Splitterbrötchen (CDXIII)

Wenn man sich eine gute Suppe gekocht hat, warten hierzulande immer schon ein paar Leute drauf, einem reinspucken zu können.

Wer hätte denn gedacht, dass Fußball-Trainer mal mit Klappstühlen und geplatzten Hosen arbeiten. Teufelskerl Guardiola!

Schafft’s jemand, das folgende Wort auf Anhieb unfallfrei zu lesen? Dragonerareal. Auch nicht schlecht: Businnenraum.

Diese Woche war Anthony Quinns hunderter Geburtstag. Und der Grieche schräg gegenüber hatte Ruhetag!

Zwei Wochen-Highlights: Für Freunde mal wieder ‘ne Bolognese gekocht und anschließend “Yuppi Du” angeschaut (ja, ich hab mittlerweile eine DVD).  Und am Sonnabend haben wir unsere Skatkasse bei Fräulein Fiona verfressen. Ich hatte Spargel mit pochiertem Ei, Zander auf Saubohnenpüree, blutig gebratenes Entrecote und Käse. Das war mordsgut.

Auch wenn es “Theaterstreit” genannt wurde, das war keiner. Das waren alte Säcke, die forderten, das alles so bleiben soll wie es niemals war.

 

Wettschulden

“Du nimmst den Mund aber reichlich voll, Aki.” – “Kalle, ich versteh doch was von Fußball, ihr seid raus. Wenn ihr das im Rückspiel doch noch wuppt, dann fress ich diese alte Unterhose von Jürgen! Kannst mich beim Wort nehmen.” – “Ic h warne dich, wenn wir weiterkommen, fahr ich Mittwoch zu euch nach Dortmund und guck, ob sie noch da ist.” – “Mach doch. Traumtänzer.

Dank an Carsten.

 

Splitterbrötchen (CDXII)

Fa. Reichelt-Edeka enttäuscht schmerzlich mit der Produktbezeichnung “italienischer Parma-Schinken”. Bei “Original-Parma-Schinken aus Niedersachsen” hätte ich vermutlich sofort zugeschlagen.

Das Internet ist nicht für jeden.

“Er wird neben Goethe stehen.” wurde laut SpOn Günter Grass nachgerufen. Das ist natürlich Unsinn. Ein Günter Grass nimmt selbstverständlich kommod Platz, der Geheimrat kann stehen.

Früher war mehr Erdbeermarmelade.

Der Rechtschreibfehler der Woche, des Jahres, vielleicht des Jahrhunderts: An Sonnsten.

Lesetipp: “Fuckin Sushi” von Marc Degens. Ich hab’s im Männer-Blog besprochen. Dazu ein kleiner Nachtrag über amazons prüde Algorihtmen.

So, das war jetzt die SEO des kleinen Mannes.

SAMSUNG CAMERA PICTURESDer kulinarische Höhepunkt der Woche: Nigel Slaters Lieblings-Sandwich. Huhn, Avocado, Salat, grüner Spargel, Frühlingszwiebel, Kräuter-Mayo, getoastetes Graubrot… kommt nächste Woche ausführlich auf “Männer unter sich“.

Der angebliche Spitzname von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gefällt. Sehr. “Flinten-Uschi”.

Zitat der Woche: “Nur weil wir zusammen gelacht haben, heißt das noch lange nicht, dass ich nicht widerlich bin.” (Pierce Brosnan als durchgeknallter Killer in “Mord und Margaritas”).

 

 

 

Are you kidding?

Foto: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
By Photo: Andreas Praefcke (Own work (own photograph)) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
Vor ca. 20 Jahren habe ich für einen englischen Kollegen Recherchen angestellt: Er brauchte Berlin-spezifische Informationen für ein Stück, das er schreiben wollte, ich hab für ihn die Archive abgeklappert und tatsächlich konnte ich die ein oder andere Sache zutage fördern, so dass er schließlich nach Berlin kam, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Wir verbrachten zwei sehr anregende Tage miteinander, ich führte ihn herum und dabei kamen wir auch am leerstehenden Schiller-Theater vorbei.

»What‘s that?«, fragte er.
»That used to be something like our National Theatre.«
»Used to be?«
»It‘s closed.«
»But why?«
»No money.«
»Are you kidding? You‘re one of the richest countries in the world!«

In dem Augenblick habe ich mich plötzlich sehr geschämt, Bürger dieser Stadt und dieses Landes zu sein. Auch weil ich erst dann wirklich begriffen habe, wie kleingeistig die Schließung des Schiller-Theaters gewesen ist. Wieso verdammt nochmal hat dieses Land, in dem täglich Millionen und Milliarden verdient werden, die paar Puseratzen für Kultur nicht übrig?

Der Satz des Kollegen geht mir seitdem nicht mehr aus dem Ohr. Ich werde oft, viel zu oft an ihn erinnert. Gerade dieser Tage muss ich wieder sehr oft an ihn denken. Wenn ich sehe, dass diesem stinkreichen Land die schwarze Haushaltsnull wichtiger ist als das Leben von tausenden Menschen, die im Mittelmeer elend verrecken. Weil die Ressentiments konservativer Wähler, die ihre Gartenzwerg-Idylle durch ein kilometerweit entferntes Flüchtlingsheim bedroht sehen, wichtiger genommen werden als die elementarsten Grundsätze der Mitmenschlichkeit. Weil wir lieber mit dem Finger zeigen als die helfende Hand zu reichen.

»Are you kidding? You‘re one of the richest countries in the world!«

Die Anlässe sich zu schämen werden nicht weniger.

Splitterbrötchen (CDXI)

Punktest and what? Ach so, Punktestand! Sagt das doch gleich.

Erfolgreich angespargelt. Spargelrisotto grün/weiß, dazu Vinho Verde. Kann man so machen.

Man kann niemanden vor der Unwahrheit schützen, noch nicht einmal sich selbst.

Jetzt ist es schon eine Sensation, wenn Pep Guardiola auf einem Klappstuhl sitzt. Wenn ich auf einem Klappstuhl sitze… wir lassen das besser, glaube ich.

 

Splitterbrötchen (CDX)

Beim Discounter 2 kg Äpfel für 1,79 Euro gesichtet. Ein solcher Preis ist nur durch Massenobsthaltung realisierbar.

Mal wieder einen Versuch mit der Volksbühne unternommen, nach 30 Minuten aus “der die mann” rausgegangen. Ich kann mit dieser Sorte Theater einfach nichts anfangen, ich sehe und höre nur nackte Kaiser.

Kulturelles Highlight der Woche: das “Rossini”-Wiedersehen Donnerstagspätabend im Ersten. Den Film von “sehr, sehr gut” auf “Meisterwerk” hochgestuft. Fast alle beteiligten Schauspieler waren nie wieder so gut wie in diesem Film. Und: desillusionierter und zynischer als Dietl mit diesem Film kann man keinen Blick auf das männliche Geschlecht werfen.

Angesichts der Formulierung “Ei-Lights zu Ostern” überkam mich der unbändige Wunsch, ihren Urheber in die Low Lights zu treten.

Zu “Rossini” noch ein wunderschönes Detail: Der einzige Rezensent, der Rossini bei amazon nur 1 Stern gegeben hat, hat den Film vollkommen korrekt verstanden, aber überhaupt nicht begriffen. Dietl hätte Tränen gelacht.

Die einzige noch offene Frage bezüglich des anstehenden Endes von “Mad Men”: Springt er oder wird er gestoßen?

“Schon 2009″

Ich habe einmal miterleben müssen, wie ein Kollege während einer Theateraufführung einen schweren Nervenzusammenbruch erlitt. Wir hatten gerade noch in der Garderobe locker geplaudert, den üblichen Unsinn, den man in Theatergarderoben so erzählt, haben dann dann das Zeichen vom Inspizienten bekommen und sind zum Auftritt gegangen. Wir waren zu dritt und spielten vollkommen unwichtige Nebenrollen, Knallchargen, Stichwortgeber für den Protagonisten. Nichts Anstrengendes, einer von vielen Bread-and-Butter-Jobs. Wir standen am Auftritt, es waren vielleicht noch 30 Sekunden bis zu unserem Stichwort, da fiel der Kollege plötzlich um. Wir bückten uns, um ihm aufzuhelfen, da begann er mit schriller Stimme zu kreischen, robbte in panischer Angst vor uns weg und rief um Hilfe. Auf Französisch.

In solchen Momenten läufst du auf reinem Adrenalin, wir nahmen den armen, sich heftig wehrenden Mann zwischen uns und schafften ihn in den Garderobengang, wo bereits andere Kollegen zusammengelaufen waren. “Krankenwagen, sofort” riefen wir denen zu, setzten den Mann auf einen Stuhl und sprinteten zurück auf die Bühne, um den Knallchargen-Auftritt improvisiert zu zweit zu erledigen. Wenn die Aufführung läuft, gibt es nichts wichtigeres als die Aufführung. “The Show must go on”, sagen die Engländer.

Von einer vollkommen normalen Alltagssituation bis zu einem erschütternden Zusammenbruch, von dem ich noch heute gelegentlich träume, hat es damals gerade mal zwei Minuten gedauert. Daher versteht man vielleicht, dass ich angesichts von Schlagzeilen wie “Lufthansa wusste seit 2009 von der Depression des Co-Piloten” noch nicht mal mehr den Kopf schütteln mag. Wie kenntnislos, dumm und zynisch muss man sein, um so einen Mist zu schreiben und zu titeln?

Der Kollege hat sich übrigens erholt und nach einer Therapie wieder als Schauspieler gearbeitet. Inzwischen habe ich ihn aus den Augen verloren.

 

Kommentare und Kochrezepte zum Zeitgeschehen