Splitterbrötchen (DLXIII)

Dass der Tag kommen würde, an dem ich Markus Lanz mal loben würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. Und dann hat er sich den Schmidt vorgeknöpft, diese Woche. Und das hat er richtig gut gemacht.

Diese Woche ist Johnny Hallyday gestorben, der nicht nur im Alleingang den romanischen Rock erfunden hat, wie Martin Compart sehr richtig ausführt, sondern – wie ich auf youtube feststellen musste – ebenfalls für das Nischen-Genre: „Prominente anschreien und niederstarren“ verantwortlich zeichnet. Ich kann mich nicht entscheiden, wer besser dagegen hält. Jean Reno…

… oder Eric Cantona?

Apropos Niederstarren: Man erzählt, dass Valeri Lobanowski in seiner Zeit als Trainer von Dynamo Kiew jeden neuen Spieler erstmal in sein Büro bestellte, wo er nichts weiter tat als den Neuen zwanzig geschlagene Minuten lang schweigend anzustarren. Dann entließ er das übrig gebliebene Häuflein Elend, dass fortan blinden Gehorsam leistete, nur um nicht nochmal ins Büro des Trainers zu müssen.  Ist natürlich nur eine Anekdote. Aber… Lobanowski trau ich das durchaus zu.

Neues freitägliches Afterwork-Ritual: Im „Licht des Südens“ in der Cranachstr. treffen, den leckeren Hauswein trinken und Salätchen essen.

Insbesondere die Kombination aus Staudensellerie und Rosinen bringt’s, aber sowas von.

Ich weiß, ich handele leichtsinnig bis unverantwortlich, aber amazon’s  Alexa („Alexa, erzähl mir einen Flachwitz!“) macht mir einfach zuviel Spaß, und so ist am Rabattmontag ein Echo Dot für die Küche  dazu gekommen. Die Klangqualität reicht für ein Küchenradio aus, allerdings sind die auf Zuruf erstellten Timer in der Küche nur halb so praktisch, wie ich ursprünglich dachte. Auf einem normalen Küchenwecker sieht man auf einen Blick, wie lange es noch dauert, bei Alexa muss man – einigermaßen mühsam – nachfragen.

Verblüfft las ich, dass  „Baby, it’s Cold Outside“ ins Gerede gekommen ist. Ich habe mir daraufhin das Lied mehrfach angehört,

… und bin mir sicher: Es geht in dem Song um Kälteschutz. Um sonst nix.

 

Splitterbrötchen (DLXII)

Fa. Groupon offereiert mir verbilligte >Tickets für eine Veranstaltung namens „Piaf meets Brel“. Ich bin nicht überzeugt. Erstens müsste man das doch mit „rencontre“ (oder dem wallonischen Äquivalent) formulieren, und zweitens kommt mir das Konzept seltsam mutlos vor. „Callas meets Bushido“ oder „Beth Ditto meets Richard Tauber“… das könnte dann in einem wunderbaren Duett-Cover von „Too Drunk to Fuck“ von den Dead Kennedys münden, spätestens dann ginge die Post ab.

Schwarze Nudeln mit Garnelen, Eigenbau

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Für den kulinarischen Wochenhöhepunkt hab ich selber in der Küche gesorgt. Schwarze Nudeln mit Garnelen.

Dachte ich. Doch dann konterte die geduldigste, beste Gemahlin von allen mit einer Überraschungseinladung in die „Brasserie Lumiéres„.

Tageskarte

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Schon nach der Vorspeise…

Onsen-Ei

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Onsen-Ei mit Spinat, Mimolette und Nussbuter, war klar: Gegen diese aufgebohrte Bistro-Küche war mit meinen simplen Nudeln kein Anstinken. Die Brasserie Lumiéres zählt zu den besten Restaurants der Stadt, was französische Alltags-Restaurantküche anbelangt.

„Irgendwo zwischen ‚Nix‘ und maximaler Versorgung muss also etwas passiert sein…“ Ich denke derzeit über die gleichen Dinge nach wie die Notaufnahmeschwester. Lektüreempfehlung. (via Herrn Buddenbohm)

Und in einer besonders dussligen Windows-10-Werbung höre ich: „Wie eine Dirigentin entscheide ich: Dies kommt hier hin, das kommt da hin…“ Natürlich. Das ist die Aufgabe eines Dirigenten, die Orchestermusiker richtig hinzusetzen. Kümmert sich ja sonst keiner drum.

Ansopnsten machen wir uns nichts vor: Es ist eine Todesgruppe. Da hilft nur noch Galgenhumor: Wieviele Psychotherapeuten braucht man, um eine >Glühbirne einzuschrauben? – Einer genügt. Die Glühbrine muss es nur wollen.

Splitterbrötchen (DLXI)

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, erst einmal die Suchfunktion meiner Netzecke zu bemühen, bevor ich zu einem Thema etwas schreibe.  Smart move meinerseits, denn nur so konnte ich feststellen, dass ich den für diese Splitterbrötchenausgabe geplanten Beitrag zu Boris‘ Beckers 50. Geburtstag bereits vor zehn Jahren geschrieben habe.

Selbstportrait mi modischer Mütze

Mein Haar wird merklich dünner, ich muss in der kalten Jahreszeit meinen Kopf mit externen Mitteln warmhalten. Zu diesem Zweck habe ich eine topmodische Mütze, einen sogenannten Beanie, angeschafft. Seit ich diese Mütze regelmäßig trage, werde ioch entweder sehr freundlich oder sehr unfreundlich behandelt. Ich hätte nicht gedacht, dass Mode derartig polarisiert.

Das Recht auf Starrsinn verdient man sich über Jahrzehnte hinweg durch Beharrlichkeit.

Der Witz des Monats:
„Na? Seid ihr zwei wirklich Zwillinge?“
„Wieso das denn?“
„Weil eure Mutti euch heute früh genau gleich angezogen hat!“
„Es reicht jetzt. Fahrzeugschein und Papiere!“

Es gibt hierzulande mittlerweile eine erkleckliche Menge von Journalisten, die mehr Probleme mit der Demokratie haben als die AfD. Wie kommen sie darauf, dass irgendeine Partei verpflichtet sein könnte, eine Koalition einzugehen? Müssen muss weder die FDP noch die SPD.

David Crosby hat ein neues Album herausgebracht. Wer die Fähigkeit besitzt, auch vertrackter Musik zuzuhören, sollte mal ein Ohr auf „Skytrails“ werfen.

Crosbys Mütze ist übrigens deutlich weniger modisch als meine.

Splitterbrötchen (DLX)

Jedesmal wenn Ihnen ein Drink mit einem Cocktail-Schirmchen serviert wird, muss irgendwo auf der Welt ein Eichhörnchen pitschnass nach Hause gehen.

Vorwurf <=> Tatsache.

In dieser Woche habe ich zwei Dinge gelernt: Zum einen, wie das gelbe Dingenskirchen (s.o.) an der Ampel heißt, nämlich „Ampelarmatur“ oder „Anforderungstaster“. UND ich weiß jetzt, was die „Geheimtaste“ auf der Unterseite der Ampelarmatur macht: mit der kann man das Klacken ein- und ausschalten, das sehbehinderten Menschen akustisch signalisiert, wann grün ist.

Jedesmal, wenn irgendwo auf der Welt im November Weihnachten erwähnt wird, wird der Weihnachtsmann gezwungen, einen Elf zu erschießen.

Der kulinarische Wochenhöhepunkt war auf Facebook zu sehen, die vollkommen belagfreie „Pizza Squadra Azzurra“: „Hat nix drauf!“

Und diese Serie wird vielleicht auch ganz lustig werden…

„I bims“ ist also das Jugendwort des Jahres? Nun, Hornhaut war schon immer ein Generationen-übergreifendes Problem.

Zum Abschluss: neues Diskussionsmaterial für eins der drängendsten Probleme unserer Zeit: englische Torhüter.

 

Splitterbrötchen (DLIX)

Selbstportrait mit Teebecher

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Was heißt „Catenaccio“ auf schwedisch?

Sie ist schon da, die neue Inquisition, in den Kommentaren der Klatschseiten brennen bereits die Fackeln und die Mistforken werden geschwungen: „He’s telling the truth!“ – „Prove it.“ – „No, disprove it!“

Salsiccie auf sardische Art

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Kulinarischer Wochenhöhepunkt: Salsiccie auf sardische Art im Brigantino in der Rheinstr.

Es ist absurd, von einem Künstler gleichzeitig das Ausloten der dunkleren Teile unserer Existenz und kleinbürgerliche Wohlanständigkeit zu erwarten.

Den nächste Versuch mit dem Feuertopf gewagt, diesmal im „Chen’s Wok“ (sehr freundliche, hilfsbereite Bedienung) am Ernst-Reuter-Platz. Mir ist das alles – wie Fondue – immer noch zu fummelig, doch deuteten diesmal die u. a. auf dem Buffet angebotenen Kalbs- und Rinderkutteln an, dass der dabei entstehende, tatsächlich sehr leckere Eintopf das eigentliche Ziel dieser kulinarischen Operation ist.

Den Selbstgerechten, die sich auf der sicheren Seite des zeigenden Fingers wähnen, zur Erinnernung: Es gibt bei einer Inquisition keine sichere Seite. Wenn die erstmal am Rollen ist, kennt sie keine Schuldigen und Unschuldigen. Vor der Inquisition sind alle gleich.

 

Splitterbrötchen (DLVIII)

Wie, was? Luther war Anti-Semit? Reaktionär? Am Ende noch Sexist? Nit möööööchlich! Und ihr habt gerade mal schlappe 500 Jahre später die Traute, das an- und auszusprechen? Sagenhaft. Ihr seid Helden.

Eine Gesellschaft, die auf die Unschuldsvermutung verzichtet und auf bloßen Verdacht hin verurteilt, hat sich in die Hände der moralisch Schwächsten begeben, der Denunzianten.

Kulinarischer Wochenhöhepunkt. Klassisch zubereitete Brandenburger Landente in der Stobbermühle in Buckow. Kloß, Rotkohl und Ente waren perfekt zubereitet und harmonierten aufs prächtigste. Eine der besten Enten ever.

Facebook steht kurz vor der Einführung eines „Kreuziget Ihn“-Buttons.

„Guten Fluch!“, wünscht sich Magier bei der Abreise.

Thema Buckow: Brecht hatte recht. Ort und See können gelegentlich sehr elegisch sein.

Ein Rat an alle Teilnehmer des aktuellen Vorverurteilungsspiels, die sich auf der sicheren Seite wähnen: Schlagt doch noch mal im Geschichtsbuch die Inquisition nach. Am Ende ist niemand mehr sicher, am Ende trifft es alle.

 

 

Splitterbrötchen (DLVII)

Große Freude über eine charmante Serien-Idee: britische Winzer-Familie, die ständig mit den Windsors verwechselt wird. Sekunden später heftiger Ärger über eben diese Idee, als ich sie als zu konstruiert und bemüht verwarf. Welcher Trottel kommt auf sowas?

Was macht eigentlich Oliver Hardy im Fenster des „Sardegna a Tavola“(Waldhaus)?

Eine der besten Erfindungen seit geschnitten Brot: Nachtischlampen, die man durch einfache Berührung des Lampenfußes einschaltet, anstatt im Dunkeln nach irgendeinem Schalter zu suchen.

Für Liebhaber des immer populärer werdenden Genres „Westcoast für alte Säcke“: Stephen Stills und Judy Collins haben ein gemeinsames Album gemacht, „Everybody Knows“ (nur als CD oder Vinyl, nicht im Stream, und sind gemeinsam auf Tour.  Die Live-Clips auf youtube klingen leider einigermaßen gruselig (Stills ist seit Jahren auf Hörhilfen angewiesen), das Album an sich ist sehr okay.

Sehr zu empfehlen: hausgemachte Bratwürstchen („Loukanika“) im „Ta Dio Aderfia“ am TeDamm.

 

Splitterbrötchen (DLVI)

Immer wenn Hollywood versucht hat, selbst zur moralischen Instanz zu werden, ist das grauenvoll schiefgegangen.

Es gibt wenig Uninteressanteres als das Innere von Bauchnäbeln 1 fremder Menschen.  Warum sollte es auch anders sein.

Wimmelndes Leben in Biesdorf.

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Auch beim diesjährigen Biesdorf-Besucher war es wieder die quirlige urbane Atmosphäre, die mich am meisten beeindruckte.

Höchst angenehme Weinprobe beim „Weinmichel“ am Bayerischen Platz. Ausgezeichnete Weine aus Rust und Gols, zum Abgang ein Super-Gulasch und ein toller, angenehmer Austausch über guten Wein und gutes Leben… das hat richtig Spaß gemacht.

Auf Frau Merkel wird Verlass sein: Sie wird die vielfältigen öffentlichen Empörungen dieser Tage nutzen, um heimlich, still und leise die Gemeinheiten ihres Koalitionsvertrages durchzuwinken. Während wir die weltbewegende Frage diskutieren, ob man „Vom Winde verweht“ noch gucken darf, weil Selznick doch eigentlich viel schlimmer als Weinstein war, darf wahrscheinlich der ein oder andere arabische Potentat schon Vorfreude über neue Pakete von HEckler & Koch verspüren.

 

 

 

  1. Bevor Sie auch nachschlagen: der Duden kennt als Plural sowohl die Nabel als auch die Näbel. Der Duden findet die Näbel seltener, ich finde sie schöner.

Splitterbrötchen (DLV)

Wenn der Berliner zeigen will, wie schön seine Stadt eigentlich ist, macht er das Licht aus. Dolle Mondscheinfahrt mitjemacht.

Auf diesen Theaterbesuch hatte ich mich seit Wochen gefreut. „Mord auf Haversham“ tatsächlich „Der nackte Wahnsinn“ vom Thron der besten Hyper-Farce aller Zeiten stoßen können? Die Antwort fiel eindeutiger als gedacht aus: Not even close. „Haversham“ ist „nur“ eine saukomische, einfallsreiche Gagsammlung, Gegen das perfekt gebaute Stück „Der nackte Wahnsinn“ mit seinen dreidimensionalen, sich entwickelnden Figuren kann es nicht anstinken. Aber für einen entspannt verlachten Abend mit zwei, drei wohldosierten Erstickungsanfällen lohnt der Besuch des Renaissance Theaters allemal.

Von der Heynckes-Verpflichtung bin ich eher unterwältigt. Okay, direkte CL-Qualifikation sollte damit gebongt sein, aber die Lösung der eigentlichen Probleme (Umstrukturierung der Mannschaft, Trennung von Robbery) wird lediglich aufgeschoben. Nächste Saison, nächste Krise.

Vor der Vorstellung schnell noch mal im Marjellchen vorbeigeschaut, war ja um die Ecke. Der Pillkaller hatte Klappstullen-Format, der Pannfisch mit Senfsauce und Bratkartoffeln war mal wieder ein Gedicht.

 

Splitterbrötchen (DLIV)

Gegend

Die letzte Woche habe ich endlich mal wieder mit meinen vier besten Freunden auf dem Wasser verbracht, genauer gesagt auf der Mecklenbiurgischen Seenplatte.

Unser Boot

Dies war unser Fortbewegungsmittel.

Kulinarische Wochenhöhepunkte waren dreimal Matjes mit Bratkartoffeln, ein Gericht, das Köche in Mecklenburg-Vorpommern aus dem Effeff beherrschen.

Matjes mit Bratkartoffeln

Matjes mit Bratkartoffel

Matjes mit Bratkartoffel

Gottseidank mag ich Matjes mit Bratkartoffeln.

Abseits von See und Matjes ist Mecklenburg-Vorpommern anders, als man es sich vorstellt.

So is Mirow

Kopfsteinpflaster ist übrigens weder romantisch noch nostalgisch oder irgendwie romantisch sondern einfach nur unbequem,

Nachdem wir das Heimat-Ufer erreicht und unser Boot zurückgegeben hatten, wären wir dann beinahe doch noch havariert: der Deutschen Bahn sei Dank, die noch am Freitagabend behauptet hatte, Wittstock/Dosse zu bedienen, sich Sonnabendfrüh kurzfristig anders entschied und uns auf eine kleine Odyssee schickte. Dazu lediglich eins: Manager von Unternehmen und Politiker, die nicht sinnvoll in ihre Infrastruktur investieren, um den vorhersehbaren(!) Folgen des Klimawandels zu begegnen, sind Verbrecher. Denk-Kräppel. Arschgeigen. Korrumpel. Gauner. Verklagt mich doch.

Friseurwerbung

Friseure mit Hang zur neckischen Außendarstellung mag ich übrigens auch nicht.

 

Kommentare und Kochrezepte zum Zeitgeschehen