Splitterbrötchen (DI)

AFD-Anhänger geben sich immer selbst zu erkennen. Wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt, fällt spätestens nach fünf Minuten der  Satz: „Ich bin kein Nazi, aber…“

Zur 500. Ausgabe der Splitterbrötchen letzte Woche wollte ich eigentlich eine erfundene Geschichte über Paul Newmans Licht-Double schreiben, das bei den Dreharbeiten für eine bestimmte Szene von „Der Unbeugsame“ 500 harte Eier essen musste. Dann fiel mir aber auf, dass den Film vermutlich keiner mehr kennt.

Morgens in Friedenau

Manchmal beglückt einen Friedenau mit ganz außergewöhnlichen Himmelserscheinungen.

„Die Änderungen gefallen dir bestimmt“, las ich unlängst bei flickr. Tja… Ab einem gewissen Alter schon mal aus Prinzip nicht!

Die Headline der Woche fand sich über einem sinnstiftenden Artikel bei Telepolis:  „Bei Moskitofischen wächst das Gehirn des Weibchens mit der Penislänge der Männchen

Best T-Shirt. EVER!

2016-12-03-16-12-42

Zwei kulinarische Wochenhöhepunkte: Zum einen perfektes Steak-Frites im Paris Saigon…

Steak-Frites

…zum anderen selbstgeklöppelte Rinderbäckchen mit Kartoffelpüree und Schwarzwurzelgemüse.

Rinderbäckchen

It’s all true!

Heute früh hab ich erfahren, dass Joe Esposito gestorben ist, ehemaliger Road Manager von Elvis Presley und – nach Elvis‘ Tod – weltweit führender Elvis-Experte. Ich hatte das große Vergnügen, ihn kennenlernen zu dürfen.

Mr. Esposito war als Ehrengast zur Premiere eines Musicals („Elvis in Bremerhaven“) eingeladen, für das ich die Dialoge geschrieben hatte. Da Elvis in Bremerhaven absolut nichts gemacht hatte (er war 1958 als Rekrut lediglich vom Schiff zum Bahnhof gefahren worden), hatte das Musical eine erfundene Quatschhandlung mit Liebesgeschichte, Rummelplatzbesuch und anderen an den Haaren herbei gezogenen Aufhängern für Elvis-Songs. Nachdem Mr. Esposito sich die Generalprobe angesehen hatte, stürmte er hinter die Bühne und rief „Who is the writer?“ Alle deuteten auf mich, woraufhin er mir um den Hals fiel und „It’s all true! All true! It’s exactly as the King himself told me!“ brüllte. Dann ließ er von mir ab, grinste wie ein Honigkuchenpferd und sagte: „Now you owe me something.“

Splitterbrötchen (CDXCIX)

Der Mailbetreff der Woche: „Als gratis eBay Plus-Mitglied sparen Sie beim WunderWOW! Chris Kurbjuhn“ (Groß/Kleinschreibung und Interpunktion wie im Original).

Ganz erstaunlich: Menschen, die von anderen Menschen Empathie einfordern, ohne selbst welche zu zeigen.

Total krass, dass dieser krasse Lesefehler mir erst jetzt passiert ist: „Müslimischer“ statt „muslimischer“. Krass, wa?

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war mein gesunder Freitag. Als mittäglichen Snack gab’s Tofubratling an Radieschensprossen im Imbiss „Brutzelstübchen“ am Bayerischen Platz.

2016-11-18-13-46-34Kurz nach diesem schmackhaften Imbiss läuteten die geduldigste Gemahlin von allen und ich im Amarcord das Wochenende ein. Traubensaft und Hopfensmoothie – man kann auch ohne Alkohol lustig sein.
2016-11-18-17-46-13Von dort aus machten wir uns auf dem Weg zum China-Buffet bei „King-Do“ in Lankwitz, wo ich selbstverständlich die Ente Cross links liegen ließ und mir die vegetarische Alternative auf den Teller packte. Erst dann hab ich reichlich Ente genommen. Vegetarisch ist die perfekte Beilage zu Fleisch.- So macht gesunde Ernährung Spaß!

Facebook-Witz der Woche: „Du arbeitest doch in der Brauerei, kriegst du da was umsonst?“ – „Ja, zehn Kästen im Monat.“ – „Und was machst du mit dem Rest?“ – „Kauf ich im Laden.“

Aldi-Nord-Tipps: Die Fair-Trade-Schoko-Kekse sind sehr gut. Und der Frascati, der derzeit im Angebot ist, ist eine perfekte Saucengrundlage.

Splitterbrötchen (CDXCVIII)

Das nächste Jubiläum steht bevor. Nur noch zwei Wochen bis zur unfassbaren 500. Ausgabe der Splitterbrötchen. Was soll ich bloß anziehen?

Sprachliche Fehlleistung der Woche: „… die Kastagnetten aus dem Feuer holen“. (Quelle: Internet)

Es besteht ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen Kürzungen und Stellenstreichungen bei den Verlagen und dem Erstarken des Populismus. Möchte das jemand ernsthaft bestreiten?

2016-11-13-12-26-21Überreste des kulinarischen Wochenhöhepunkts. Ja, wir waren früh dran mit der ersten Gans.

Mein Entsetzen über die Wahl Trumps hielt sich in Grenzen. Ich erinnere mich noch zu gut an Reagans Wahl 1980: Da herrschte angesichts eines  dümmlichen B-Picture-Helden, der es nur zufällig mit populistischen Parolen ins Weiße Haus geschafft hatte, die gleiche Katastrophenstimmung. Und nachhaltiger als Reagan wird Trump das Weltwirtschaftssystem nicht schädigen können.

Dicke Lese-Empfehlung: Bruce Springsteens Autobiographie. Schönes Buch. Weckt Erinnerungen.

Aus gegebenen Anlässen:

 

Splitterbrötchen (CDXCVII)

Letztes Selfie mit 59

Das letzte Selfie mit 59.

Block auf den See in Buckow.

An meinem sechzigsten Geburtstag hab ich dann mit Freude auf den wunderschönen See geblickt. In Buckow.

Stobbermühle, Buckow

Ausgezeichnet gegessen und wohlig geschlafen haben wir in der Stobbermühle dortselbst, einem der besten, angenehmsten, gemütlichsten Landgasthäuser in Brandenburg.

Die Steakmesser in der Stobbermühle sind eine Ansage.

Die Steakmesser, die sie dort ausgeben, sind eine Ansage.

Und wieder einmal hat sich erwiesen: Facebook ist die ultimative Geburtstags-App. Man kann den ganzen Tag lang Glückwünsche liken und sich an dem Einfallsreichtum der Gratulanten erfreuen. Das Gratulations-Highlight erreichte mich allerdings per E-Mail:

“You´re one year older. You´re getting closer and closer to that age where a life sentence isn´t really that big of a threat.”

In der Tat fühlt sich die 60 nach dem eigentlichen Geburtstag deutlich angenehmer an als vorher. Hätte ich nicht gedacht, obwohl es mir prophezeit worden war. Von meiner lieben Mutter. „Christopher, du wirst es nicht glauben, aber 60 ist schön.“, hat sie zu mir gesagt. 1978.

 

Splitterbrötchen (CDXCVI)

Die in Worte gegossene Rache gepaart mit grundsolider Beschimpfung ist eine literarische Gattung, die hierzulande viel zu selten gepflegt wird. Manfred Krug hat vor 25 Jahren ein Meisterstück dieses Genres vorgelegt.

Immer mehr Restaurants, zu denen mir Groupon-Gutscheine offeriert werden, sind mir vollkommen unbekannt. Könnte es sein, dass ich mittlerweile „Lokale für alte Leute“ bevorzuge?

Am Freitag vertrat ich eine Kollegin. Anhand der Werbung, die mir ihr Dozentenrechner einblendete, konnte ich feststellen, dass sie augenscheinlich deutlich kultivierter ist als ich. Werbebanner von Konzert-Agenturen für klassische Musik beispielsweise sah ich zum ersten Mal in meinem Internetleben.

Unser Best-Ever-Manfred-Krug-Moment: Anwalt Liebling hat sich mit seiner Rochter im Restaurant verabredet. Folgender Dialog: „Papa, ich habe mich entschlossen, mein Germanistik-Studio abzubrechen und Schauspielerin zu werden.“ – „Sind wir hier beim Griechen oder Italiener?“ – „Beim Italiener…“ – „Ah, ja. Einen Grappa bitte!“ Ist natürlich ohne die entgeistert-versteinerte Miene, mit der Krug das gespielt hat, nur halb so komisch.

Überraschend wurde diese Woche der Konjunktiv II zum Thema. Ich wusste nur noch nebulös, was das sein sollte, bemühte die Wikipedia und las „Der Konjunktiv II ist innerhalb des grundsprachlichen Systems der Konjugation (Grammatik) formal der Optativ des Perfekts…“ Da wurde schlagartig alles einfach und klar.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche war das an kulinarischen Höhepunkten reiche Verfressen unserer aktuellen Skat-Kasse im Paris-Moskau (gewohnt exzellente Küche, gewohnt exzellenter Service, einfach ein Klasse-Lokal).

2016-10-29-20-36-14Ein feststofflicher Höhebunkt: Kalbsbäckchen mit Pak Choi und Wasabi-Kartoffelpüree. Ein flüssiger Höhepunkt: der Rotwein zum Hauptgang, die von einem absoluten Spitzen-Kenner georderte Cuvée K7 vom Weingut Hoepler in Breitenbrunn am Neusiedlersee.

Der Vorschlag, die Kreuzberger Wrangelstraße in Manfred-Krug-Straße umzubenennen ist naheliegend und folgerichtig. Aber wäre es nicht noch einen Tick sinnvoller, die Kreuzbergstraße in Lieblingsstraße umzubenennen?

Splitterbrötchen (CDXCV)

Wer hätte denn gedacht, dass ein seriöses Nachrichtenportal wie ntv in die Splitterbrötchen möchte? Und dann beglücken sie uns mit einer Headline wie „Nasenknorpel funktioniert auch im Knie“!

Laut SpOn hat sich ein Mitglied der Schwedischen Akademie darüber empört, dass Dylan sich noch nicht in Sachen Nobel-Preis gemeldet hat. Kleiner Tipp für die Zukunft: Googlen Sie eine Person, bevor Sie ihr einen Preis verleihen.

2016-10-22-21-14-34Kulinarischer Wochenhöhepunkt: eine herrliche Pizza mit Cimi di Rape und stark gefenchelter Salsiccia im Miseria e Nobiltà nebenan. Dolle Kombination. Pizza können Sie da wirklich gut (aber am Rand sollten Sie noch arbeiten, meint die beste, geduldigste Gemahlin von allen).

Geistige Verrohung bricht sich immer in der Sprache Bahn. Man wählt Pöbeln nicht als Stilmittel, man pöbelt, weil man nicht anders kann.

Meine Mutter, Brot essend

Wer das Privileg hat, älter werden zu dürfen, kennt das: Da sind ein paar Bilder hängen geblieben, aus den verschiedensten Abschnitten des eigenen Lebens.

Auf einem der frühesten Bilder, an die ich mich erinnern kann, sitzt meine Mutter in der Küche. Sie hat ihre Schürze umgebunden und isst einen Kanten Brot. Nicht den appetitlich-knusprigen Kanten eines frischen Brots, sondern den trockenen, steinharten Kanten eines mehre Tage alten Brotlaibs, den alle anderen Familienmitglieder verschmäht hatten. Meine Mutter, die meine Geschwister durch den 2. Weltkrieg und die Hungerjahre der Nachkriegszeit hatte bringen müssen, war unfähig, Lebensmittel wegzuwerfen. Und Brot schon gar nicht, auch wenn es ein steinharter Kanten war. Also aß sie ihn zum zweiten Frühstück, dünn mit Butter bestrichen. Um das harte Brot abbeißen zu können, schnitt sie das Brot immer wieder ein Stück mit ihrem Küchenmesser, dem “Kliffchen”, ein, so dass sie es mit große Mühe doch noch abbeißen konnte. Sie kaute jeden Bissen lange, um ihn überhaupt herunter schlucken zu können. Gelegentlich feuchtete sie dabei Brot und Kehle mit ein wenig Kaffee an. So ein Brotkanten-Frühstück dauerte recht lange, mindestens zwanzig Minuten. In kürzerer Zeit war dem harten Brot nicht beizukommen.

Ungerechtes Postscriptum: Viele Jahre später sah ich die große Schauspielerin Therese Giehse in der Berliner Schaubühne. Sie spielte die Hauptrolle in “Die Mutter”, einem Stück von Brecht nach einem Gorki-Roman. In einer Szene aß sie auf der Bühne mit großer Inbrunst, Hingabe und Sorgfalt einen Teller Suppe. Insbesondere dafür war sie von der Theaterkritik sehr gelobt worden. Ich hatte den Vergleich zu meiner Brot essenden Mutter. Für mich war’s – bei aller Bewunderung für Frau Giehses Können – eine Zirkusnummer..

Splitterbrötchen (CDXCIV)

Große Freude über den Nobelpreis für Bob Dylan. Wobei der Preis natürlich 40 Jahre zu spät verliehen wird.

Subterranean Homesick Blues, Highway 61 Revisited und Blonde on Blonde – diese drei Alben haben Popkultur und Hochkultur miteinander verschmolzen und dürften die einflussreichsten Alben aller Zeiten gewesen sein.

Großes Entsetzen über den engstirnig-spießbürgerlichen Literatur- und Kulturbegriff, den erstaunlich viele Menschen noch zu pflegen scheinen. Stopp, pardon, „Entsetzen“ ist natürlich Quatsch. Eher kommt „Bedauern“ hin. Darüber, dass so viele Menschen Gefangene ihrer geistigen Schrebergärtnerei sind und offenbar nicht wissen, was sie alles verpassen. Nicht wahr, Mr. Jones?

Gestern im Fernsehen gesehen: „Zu blöd, um alt zu sein“ mit Otto Schenk und Michael Niavarani. Wer’s verpasst hat, den Abend gibt’s auf DVD. Sehr komisch, ich habe Tränen gelacht. Obwohl mir einige Witze, die Schenk erzählte, schon seit mehr als fünfzig Jahren bekannt waren. Also genau so lang wie viele Dylan-Songs.

 

Kommentare und Kochrezepte zum Zeitgeschehen