Splitterbrötchen (CCCXXII)

Für den Spam-Kommentar der Woche bedanke ich mich bei FAG/INA Spherical Roller bearings, das ist richtig großes Tennis: „De – Larch tried to sidestep as if his attacker were a slow moving bus he could easily dodge, but the oncoming werewolf veered to match him. I guess that in light of everything that I had told her about him, she was just as shocked as I was. Just as the cold defeats summer, so time defeats love.“

Sagen Sie mal, Diekmann, muss ich mir angesichts einer sauschlappen Headline wie „Staatsanwalt fegt Kokain-Verdacht vom Tisch“ ernsthaft Sorgen um Ihren Laden machen? Normalerweise wäre „Staatsanwalt verschnupft: Kokain-Verdacht ist Schnee von gestern“ ja wohl das mindeste gewesen, was ich von einem Qualitätsblatt wie der BILD erwarten darf.

„Nur der Wahrheit verpflichtet“ ist der neue Claim des SPIEGEL Nun ja, dass man seine Leser nicht anlügt, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Deshalb habe ich vor ca. einem halben Jahr auch aufgehört, mir den SPIEGEL zu kaufen, u. a. wegen der einseitigen, Fakten verdrehende, Fakten ausblendenden und verlogenen Berichterstattung  durch Beate Lakotta über den Fall Gustl Mollath und der Nicht-Reaktion der SPIEGEL-Redaktion auf hunderte Leserkommentare, die Frau Lakotta z. T. gravierende Unrichtigkeiten nachgewiesen haben. Ich mag nicht spekulieren, aber hier scheinen mir noch andere Verpflichtungen im Spiel zu sein.

Nur mal so ins Unreine gedacht: Wenn das Leistungsschutzrecht nun nur ein Verkaufsargument war, um der Funke-Gruppe die maroden Springer-Blätter schmackhaft zu machen? „Na klar, mit Hör Zu und Co. geht’s bergab, aber wir boxen euch mit unserem Kampagnen-Knowhow und unserer Lobby-Power ein Gesetz durch, mit dem ihr Google richtig melken könnt, das rechnet sich dann für euch!“?.

Die Vorfreude auf den Podersdorf-Urlaub 2014 hat begonnen.

 

Splitterbrötchen (CCCXXI)

Mein Favorit wäre ja „Prince Rocco“ gewesen. Die Windsors kriegen einfach nicht die Kurve ins Volkstümliche.

Soziale Netzwerke sind eine wunderbare Möglichkeit, mit anderen Menschen zu diskutieren und sich öffentlich zu äußern. Wer empfiehlt, auf Facebook, Twitter etc. zu verzichten, weil sie überwacht werden, empfiehlt also allen Ernstes „Schnauze halten“ als wirkungsvollen Protest gegen Amok laufende Regierungen.

Die Zahl der Menschen, die die vollkommen banale Fähigkeit der Assoziation mit künstlerischem Talent verwechseln, wächst besorgniserregend.

Und das blamabelste in Sachen Internetabgreifen durch fremde Geheimdienste ist das Schweigen der F.D.P. Diese Partei hat offenbar kein Interesse mehr an der Wahrung grundlegender Bürgerrechte. Ich hatte als junger Mensch das große Glück, Karl-Hermann Flach kennenlernen und kurz mit ihm reden zu können. Eine prägende Begegnung. Menschen, die heute dem Vorstand der Partei angehören, deren Generalsekretär er einmal war, besudeln durch ihr (Nicht-) Handeln das Lebenswerk dieses herausragenden Mannes.

This Kartoffelkloß is the pfanniest thing I have ever seen.

Über die eigentliche Gefahr wird noch viel zu wenig gesprochen: Richtig gefährlich ist die Idee, die hinter dieser ganzen Internet-Abschnorchelei steht, nämlich, dass man Böses verhindern kann, indem man alle Menschen beobachtet und versucht, die Bösen zu erkennen, bevor sie Böses tun. Wenn diese Idee erstmal allgemein akzeptabel ist, eröffnet sie ein wahres Füllhorn an Möglichkeiten, die ausnahmslos alle in die ganz große Scheiße führen.

Den schönsten Satz der Woche fand ich in einer Bayreuth-Kritik von Eleonore Büning in der FAZ: „Frau Merkel trägt etwas Hochgeschlossenes in  Mittelblau.“

Splitterbrötchen (CCCXX)

Ein paar Handvoll Champignons waren übrig geblieben, mit denen ich so unmittelbar nichts anfangen konnte, da hab ich kurzerhand eine Champignoncreme-Suppe gekocht, kurz gekostet und… wirklich gut! Ausgezeichnetes Süppchen, wieso hab ich das eine halbe Ewigkeit lang nicht gemacht?

„Gesten“ von Politikern sind ungefähr so hilfreich wie weiche Fahrradsättel.

Man zeige einem Menschen eine komplizierte elektronische Schaltung und sage ihm, was diese Schaltung macht. Er wird die Achseln zucken und sagen „Mag sein, ich verstehe davon nichts.“ Man zeige dem gleichen Menschen ein modernes Gemälde und sage ihm, dass das Kunst ist. Er wird keine Hundertstelsekunde zögern und widersprechen: „Sowas ist doch keine Kunst!“

Ich habe darüber nachgedacht, was wohl schädlicher ist: Fanatismus oder Gleichgültigkeit. Mein Nachdenken dauerte lange, ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Mittlerweile halte ich Unentschlossenheit für am schädlichsten.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCXIX)

Netzeckenintern: die Rubrik „Um die fuffzich…“ geschlossen und neu „Auf die sechzich zu“ eingerichtet. Werde dieses Jahr 57.  Tjaja. Ich sach dazu ma nix.

Ignoranz ist die reinste Form der Bequemlichkeit.

Fa. Thalia offerierte mir „prickelnde ebook-Neuheiten für knisternde Sommerabende“. Sprache als buchhändlerische Kernkompetenz.

Eine BILD-Headline, die mich inhaltlich vollkommen überforderte: „Wie gut sind Billigzähne von Tchibo?“

Angesichts des unerträglich windelweichen Verhaltens von Frau Merkel den USA und den Briten gegenüber habe ich mich doch glatt nach Rot/Grün zurückgesehnt. Bei Fischer und Schröder war mehr Haltung. Und mehr Showmanship.

Und dann fragen wir bohrend nach: In wie weit waren Firmen wie Meica und Deutschländer beteiligt, dass ein Würstchen Bundesinnenminister werden konnte?

Man sollte immer daran denken, niemals die Worte „immer“ und „niemals“ zu benutzen.

Und Petra Hildebrandt ist es auf Twitter gelungen, die Verzweiflung an der modernen Informationsgesellschaft in sieben prägnanten Worten auszudrücken: „Mein Wetterwidget behauptet ich sei in Bensheim.“

 

 

Splitterbrötchen (CCCXVIII)

Mit der Erklärung der Woche beglückte uns Alt-US-Präsident George W. Bush, der logisch, einfach und klar sagte, dass an dem ganzen Überwachungskram nix Schlimmes dran sein könne, weil er sichergestellt hat, dass bei allen Aktivitäten der NSA die bürgerlichen Freiheiten garantiert unangetastet bleiben. So beruhigt habe ich mich lange nicht gefühlt.

Ich weiß, dass Tennis hierzulande mittlerweile eine Randsportart ist, aber das geringe Interesse am Wimbledon-Damen-Endspiel mit Sabine Lisicki hat mich doch ein wenig verblüfft. Zwei von drei Läden mit SKY in meiner näheren Umgebung hatten gar nicht erst aufgemacht, im dritten gab es jede Menge freie Plätze. Wieso die ARD also SKY ein Angebot für eine Live-Übertragung gemacht hat, entgeht mir daher komplett.

Und dann fielen mir mal wieder die schönen Worte des Schachgroßmeisters Savielly Tartakower ein: „Die Fehler sind ja da, sie müssen nur gemacht werden.“

Warum, zum Teufel, ist eigentlich der Irish Coffee total aus der Mode gekommen? Ist doch wunderbares Zeugs!

Mein kulinarischer Wochenhöhepunkt: das erste Berliner Schnitzel meines Lebens. Für die Uneingeweihten: das ist panierter Euter. Für die Interessierten: äußerst geringer Eigengeschmack, ganz leichter milchig-käsig adstringierender Nachklang. Und ist sehr weich, kein Wunder, wird ja vor dem Ausbacken stundenlang gekocht. Fazit: kann man mal probieren, muss man nicht unbedingt wiederholen.

Und doch, Spam-Betreffzeilen wie „Besser als Schlussverkauf: 70% auf alles!“ haben in ihrer Blödigkeit schon wieder einen gewissen Charme.

Splitterbrötchen (CCCXVII)

Ganz wunderbar titelte mal wieder die BILD: „Endet Snowden wie Tom Hanks?“ Also als Oscar-Preisträger, der auf „Mr. Nice Guy“-Rollen spezialisiert ist?

Die Fehlleistung der Woche gelang mir selbst, als ich total verwirrt zur Kenntnis nahm, dass unser Altkanzler plötzlich einen Hang zur Selbstironie entwickelt hat. Weiht der Mann doch glatt eine Kohlwitz-Büste ein… Verleser! Kollwitz! Natürlich Kollwitz!

Den eisigen Gipfel der Idiotie erklomm Effjott Wagner einmal mehr, diesmal mit „Hanns Joachim Friedrichs verehre ich. Er ist ein Grabstein.“

Und dann hab ich noch folgenden ganz wunderbaren Witz gehört: Werner Heisenberg, Kurt Gödel und Noam Chomsky kommen in eine Bar. Heisenberg wendet sich an die anderen beiden und sagt: „Offenbar befinden wir uns in einem Witz. Wie können wir herausfinden, ob er komisch ist?“ Gödel antwortet: „Wir können’s nicht, wir befinden uns ja innerhalb des Witzes.“ Chomsky unterbricht: „Ihr seid Idioten. Der Witz ist saukomisch. Ihr erzählt ihn bloß falsch.“

 

Splitterbrötchen (CCCXVI)

Frau Merkel wurde missverstanden. Sie hat das Internet nicht als „Neuland“ bezeichnet, sondern mit einer Neuland-Fleischerei verglichen, in der es nur gute, vollwertige und gesunde Angebote gibt.

Man kann inhaltliche Probleme nicht mit technischen Mitteln lösen. Trotzdem versuchen es die Menschen immer wieder.

Unsere Justizministerin war „entsetzt“, als sie im Guardian über das britische Abhörprogramm las. Ich war entsetzt, als ich das erfuhr, denn das kann nur bedeuten, dass unsere Geheimdienste die Justizministerin nicht von ihren Erkenntnissen informieren. Denn unsere Dienste haben doch mit Sicherheit schon längst herausgefunden, was die Briten so treiben? Ja?

Oder wurde Frau Leutheuser-Schnarrenberger am Ende auch von Jan Ullrichs Doping-Beichte unerwartet wie ein Schock getroffen?

Wenn Menschen von etwas beseelt werden, verlieren sie zuallererst ihren Humor.

Und: Der Mensch gewöhnt sich tatsächlich an ALLES. Statt Cayenne-Pfeffer verwende ich seit Jahren getrocknete Chili-Schoten, die ich zwischen den Fingern zerbrösel. Meistens vergess ich, mir hinterher gründlich die Finger abzuspülen, fass mir dann irgendwann ins Auge und… am Anfang hab ich noch Veits-Tänze aufgeführt, mir die Kontaktlinsen rausgerissen usw. Mittlerweile blinzle ich zweimal und gut ist.

Das letzte, was ich gebrauchen kann, ist eine unter Scolari wiedererstarkte Seleção. Was, bitteschön, ist so schwierig an Unter-dem-Druck-des-fanatischen-eigenen-Publikums-einknicken-und-abkacken?

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCXV)

Cumberbatch in der ausgezeichneten – nur gelegentlich etwas arg gediegenen – BBC-Serie „Parade’s End“ beobachtet: ganz, ganz große Schauspielerei, das ist ein Stratege der Olivier-Klasse. Den würde ich wirklich gern mal auf der Bühne sehen.

In Leipzig kennengelernt: „Gose mit Allasch“ ein der Berliner Weiße ähnliches Bier mit Kümmellikör, also nichts anderes als ie Urform der Weiße, „Weiße mit Strippe“. Im Gegensatz zu Berlin, wo „Weiße mit Strippe“ praktisch nirgendwo mehr serviert wird, ist die köstliche, erfrischende „Gose mit Allasch“ in Leipzig ein populäres Getränk. Sympathische Stadt.

Und nicht nur die Gose mit Allasch sei Leipzig-Besuchern empfohlen, ich möchte noch das „La Provence“ in der kleinen Fleischergasse den Frankophilen als Begegnungsstätte ans Herz legen: gute bis sehr gute Bistro-Küche, gutgelaunter Service, prima offener Wein, der allerdings dünnwandigere Gläser verdient hätte.

 

 

Splitterbrötchen (CCCXIV)

Für den Satz der Woche habe ich (wie für so vieles anderes) der geduldigsten Gemahlin von allen zu danken: „Irgendwas hat bestimmt W-Lan.“

Durch Smartphones, Social Media und das ganze Gedöns sind junge Menschen heute wesentlich kommunikationsfreudiger als früher. Das dabei gelegentlich banales, bizarres oder schlicht vollkommen falsches Zeugs in die Gegend gequatscht wird, ist wohl schlicht unvermeidlich. Diese Woche musste ich beim Besuch einer Uraufführung feststellen, dass diese Unbefangenheit banalem Unsinn gegenüber mittlerweile wohl auch für Theaterdialoge gilt. Das wiederum muss nicht sein.

„Banaler Unsinn“ bringt mich nun direktemang zu Effjott Wagner, der diese Woche über Bierduschen kolumnierte und unter anderem „“Männer, die Bier trinken, sind lauter. Frauen, die Tee trinken, sind leiser. Frauen, die Tee trinken, schütten sich nicht den Tee über den Kopf.“ irrlichterte. Ich glaube, Effjott kennt einfach die falschen Frauen.

Vollkommen zu recht sollte man alle Politiker (und vielleicht auch die Journalisten), die seit 2002 das Wort „Jahrhundertflut“ benutzt haben, in Regress nehmen, weil sie damit insinuierten, sowas könne nur alle hundert Jahre geschehen.

Man sollte immer sehr vorsichtig sein, wenn man andere als „oberflächlich“ kritisiert. Vielleicht ist man’s ja selber auch.

Splitterbrötchen (CCCXIII)

Das war gestern das letzte Spiel, das diese wunderbare Mannschaft auf den Rasen gebrannt hat. Ich freue mich auf Guardiola, aber es wird Veränderungen geben. Neuanfang bedeutet immer auch Abschied. Und der fällt mir bei dieser Mannschaft doch ziemlich schwer.

Der Tagesspiegel berichtete diese Woche über z. T. aus Badesalz hergestellte synthetische Drogen, die u. a. in der Berliner U-Bahn verkauft werden. Ich frage mich, warum der Berliner Senat nicht die logische Konsequenz zieht und die U-Bahn abschafft, um das zu verhindern.

Ein Badesalz-Drogen-Opfer ist ganz offensichtlich Jakob Augstein, der im Freitag tatsächlich die Bild-Zeitung meinte, als er „Bild hat sich in den vergangenen Jahren mit der politischen Berichterstattung viel journalistischen Respekt erworben.“ schrieb. Wünschen wir dem ansonsten trefflichen Mann, das ihn eine Entzugs-Klinik aufnimmt, bevor der Realitätsverlust irreversibel ist.

Peter Frankenfeld wäre diese Woche 100 Jahre alt geworden. Ich empfehle die Videos seiner Sketche auf youtube. Auch wenn einiges mittlerweile arg überkommen und strickjackig daherkommt: das Timing dieses Mannes ist atemberaubend perfekt.

Noch ein Abschied: Heute spiele ich in Minden zum letzten Mal das westfälische Urgestein Heinrich von Hopfenberg. Ich will nicht sagen, dass ich froh bin, den bornierten Blödkopp los zu sein, aber dieser Abschied fällt mir deutlich leichter.