Splitterbrötchen (CCCII)

Was nicht jeder weiß: Man kann bei der Teezubereitung durchaus auf Teeblätter verzichten, erhält dann jedoch lediglich heißes Wasser.

Verwirrendes Bad Bevensen! Nirgendwo findet man Informationen über den größten Sohn der Stadt, Jod Sole. Dabei muss der Mann Großes geleistet haben, sonst hätte man ja nicht die Therme nach ihm benannt.

Findige Berliner Immobiliengesellschaften bieten jetzt „Highspeed Gewerberäume“ an. Träume werden war: im Bürostuhl durch die Schallmauer.

Am Hochzeitstag den bisherigen kulinarischen Höhepunkt des Jahres erlebt: Stint, gebraten. Riesen-Delikatesse. Muss ab jetzt wohl zur Saison eine Stint-Reise an die Elbe in die Jahresplanung aufnehmen.

Und den Sommerurlaub gebucht. Regelmäßige Netzecken-Besucher und Splitterwörtchen-Leser werden überrascht sein: nach langem, intensiven und durchaus schmerzhaftem Ringen haben die geduldigste Gemahlin von allen und ich uns schwersten Herzens entschlossen, in diesem Jahr etwas vollkommen neues zu wagen. Wir werden erst im August nach Podersdorf fahren.

 

Splitterbrötchen (CCCI)

Wir wurden Zeuge einer Jahrhundert-Headline, die niemand anders als die BILD kreieren konnte: „Totilas bei Sex mit Phantom-Stute verletzt“.

Wer von „Furor“ auf „Furie“ schließt, hat einen sehr großen Willen, beleidigt zu werden.

Eigentlich hab ich ja was  gegen Allgemeinplätze wie „Die Deutschen können dies nicht…“ und „Die Deutschen können das nicht…“ Aber Gelassenheit fällt den Deutschen wirklich schwer.

Freigiebigkeit mit Süßigkeiten ist ein probates Mittel, sich ins Langzeitgedächtnis junger Menschen zu schmuggeln. Ich zum Beispiel denke immer noch mit Dankbarkeit an meine liebe Großtante Emma. Und an die rote Blechschachtel.

Was am Älterwerden mit Abstand am meisten nervt: Die stetig wachsende Zahl von Leuten, die einem eine Krankheit einreden wollen.

Natürlich will sich niemand auf seinen Lorbeeren ausruhen, nicht wahr, Herr Diekmann? Wir warten auf: „Neues von der Totilas-Affäre: Jetzt spricht die Phantom-Stute!“

Splitterbrötchen (CCC)

Diese Jubiläumsausgabe der Splitterbrötchen ist aus naheliegenden Gründen dem Berliner Filmproduzenten Artur Brauner gewidmet.

Ich selbst hatte übrigens einmal einen Drehtag bei einer Brauner-Produktion. Dabei konnte ich seinen berüchtigten Geiz sein außerordentliches Genie bei der Kostenkontrolle kennenlernen. Dreimal rief  Brauner am Drehort an und verlangte den Regisseur zu sprechen, um sicherzustellen, dass zwei Kollegen und ich bis 11 Uhr 30 abgedreht waren. Damit er uns nicht das Mittagessen bezahlen musste.

Ansonsten sind die geduldigste Gemahlin von allen und ich ganz schlecht mit Jubiläen. Deshalb haben wir’s auch diese Woche verpasst, unser Einjähriges in Friedenau zu feiern. Doch, ist schon ein Jahr her, dass wir Kreuzberg verlassen haben.

Ein Jahr hatte ich also Zeit, um zum dicken (ha!) Freund meines Induktionsherds zu werden. Hätte nie gedacht, dass ich Gas überhaupt nicht mehr vermissen würde.

Diese Woche dann noch die erste Einheit Reha-Sport. Nee, Gymnastik ist nicht meins und wird’s nie werden. Ich brauch frische Luft, Ball und Gegner. Ersatzweise ein Fahrrad.

Zum Schluss noch meine liebste Atze-Brauner-Anekdote, keine Ahnung, ob sie wahr ist. In den Sechzigern soll die BZ eine Umfrage unter Prominentenkindern veröffentlicht haben: „Was würdest du machen, wenn Papi dir hundert Mark schenkt?“ Das Brauner-Kind hob sich wohltuend vom Promi-Einheitsbrei (Fahrrad kaufen, Eis essen gehen) ab. Auf die Frage, was es mit den von Papi geschenkten hundert Mark machen würde, antwortete es freimütig: „Nachzählen!“

 

Splitterbrötchen (CCXCIX)

Mit dem Titel der Woche beglückte uns der NDR: „Die spannendsten Seen Norddeutschlands“ begeistert. Mit angehaltenem Atem warten wir auf „Nervenkitzel Lacktrocknen“.

Entsetzt festgestellt, dass ich ab CCXCI die Splitterbrötchen-Nummerierung versaubeutelt habe. Römische Ziffern zähneknirschend korrigiert. Unlogisch, das!

Wo man hinguckt: Menschen, die verzweifelt bemüht sind, alles richtig zu machen. Wie langweilig.

Illustrierten-Überschrift: „Jetzt spricht Markus Lanz!“ Wie war das nochmal mit „Teilen Sie etwas neues mit“?

Die Säulen, auf denen die Berliner Supermarkt-Gourmandise ruht: „Rossbiff“ und „Kammbär“.

 

 

Splitterbrötchen (CCXCVIII)

Wehmut, als mir alte Theaterfotos in die Hände fielen. Man war doch mal ein gutaussehender junger Mann. Der Zahn der Zeit ist ein Arschloch.

Schon zweimal hier in Berlin auf der Straße bzw. in der S-Bahn beobachtet: Eltern, die ihre Kinder vom Musikunterricht abholen oder dahin bringen und den lieben Kleinen das Instrument tragen. Liebe Eltern, das mag ja gut gemeint sein, geht aber gar nicht. Machen Sie Ihren faulen Kackbratzen bitte klar, dass das Erlernen eines Musikinstruments ein verdammtes Privileg ist. Und dass es zum Musizieren dazu gehört, sich selbst um das Instrument zu kümmern, punktum. Kann ja wohl nicht wahr sein…

Und, wo wir gerade beim Thema sind: Es ist überhaupt keine gute Idee, ständig parat zu stehen, um sämtliche Probleme, die der Nachwuchs haben könnte, aus dem Weg zu räumen. Es gibt keine bessere Vorbereitung aufs Erwachsenendasein als zu lernen, wie man selber Probleme löst. Das geht nur „by doing“.

Den neuesten Lebensmittelskandal verstehe ich nun überhaupt nicht mehr. Menschen, die 400g Lasagne für 1,69 Euro kaufen, sollten doch angenehm überrascht sein, dass da immerhin Pferdefleisch drin ist.

Käme ein anderer Sender als der RBB auf die Idee, einen ausgestopften Eisbären in den Mittelpunkt einer Live-Übertragung zu stellen? Wohl eher nicht.

 

Splitterbrötchen (CCXCVII)

Im Rennen um den Spam-Betreff der Woche siegte ganz souverän Fa. Jochen Schweizer mit „Valentinsrabatt statt Sexismus“.

Letztlich altert man nur mangels Alternative.

Wenn es wenigstens formidable Schurken wären, gegen die man ständig anrennt… Aber es sind ja nur Krämerseelen, die nichts anderes im Sinn haben als faden Positionserhalt.

Zufällig im Netz auf den Text eines jungen Menschen gestoßen, der die politische Korrektheit offenbar als Kuschelgruppe begreift, die ihm allzeit die Sicherheit gibt, niemanden zu diskriminieren oder zu beleidigen. Kommt „Nur nicht Anecken“ als Lebensprinzip wirklich wieder?

 

Splitterbrötchen (CCXCVI)

Unmöglich, auf Anhieb unfallfrei zu lesen: Geleinlegesohlen.

Diese Woche hat sich doch glatt der allerhöchst geschätzte Werner Schneyder in eine TV-Talkshow verirrt. Und sofort mit „Ich verwende Eigenschaftswörter grundsätzlich nicht in der Öffentlichkeit“ einen Instant Classic abgeliefert.

Wenn man nicht-virtuelle Dinge ändern möchte, muss man nach wie vor die Maus für eine Weile aus der Hand legen.

Ratlosigkeit angesichts Déja Vu: Hab ich bestimmte Debatten tatsächlich schon einmal so erlebt, oder erinnere ich bloß entfernt ähnliche Debatten unscharf bis falsch?

Und dann war da noch dieser radikal verwirrende Moment, als Schauspielerin Sass den Moderator Kusmagk dermaßen ausgelassen zerpöbelte, dass er seinem Kollegen Lanz anvertraute, er würde am ganzen Körper zittern, worauf Matussek der Sass applaudierte und Dall ihr den Puls fühlte. Ich hingegen assoziierte plötzlich und unvermittelt die Worte „gefühlte Wirklichkeit“ und kenne mich seitdem gar nicht mehr aus.

 

Splitterbrötchen (CCXCV)

Nach „Pippi Langstrumpf“ und der „Kleinen Hexe“ geht’s weiter: beim Tagesspiegel hat ein Germanist Antisemitismus beim Gurkenkönig ausgemacht, und die BBC (!) hat in vorauseilendem Gehorsam vor einer Wiederholung die 30 Jahre alte (!) Serie „Fawlty Towers“(!) entschärft. Die Political-Correctness-Paste kriegt man nicht in die Tube zurück gedrückt.

Da war doch mal ein Buch namens „1984“. Da waren wir doch empört, als wir lasen, wie die Geschichtsbücher umgeschrieben wurden. Aber wenn uns das in den Kram passt, soll Umschreiben plötzlich okay sein?

„Ich nehm dann die Eier im Glas, aber statt der Eier hätte ich gern Rotwein, und statt des Glases nehme ich eine Flasche!“ ist meine Weiterentwicklung von „Einen Glühwein, bitte, aber kalt und ohne Gewürze!“

Faszinierende Neuerung bei Facebook: „Spiele your friends are playing“.

Wenn es stets einfach ist, einem Prinzip zu folgen, dann ist es oftmals keins.

Mit einem Hashtag verändert man einen Eintrag ins Internet, nicht die Welt.

Splitterbrötchen (CCXCIV)

Traut ihr euren Kindern wirklich so wenig zu, dass ihr fürchtet, sie würden zu Rassisten, wenn Sie das Wort „Neger“ lesen? Ist es euch wirklich peinlich, dem Kind erklären zu müssen, dass mit „Wichsen“ auch mal Schuheputzen gemeint war? Ist es euch anderen wiederum nicht peinlich, euch  über derartige Nichtigkeiten aufzuregen?

In diesem Zusammenhang reden jetzt alle von Astrid Lindgren und Otfried Preußler. Niemand redet von Immanuel Kant. Und der hat- unter anderem – geschrieben: „Einige Merkwürdigkeiten von der schwarzen Farbe der Menschen. 1. Die Neger werden weiß gebohren, außer ihren Zeugungsgliedern und einem Ringe um den Nabel, die schwarz sind. Von diesen Theilen aus ziehet sich die Schwärze im ersten Monate über den ganzen Körper. – 2. Wenn ein Neger sich verbrennt, so wird die Stelle weiß. Auch lange anhaltende Krankheiten machen die Neger ziemlich weiß; aber ein solcher, durch Krankheit weißgewordener Körper, wird nach dem Tode noch viel schwärzer, als er es ehedeß war. – 3. Die Europäer, die in dem heißen Erdgürtel wohnen, werden nach vielen Generationen nicht Neger, sondern behalten ihre europäische Gestalt und Farbe. Die Portugiesen am Capo Verde, die in 200 Jahren in Neger verwandelt seyn sollen, sind Mulatten. – 4. Die Neger, wenn sie sich nur nicht mit weißfarbigen Menschen vermischen, bleiben selbst in Virginien durch viele Generationen Neger … – 8. Die Mohren, ingleichen alle Einwohner der heißen Zone, haben eine dicke Haut, wie man sie denn auch nicht mit Ruthen, sondern gespaltenen Rohren peitschet, wenn man sie züchtiget, damit das Blut einen Ausgang finde, und nicht unter der dicken Haut eitere.“
Wie man das jetzt nach PC übersetzen könnte, weiß ich nun wirklich nicht. Bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als Kant auf den Index zu setzen? Wäre doch schade, eigentlich.

Und wenn jetzt wieder jemand ankommt und meint, es dürfe nicht sein, dass Wörter oder Sätze in einem Buch andere Menschen beleidigen: Doch, das darf. Das muss manchmal sogar. Ich zitiere erneut Rowan Atkinson: “Das Recht, zu beleidigen, ist wesentlich wichtiger als jegliches Recht, nicht beleidigt zu werden.“

Der Chuck der Woche: Chuck Norris hat die Flughafenleitung in Berlin-Schönefeld übernommen. #BER wird morgen früh, 6 Uhr 30, eröffnet.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCXCIII)

Immer, wenn man denkt, dass einen nichts mehr überraschen kann… Laut SpOn glaubt Ramsauer nicht mehr an eine Flughafeneröffnung vor 2015 und schlägt daher vor, das Projekt zu erweitern. Ja, Herrschaftszeiten, mit was für abgefahrenen Drogen experimentiert man denn im Verkehrsministerium?

Immer wieder gelesen, Wowereit könne gar nicht zurücktreten, da es in der Berliner SPD keine Alternative zu ihm gäbe. Mit der gleichen Begründung hat sich Ludwig XVI. im Amt zu halten versucht.

Das Event der Woche fand ich bei Xing, wo jemand ein Event namens „Am Fuße des Fernsehturms hier nun dieses herausragende Event“ veranstaltete. Eventiger geht wirklich nicht.

Den Tweet der Woche setzte FDP-Staatssekretär Otto ab: „Tragisch: Die Vorgänge, die #Christian_Wulff sein Amt gekostet haben,hat er nur getan, um Bettina zu imponieren ! So sind (manche) Frauen…“ Wenn ein Kerl Scheiß baut, um einer Frau zu imponieren, ist die Frau schuld. Immer wieder schön, den Ansichten eines Liberalen zum Thema „Verantwortung“ zu lauschen.

Die erste Dschungelcamp-Folge der neuen Staffel war hochkomisch und furios, Sonja Zietlows Einleitung und die abschließende Hommage an Dirk Bach waren anrührend. Großes Unterhaltungs-Fernsehen.