Splitterbrötchen (CCCLXXIII)

Diese Woche hat Fa. Google mir Werbung für “PC-Wissen für Senioren” eingeblendet. Offenbar hat das Endspiel begonnen.

Passend dazu die Mail der Woche von Heike Wagner aus der Abt. 2/9 (kein Scheiß), die mich ins Internet eintragen wollte. Fan-tas-tische Dienstleistungs-Idee!

Menschen, die sich – wie ich – für das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Gustl Mollath interessieren empfehle ich diese Seite der Mittelbayerischen und die Berichte von Ursula Prem auf dieser Seite. Wenn man dagegen die Nebelkerzen betrachtet, die Qualitätsjournalistin Beate Lakotta verhandlungstäglich auf Spiegel Online zündet, dann staunt man schon. Einerseits über Lakottas extrem selektive Wahrnehmung, andererseits über die SpOn-Redaktion, die eine derart antijournalistische Berichterstattung duldet.

Perfektionismus ist ein Holzweg aus Intarsien.

“Sprachlich korrekt, unscheinbar und langweilig”, dachte ich, als ich bei ZEITmagazin-Online Inga Kriegers ersten Halbsatz  “Auf dem Foodblog ‘Wholy Goodness’ zeigt die Neuseeländerin Jessica Prescott…” las. Wer hätte auch ahnen können, dass es der wackeren Autorin im nachfolgenden Nebensatz gelingen würde, ein wahres Feuerwerk an sprachlicher Idiotie abzubrennen: “… dass die mexikanische Küche auch mit veganen Rezepten zum leckeren Menü werden kann. ”

 

 

Splitterbrötchen (CCCLXXII)

Neue Zeitrechnung seit dieser Woche: “vor Belo Horizonte” und “nach Belo Horizonte”.

Alptraum vor dem Finale: Neuer sieht bei Rettungsaktion die rote Karte, Weidenfeller wird in der 118. Minute zusammengetreten, Zieler reißt sich beim Aufspringen von der Bank die Bänder. Und im Elfmeterschießen steht dann Höwedes zwischen den Pfosten.

Das montägliche überhebliche Rumgeonkel von Josef Joffe im Tagesspiegel bekam diese Woche eine neue Dimension. Da bezeichnete er die von der NSA abgegriffenen Meta-Daten als “nichts Substantielles”. Hätte nie gedacht, dass ein ZEIT-Herausgeber so doof sein kann.

Diese beinahe spirituelle Ergriffenheit, die ein Fußballspiel in mir auslösen kann. Andere Menschen halten mich deswegen für primitiv. Mir tun sie leid, sie verpassen sehr viel.

Was mir auch sehr leid tut: Belo Horizonte nicht mit ein paar Freunden gesehen zu haben, die das Leben davongespült hat. Das wäre ein wirkliches Fest gewesen.

Frau von der Leyen fordert im Tagesspiegel, dass die USA ihren Spionen sagen soll, nicht mehr in Deutschland zu spionieren. Liebe Frau von der Leyen, wenn Sie irgendeinem Spion sagen, dass er irgendwo nicht mehr hingehen soll… was teilen Sie ihm dann tatsächlich mit? Richtig, dass da etwas Geheimes ist, was er nicht erfahren soll. Und was macht ein Spion, der von der Existenz eines Geheimnisses erfährt, das er nicht herauskriegen soll? Wenn er auch nur einen Schuss Pulver wert ist, dann denkt der sich, dass dieses Geheimnis von einiger Wichtigkeit ist und setzt folglich alles daran, es heraus zu bekommen. Liebe Frau von der Leyen, haben Sie keinen Mitarbeiter, der sich vielleicht doch ein wenig im Metier auskennt und ihnen mitteilen kann, dass sie mit derart idiotischen Forderungen Spione geradezu einladen?

Splitterbrötchen (CCCLXXI)

Ganz fantastisches Arbeitsprotokoll des Update-Installers von Libre Office: “Migriere Eigenschaftenstatus der verwandten Anwendungen”. Rundum gut informiert verfolgt man gespannt den weiteren packenden Installationsverlauf.

Fa. Groupon offerierte mir dieser Tage einen sprechenden Plüsch-Hamster. Vor vierzig Jahren hätte ich “Das muss das LSD sein…” gedacht.

SpOn überzeugte mit kompetentem Sportjournalismus, als man Nadals Wimbledon-Ausscheiden (1 Satz gewonnen, 2 Sätze im Tie-Break verloren, 1 Satz mit einem Break verloren, Spiele absolut 22:25) mit “Der Titelverteidiger war chancenlos” analysierte. Was ist dann die SpOn-Definition für “enges Match”? Wenn Nadal im 5. Satz bei 73:73 den Schiedsrichter wegen eines zu Unrecht gegebenen Fußfehlers erschießt und durch die ihn verhaftenden Polizisten zur Aufgabe gezwungen wird?

Den arroganten Ballkünstlern von der Copacabana rufe ich zu: Wenn man den Ball stoppen können müsste, wäre er nicht rund!

Erstaunlich, wie viele Parodisten mit der lediglichen Behauptung des Originals durchkommen. Gerade auch abseits der Bühne.

Und der Weltmeistertitel für die nordische Kombination aus Investigativ-Journalismus und Headline-Findung geht an die knallharten SpOn-Rechercheure:

NSA erfasst viel mehr Unschuldige als Verdächtige im WebOh, mein Gott, wer hätte das denn ahnen können?

 

Splitterbrötchen (CCCLXX)

Ist das schon die Headline des Jahres? Des Jahrzehnts? Des Jahrhunderts? Ausgerechnet die britische Huffington Post sonderte eiskalte Höchstbrillianz ab, als sie einen Bericht über das letzte Gruppenspiel Uruguays gegen blau gekleidete Italiener, in dem Uru-Stürmer Luis Suárez einen italienischen Verteidiger in die Schulter biss, mit “Chewey Luis And The Blues” betitelte. Mehr zündender Wortwitz geht wohl nicht.

Meine tiefempfundene Bewunderung für den Sprachschwurbel der Woche verdienten sich die Marketing-Nutten Kreativ-Genies von “Monoqi” (wer oder was immer das auch sein mag) für den Begriff “Online-Destination” (ja, sie meinen damit wirklich eine Website).

Man lernt den Wert von Erfahrung erst kennen, wenn man welche hat. Und wenn man mit jemandem zusammenarbeiten muss, der keine hat.

Eine Debatte kann noch so oberflächlich sein, ein findiger Kopf wird immer noch Verwässerungsmöglichkeiten finden.

 

 

 

Splitterbrötchen (CCCLXIX)

Das Bild der Woche: Die Mondlandefähre von der Apollo 11 aus fotografiert, im Hintergrund die Erde. Auf diesem Bild befindet sich die gesamte Menschheit. Außer Michael Collins.

Die Verpackungsverordnung nach Steffen Simon beim Stand von 0:4: “Die Schweiz muss aufpassen, dass sie keine Packung kriegt.“

Das Zitat der Woche stammt von Tom Wolfe: “The problem with fiction, it has to be plausible. That’s not true with non-fiction.”

Vor ca. fünfzig Jahren hat mein Vater mir das Fußballspielen mit der Begründung verboten, das sei ein “Proletensport”. Erstaunlich, dass diese brunzdumme Herrenreiter-Attitüde immer noch quicklebendig ist.

Kulinarische Entdeckung der Woche waren die fürs Bookatable-Blog zubereiteten brasiliansiche Quibe, also Bouletten aus Rinderhack und Blugur, gewürzt mit Koriander und Minze (für Leute. Die wird’s öfters geben.

Für Menschen, die keinen Koriander mögen, ist Dill die Ersatzdroge der Wahl: genauso penetrant, aber komplett anderer Geschmack.

Auch mit 57 freu ich mich noch wie ein kleiner Junge, wenn Italien verliert.

Musste schockiert erfahren, dass SpOn-Hobbykoch Peter Wagner zum Chili-Schneiden Schutzhandschuhe anzieht. schneidet die Brötchen wohl auch über dem Ausguss auf, der Beilagen-Esser.

Splitterbrötchen (CCCLXVII)

Man sollte sehr vorsichtig sein, wenn man nach dem Staat ruft. Er könnte kommen.

Untrügliches Zeichen, dass man alt wird oder schon ist: Wenn man vom Tod eines anderen Menschen erfährt und zuallererst wissen will, wie alt derjenige geworden ist.

Es gibt Sätze von solch klebriger Wucht, dass sie bei mir sofort einen heftigen Anfall von Seekrankheit auslösen. “Ich will mich nicht beschweren, ich sage nur, was ist.”, zum Beispiel.

Küchenweisheiten fürs Leben: Wenn eine Speise unerwartet schmeckt, einfach so lange vor sich hin köcheln lassen, bis der erwartete Geschmack sich einstellt.

 

Gelüftet

“Es gibt im Welt-Fußball keine Geheimnisse mehr”, hat Franz Beckenbauer schon vor 25 Jahren erkannt, und er hat spätestens seit heute recht. Denn heute ist eine der letzten Bastionen sportlichen Geheimniskrämerei gefallen, ein wackerer Kolumnist hat das Geheimnis der fußballerischen Überlegenheit Brasiliens gelüftet:

Die Worte “wacker” und “Kolumnist” in einem Satz? Damit kann doch nur Effjott Wagner gemeint sein? Richtig. Heute hat er wacker (sic!) wie immer kolumniert (sic!!):

Brasilien ist ein unglaubliches Land. Regenwälder, Buchten, Fischerboote und irgendwo ist ein Ball. “

Natürlich! Deshalb sind sie so unglaublich heiß aufs Spiel: ein riesiges Land, Millionen Quadratkilometer, Zilliarden Einwohner und nur ein Ball…

Splitterbrötchen (CCCLXVI)

Der Mover und Shaker der Woche war natürlich Bundestrainer Löw. Bloße Sekunden, nachdem er seinen WM-Kader bekanntgegeben hatte, dankte Juan Carlos ab und Uli Hoeneß ging in den Knast. Mehr Wirkung geht nicht.

Der irritierte Blick von Ollie Kahn, als KMH von “Stoßstürmern” sprach.

Titanischer Kolumnen-Schluss von Effjott Wagner, in dem er ein meisterhaftes Fazit seines journalistischen Schaffens zieht und einen strategischen Claim für die BILD erfindet: “Alles ist unwahr.”

Zeit für ein Küchen-Geständnis: Ich kriege keinen Mürbeteig hin. Weiss der Teufel, wieso nicht. Hat noch nie geklappt. Meide ihn mittlerweile. Mürbeteig-Tipps zwecklos. Das könnte übrigens genetische Ursachen haben. Eine meiner Schwestern (beide küchentechnisch höchst bewandert) kriegt keinen Hefeteig hin. Kann aber Mürbeteig.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche war eine Eton Mess mit knapp ankompotttierten Erdbeeren und Mandelkrokant.

Das Zitat der Woche verdanken wir Matthias Kalle vom Tagesspiegel:  “Dass die Fifa eine Ethikkommission hat, die sich Korruptionsvorwürfe und Vergabemodalitäten noch einmal genau anschaut, klingt hingegen irgendwie so, als gäbe es in Bordellen Frauenbeauftrage.”

Im gleichen Artikel zitiert Kalle den nordirischen Spieler Danny Blanchflower, dem eine gültige Zusammenfassung des Fußballsports gelungen ist: “Der große Trugschluss ist, dass es bei diesem Spiel ums Gewinnen geht. Darum geht es nicht. Es geht um Ruhm, und es geht darum, Dinge mit Stil und mit Schwung zu erledigen, darum, raus zu gehen und die anderen zu schlagen und nicht darauf zu warten, dass sie vor Langeweile sterben.”

Splitterbrötchen (CCCLXV)

Recht haben und Rechthaberei liegen beunruhigend nah beieinander.

Diese Meldung steht seit Freitag ganz unschuldig im Online-Angebot der Süddeutschen: Der BND will 300 Mio Euro, um soziale Netzwerke abzuschnorcheln. Ich begreife nicht, warum nicht umgehend ein Sturm der Entrüstung losgebrochen ist. Der BND möchte eine Unsumme, um uns alle ohne Anlass komplett zu überwachen. Rechtsstaat? Unschuldsvermutung? Bürgerliche Freiheit? Interessiert wohl keinen mehr. Wir sind in den Augen der Schlapphüte und der Regierung keine Bürger mehr. deren Grundrechte es zu achten gilt, sondern potenzielle Gangster und Terroristen, die sich in ihren Online-HIdeouts als Katzenbilder getarnte Kassiber zuspielen.
Ich aber sage euch: Am Ende dieser Entwicklung wird etwas stehen, wogegen sich sämtliche Orwell’schen Dystopien wie ein beschauliches Ponyhöfchen mit pausenlos tagendem und abstimmendem Plenum ausmachen. Es ist höchste Zeit, auf die Barrikaden zu gehen.

Sicher ist heftig.co das Gegenteil der Speerspitze des Online-Journalismus, aber… “Die hundert bedeutendsten Katzenbilder aller Zeiten”… doch, das hat was.

Sind wir nicht alle ein bisschen Wolowitz?

“Was soll das sein, ein mardischer Panja?” (Bei Nichtverstehen: laut lesen)