Splitterbrötchen (LXXXVI)

Man merkt, dass man älter wird auch daran, dass man Übung im Kondolieren bekommt.

Als ich im aktuellen Tchibo-Sortiment „Teebeutel-Boxen“ ausmachte, dachte ich spontan „Das ist ja praktisch!“ und lachte anschließend gellend & irre. Ich bin immer noch stolz auf meine adäquate Reaktion.

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Splitterbrötchen (LXXXV)

Eigentlich dachte ich, dass mich keine Suchmaschinenanfrage mehr verblüffen kann. Allerdings… nun ja, die Suche nach „Automechanikertorte“ ist natürlich herzallerliebst. Wenn es dem Mechaniker gelingt, alle Zündkerzen auf der Torte auszupusten, darf er sich was wünschen, nicht wahr?

Früher oder später musste es soweit kommen: Ein offenbar vollkommen merkbefreiter Beta- bis Alpha-Blogschmreiber bezeichnet Cut & Paste als „neue Kulturtechnik“. Da kann man dem digitalen Feuilleton nur eine große Zukunft prophezeien.

Und schließlich schickte mir ein gewisser Ottokar Lehmann per Mail eine frohe Botschaft: „Wir verwandeln ihr einfaches Schreibvermögen in ein professionelleres.“ Das freut mich natürlich sehr.

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Splitterbrötchen (LXXXIV)

Das Bücherlesen scheint tatsächlich auszusterben. Wird schwer werden ohne.

Es muss wirklich nicht immer Leberwurst sein, aber etwas namens „Bio-Bärlauch-Streich“ (!) von einer Firma namens „Zwergenwiese“ (!) würde ich mir nur in einer akuten Notlage auf die Stulle schmieren. Korrigiere mich: Nein, auch dann nicht!

Twitter ist ein Zeitvertreib für Nerds mit Konzentrationsdefiziten, sonst nix.

Das Konzept der „Bad Banks“ finde ich toll. Kann man bei so einem Laden eigentlich unbürokratisch ein Giro eröffnen? Mit ’nem richtig fetten Dispo?

Es gehört Format dazu, zu erkennen, dass man kein Format hat. Deshalb ist Selbsterkenntnis niemals eine kleine Leistung.

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Splitterbrötchen (LXXXIII)

Nach dem ich gelesen habe, dass es im Cockpit der im Hudson notgelandeten Maschine nach verbrannten Vögeln gerochen hat, werde ich nie wieder an einer Hähnchenbraterei vorbeigehen können, ohne an eine Notwasserung denken zu müssen.

Kann mir irgendjemand schlüssig erklären, warum der Ziegenbart wieder in Mode gekommen ist?

Weiß Frau Siegel eigentlich, was sie angerichtet hat? Wenn man mit Rückenproblemen zum Arzt muss, versichert man seit neuestem ungefragt, kein Simulant zu sein.

Die ARD-Rundfunkräte sind in heller Aufregung, weil Oli Pocher am letzten Donnerstag bei „Schmidt & Pocher“ Wehrmachtsuniform und Augenklappe getragen hat. Warum richtet sich der rundfunkrätliche Zorn nicht auch gegen Harald Schmidt, den man ja in dieser Causa mindestens als Mitläufer Mitsitzer bezeichnen muss? Erinnern sich die ARD-Granden daran, dass Schmidt gelegentlich gern den Hitler gibt? Haben sie deshalb Angst vor ihm?

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Splitterbrötchen (LXXXII)

Der „Schlesische Schwan der Woche“ geht an Tanja Buntrock und Sandra Dassler vom Tagesspiegel. In eine Reportage über die Schießerei in Schönfließ den Satz „Acht Kugeln flogen durch die kalte Nacht.“ hineinzuschreiben, zeugt von einem unbeugsamen, geradezu Friederike-Kempner’schen Willen zur Poesie am nicht erwarteten Ort. Weiter so!

Wenn man dem Feuilleton glauben schenken darf, hat Ostermeier an der Schaubühne „John Gabriel Borkman“ als Kommentar zur Wirtschafts- und Finanzkrise inszeniert. Wieso fallen Regisseuren und Kritikern zu aktuellen Themen immer wieder Stücke ein, die über 100 Jahre alt sind?

Nichts ist beliebiger als eine Beschwerde über die Beliebigkeit unserer Zeit.

Skandal: RTL schweigt in beiden Jubiläums-Shows den größten Entertainer tot, den dieser Sender je hervor gebracht hat – Horst Brack, den Bestrafer!

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Splitterbrötchen (LXXXI)

Immer wieder erstaunlich, nach was die Menschen bei Google suchen: „Skischuhe angießen“

Wenn man mal dringend einen Scharlatan braucht, sollte man einfach in ein Business-Netzwerk schauen. Da findet man sofort einen.

Viele Menschen mögen das „Dschungelcamp“ für blödsinnig halten. Ich jedenfalls kenne keine andere aktuelle Sendung, die so liebevoll und detailversessen gemacht wird.

Apropos Dschungel: Nobert Schramm scheint in irgendeinem Shaolin-Kloster die Kunst erlernt zu haben, sich unsichtbar zu machen. Cleverer Schachzug für die Zeit nach der Sendung: „Wie? Ich soll im Dschungelcamp gewesen sein?“

Im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise hört man immer wieder den Vorschlag, es müsse „alles neu überdacht“ werden. Das ist sicherlich gutgemeint, letztlich aber Quatsch. Wenn alles neu überdacht wird, gibt das zwar einen Schub für die Bauwirtschaft und bei Regen werden weniger Leute nass, aber die strukturellen Probleme bleiben trotzdem ungelöst.

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Splitterbrötchen (LXXX)

Das Telefongespräch der Woche belauschte ich am 31. 12. 08 zur Mittagsstunde im Coffeeshop im Bahnhof Göttingen. Ein mit am Tisch sitzender, in eleganteste Freizeitkleiidung gehüllter junger Mann hatte einige Minuten an seinem Netbook herumgefummelt, dann griff er zum Blueberry und wählte eine Nummer aus dem Speicher. Als sich jemand meldete, verlangte er „eine abgesicherte Leitung“ und wurde mit jemandem – vermutlich einem Vorgesetzten – verbunden, den er „Sire“ (englisch ausgesprochen) titulierte. Einer seiner nächsten Sätze war „Meine eigene Vernichtung habe ich für kommenden April geplant.“ Solchen Leuten hört man doch gern beim Telefonieren zu.

Wenig später im Zug demonstrierte ein junger Mann, wie man mit einem einzigen Satz eine an sich banale Situation mit dramatischer Spannung aufladen kann. Ca. drei Minuten vor der Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof sagte er: „Ich würd jetzt gern raus, ich muss dringend furzen.“ Da ging ein Ruck durch die Menschen, die ihm zuhörten.

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Splitterbrötchen (LXXIX)

Für die Schlagzeile der Woche ist Spiegel Online zu loben: „Die brutalen Sexpraktiken der Tiefsee-Tintenfische“

Der Augenblick des Jahres: Als Helmut Schmidt nach Barack Obama gefragt wurde und daraufhin begann, mit herab hängendem Mundwinkel von „charismatisch begabten Idealisten“ zu reden. Herrlich, wie jemand diesem ganzen Hype mit Nüchternheit und Sarkasmus die Luft rauslässt. Einmalig, wie dieser Mann das Abmeiern zur Kunstform gemacht hat.

In der Kneipe gehört: Einen Song mit dem Refrain „Amy Winehouse, lass die Drogen sein, mach’s wie Karl Heinz, ich trink den Äppelwoi.“ Das ist natürlich Unfug. Damit Miss Winehouse die an sie gerichtete Mahnung überhaupt verstehen kann, hätte der Titel auf Englisch produziert werden müssen.
 
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Splitterbrötchen (LXXVIII)

Vor einem Jahr habe ich mich über Mails beschwert, die mit dem Satz „Weihnachten steht vor der Tür“ beginnen. In diesem Jahr sind diese Mails deutlich weniger geworden. Meckern hilft.

Gerade zehn Jahre tot und schon beinahe komplett aus der Mode und vergessen: Das hat Eric Ambler nicht verdient!

Gestern war ich durch die Abwesenheit eines Erstliga-Spieltages dermaßen irritiert, dass ich mir auf WDR die Drittligapartien Paderborn gegen Düsseldorf und Wuppertal gegen Emden angeschaut und mich im Internet über die dortige Tabellensituation schlau gemacht habe. Sieht so aus, als würde der WSV-Trainer morgen geschasst. Bei der Fortuna geht’s wohl aufwärts. Gut zu wissen. Vermutlich benötige ich mittlerweile professionelle Hilfe.

Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren eine Weihnachtskarte vom Steuerberatungsbüro erhalten. Jetzt mach ich mir wirklich Sorgen, dass diese Wirtschaftskrise richtig reinhaut.

Im Zeitungsladen: „Ich hab gehört, dass Falko Götz jetzt irgendwas in der Dritten Liga macht. Wie Hoffenheim.“ – „Genau. Wie Hoffenheim. Das machen jetzt alle.“

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Splitterbrötchen (LXXVII)

Ja, ja. Ich weiß. BILD ist böse. Aber Schlagzeilen wie „Beim Sex nimmt Heino die Brille ab!“ sind größtmögliches Tennis. Ich hätte übrigens gewettet, dass er sie aufbehält.

Interessant, dass Männer sich nur mit „Männer!“ anreden, wenn sie unter sich sind. Die selektive Konnotation dieser Anrede kommt praktisch nie zur Anwendung.

Kunst hat mehr mit Disziplin zu tun als jedes andere Dings.

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