Splitterbrötchen (CXLIX)

Nicht auszudenken, was möglich wäre, wenn Louis van Gaal Lena trainieren würde.

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass man bei wirklich bahnbrechenden Erfindungen erst nach ca. 25 Jahren weiß, wofür sie gut sind. Also werden wir im Jahr 2035 endlich wissen, was man mit diesem iPad so alles anfangen kann.

Wenn ich meine masochistischen Anwandlungen bekomme, lese ich die Leserbriefspalten der Tageszeitungen. Den meisten Leserbriefschreibern fällt seit geraumerZeit nichts anderes ein, als ständig neue, strengere Gesetze zu fordern. Als ob ein Staat die Fehler und Versäumnisse seiner Bürger mit Gesetzen wieder gut machen könnte. Sicherlich könnte man das Niveau der Leserbriefe gewaltig steigern, wenn man die Forderung nach neuen Gesetzen gesetzlich verbieten würde.

Splitterbrötchen (CXLVIII – Madrid-Edition)

Der Triumph des Intellekts über die Leidenschaft sollte logisch und daher kein Grund für Traurigkeit sein. Sollte.

Wenn ich nix verpasst habe, hat es in diesem Spiel keinen einzigen Abseitspfiff gegeben. Gab es vorher schon mal ein Finale ohne Abseits-Situation?

Die Erkenntnis aus diesem Finale: Ballbesitz kann nichts, Effizienz alles sein.

„Wenn es eng wird, gewinnt derjenige, der etwas riskiert.“ Das hat mir vor ein paar Jahren Tennis-Trainer Wolfgang in Waging mit auf den Weg gegeben. Trainer Wolfgang ist auch in diesem Finale bestätigt worden: Mourinho hat alles auf eine Karte gesetzt, die Dominanz des van-Gaal-Systems in Kauf genommen und auf die individuelle Klasse seiner Konter-Spieler vertraut. Man braucht sehr, sehr viel Mut, um sich für solch eine Taktik zu entscheiden.

Warum Inter letztlich gewonnen hat: weil die Bayern ihr Spiel nicht umgestellt haben, als Klose eingewechselt wurde. Spieler wie Klose muss man mit Flanken füttern, ansonsten macht ihr Einsatz keinen Sinn.

Schließlich und endlich: Romantiker müssen stur sein. Ein Mensch, der nicht starrsinnig ist, kann kein Romantiker sein. Louis van Gaal ist der letzte fußballerische Romantiker.

Rock on, Louis!

Splitterbrötchen (CXLVII)

Nur weil man etwas nicht verstehen kann oder will, muss man es noch lange nicht abschaffen.

In der U-Bahn sah ich einen Menschen, der ein Paket mit „Premium-Windeln“ unter dem Arm trug. Wenn man dieses faszinierende Konzept zu Ende denkt, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, das es so etwas wie Premium-Scheisse geben muss. Premium-Scheisse. Das ist wirklich groß.

Was Angela Merkel und Guido Westerwelle vollkommen abzugehen scheint: Empathie. Laut wikipedia die Fähigkeit „sich in die Lage´(eines anderen Menschen) zu versetzen und mit ihm mitzufühlen, sich darüber klar zu werden, was der andere fühlen muss, sowie die eigenen Gefühle zu erkennen und angemessen zu reagieren.“ Nuja, wenn man das so liest… wer das nicht kann, hätte eigentlich nicht Politiker werden sollen.

Nach dem Gewinn des Doubles sollte der FC Bayern München den Vertrag mit den Versicherungsfuzzis auslaufen lassen und die Allianz-Arena in“Louis-van-Gaal-Stadion“ umbenennen. Sollte der Louis in einer Woche tatsächlich noch eine Schippe drauflegen, muss in München zwingend über einen neuen Namen für die Frauenkirche nachgedacht werden.

Splitterbrötchen (CXLVI)

Grandiose Kleinanzeige: „Gratis Millionär werden! Genießen Sie 20 Jahre lang jeden Monat 5555 Euro völlig gratis.“ Nur: Was mach ich, nachdem ich das Geld gratis genossen habe? Und was kostet das?

Vor einer Woche geschah bei Anne Will das Unglaubliche: Man talkte über ungebildete Jugendliche, und in der Runde befand  sich kein Schauspieler, der mal einen Lehrer gespielt hatte.

Die wichtigsten Küchenwerkzeuge: Küchenweinglas und Küchentisch.

Splitterbrötchen (CXLV)

Vielleicht ist Korruption manchmal billiger und sinnvoller als Bürokratie.

Das politische Erdbeben der Woche wurde von den Rating-Agenturen ausgelöst. Den gleichen Rating-Agenturen, die gewisse amerikanische Immobilien-Papiere mit Triple-A bewertet haben. Dazu sehr treffend yeahyeahyens auf Twitter: „kein idiot würde seine finanzen nach dem richten, was der besoffene, krankhafte spieler am automaten in der eckkneipe vor sich hin faselt“

Das Zitat der Woche prägte Albert Camus bereits im Jahr 1957: „Alles, was ich schließlich am sichersten über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball.“ Mit aktuellen Statements gemeinsam auf Platz zwo: Oberst Gaddafi mit „Ich rufe deshalb dazu auf, das Staatswesen der Schweiz aufzulösen.“ und Louis van Gaal mit „Ich bin ein Feierbiest.“

Und, um beim Thema Fußball zu bleiben, die aussagekräftigste Kurzanalyse gelang Peter Ahrens von SpOn mit dem Satz: „Trainer Mourinho formte aus der Mannschaft (Inter Mailand) eine Art bewegliche Mauer.“

Und fußball-endlich: Nach dem Labbadia-Rausschmiss muss der HSV schnellstmöglichst zur Seriosität zurückfinden. Sie sollten Lothar Matthäus holen.

Die Kneipen ändern sich nicht, und wir ändern uns nicht in ihnen.

Splitterbrötchen (CXLIV)

Erinnerung an einen schönen Abend in einem nordhessisschen Traditionslokal vor paarunddreißig Jahren: Nach Lektüre eines damals aktuellen Lucky-Luke-Bandes versuchten wir herauszufinden, ob man schneller trinken kann als sein eigener Schatten. Mit einer hastig organisierten Taschenlampe starteten wir eines Versuchsreihe und kamen zu einem verblüffenden Ergebnis: Ja, es geht. Wir wissen nur nicht, wie.

Den Titel der Woche kreierte ein bei Sat1 herumkommentierender Herr Fuß, als er einen Fuß(sic!)ballspieler zum „zweitbesten Top-Scorer der Liga“ kürte.

In Australien ist ein Restaurantbesitzer zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein Kellner seines Etablissements hatte einem Blinden den Zutritt verweigert, weil er dessen Blindenhund für schwul hielt. Selbstverständlich fühle ich mit dem Blinden, andererseits nötigt der Kellner mir echte Bewunderung ab: mehr Diskriminierung geht nicht.

Splitterbrötchen (CXLIII)

Unmittelbar nach dem Erwerb von Tomaten zum „Aktivpreis“ fühlte ich mich lebhaft und vital. Ein beglückender Moment.

Auf Eatsmarter ein Video bestaunt, in dem das korrekte Pellen eines hartgekochten Eis erklärt wird. Ich bin begeistert und warte auf „Wasserkochen II – Wie Profis es noch heißer kriegen“.

Wäre ich Jogi Löw, würde ich Kevin Kurányi sofort verzeihen, dass er während eines Länderspiels Dortmunder Westfalenstadion und deutsche Nationalmannschaft im Stich gelassen hat. Auf keinen Fall verzeihen würde ich dem guten Kevin sein kreuzdämliches Interview im neuen SPIEGEL. Ein  dermaßen steindummer, larmoyanter Vollspaten wird der Mannschaftauf keinen Fall weiterhelfen können, weder in Südafrika noch sonstwo.

Gerade festgestellt, dass ich „Larmoyanz“ ein Leben lang falsch geschrieben und ausgesprochen habe. Wie so vieles habe ich auch diese Erkenntnis dem Fußball zu verdanken.

Dass ein Großteil der Menschen, die länger als zehn Jahre Tennis spielen, zu missgünstigen, rechthaberischen Korinthenkackern mutieren, scheint mir empirisch beweisbar zu sein. Tennis ist ein gefährlicher Sport.

Splitterbrötchen (CXLII)

Es gibt gelungene BILD-Schlagzeilen. Es gibt hammerharte BILD-Schlagzeilen. Und es gibt Meisterwerke, die auf olympischen Höhen vom eisigen Wind der Ewigkeit umweht werden. Also Schlagzeilen wie „Polizei beschlagnahmt toten Opa aus Billigflieger“.


„Ihre Kreditkarte freut sich über dieses erwerb.“, teilte mir Spammer-König Horatio Acosta mit. Seitdem sehe ich bargeldlose Zahlungssysteme mit ganz neuen Augen.

 

Warum hat es eigentlich noch kein ARD-Sender mit einem Tatort-Kommissar probiert, der seine Fälle durch ausgiebiges Aktenstudium löst, samstags Bier trinkend vor der Sportschau hockt und gemeinsam mit seiner Frau eine umfangreiche Briefmarkensammlung pflegt? Wenn ich die anderen TV-Verbrecherjäger betrachte, hätte so ein Typ durchaus Chancen, von der Presse mit dem Etikett „unkonventioneller Ermittler“ versehen zu werden.

 

Es gibt wenige Dinge, die lustiger sind als alte Filmplakate. Sperrige Schriften, rührend-hilflose Fotomontagen, trashige Zeichnungen… wirklich saukomisch. Bis einem einfällt, dass man selbst die Dinger noch im Schaukasten hat hängen sehen.

Splitterbrötchen (CXLI)

Das Angebot der Woche sandte mir Meister-Spammerin Heinrike Bielefeld zu: „Unsere Gesellschaftsleiter sind auf der Suche landesbreit Arbeitskollegen, welche naeherungsweise sieben Werkstunden die Arbeitswoche nichts zu tun besitzen mit Interesse fuer unserer Gesellschaft aktiv zu sein.“ Dicht auf den Fersen folgte ihr Nachwuchskraft Isabella Marquardt, die unter dem bezaubernden Betreff „Lassen Sie uns Ihre Finanzen verhundertfachen“ mit „Unser Projektleiter spueren deutschlanduebergreifend Personen, diese naeherungsweise sieben Uhr jede Arbeitswoche keine Beschaeftigung verfuegen um bei unserer Firma ein zu springen.“ beglückte.

Den Olymp der Fernsehunterhaltung erklomm Fa. RTL mit „Die Jagd nach der Heiligen Lanze“. Als sich gegen Ende dieses außergewöhnlich imaginierten Films herausstellte, dass Goethe unter dem Brandenburger Tor eine Höhle zur Aufbewahrung einer dubiosen Reliquie gebaut hatte, kniete ich vor dem Fernseher nieder und betete an.

Charmante Sprach-Idiotie auf einem Cabernet Sauvignon-Etikett: „Die Aromatik dieser Rebsorte enthält Anklänge  an den Duft der Johannisbeere.“

Aber turmhoch über dem ganzen bereits erwähnten Irrsinn dieser Woche thront der „Geistige Begradigungstherapeut“ Christian H., der mir in seinem kunstreich verschwurbelten Prospekt nicht nur eine „Göttliche Aufrichtung“ sowie einen „Beinlängenausgleich“ offeriert, sondern im gleichen Aufwasch auch mein Handy von „gesundheitsgefährdenden Strahlenbelastungen“ reinigen möchte. Ja, was will ich denn mehr.


 



 

Splitterbrötchen (CXL)

Das Wort der Woche schuf Daniele Dell’Agli in einem Artikel für Welt-Online: „konsenssedierte Öffentlichkeit“.

Die Sprachtölpelei der Woche schenkte uns Tom Buhrow, als er Wolfgang Wagner als „langjährigsten Intendanten“ bezeichnete.

Und das Produkt der Woche ist selbstverständlich der mir von mehreren verdienstvollen Spammern ans Herz gelegte „Orgasmuskaugummi für die Frau“. Seit ich von dieser bahnbrechenden Novität gehört habe, sinniere ich, was wohl das entsprechende Produkt für den Herrn sein könnte. Vermutlich etwas mit „eingebauter Torgarantie“.

Ich werde das Gefühl nicht los, dass Schalke das Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern nicht mit 0:1 sondern mit 3:8 verloren hat.