Splitterbrötchen (DCCCXCI)

Wir sind wieder in Splitterbrötchen-Regionen, in denen ich die korrekte römische Bezifferung nachgoogle. Natürlich nur zur Sicherheit!

Was nicht jeder weiß: Wenn bei einem Fahrschulwagen bei Sonnenschein die Scheibenwischer angehen, biegt er gleich ab.

„Jawohl, mein Marktführer!“

Das Wort der Woche schuf mal wieder Peter Glaser: „Heiterkeitsherausgeforderte Person“.

Begleiterscheinung des Alterns: Man ist plötzlich älter als alle Ärzte, die einen behandeln. Die logischerweise deutlich weniger Erfahrung haben als ihre Vorgänger, das muss hier mal gesagt werden!

Am Mittwochabend war ich im Kino, um „Top Gun: Maverick“ anzuschauen. Ich habe diesen zynisch durchkalkulierten Bullshit von der ersten bis zur letzten Sekunde genossen. Jerry Bruckheimer hat mal wieder geliefert, und wie! Wenn man das Kino blödsinnig grinsend verlässt, war es meistens ein Bruckheimer-Film.

Der Twitter-Lacher der Woche:

Welche gepflegt idiotische Idee steht eigentlich hinter den schwarzrotgoldenen Aufklebern, die Edeka seit Monaten auf die Auberginen pappt? „Wir sind Eierfrucht“?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren – wieder mal – ohne Firlefanz gebratene Campingzelt-Befestiger. Ein wunderbares Essen.

Perlen der Dialogkunst: „Es dürfen keine weiteren Fehler gemacht werden!“ rief ein erzürnter Darth Vader in Folge 4 der Disneyplus-Fehlleistung „Obi-wan Kenobi“. Der Drehbuchautor hätte Lord Vader gestatten sollen, seine Worte mit einem energischen „Sonst werd ich echt stinkig!“ zu bekräftigen.

Großen Spaß beim Lesen von „To Kill a Troubadour“ gehabt, dem 15. Abenteuer von Bruno, Chef de Police1 gehabt. In diesem Buch befasst Bruno sich mit Twitter, und damit sehe ich mich in meiner vor zwei Jahren erstmals geäußerten Theorie bestätigt, dass die geschätzte Twitter-Persönlichkeit „RS Archer“ entweder Walker selber oder einer seiner Rechercheure (R-e-S-e-Archer) ist. Die Kunstfigur Archer ist eindeutig in Walker’s Dordogne-Universum angesiedelt und tauchte vor ca. zwei Jahren auf Twitter auf, also als Walker die Arbeit am jetzt erschienenen Buch und den dafür notwendigen Social-Media-Recherchen  begonnen haben muss. Aber egal ob’s Walker, sein Rechercheur oder irgendjemand anders ist: die Geschichte vom „Brexit couple“ mit dem „idiot son“ ist einfach ein Kracher!

Splitterbrötchen (DCCCXC)

Menschen, die vor Ideen nur so sprühen, sprühen oft deshalb, weil sie gute von schlechten Ideen nicht unterscheiden können oder wollen.

Mit dem richtigen virtuellen Zoom-Hintergrund kann man die Aufmerksamkeit seiner Kurs-Teilnehmer entscheidend erhöhen.

Erst jetzt habe ich erfahren, dass Horst Sachtleben gestorben ist. Als ich – von 1976 bis 1978 – am Theater 44 in München als Inspizient und Regieassistent vom Dienst meine Grundausbildung in Sachen Theaterhandwerk erhalten habe, hat Horst dort in gefühlt jedem zweiten Stück Regie geführt. Er war einer der freundlichsten Menschen, die ich je kennenlernen durfte und beherrschte das Regiehandwerk wie kein zweiter. Ich habe sehr viel von ihm gelernt.

Das ist mir noch nie passiert: Beim wöchentlichen Skat lag ich vor der abschließenden Ramsch-Runde aussichtslos mit 500 Punkten Abstand hinten. Und dann hatte ich plötzlich mit Grand Hand, Grand Hand, Durchmarsch, Jungfrau gewonnen. Mit spielerischem Können hatte das nichts zu tun, das war reines Kartenglück. Schade eigentlich.

Micky Beisenherz hat mich sehr zum Lachen gebracht:

Kreativ gewesen und eine neue Pizza entwickelt: Pizza Cinque Formaggi, also Quatro Formaggi mit extra Käse. Pfiffig, nicht wahr?

Im Tagesspiegel stand diese Woche ein ausführlicher Artikel über den Gesundheitszustand Wladimir Putins, als Quellen waren ausschließlich Mitglieder amerikanischer Geheimdienste genannt. Natürlich wissen die Qualitätsjournalisten vom Tagesspiegel, dass Spione grundsätzlich nicht lügen, wenn sie mit der Presse sprechen.

In der wirklich sehenswerten Doku über Chuck Berry auf arte wurde ein ums andere Mal behauptet, was für ein großartiger Performer Chuck Berry war. Leider hat er das 1976 (!977?) im Circus Krone nicht gezeigt, als ich im Publikum saß: Rausgekommen, 45 Minuten lang mit einer uninspirierten Miet-Band seine Hits runtergeschrammelt, Duckwalk vorgeführt, Finito. Immerhin war er besser als die Vorgruppe (was keine Kunst war: Es waren „Eddie & the Hotrods“), deshalb haben ein paar Leute geklatscht.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt bestand in dieser Woche aus drei exzellent gekochten Gängen, einem Menü im „Le Canard“ in Steglitz. Die Vorspeisenvariationen zeugten von den tunesischen Wurzeln des französischen Kochs, der dann auch beim Hauptgang…

… drygeagtem Kotelett vom Duroc nebst Kartoffel, Spargeln und unfotografierter, Mayonnaise-steifer Hollandaise, und dem Dessert…

… Crème brûlée, zweierlei Mousse au Chocolat und Tiramisu allerhöchstes handwerkliches Können demonstrierte. Das Kotelett war zu absoluter Perfektion gegrillt, durch, aber noch saftig, und die Dessert-Klassiker kriegt in dieser wertkonservativen Zubereitung in ganz Berlin niemand besser hin. Zurzeit muss man aber sehr viel Zeit mitbringen, wenn man dort essen möchte: den Mitarbeitermangel, unter dem fast die gesamte Gastronomie derzeit ächzt, gibt’s auch in der Klingsorstraße. Fast drei Stunden dauerte unser Menü, obwohl Restaurant und Terrasse nicht einmal zur Hälfte besetzt waren.

Wieso bekommen die Qualitätsmedien (die mal wieder) wegen der überfüllten Regios jetzt wieder Schnappatmung? Erstens war das zu erwarten1 und zweitens ist das doch ein ganz starkes Signal, dass sehr viele Menschen bereit sind – bei entsprechenden Preisen – den ÖPNV zu nutzen,

Was man gern ausblendet: Amber Heard und Johnny Depp minus Talent, Geld und Ruhm wären zwei ganz normale Dropouts, die sich am Kotti rumtreiben.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXXIX)

Wenn ich zu Beginn eines Spiels „Schleich dich, Infantino, du Arsch!“ brüllen kann, wird es ein gutes Spiel.

Fa. Steinecke bietet derzeit etwas namens „Dinkel-Amaranth-Brögel“ an. Erwartet man etwa ernsthaft von mir, dieses Wort oder sogar das damit bezeichnete Produkt in den Mund zu nehmen?

Seit ich vor über 40 Jahren angefangen habe, zu kochen, quält mich eine Frage: „Was macht man eigentlich mit glatter Petersilie“? Dank der Fürsorge von Fa. Aldi weiß ich jetzt endlich Bescheid.

Hertha BSC geht mir seit über 40 Jahren (genau, seit ich nach Berlin gezogen bin) auf den Zeiger. Mit Vereinen, die vor Selbstüberschätzung schier platzen, sportlich aber so gut wie nie liefern, kann ich nichts anfangen. Doch mittlerweile hat Hertha BSC den Olymp der Unsympathie erreicht: Mit dem vollkommen sinnlosen Verschleudern der Windhorst-Millionen hat man den zahlreichen, durchaus sinnvollen Argumenten für ein „Financial Fairplay“ im Fußball jeglichen Wind aus den Segeln gekommen. Ein Verein, dessen letzter Titel bald einhundert Jahre zurückliegt, zementiert durch abgrundtiefe Doofheit das finanziell unseriöse Gebaren von Vereinen wie Real Madrid oder dem FC Barcelona und spielt Oligarchen-Konstrukten wie PSG die Argumente wie Steilpässe zu: auch eine Leistung.

Immer, wenn man denkt, tiefer kann der Qualitätsjournalismus nicht mehr sinken, ruft der Tagesspiegel „Hold my beer!“ und senkt die Latte beim Niveau-Limbo, diesmal mit dem oben dokumentierten widerlichen Hit-Piece, das sich nur auf wolkiges Geraune anonym bleibender „ehemaliger Mitarbeiter“ stützt. Man kann wirklich sehr viel am Gesundheitsminister kritisieren, aber komplett substanzlos (an Lauterbachs akademischer Qualifikation ist wirklich nicht zu rütteln) ad hominem gehen? Was soll das?

Liebe Deutsche Bahn, welche Sinn macht es, Wörter zu benutzen, die nur die Peer Group auf Twitter, nicht aber die Mehrheit der eigenen Kundschaft entschlüsseln kann? „Reisendenlenker:innen„? Wirklich?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren „Fish and Chips“ beim Pub-Quiz1 im Steglitzer Finnegan’s. Gebackenen Kabeljau dermaßen saftig hinzukriegen, das zeugt von höchsten handwerklichem Können!

Der Tweet der Woche gehört auf den Startbildschirm jedes sozialen Netzwerks:

Ich will „Cheddar“ ins Smartphone eintippen, die Autokorrektur schlägt mir „Chefdarm“ vor. Ich habe Fragen.

Sich dumm stellen, um aus der Naivität besser skandalisieren zu können, ist nun wahrlich nichts Neues, aber als die Herren Meier und Winterbauer in ihrem ansonsten gern gehörten „Medienwoche“-Podcast ausgiebig darüber spekulierten, ob Henri Nannen das mit den nackten Frauen auf den Titelseiten vielleicht von den Nazis gelernt haben könnte, staunte sogar ich.

Splitterbrötchen (DCCCLXXXVIII)

„Warum das Gehirn nach Alkohol giert“, will der Tagesspiegel mir erläutern, doch das braucht es nicht. Zu viel überflüssige Erklärbär-Artikel lassen auch den nüchternsten Zeitungsleser zur Flasche greifen.

„Alt wie ein Baum möchte ich werden“? Das ist doch Unfug! Wer möchte denn so aussehen?

Der Tweet der Woche sei ein uralter Hut, wurde mir mehrfach gesagt. Ist mir vollkommen egal, ich hab trotzdem gelacht.

Der BILD sind diese Woche nicht nur die üblichen Verabscheuungswürdigkeiten gelungen, man schuf dort auch ein Wort von reiner, beinahe poetischer Idiotie: Bundesliga-Co-Trainer-Legende.

Atemberaubender Beitrag zu meiner unfassbar erfolgreichen Serie „Die beste, geduldigste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“. Heute: Merkwürdiges violettes Gestrüpp in einem Waldstück.

Natürlich kann man die nach Henri Nannen benannte Journalistenschule umbenennen. Natürlich kann man den nach ihm benannten Preis umbenennen. Natürlich kann man so tun, als hätte es widersprüchliche Menschen wie Nannen, ihre Fehler und ihre Versuche, sie wiedergutzumachen, nie gegeben. Doch wenn man das tut, werden junge Menschen in ein paar Jahren denken, dass es hierzulande nach dem 2. Weltkrieg tatsächlich einen harten Bruch gegeben hätte und die ganzen Mitläufer und Nazis mit dem Aufbau der Bundesrepublik nichts zu tun gehabt hätten. Wer Personen cancelt, cancelt auch ihre Geschichte und damit die Geschichte von uns allen. Wenn unsere Moralansprüche uns daran hindern, Widersprüche zu erkennen und auszuhalten, machen wir etwas falsch.

Der für den Samstagmittag geplante kulinarische Wochenhöhepunkt – ein Mittagessen im Fischrestaurant „Arielle“ in Werder fiel wegen Corona-Kollateralschaden aus: das A-la-Carte-Restaurant hat bis September geschlossen, es fehlt an Mitarbeitern. Das am Imbiss erstandene gebratene Zanderfilet mit Bratkartoffeln war zwar mehr als anständig…

… konnte aber nicht wirklich gegen meine selbst gebratenen Heringe vom Montag anstinken1, die ihrerseits nicht gegen die unnachahmlichen Calamaria in Knoblauchöl in der Taverna Pigasos anstinken2 konnten.

Es wird immer schlimmer: Am 25. März dieses Jahres habe ich Jutta Ditfurth zugestimmt, gestern musste ich – trotz heftigster innerer Gegenwehr – Jan Fleischhauer und Georg Gafron(!) auf einmal zustimmen. Wo soll das nur enden?

 

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXXVII)

Seit ich einmal an einem „Kongress deutscher Theaterautoren“ teilgenommen und dabei vor beinahe allen anderen Kongressteilnehmern komplett den Respekt verloren habe, meide ich Berufsverbände und ihre Veranstaltungen wie der Teufel das Weihwasser. Deniz Yücel scheint jetzt eine ähnliche Entscheidung getroffen zu haben.

Große Freude, als nach einem Zoom-Update auf meinem etwas betagten Rechner plötzlich die virtuellen Hintergründe funktionierten.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war das wunderbare Knoblauch-Steak im Hugo.am Stadtpark WIlmersdorf, zu dem die liebe Nichte eingeladen hatte.

Aus der taz: „Das Theater Basel … führt bewusst weniger Inszenierungen pro Spielzeit auf. Damit werden nicht nur längere Probenprozesse ermöglicht, sondern auch die zur Selbstorganisation notwendigen Räume geschaffen, so Jörg Pohl, Mitglied des Basler Leitungsteams.“ Warum spart man die lästigen Aufführungen nicht gleich ganz ein? Dann könnte man sich endlich voll auf die Selbstorganisation konzentrieren und müsste keinerlei Rücksicht auf die sowieso ausbleibenden Zuschauer nehmen. Win-Win-Situation!

Die große Freude über die Zoom-Hintergründe wurde etwas getrübt: Ich musste feststellen, dass keiner meiner 12 Kursteilnehmer mit Rick Blaines Gin-Joint etwas anfangen konnte. Mein Lieblingsfilm ist endgültig museal geworden.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXXVI)

Was nicht jeder weiß: Das Restaurant „Fine Dining“ im Binzer Strandhotel Rugard ist nach der Rügener Küchenpionierin Feline „Fine“ Dining benannt, die u. a. als erste auf die bahnbrechende Idee kam, Sülze mit Bratkartoffeln zu kombinieren und Remoulade dazu zu reichen.

Strandbar. Grauburgunder. Aufs Meer und die Brücke gucken. Schön. Binz.

Der Tweet der Woche, habe sehr gelacht:

Je mehr Energie man darauf verwendet, andere Leute misszuverstehen, desto unattraktiver wird man für potenzielle Arbeitgeber. Dies nur mal so als Anregung für gewisse Social-Media-User.

Wir haben wunderbare acht Tage in Binz verbracht, demzufolge war es extrem schwierig, einen kulinarischen Wochenhöhepunkt auszuwählen. Nach hartem Ringen ist es der Dorsch unter der Kartoffelkruste auf Spitzkohlcreme geworden, serviert in der Strandhalle, einem der angenehmsten Lokale unter der Sonne.


Ich denke, es ist unmöglich, ein besseres Lead-In zu schreiben.

Splitterbrötchen (DCCCLXXXV)

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass die Splitterbrötchen-Ausgaben immer länger werden? Tjaha, im Alter wird man geschwätzig, freuen Sie sich darauf!

Understatement ist eine Kunst, die niemand so souverän beherrscht wie unser Jürgen Klopp. Bentley-Kopstützen im Opel Corsa, da muss man erst mal drauf kommen!

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war Spargel mit Bozner Sauce1 und hintergründigem Lachs.

Zu Elon Musks Twitter-Übernahme hat Gulligast alles gesagt, was zu sagen ist:

Seit einer Weile versuche ich, mich an einen offenen Brief zu erinnern, in dem etwas halbwegs Vernünftiges gestanden hätte, bisher vergeblich. Besonders wenn Schauspieler mitunterzeichnet haben, ist Misstrauen angebracht. Die unterschreiben grundsätzlich alles, könnte ja ein Vertrag oder eine Autogrammpostkarte sein.

Von Twitter geht keine Gefahr für die Demokratie aus, eher von Journalisten, die nicht müde werden, das wüste Gekeile dort zum Spiegelbild der öffentlichen Meinung zu erklären.

Nach der Headline „Warum der Gurkenschwamm-Deal wirklich platzte“ nicht weitergelesen. Unkenntnis kann auch eine Gnade sein.

Sensationeller Neuzugang zu meiner Kollektion „Die geduldigste, beste Gemahlin von allen fotografiert Dinge“: Fischsuppe!

Eine Frage hätte ich aber doch noch zur Musk-Übernahme: Kann ich mein Twitterkonto in Zukunft an allen Ladesäulen aufladen, oder kommen ab der Übernahme nur noch die Supercharger von Tesla in Frage?

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXXIV)

Wer ohne Knall ist, werfe die erste Tüte!

Unerfreulicher Nebeneffekt des Alters: Räusche sind nicht mehr jederzeit machbar, da der Körper die dazu notwendigen Rauschmittel nicht mehr in ausreichender Menge verträgt.

„Bitte, geben Sie eine künstlerische Selbsteinschätzung: Hätte François Truffaut Sie eher geküsst oder eher geschlagen?“

Der kulinarische Wochenhöhepunkt blieb unfotografiert, es war eine Portion Beelitzer Spargel mit Bozner Sauce, die ich zum ersten, aber sicher nicht zum letzten Mal gemacht hab: Eier hart kochen, Eigelbe mit Senf, etwas Essig, Brühe und Raps- oder Sonnenblumenöl cremig rühren, mit dem kleingehackten Eiweiß und reichlich Schnittlauch vermengen, fertig.

Runner-Up waren grundsolide Bratwürste im Schwetzinger Brauhaus „Zum Ritter“. Für meinen Geschmack hätten sie zwar deutlich gröber sein dürfen, aber zusammen mit dem schön milden Sauerkraut und einem ganz ausgezeichneten Chardonnay aus der Pfalz war das doch eine sehr angenehme Mahlzeit.

Wenn die ältere Generation zusammensitzt: Sind es wirklich dauernd die anderen, die sich falsch erinnern?

Der Tweet der Woche bereicherte meine kleine spontane Meisterfeier (der dauert vielleicht einen Moment):

Comedy-Idee über einen Wrestling-Star, der sich nach diversen zum Teil selbstverschuldeten Rückschlägen als Toilettenmann durchschlagen muss. In der ersten Folge gelingt es Dwayne „The John“ Rockson… nein, besser doch nicht.

Augenscheinlich befinden wir uns mitten in einer Generaldebilmachung.

Auf den Post über meinen Kirchenaustritt habe ich u. a. bei Facebook und Twitter einiges an Feedback erhalten. Meine Annahme, dass Kirchenaustritte fast nie wegen Glaubensfragen, sondern meist wegen Fehlleistungen des Bodenpersonals erfolgen, wurde bestätigt.

Die New York Times hat jetzt einen Chefredakteur, der damit überfordert ist, an einem Schreibtisch zu sitzen?

Splitterbrötchen (DCCCLXXXIII)

Nein, „Wir dürfen vier Jahre lang machen, was wir wollen“ ist eben nicht Demokratie!

Ist der Kanzler so weit abgetaucht, dass die Terroristen ihn gar nicht mehr auf dem Schirm hatten und deshalb die Entführung des Gesundheitsministers planten?

Offengestanden habe ich von einer Fa. namens Ankerkraut und ihrem angeblichen Kultstatus erst gehört, als die Leute sich bei Twitter über sie erregten. Werde wohl doch alt.

„Können wir irgendwas machen, um unsere Müslibecher etwas aufzupeppen? Die wirken so laaaangweilig…“ – „Salamischeibchen obendrauf?“

Apropos Altern: Das ist auch so eine Sache, über die man wirklich erst kompetent reden kann, wenn man begonnen hat, eigene Erfahrungen1 damit zu machen.

Was nicht jeder weiß: Camembert heißt auf Französisch keinesfalls „peigne-ours“.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war schlichtes Gyros mit Pommes und Tsatsiki, ein Comfort-Foof-Klassiker, im Medusa am Perelsplatz. Tatsächlich hatte ich seit ca. Anderthalb Jahren keinen Gyros mehr gegessen, weil unser Lieblingsgrieche, das „Pigasos“ gegenüber, wohl endgültig als Covid-Kollateralschaden gelten muss. Der (wohl ehemalige) Wirt Tolli beteuert zwar gelegentlich seinen festen Willen zur Wiedereröffnung, aber anscheinend ermöglicht ihm sein in den letzten zwei Jahren aufgebautes zweites Standbein ein stressfreieres Leben als die Gastronomie. Es sei ihm gegönnt.

Tja, je länger man einen Schatten werden lässt, desto mehr Anlauf muss man nehmen, um drüber zu springen. Wird immer schwieriger, und irgendwann scheint’s gar nicht mehr zu gehen.

Der Tweet der Woche. Die sarkastischen Antworten darauf sind auch nicht übel.

Wenn die Angst vor der nächsten anstehenden Wahl zur Leitlinie der Politik wird, können sowohl Regierende als auch Regierte eigentlich einpacken.

Insider wissen, was kommt: In der Endphase der Probenzeit wird man im Schlosspark Theater an enttäuschenden Vorverkaufszahlen merken, dass die für dieses Projekt offensichtlich angepeilte Zielgruppe 80plus wegen Virus-, Kriegs- und Inflationsangst von einem Theaterbesuch abzusehen gedenkt. In einem gewagten Publicity-Stunt generiert Frau Grothum (87) Aufmerksamkeit für die Premiere, indem sie Herrn Blanco (84) eines MeToo-Vergehens beschuldigt. Es folgt ein Shitstorm gegen Blanco auf Twitter und Faceboook. Intendant Hallervorden kündigt an, kurzfristig schwarz geschminkt die Rolle von Herrn Blanco zu übernehmen. Ein weiterer, noch gewaltigerer Shitstorm gegen Hallervordens Blackfacing lässt Blanco vom Täter zum Opfer werden und spült ihn zurück ins Ensemble. Hallervorden feuert den komplett unbeteiligten Peter Bause und übernimmt die Rolle des Monsieur Claude, für die er sich nicht schminken muss. Bei der Premiere stellt sich heraus, dass Herr Blanco leider keine Zeit gefunden hat, seinen Text zu lernen: Er improvisiert sich mit durchaus fantasievollen Variationen von „Woohoohoo! Pattapattapatta!“ durch den Abend. Frau Grothum beschließt, in schnippischer Sturheit auf ihr korrektes Stichwort zu warten. Da es nicht fällt, schläft sie schließlich auf offener Bühne ein. Theater-Veteran Hallervorden rettet den Abend, in dem er mit sich selbst alte Didi-Sketche spielt. Nach einem letzten „Palim, Palim“ fällt der Vorhang, ohne dass Fragen offen bleiben.

 

Splitterbrötchen (DCCCLXXXII)

Nicht die Impfpflicht ist gescheitert, arrogante Politiker haben eine absehbare Bauchlandung hingelegt. In zwei Jahren kommoden Durchregierens mithilfe einer von der Verfassung (aus guten Gründen, wie man jetzt sieht) nicht vorgesehenen Ministerpräsidentenkonferenz, haben Scholz, Lauterbach und Co. offenbar einfache, parlamentarische Gepflogenheiten vergessen. Wer ein Gesetz vom Parlament verabschiedet haben möchte, muss für eine Mehrheit sorgen. Wir müssen wohl wieder mehr Demokratie üben.

In Friedenau wird die Abschaffung der Maskenpflicht konsequent ignoriert. In alle Geschäften, in denen ich diese Woche eingekauft habe, trugen 99 Prozent von Kunden und Belegschaft, Maske. Find ich gut. Zumal ich jetzt seit zwei Jahren von Erkältungskrankheiten aller Art verschont geblieben bin. Das ist eine erhebliche Steigerung meiner Lebensqualität.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war unser Erstbesuch in der „Hafenküche“ an der Rummelsburger Bucht, ein sehr empfehlenswertes Wohlfühllokal mit ausgezeichneter Küche. Die beste, geduldigste Gemahlin von allen, die unseren Ausflug finanzierte, gönnte sich das vermutlich beste Schweinekotelette der Stadt vom Grill, ich erfreute mich an Parmesanhuhn mit Traubensauce und Blumenkohl. In ein paar Wochen, wenn man draußen sitzen kann, werden wir wiederkommen.

Patentrezepte sind üblicherweise niemals patent.

Beim Rennen um den Tweet der Woche konnte niemand diesem Meisterwerk das Wasser reichen.

Unsere derzeitige fantastische Abendunterhaltung: perfekt gemachter Brit-Kitsch vom Allerfeinsten. Ich will nicht unbedingt sagen, dass dieses Remake besser als die ursprüngliche Serie ist, aaaaber… Entscheidend ist Siegfried. Robert Hardy schien unüberwindbar, aber Samuel West hat in der aktuellen Staffel zumindest gleichgezogen. Wäre ich nicht schon Teetrinker, diese Serie würde mich zu einem machen.

Der Weg von Friedenau nach Rummelsburg war lang: Mit der BVG brauchten wir eine Stunde hin und eine zurück, und begegneten dabei gefühlt Milliarden von Menschen. Wir staunten: Was wollen denn die vielen Leute hier?. Auch Großstadt muss wieder geübt werden..