eher nicht. Ich hätte nie gedacht, dass Olympische Spiele mich einmal derart ankotzen würden.

[tags]Peking, Olympia, Menschenrechte, Ji Sizun[/tags]

Splitterbrötchen (LX)

Phantastische Schlagzeile im Montags-Tagesspiegel: „Krude Geschichten pflastern ihren Weg – Die Hollywood-Autorin mit den Klon-Pitbulls soll früher einen Missionar vergewaltigt haben.“ Hollywood, Sex, Tiere, Religion… da wurde nichts vergessen, da stimmt einfach alles.

Im Netz gefunden: „Unsere Hausselektion deutscher Qualitätsweine von XXX, ist so ausgewählt, daß sie perfekt den jeweils typischen Geschmack wiedergibt, so wie man das von derartigen Weinen aus den verschiedenen Regionen auch erwarten darf.“ Genau. Nicht mehr und nicht weniger.


Pfiffig, pfiffig, liebe Gastwirte, die ihr eure Speisekarten ohne Preise ins Internet stellt. „Wenn die Leute sehen, was das kostet, kommen Sie gar nicht erst her!“ denkt ihr euch vermutlich. Nuja. Und weil ich mir denke, dass ihr das denkt, bleib ich erst recht weg.

Eben höre ich die geduldigste Gemahlin von allen sagen: „Die beiden sind ja noch ganz jung, Ende zwanzig…“ Ach.

Okay, ich hab doch mal in eine Olympia-Zusammenfassung vom ZDF reingeguckt. Seitdem bin ich ganz sicher, dass Johannes Baptist Kerner gedopt ist.

Thomas Middelhoff, der Oberpropeller von Arcandor/Karstadt will in Zukunft etwas namens „Aufenthaltskompetenz“ anbieten. Vergesst Karstadt.

[tags] Pseudoweisheiten, Tiefsinn, Wichtigtuerei[/tags]

Splitterbrötchen (LVIX)

Buchbeschreibung auf der Homepage eines (angehenden) Autors: Die Anthologie enthält mehrere Kurzgeschichten, von Horror bis hin zu Dramen, Horror und Schickalsschlägen auch für Kinder ist etwas dabei .“

Eine medizinische Sensation: Offenbar ist deutschen Sportärzten die erste totale Gehirnamputation gelungen. Wie anders lässt sich erklären, was Stabhochtrottel Tim Lobinger zu BILD sagte: „Kein Militär der Welt kann uns Sportler stoppen, wenn wir eine Party machen wollen.“

Wenn man es geschafft hat. halbwegs unfallfrei ins Internet zu kommen, ist man noch lange nicht der Mittelpunkt desselben.

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