Splitterbrötchen (CDLXXXI)

Beim olympischen Turnen wurde ich mit einer einarmigen Riesenfelge konfrontiert. Fragte mich, ob diese Übung auch als „Dr.- Kimble-Riesenfelge“ bezeichnet wird.

Trouvaille im Baumarkt: der „Solarspieß Meike“.

Kulinarischer Wochenhöhepunlt war eine Bildunterschrift der Tagesschau: „Bouillon zu Bundeswehreinsätzen im Inneren“

.Wäre ich einer dieser fundamentlistischen Scheichs, würde ich ein paar Millionen aus der Kaffeekasse in die Hand nehmen, bei einem bekannten Modehaus einen Satz Designer-Niquabs und – Burkas in Auftrag geben und das Gelump zu Spottpreisen über Primark verticken lassen. Und dann würd ich mal abwarten. Die Innenministerkonferenz kann verdammt froh sein, dass ich kein Scheich bin.

Das IOC, seine Sponsoren und unsere Fernsehsender haben aus dem Leistungssport, ein gekünsteltes, normiertes und entmenschlichtes Produkt gemacht. Merkt denn wirklich keiner, wie lächerlich diese weichgespülten Grinseparaden im TV-Studio „vor Ort“ rüberkommen? Diskuswerfer Harting, einen der wenigen Sportler, die sich diesem unwürdigen Pathos-Gebläh entzogen haben, hätte man nicht maßregeln sondern zum neuen IOC-Präsidenten küren sollen.

Splitterbrötchen (CDLXXX)

Vor beinahe 40 Jahren wurde ich – durch „Harpo speaks“, die Autobiographie von Harpo Marx – auf den Algonquin Round Table aufmerksam, einen Stammtisch von Autoren, Journalisten, Kritikern, Künstlern und Intellektuellen, an dem letztendlich die moderne Komödie erfunden wurde. Ich bin seitdem nicht müde geworden, mich mit diesem Round Table und seinen Mitgliedern zu befassen und alles zu lesen, was ich über ihn und von seinen Mitgliedern in die Finger bekommen kann. Auch nach 40 Jahren entdecke ich immer wieder Neues, zum Beispiel dieses hinreißende Dorothy-Parker-Zitat: „Salary is no object. I only want enough to keep body and soul apart.“

Riesengroßes Tennis beim Wassersport bot ZDF-Reporter Norbert Galeske, als er dem deutschen Achter „Durchzug-orientiertes Rudern“ attestierte.

Sollte ich jetzt bei einigen Splitterbrötchen-Lesern das Interesse am Algonquin Round Table geweckt haben, gleich eine Warnung: AUF KEINEN FALL den völlig missratenen Film „Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis“ als Einstieg angucken. Über den hab ich mich schon vor einiger Zeit geärgert.

Verwunderung beim Diskuswerfen: Sind das Männer, denen ihr Äußeres egal ist oder doch gedopte Nazis?

Den Netbook auf Peppermint OS 7 upgedatet. Das schon lange in die Jahre gekommene Gerät, das mit Windows 7 und Windows 10 hoffnungslos überfordert war, läuft unter Linux immer noch mit akzeptabler Geschwindigkeit.

Was Spannung und Dynamik angeht, können nur wenige Sportarten mit der Dressur der Vielseitigkeitsreiter mithalten.

2016-08-12 18.53.48Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren tolles Vitello Tonnato und eine sehr, sehr gute Pizza mit Ruccola, Parmesan und scharfer Salami im Miseria e Nobiltà an der Friedenauer Brücke.

…nehmen wir hiermit Titelschutz in Anspruch für „Angelique und der Matchball“.

Ja, ich weiß. Letzten Sonntag schrob ich von meinem Desinteresse an den Olympischen Spielen. Ich gucke ja auch nur aus Notwehr, weil sonst kein anderer Sport läuft.

Zum Schluss noch ein Zitat eines weiteren formidablen Algonquin-Round-Table-Mitglieds, Alexander Woollcott: „A hick town is one where there is no place to go where you shouldn’t go.“ Ich danke Mr. Woollcott für die präzise Beschreibung meiner Heimatstadt.

 

Splitterbrötchen (CDLXXIX)

Jungen Menschen fällt der Toast auf die gebutterte Seite. Ältere Menschen öffnen die Tablettenschachtel auf der Seite mit dem Beipackzettel.

Aus gegebenem Anlass erinnere ich an eine kleine Posting-Serie, die ich vor acht Jahren hier in die Netz-Ecke gestellt habe: Olympische Gänsehaut-Momente. An den aktuellen Spielen bin ich (wie 2008 und 2012) herzlich desinteressiert: Nicht nur wegen der mit Olympia wohl unzertrennbar verbundenen Korrumpe- und  Heuchelei, sondern auch, weil in der Berichterstellung mittlerweile das Story-Telling überwiegt: Die herbeigekünstelten Dramaturgien, die das Authentische verdecken, gehen mir auf den Zeiger.

Ja, genau. Früher war besser. Ich werde alt.

Unfotografierter kulinarischer Wochenhöhepunkt war ein ohne Firlefanz im Ofen knusprig gebratenes1 Kamm-Kassler, dass ich bei Reichelt geholt habe. Dass Kassler vom Reichelt in der Körnerstraße ist wirklich verlässlich gut.

Ein plötzlicher fetter Regenguss trieb mich in die Parlamentarismus-Ausstellung im Deutschen Dom am Gendarmenmarkt. Alles in allem sehr interessant, lehrreich und unterhaltsam. Was ich vermisste (oder übersehen habe?): ein „Best of“ der Zwischenrufe.

Der beste Zwischenruf Die besten Zwischenrufe gelangen – natürlich – Herbert Wehner – während einer Rede des CSU-Abgeordneten Richard Jäger: „Sie hätten Theaterkritiker werden sollen!“ – „Herr Kollege Wehner, Theaterkritiker ist ein sehr ehrenwerter Beruf!“ – „Und deshalb sind Sie’s nicht geworden!“

  1. eine Stunde bei 220 Grad, dann auf 80 Grad runterschalten, nach einer halben Stunde einmal drehen.

Splitterbrötchen (CDLXXVIII)

Die IG Nuss, Schalen, Kerne hat sich mit den Arbeitgebern der Nuss-verarbeitenden Industrie auf einen Mandeltarifvertrag geeinigt.

2016-07-28 18.29.01Kulinarischer Höhepunkt der Woche waren ausgezeichnete Tapas und ein sehr, sehr guter im ganzen gegrillter Kalmar im Andalucia am Savignyplatz.

PokemonGo ist uninteressant geworden. Chuck Norris hat bereits alle Pokemons gefangen. Mit seinem Festnetz-Telefon.

2016-07-29 17.10.52Sportlicher und gesellschaftlicher Wochenhöhepunkt war ein Besuch der Trabrennbahn Mariendorf. Wir gehen da viel zu selten hin.  Es gibt wenige Orte, die berlinischer sind als dieses gänzlich unterkandidelte Hippodrom. Hier treffen Berliner aller Schichten aufeinander,“Hautevolaute“ und Proleten, Pferdekenner und Ahnungslose wie ich,  und haben gemeinsam ihren Spaß bei übrigens überraschend gutem Essen und Trinken.

Diese Woche starb Marni Nixon im Alter von 86 Jahren. U. a. sang Mrs. Nixon in „West Side Story“ für Natalie Wood, in „The King and I“ für Deborah Kerr und in „My Fair Lady“ für Audrey Hepburn. Vor der Kamera stand sie m. W. nur in einem ebenfalls sehr erfolgreichen Film.

Sie spielte Sister Sophia, die in der zweiten Einstellung in der Mitte steht.

Die Überraschung der Woche kam gestern Abend um kurz nach sechs. Da klingelte es an der Haustür, und es war tatsächlich Frau Kolat, die Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, die herein wollte, um Einladungen für eine Veranstaltung nächste Woche im Kiez in die Briefkästen zu stecken und ein wenig zu plauschen. Man kann gegen die Berliner SPD wirklich einiges sagen, aber DAS ist noch ganz alte sozialdemokratische Schule.

Splitterbrötchen (CDLXXVII)

2016-07-21 16.23.29Dank der Großzügigkeit der besten, geduldigsten Gemahlin von allen habe ich ein neues Lieblings-T-Shirt.

Auf dem Rückflug von New York Endlich gesehen: The Big Short. Sollte eigentlich an Schulen gezeigt werden, wird den zuständigen Lehrern aber zu lustig sein.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt waren exzellente Nackensteaks vom Grill, erstklassige Nordhessen-Ware von Fa. Happel. Dazu gab’s reichlich Eschweger Bier und Gutedel anlässlich des 60. Geburstags eines meiner ältesten, liebsten Freunde. War ein schöner Abend voller Erinnerungen.

Es braucht gar keine Terroristen, wenn man Angst haben will. Stinknormale Menschen genügen.

2016-07-23 16.16.24Deep in the heart of Eschwege.

Mittlerweile genügt es, einen Anschlag auf Twitter und Facebook zu faken, um eine Panik auszulösen. Die Frage ist, wer die dafür notwendigen, recht einfachen Techniken zuerst perfektioniert und sich zunutze macht: Terroristen oder doch Geschäftsleute.

 

New Yorker Eindrücke

2016-07-19 13.01.37New York hat sich verändert. Die Exzentriker versuchen, sich zusammenzureißen. Gottseidank scheitern viele.

Gegen amerikanische Kochsendungen können Lafer und Co. noch nicht einmal entfernt anstinken.

2016-07-12 18.54.25

Ganz ausgezeichnete Moules Frites im belgischen Restaurant „Petite Abeille„.

Die Gesundheitsbesessenheit der Amerikaner wird nur noch von ihrem Glauben an die Chemie übertroffen. Gefühlt jeder 2. Werbespot im Fernsehen bewirbt irgendein Wunder-Medikament. Offenbar sind die Pharma-Firmen mittlerweile gezwungen, in den Werbespots auf Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen. Diese Hinweise dauern meistens deutlich länger als der eigentliche Spot. Wir haben also dreißig Sekunden Werbung und dann 45 Sekunde Bilder von glücklich vor der Kamera herumturnenden Menschen, während eine sonore Stimme vor Kopfschmerzen, Depressionen und Malaria-Schüben warnt, die dieses Medikament auslösen kann.

Wenn man durch die 42. Straße geht oder fährt wird, einem beim Anblick der Theaterreklamen schlagartig klar, wie blutleer und verschnarcht fast alle in selbstverliebter Langeweile erstarrten deutschen Bühnen sind. Ein Beispiel: Kurz bevor ich ankam, spielte Lin-Manuel Miranda, Autor und Hauptdarsteller des Musicals „Hamilton“ seine letzte Vorstellung. Tickets für dieses Ereignis gingen bei ebay für fünf- bis zehntausend Dollar weg. Hierzulande besucht man die Derniere eines Schauspieler allenfalls wenn’s Steuerkarten gibt.

(Unausweichlicher) Lesefehler des Aufenthalts: „Hilary Coup“ statt „Military Coup“.

Bizarre Unterhaltungsangebote: Glückwunschkarten-Anbieter Hallmark betreibt einen eigenen TV-Kanal, auf dem derzeit ausschließlich Whodunits mit weiblichen Hobby-Detektiven („Spying Spinsters“) und Weihnachtsfilme laufen.

Am Counter einer Pharmacy. Die Verkäuferin reicht einer Kundin zwei kleine Tablettenschachteln. „That’s 204,31$“ – „200 Dollar? What’s insurance good for?“ – „It’s deductible.“

2016-07-18 15.31.28Trotz Veränderungen: New York ist immer noch die schnellste, aufregendste und spannendste Stadt der Welt.

Splitterbrötchen (CDLXXVI)

Ein „Askhole“ ist eine Person, die dich ständig um Rat fragt und dann das Gegenteil von dem macht, was du gesagt hast (auf Facebook gefunden).

Ein landläufiger Irrtum: Dass in einer Demokratie die Mehrheit darüber entscheidet, was gut und richtig ist. Die Mehrheit entscheidet darüber, was das kleinere Übel ist.

Es gibt keinen „guten“ Militärputsch.

Mein derzeitiger Lieblingswitz: Ein Römer kommt in eine Kneipe, hebt zwei Finger und sagt „5 Pils!“.

Wer nach immer neuen Möglichkeiten sucht, sich vor Terrorismus zu schützen, ist ihm zum Opfer gefallen.

Interessante Idee für Fischfond: Gräten und Köpfe andünsten, dann Crushed Ice draufpacken, Deckel drauf und 20 Minuten lang schmelzen und köcheln lassen. Soll intensiveren Geschmack ergeben. Probier ich aus.

Diese Ausgabe der Splitterbrötchen kam von auswärts. New York grüßt Berlin!

Splitterbrötchen (CDLXXV)

Die oberlehrerige Besserwisserei des SPIEGEL wird immer dämlicher. „Joachim Löw wollte in Frankreich Deutschlands größter Nationaltrainer werden. Erfindet sich der ‚Bundes-Buddha‘ nach dem Aus im Halbfinale jetzt neu? Er muss umstellen: das Team. Und sich selbst.“ tröten Rafael Buschmann, Peter Ahrens, Ulrich Fichtner und Jörg Kramer im Teaser für einen Artikel im neuen Heft. Hm. Löw hat in fünf aufeinanderfolgenden Turnieren (sechs, wenn man 2006 mitrechnet, als er Klinsmanns Assistent war) das Halbfinale erreicht, war zweimal im Finale und ist Weltmeister geworden. Welcher andere National-Trainer hat einen auch nur annähernd vergleichbaren Score? Was, bitteschön, kann der Mann grundlegend falsch gemacht haben?

2016-07-09 14.06.29Aus gegebenem Anlass mal wieder aus dem Bücherregal geholt: Mein allererstes Kochbuch, Siebecks Kochschule für Anspruchsvolle.  Ich könnte mir das Monogramm in den Bauch beißen, dass ich die zerfledderte Schwarte 2009 nicht mit nach Hamburg genommen hab, um sie mir signieren zu lassen.

Die Pandora-Büchse ist offen. es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Polizei-Roboter gegen Demonstranten eingessetzt werden.

2016-07-09 19.18.02Kulinarischer Höhepunkt der Woche: Ein simples Honigbrötchen mit Honig von einem Tempelhofer Hobby-Imker. Super-Zeug!

Das Problem der AfD sind nicht widerliche Antisemiten wie Gedeon. Das Problem sind offenbar zahlreich vorhandene Parteimitglieder, die denken, dass das Tolerieren von Antisemitismus irgendwas mit Meinungsfreiheit und Demokratie zu tun hat.

 

 

 

 

Kommentare und Kochrezepte zum Zeitgeschehen