Splitterbrötchen (LXXXIII)

Nach dem ich gelesen habe, dass es im Cockpit der im Hudson notgelandeten Maschine nach verbrannten Vögeln gerochen hat, werde ich nie wieder an einer Hähnchenbraterei vorbeigehen können, ohne an eine Notwasserung denken zu müssen.

Kann mir irgendjemand schlüssig erklären, warum der Ziegenbart wieder in Mode gekommen ist?

Weiß Frau Siegel eigentlich, was sie angerichtet hat? Wenn man mit Rückenproblemen zum Arzt muss, versichert man seit neuestem ungefragt, kein Simulant zu sein.

Die ARD-Rundfunkräte sind in heller Aufregung, weil Oli Pocher am letzten Donnerstag bei „Schmidt & Pocher“ Wehrmachtsuniform und Augenklappe getragen hat. Warum richtet sich der rundfunkrätliche Zorn nicht auch gegen Harald Schmidt, den man ja in dieser Causa mindestens als Mitläufer Mitsitzer bezeichnen muss? Erinnern sich die ARD-Granden daran, dass Schmidt gelegentlich gern den Hitler gibt? Haben sie deshalb Angst vor ihm?

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Splitterbrötchen (LXXXII)

Der „Schlesische Schwan der Woche“ geht an Tanja Buntrock und Sandra Dassler vom Tagesspiegel. In eine Reportage über die Schießerei in Schönfließ den Satz „Acht Kugeln flogen durch die kalte Nacht.“ hineinzuschreiben, zeugt von einem unbeugsamen, geradezu Friederike-Kempner’schen Willen zur Poesie am nicht erwarteten Ort. Weiter so!

Wenn man dem Feuilleton glauben schenken darf, hat Ostermeier an der Schaubühne „John Gabriel Borkman“ als Kommentar zur Wirtschafts- und Finanzkrise inszeniert. Wieso fallen Regisseuren und Kritikern zu aktuellen Themen immer wieder Stücke ein, die über 100 Jahre alt sind?

Nichts ist beliebiger als eine Beschwerde über die Beliebigkeit unserer Zeit.

Skandal: RTL schweigt in beiden Jubiläums-Shows den größten Entertainer tot, den dieser Sender je hervor gebracht hat – Horst Brack, den Bestrafer!

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Splitterbrötchen (LXXXI)

Immer wieder erstaunlich, nach was die Menschen bei Google suchen: „Skischuhe angießen“

Wenn man mal dringend einen Scharlatan braucht, sollte man einfach in ein Business-Netzwerk schauen. Da findet man sofort einen.

Viele Menschen mögen das „Dschungelcamp“ für blödsinnig halten. Ich jedenfalls kenne keine andere aktuelle Sendung, die so liebevoll und detailversessen gemacht wird.

Apropos Dschungel: Nobert Schramm scheint in irgendeinem Shaolin-Kloster die Kunst erlernt zu haben, sich unsichtbar zu machen. Cleverer Schachzug für die Zeit nach der Sendung: „Wie? Ich soll im Dschungelcamp gewesen sein?“

Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise hört man immer wieder den Vorschlag, es müsse „alles neu überdacht“ werden. Das ist sicherlich gutgemeint, letztlich aber Quatsch. Wenn alles neu überdacht wird, gibt das zwar einen Schub für die Bauwirtschaft und bei Regen werden weniger Leute nass, aber die strukturellen Probleme bleiben trotzdem ungelöst.

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Splitterbrötchen (LXXX)

Das Telefongespräch der Woche belauschte ich am 31. 12. 08 zur Mittagsstunde im Coffeeshop im Bahnhof Göttingen. Ein mit am Tisch sitzender, in eleganteste Freizeitkleiidung gehüllter junger Mann hatte einige Minuten an seinem Netbook herumgefummelt, dann griff er zum Blueberry und wählte eine Nummer aus dem Speicher. Als sich jemand meldete, verlangte er „eine abgesicherte Leitung“ und wurde mit jemandem – vermutlich einem Vorgesetzten – verbunden, den er „Sire“ (englisch ausgesprochen) titulierte. Einer seiner nächsten Sätze war „Meine eigene Vernichtung habe ich für kommenden April geplant.“ Solchen Leuten hört man doch gern beim Telefonieren zu.

Wenig später im Zug demonstrierte ein junger Mann, wie man mit einem einzigen Satz eine an sich banale Situation mit dramatischer Spannung aufladen kann. Ca. drei Minuten vor der Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof sagte er: „Ich würd jetzt gern raus, ich muss dringend furzen.“ Da ging ein Ruck durch die Menschen, die ihm zuhörten.

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Splitterbrötchen (LXXIX)

Für die Schlagzeile der Woche ist Spiegel Online zu loben: „Die brutalen Sexpraktiken der Tiefsee-Tintenfische“

Der Augenblick des Jahres: Als Helmut Schmidt nach Barack Obama gefragt wurde und daraufhin begann, mit herab hängendem Mundwinkel von „charismatisch begabten Idealisten“ zu reden. Herrlich, wie jemand diesem ganzen Hype mit Nüchternheit und Sarkasmus die Luft rauslässt. Einmalig, wie dieser Mann das Abmeiern zur Kunstform gemacht hat.

In der Kneipe gehört: Einen Song mit dem Refrain „Amy Winehouse, lass die Drogen sein, mach’s wie Karl Heinz, ich trink den Äppelwoi.“ Das ist natürlich Unfug. Damit Miss Winehouse die an sie gerichtete Mahnung überhaupt verstehen kann, hätte der Titel auf Englisch produziert werden müssen.
 
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Splitterbrötchen (LXXVIII)

Vor einem Jahr habe ich mich über Mails beschwert, die mit dem Satz „Weihnachten steht vor der Tür“ beginnen. In diesem Jahr sind diese Mails deutlich weniger geworden. Meckern hilft.

Gerade zehn Jahre tot und schon beinahe komplett aus der Mode und vergessen: Das hat Eric Ambler nicht verdient!

Gestern war ich durch die Abwesenheit eines Erstliga-Spieltages dermaßen irritiert, dass ich mir auf WDR die Drittligapartien Paderborn gegen Düsseldorf und Wuppertal gegen Emden angeschaut und mich im Internet über die dortige Tabellensituation schlau gemacht habe. Sieht so aus, als würde der WSV-Trainer morgen geschasst. Bei der Fortuna geht’s wohl aufwärts. Gut zu wissen. Vermutlich benötige ich mittlerweile professionelle Hilfe.

Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren eine Weihnachtskarte vom Steuerberatungsbüro erhalten. Jetzt mach ich mir wirklich Sorgen, dass diese Wirtschaftskrise richtig reinhaut.

Im Zeitungsladen: „Ich hab gehört, dass Falko Götz jetzt irgendwas in der Dritten Liga macht. Wie Hoffenheim.“ – „Genau. Wie Hoffenheim. Das machen jetzt alle.“

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Splitterbrötchen (LXXVII)

Ja, ja. Ich weiß. BILD ist böse. Aber Schlagzeilen wie „Beim Sex nimmt Heino die Brille ab!“ sind größtmögliches Tennis. Ich hätte übrigens gewettet, dass er sie aufbehält.

Interessant, dass Männer sich nur mit „Männer!“ anreden, wenn sie unter sich sind. Die selektive Konnotation dieser Anrede kommt praktisch nie zur Anwendung.

Kunst hat mehr mit Disziplin zu tun als jedes andere Dings.

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Splitterbrötchen (LXXVI)

Da es sich sonst niemand zu sagen traut, sag ich es eben: Armin Mueller-Stahl wird als Schauspieler vollkommen überschätzt. Mag sein, dass seine Masche (wässrig vor sich hingucken und grundsätzlich überhaucht sprechen) mal unter seinem Namen an Schauspielschulen gelehrt wird („Heute lernen wir Stahlmüllern!“), aber richtig gute Menschendarstellung geht anders.

Die Betreffzeile der Woche (aus dem Spam-Filter gefischt): „Weihnachten ist Potenz-Zeit“

Die Fernsehseite im Tagesspiegel am Mittwoch traf mich unvorbereitet wie ein Schock: Da hat ein Pathologe einen Besinnungsaufsatz darüber geschrieben, dass Serien wie „CSI Miami“ u.ä. nichts mit dem normalen Alltag des Gerichtsmediziners zu tun haben. Das hätte ich nie für möglich gehalten.

Nochmal Mueller-Stahl: Ist klar. Fast die ganze Zeit eine Schauspielerlebens verbringt man mit Warten. Da wird einem schon mal langweilig, dann schmiert man im Drehbuch herum, malt kleine Männchen… ist doch okay. Aber muss man das Gekritzel wirklich verscheuern?

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Splitterbrötchen (LXXV)

Die Suchmaschinenanfrage der Woche betraf mein Schreibblog. Dort schlug jemand auf, der Google die Frage „wie schreibe ich einen dialog zwischen zwei fachmännin?“ gestellt hatte.

Heftig und ergebnislos sann ich nach einer Eindeutschung des Worts „Gadget“.

Kult auf RTL. Für Freunde des Absurden und diejenigen, die über laienhaft gestellten Unfug lachen können: Die Mutter, die das Internetradio mehr liebt als ihre Familie  – zwischen Tattoo und Damenbart (dauert 45 Minuten!).

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Splitterbrötchen (LXXIV)

Ich bin mir relativ sicher, dass zwischen gleichgeschlechtlicher Liebe, der Beschäftigung mit Bildender Kunst und fortschreitender Gehirnerweichung ein Zusammenhang besteht.

Peter Neururer über die Intelligenz eines seiner Spieler: „Der hat gehupt, wenn er gegen einen Baum gefahren ist.“

Wundert sich irgendwer, dass kein Mensch mehr Zeitungen und Zeitschriften kaufen will, in denen Inhalte zu „Content“ verkommen sind?

Bruce Springsteen schreibt Lieder, die man mitsingen kann, bevor man sie gehört hat.

Der Tagtraum der Woche: Aus allen Rohren feuernd in das Finanzministerium eindringen, sich dort reuelos den Weg in Steinbrücks Büro freischießen, und ihm dort – mit aller zur Verfügung stehenden Coolness  – die Wumme an den Kopf setzen und gaaanz gelassen sagen: „Peer, ich will meinen Anteil.“

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