Splitterbrötchen (CCCXII)

Großer Grund zur Freude: ich kann mir endlich einen neuen Kaffeebecher bestellen.

Mit Entsetzen in Rotenburg an der Fulda gesehen, dass sie sich ein riesiges Einkaufszentrum mitten in die Stadt setzen. Zwei Fliegen mit einer Klatsche erwischt: das Stadtbild verschandelt und dem ohnehin schon ums Überleben kämpfenden Einzelhandel in der historischen Altstadt den Todesstoß versetzt.

Was ich an Menschen nicht verstehe, die nach eigenem Bekunden nicht verlieren können: Warum man freiwillig mit einem derart reduzierten Weltbild leben will.

Splitterbrötchen (CCCXI)

Dan Brown schreibt im Prinzip immer wieder das gleiche Buch. Und ich les es immer wieder hochgespannt und mit Freude, wenn es „neu“ erscheint.

Den aktuellen Band „Inferno“ habe ich übrigens auf englisch gelesen, weil das englische e-book satte 9 (!) Euro preiswerter war als das deutsche. Sicherlich kann der Bastei-Lübbe-Verlag diesen Preisunterschied mit den fürstlichen Übersetzer-Honoraren erklären, die er freudevoll und großzügig zu zahlen pflegt.

Die Headline der Woche kreierten wackere Investigativ-Journalisten von SpOn:  „Zschäpes Anwälte planen weitere Anträge“. Mit angehaltenem Atem warten wir auf ähnliche SpOn-Scoops wie „Bundesregierung plant ein neues Gesetz“, „Dachdecker enthüllt Dachdeck-Vorhaben“ oder „Meteorologen halten morgiges Wetter für gesichert“.

Meine neueste Leidenschaft: Groupon-Beschreibungen lesen. Eine wahre Bonanza für Freunde unfallträchtiger Prosa. Ich zitiere aus dem Angebot für Peking-Ente in einem Berliner China-Restaurant: „Nun, jedes Ding findet irgendwann einmal seinen Meister – was die Beatles mit Tönen und Harmonien anstellten, was Alexander der Große mit seinem Heer vollbrachte und wie Sepp Herberger einst mit dem Ball verschmolz, so verschmilzt imLon-Men Ting, der Inhaber des traditionsreichen China-Restaurants, mit der wundervoll authentischen chinesischen Kochkunst, die den Gästen hier geboten wird.“

Wenn aus Schauspielerinnen „Aktricen“ werden, merken wir: die Herde der Berufs-Empörten ist wieder durchgegangen.

Und die Entdeckung der Woche: „Mord und Margaritas“ auf irgendeinem Digitalkanal des ZDF gesehen. Schöne, schwarze Komödie mit überraschenden Wendungen, und ein sensationeller Pierce Brosnan, der das Zeug zum Groß-Komiker gehabt hätte. Aber dann hat ein widriges Schicksal erbarmungslos zugeschlagen, und er musste James Bond spielen. Armer Kerl.

 


 

 

 

Splitterbrötchen (CCCX)

Wie der Zufall es wollte: einen Tag nach meinem Spargelverkäufer-am-Breslauer-Platz-Rant kam ich am Spargelstand eines Großanbieters aus Klaistow vorbei: Der Spargel war um ca. ein Drittel bis die Hälfte preiswerter, wurde auf Wunsch gratis im Automaten geschält, die Handelsklassen waren korrekt zugeordnet und es gab Sonderangebote in Spargel, der zu dünn, zu dick, zu krumm für eine korrekte Handelsklassen-Einsortierung war (3,99 pro kg). Liebe Spargelgauner vom Breslauer Platz, jetzt ratet doch mal, wo ich in Zukunft kaufe.

Das Zitat der Woche verdanken wir Harry Rowohlt: „Autorenkino. Regietheater. Befreiungstheologie. Alles genauso Quatsch wie mittelscharfer Senf.“

Roman Coppola gab in einem Interview zu Protokoll: „Charlie Sheen ist ein Gentleman.“ Sheen wird ihn verklagen, da bin ich mir sicher.

Mein Wochen-Highlight: ein höchst angenehmes Mittagessen (was sonst?) mit Lunch-Profi Sebastian Dickhaut und der der geduldigsten Gemahlin von allen im „Mainhattan“ in der Hessischen Landesvertretung. Gut, die Ahle Wurscht konnte den Hausschlachtungs-verwöhnten Gaumen nicht ganz überzeugen, die Leberwurst war hingegen ausgezeichnet, und kochen können Sie da: exzellentes Kraut zum saftigen Rippsche, tolle Beulchen mit Zwiebelsauce, alles zu Beinahe-Kantinenpreisen. Freundlicher, humorvoller Service. Empfehlung.

Dass immer noch Menschen Theaterregie mit dem Einrennen offener Türen verwechseln…

 

 

Splitterbrötchen (CCCIX)

Eine aus Minden mitgebrachte heftige Erkältung gab mir die nötige Muße, um zu einer bahnbrechenden Entdeckung zu kommen: in Millionen und Abermillionen Haushalten weltweit zieht der Tee zu lange. Wenn man sich das übliche Szenario „Tee aufgießen, Ziehzeit im Kurzzeitwecker einstellen – irgendwas machen – Wecker klingelt – zurück in die Küche eilen – Wecker ausstellen – Tee abgießen“ wird diese Tatsache sofort deutlich. Für die Teitspanne „Zeit Einstellen – Wecker klingeln – zurück in die Küche eilen – Wecker ausstellen“ können wir getrost einen Wert zwischen 30 Sekunden und mehr als einer Minute annehmen, so dass wir getrost davon ausgehen können, das nur ein Bruchteil  der Menschheit überhaupt weiß, wie Tee schmeckt, der nicht viel zu lange gezogen hat.
Das scheint aber niemanden zu stören. Warum sollte es auch? Wie jede bahnbrechende Entdeckung beginnt auch meine als nervende Besserwisserei.

Das Zitat der Woche verdanke ich einem mir bis dato vollkommen unbekannten englischen Ex-Fußball-Profi namens Barry Venison: „Niemand im Fußball sollte ›Genie‹ genannt werden. Genies sind Menschen wie Ronald Einstein.“

Diese Woche gesehen: die sträflichst unterschätzte Clash-of-Cultures-Komödie „Outsourced„, sehr, sehr komisch, dicke Empfehlung.

Couchpotatoes Wunderland: Tablet mit HDMI an den Fernseher und über Online-Videothek Filme und Serien für’n Appel und ’n Ei angucken. Macht Spaß. Ist bequem. Preisleistungsverhältnis stimmt. Gab’s früher nicht. Früher war nichts besser. Nichts. Nichts. Nichts.

Und was mir immer noch nicht in den Schädel will: dass es in einer Stadt wie München ein Ding der Unmöglichkeit sein soll, einen Gerichtssaal aufzutreiben, in dem die Akteure und ein paar hundert Pressevertreter Platz finden. Ohne irgendwelche Auswahlverfahren.

Abschließend: Liebe Spargelhändler vom Breslauer Platz: 6 Euro fürs Pfund und 10 Euro fürs Kilo Spargel sind angesichts des um die Ecke liegenden Spargelgebiets eine Unverschämtheit. Und „Handelsklasse I“ ist nicht etwas, das Ihr per declarationem festlegen könnt, dafür müssen die Spargel gewisse Anforderungen erfüllen. Ihr dürft auch nicht einfach ein paar Stangen zusammenpacken, die unterscheidlich lang, unterschiedlich dick und mal ein bisschen mehr oder weniger violett sind und diesen Bund in die gleiche Handelsklasse einsortieren, wenn ihr seriöse Händler sein wollt. Ach, wollt ihr gar nicht? Lieber so Halsabschneider, die den unwissenden Friedenauern ihren letzten Ramsch zu Mondpreisen andrehen? Na, dann weiß ich Bescheid und will nix gesagt haben.

Splitterbrötchen (CCCVIII)

Minden, am Samstagabend. Es sind ungefähr 5 Grad und es soll noch regnen. Gleich muss ich eine Vorstellung „Olympia-Express“ spielen, die zum Teil unter freiem Himmel stattfindet. So langsam dämmert mir, warum mir vor mehr als dreißig Jahren so viele Leute vom Theaterberuf abgeraten haben.

Wenigstens hat’s nicht geregnet. Nach Vorstellung und Absacker mit den Kollegen stoße ich auf dem Weg ins Hotelzimmer auf die Restausläufer eines Events. Ich habe vollkommen verpasst, dass vor einiger Zeit Dantes „Inferno“ in „Ü-30-Party“ umbenannt wurde.

Auch wenn ich ich nicht mehr lese: der SPIEGEL kann mich noch verblüffen, Die aktuelle Ausgabe wartet mit einer Titelgeschichte zu Uli Hoeneß auf. In der Vorankündigung erklärt der stellvertretende Chefredakteur, dass Hoeneß den Autoren nicht zur Verfügung stand. Die ermittelnden Behörden dürften wegen Wahrung des Steuergeheimnisses ebenfalls keine Informationen gegeben haben. Fast hätte die Neugier über meinen Widerwillen, die aktuellen Heißluft-Preise zu zahlen, gesiegt. Fast.

Nur noch wenige tausend Treffer bei einer Google-Suche: Müssen wir das Wort „Pennälerhumor“ auf die Liste der bedrohten Arten setzen?

 

 

Splitterbrötchen (CCCVII)

Was nicht jeder weiß: Ärgerliche Rotweinflecken können durch Biertrinken vermieden werden.

Mein Highlight der Woche fand an der Käsetheke im Supermarkt statt. Auf meine Frage nach einer m. E. doch eher bekannten italienischen Käsesorte berlinerte mir die Käsefachverkäuferin donnernd „Fontina-Käse? Was soll’n dat sein? Det hab ick ja noch nie jehört!“ zurück.
Und, ja, es war Reichelt-Edeka. „Wir lieben Lebensmittel.“

Allerdings hätte besagte Käsefachverkäuferin mich mit „Wejen dem Käse von Tina müssense morjen nochma nachfraren,  Tina is heute in der Berufsschule.“ sehr erfreuen können.

An alle, die glauben, der Rückwärtsgang führe ins Glück: Früher war nichts besser. Nichts, nichts, nichts.

Was auch nicht jeder weiß: Nüchternes Denken lässt sich wirksam mit Alkohol bekämpfen.

 

 

Splitterbrötchen (CCCVI)

Was nicht jeder weiß: In Streitgesprächen behält man öfter das letzte Wort, wenn man es mit einer Drohung untermauert.

Als junger Mann war ich meistens zu aufgeregt, um irgendwie cool zu wirken. Mittlerweile fühle ich mich zu alt und zu müde, um mich über jeden Scheiß aufzuregen. Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand das mit Coolness verwechseln sollte.

Das scharfe Anbraten von Kalbs-, Rinds- und Geflügelleber ist kontraproduktiver Quatsch.

1970 habe ich mir meine Meinung über den italienischen Fußball gebildet. Und sie seitdem nicht revidieren müssen.

Dass u.a. dem SpOn-Chefredakteur gekündigt wurde, überrascht nicht. Wer eine dermaßen offensichtlich von Dr. House inspirierte Serie wie „Ein rätselhafter Patient“ NACH der letzten von 8 Staffeln lanciert, hat unzweifelhaft ein gewisses Aktualitätsproblem.

Die mediale Aufregung um Klopps Haare verstehe ich nicht. Soll er doch, wenn er keine Geheimratsecken mag. Die entsprechende Kalauerei (L’Oreal Madrid) ist albern und niveaulos und wird sich hoffentlich legen, wenn er von Dortmund zum HaarSV wechselt.

Enttäuschung der Woche: Ausgerechnet Sybille Berg, die in ihrer SpOn-Kolumne ins modische Peter-Stein-Bashing einfällt. Wer Stein als „Schreier“ bezeichnet, der f“fest daran glaubte, Kunst ließe sich erzwingen“ hat wohl nie eine Stein-Inszenierung gesehen.

Und, Frau Berg: Natürlich lässt sich Kunst erzwingen. Was machen Sie denn als Künstlerin, wenn Sie mal ’n schlechten Tag haben? Sie nehmen sich frei? Schön für Sie. Das können sich die meisten Künstler nicht leisten.

 

Splitterbrötchen (CCCV)

Immer wieder erstaunlich, dass so wenige Menschen den Unterschied zwischen „Wissen wie’s geht“ und „Können“ kennen.

Ein Laden, bei dem ich vor drei Jahren einmalig was bestellt hab, bedankt sich per E-Mail für meine Treue. Entweder die halten mich für doof, oder der Marketingberater ist extrem beziehungsunerfahren.

Freundlichkeit ist ein Gut, von dem viele Menschen sich nur in kleinsten Mengen trennen. Vermutlich aus Angst, es könnte knapp werden.

Ein gegenteiliges Erlebnis hatte ich in dieser Woche am Bahnhof Wuppertal, wo ich vom vermutlich freundlichsten Döner-Verkäufer der Welt einen Döner erwarb. Nach Hineinbiss war klar, dass es sich bei dieser Freundlichkeit um präventive Notwehr gehandelt hatte. Einem dermaßen zuvorkommenden Menschen wirft man den Döner nicht ins Gesicht, auch wenn er noch so hundsmiserabel schmeckt.

In letzter Zeit zeigen mir die Firmen Amazon und Google beinahe ausschließlich Werbung für Produkte, die ich gerade eben gekauft habe. Will man mir einreden, soeben einen Fehlkauf getätigt zu haben, oder welche Gründe gibt es für dieses bizarre Vorgehen?

Was nicht jeder weiß: Hartnäckige Rotweinflecken lassen sich vermeiden, in dem man den Wein trinkt anstatt ihn zu verschütten.

 

Splitterbrötchen (CCCIV)

Katastrophe von kosmischen Ausmaßen: Lieblings-Griechen-Wirt Fitos hört auf. Ein festgefügtes Universum aus Grillfleisch, rohen Zwiebeln und Ouzo verliert sein Zentrum und gerät ins Wanken. Was soll nun werden?

Nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder eine Lammkeule ausgebeint (es gab Lammkeule nach Dieter Kaldewey). Obwohl vollkommen aus der Übung hielt ich in Minutenschnelle den Knochen in der Hand. Warum rollen einige Fleischer mit den Augen, wenn man sie um diese paar simplen Handgriffe bittet?

Das Bekenntnis der Woche gelang Markus Babbel: „Ich habe kein Internet.“

Was ich beklagenswert finde: Dass sich immer mehr Menschen aus meinem erweiterten Bekanntenkreis andauernd über irgendwas beklagen.

 

Splitterbrötchen (CCCIII)

Was nicht jeder weiß: Weißweinflecken kann man unkompliziert durch einfaches Drübergießen in Rotweinflecken verwandeln.

Eins der wunderbarsten Privilegien der Jugend: Der felsenfeste Glaube, Probleme einfach mit einer korrekten Attitüde lösen zu können.

Was auch nicht jeder weiß: man kann den Verzehr eines vegetarischen Gerichts elegant vermeiden, in dem man stattdessen eine Portion Sauerbraten oder ein Schnitzel bestellt.

Es war nicht alles schlecht in der DDR. Immerhin haben Walter und Erich die Transitstrecken gebaut.

Schiebe-Ramsch als Spiegel des Lebens: Die Gegner dazu bringen, solange zu tauchen, bis der Durchmarsch unaufhaltsam ist.

Mein derzeitiger Schleuderküchen-Favorit: türkisches Sandwich. Vollkornbrötchen aufgeschnitten leicht antoasten, mit Quark-Chili-Paste bestreichen, darauf längs in Scheiben geschnittene angebratene Parmak-Sucuk und Scheiben von Tomate und roter Zwiebel. Dazu noch so ’ne lange, schmale hellgrüne Pfefferschote… Hammer.

Dass ich Frau Peitz vom Tagesspiegel mal loben würde, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Aber der Satz „‚Unsere Mütter, unsere Väter‘ macht aus Schweinen arme Schweine.“ bringt Serie und Sachverhalt beispielhaft auf den Punkt.

Die hierzulande beliebteste Endlos-Schleife: Sowie jemand etwas geleistet hat, das ihn aus der Masse Mensch heraushebt, kommt die Masse brüllend angegurkt, um zu fordern, dass die- oder derjenige sich gefälligst anzupassen habe.

Und was die wenigsten wissen: alkoholfreie Getränke schmecken oft banal und sorgen für trübe Stimmung. Diese Mängel kann man durch Zugabe von Spirituosen unkompliziert beheben. Bei der Spirituosenauswahl kann Mut zum Experiment Wunder wirken.