Splitterbrötchen (CDLXXIII)

Brillante Idee für einen Comic: Ein Superheld, der die ganze Zeit hustend in einer Dachkammer rumliegt – der Traviator!

Thema Brexit:
Was mir Großbritannien immer sympathisch gemacht hat: das dort herrschende gesunde Misstrauen gegenüber Ideologien aller Art. Dass dort der Neoliberalismus (ja, das IST eine Ideologie) auf Skepsis stoßen würde, war eigentlich vorhersehbar.
Ebenso vorhersehbar: Eine Union, deren Mitgliedern das Wohlergehen von Banken wichtiger ist als das Wohlergehen ihrer Bürger (der Umgang mi Griechenland war, ist und bleibt keine Werbung für die EU-Mitgliedschaft) und die unsägliche Sätze wie Schäubles „Ein Staat darf nicht barmherzig sein.“ widerspruchslos hinnehmen, wirkt nicht unbedingt wie ein Club, in dem man gerne bleibt.
Auch Populisten sind nur ein kleiner Teil des Problems. Politiker, die es Populisten zu einfach machen, sind deutlich problematischer. Zum Beispiel Politiker wie Herr Schulz (Who the fuck ist eigentlich Herr Schulz?), der sich dummdreist hinstellt und den Austrittsantrag Großbritanniens bis Dienstag einfordert. Gegen derartige Vollpfosten, die wohl allen Ernstes denken, die europäische Idee bestünde aus Auftrumpfen und Abmeiern, ist jedes Einfordern von Vernunft vergeblich. Wäre ich Brite und hätte für den Brexit gestimmt, ich würde mich durch die kreuzdämlichen Schulz-Einlassungen bestätigt fühlen.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche: Weckewerk vom Kasseler Lieblings-Fleischer. Hab ich mindestens drei Jahre nicht gegessen, Ach, war das gut. Fotografiert hab ich’s nicht. Weckewerk ist sowas von unfotogen.

 

 

Splitterbrötchen (CDLXXII)

Bei der EM tauchen vermehrt Spieler mit Namen wie Blödmannsson oder Servolenko auf. Vielleicht sollte ich doch mal einen Hörgeräteakustiker aufsuchen.

2016-06-17 17.54.11Kulinarischer Höhepunkt der Woche: Ein wunderbares Vier-Gang-Menü im Ristorante Pino. Gemischte Antipasti (Zucchini, Aubergine und Champignons waren frisch zubereitet und kamen warm auf den Tisch!). Linguine Puttanesca (tolle Sauce, offensichtlich mit San Marzanos oder ähnlicher Ware), Perlhuhn in Weinsauce und ein Nuss-Parfait, dass die beste, geduldigste Gemahlin von allen besonders begeisterte. Lockerer, freundlicher Service, ein Ort zum Wohlfühlen.

Nur auf den zweiten Platz kam daher das gestrige Abspargeln mit Steak, Ofenspargel und dem Avocado-Püree, das ich mittlerweile lieber zum Spargel esse als zerlassene Butter oder Hollandaise.

Eine Friedenauer Mutter über ihren Sohn (O-Ton Beckerstraße): „Gestern war er den ganzen Nachmittag lang so furchtbar bockig. Und schließlich hat er zu mir auch noch ‚Ich mag dich nicht!‘ gesagt. Das ertrag ich nicht, wenn er das sagt.“ – Gnä‘ Frau, wenn sie so leicht zu erpressen sind, stehen ihnen anstrengende Jahre bevor. Willkommen im Helikopter!

Orthograf der Woche ist ein Mitglied des Tagesspiegel-Kommentariats, das gegen die „Prinzmedien“ wetterte.

Da ist dieser Finanzminister, der seit Jahren die Infrastruktur des Landes kaputtspart, obwohl es für Staaten Kredite geschenkt gibt. Am gleichen Kabinettstisch sitzt ein Innenminister, der infrastrukturelle Defizite mit Bürgerwehren bekämpfen will und Probleme hat, zwischen Lügen und Erfahrungswerten zu unterscheiden. Dazwischen sitzt eine Kanzlerin, die beide weiter so machen lässt. Bin ich reif für die Zwangsjacke, oder sind’s die Herrschaften am Kabinettstisch?

 

Splitterbrötchen (CDLXXI)

Die politische Anayse der Woche verdanken wir Bill Maher: „Es wird also Hillary Clinton gegen Donald Trump. Darum geht es bei der Wahl: Auf der einen Seite eine hysterische Frau. Auf der anderen Seite Hillary Clinton.“

Lear

Kühnes Konzept: Eine Pflegeeinrichtung für Menschen, die sich einen Lebensabend wie König Lear wünschen. (am Kurfürstendamm gesehen).

Je weniger fundiert die Meinungen, umso unterhaltsamer die Diskussion.

Fa. Reichelt-Edeka beschäftigt zur Zeit einen besonders begabten Produkt-Poeten. Davon zeugen u. a. das „Grillwürstchen Mon Chili“ und die „Lachsschnecke Blütentraum“.

Kultureller Höhepunkt der Woche war das Eintreffen meines Buchverlosungs-Gewinns bei Herrn Buddenbohm. Große Freude über „Irgendwo ins grüne Meer“!

Das Amt des Bundespräsidenten gilt es zu besetzen. Mein Ratschlag an die Politik: Konsequent den einmal eingeschlagenen Weg weitergehen! Pofalla nehmen!

 

 

 

Einfach und klar

PiktoBahnWas mich immer wieder begeistert: das einfache, klare und unmissverständliche Storytelling, das die Bahn mit ihren Piktogrammen betreibt. Zum Beispiel dieses hier sagt ganz eindeutig: Wenn Sie den Knopf drücken, kann es sein, dass Sie einen elektrischen Schlag bekommen. In dem Fall behalten Sie einfach die Nerven und stecken Sie die Hand in die Tasche. Wenn Sie noch große von kleinen Rechtecken unterscheiden können, werden Sie keine bleibenden Schäden davon tragen.

Splitterbrötchen (CDLXX)

Wer die sechziger Jahre mit ihrem rassistischen, kleingeistigen Mief (zur Erinnerung: in einigen Staaten der USA herrschte noch Rassentrennung), ihrer von sinnentleerten Normen bestimmten Gesellschaft mit den dazugehörigen autoritären Strukturen nicht gekannt hat, kann Muhammad Alis Lebensleistung vermutlich nicht erfassen. Für mich stand und steht er auf einer Stufe mit King, Kennedy, den Beatles, den ganz großen Erneuerern eben.

Die kulinarischen Höhepunkte der Woche sind ausnahmslos in Malchow verortet, wo die beste, geduldigste Gemahlin von allen und ich zwei wunderbar erholsame Tage verbrachten und uns an

Lecker Backfrischbrötchen
Lecker Backfrischbrötchen
Jebratener Aal mit Bratkartoffeln und Jurkensalat
Jebratener Aal mit Bratkartoffeln und Jurkensalat
Saprgel mit Kotelette vom thüringer Duroc-Schwein
Spargel mit Kotelette vom Thüringer Duroc-Schwein

delektierten. Das war zum bald Wiederkommen gut.

Wer glaubt, mit einem kleinkarierten, größenwahnsinnigen Krypto-Faschisten paktieren zu müssen, um seine Ziele durchsetzen zu können, sollte dringend seine Ziele überprüfen.

Aufschlussreiches Telefonat mit einem Redakteur der Augsburger Allgemeinen: Der Mann bat mich sehr jovial um ein Rezensionsexemplar eines Buchs aus einem anderen Verlag. Als ich ihn abschlägig beschied, fragte er mehrfach investigativ bohrend nach, warum die Telefonauskunft ihm meine Nummer anstatt die des richtigen Verlages genannt habe. Ich hatte nebenbei schon längst den richtigen Verlag nebst Kontaktdaten gegooglet, da pries er immer noch die Telefonauskunft als unschlagbare Primärquelle. Ich denke, um die Augsburger Allgemeine muss man sich Sorgen machen.

Wen man als Nachbarn bekommt, darüber entscheiden die meisten Menschen nicht selbst. Das erledigt der Vermieter für sie.

Und dann war da die Dame, die mich fröhlich anklingelte, als sie mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig an mir vorbeirauschte. „Warum fahren Sie eigentlich auf dem Bürgersteig?“, rief ich ihr zu. „Auf der Straße ist’s doch so gefährlich“, bekam ich zur Antwort. Der öffentliche Raum wird mehr und mehr von zu allem bereiten Egozentrikern gehijackt.

Schließlich noch was für Mystiker. Ich hatte in dieser Woche einen Termin am Kaiserdamm. Dort angekommen stellte ich fest, dass die Location direkt an der Danckelmannstraße war. „Danckelmannstraße… da hat doch Joyce Henderson immer gewohnt… die hast du lange nicht gesehen… an die acht Jahre nicht…“  Nach dem Termin war ich schon zwanzig Meter Richtung U-Bahn gelaufen, als ich mich umdrehte und entschied, doch die S-Bahn zu nehmen, da musste ich einmal weniger umsteigen. Am S-Bahnhof Messe-Nord fuhr der Zug gerade ein, als ich die Treppe herunter ging. Nur durch einen energischen Zwischenspurt  erreichte ich knapp den letzten Waggon des Zuges. Da war kein Sitzplatz frei, ich gehe ein paar Wagen nach vorne, da finde ich einen freien Platz… direkt neben Joyce Henderson. Die übrigens schon lange nicht mehr in der Danckelmannstraße wohnt.

Warum Muhammad Ali so viele Menschen inspiriert hat? Weil er stets in Einklang mit seinen Überzeugungen handelte.  Das war für ihn alternativlos.

 

Splitterbrötchen (CDLXIX)

Premiere in der Netzecke: Ich musste meinen eigenen Kommentar freischalten, weil WordPress ihn für Spam hielt. Tja, hier werden keine Unterschiede gemacht, Gleichbehandlung ist oberstes Gebot!

„Bald wird Bundespräsident Joachim Gauck verkünden, ob er weitermacht oder nicht“ , stand diese Woche bei SpOn. Voller Wehmut dachte ich an Politiker wie z. B. Gustav Heinemann, die die Dinge einfach sagten anstatt sie zu verkünden. Und an Textchefs einer versunkenen SPIEGEL-Ära, die solch obrigkeitshörigen Sprachschwurbel entsorgten statt ihn zu veröffentlichen.

Supermarkt-Erlebnisse: Eine Mutter mit zwei Kindern, Kinderwagen (SUV-Format), Einkaufswagen und Janosch-Laufrad blockiert in unserem Winz-Nah-und-Gut in der Beckerstr. handgestoppte fünfzehn Minuten lang das halbe Kühlregal, weil Klein-Hortensia sich nicht entscheiden kann, ob Kiri oder Philadelphia gekauft werden soll. Diese Woche Kiri und nächste Woche Philadelphia ist keine Option, und die Kleine darf ja nicht gedrängelt sondern muss in ihrem Entscheidungsprozess liebevoll unterstützt werden.
Ganz viel Liebe brauchte auch Daniel-Fridolin, der so herzzerreißend brüllte, weil seine Eltern die Einkäufe aufs Kassenband gelegt hatten, so dass er das nicht mehr erledigen durfte. Tröstung und Wiedergutmachung hatten natürlich absolute Priorität, erstmal schnell bezahlen und DANN den tobenden Nachwuchs beruhigen war natürlich nicht drin, da warteten die zehn Leute hinter Daniel-Fridolin gern.
Macht einem ja nichts aus, die halbe Mittagspause dafür hinzugeben, dass anderer Leute Kinder zu Prachtkerlen heranwachsen. Oder doch zu egozentrischen Tyrannen, die glauben, dass die Welt sich um sie zu drehen habe? Warum beginnt mein innerer DJ mittlerweile immer, den Walkürenritt abzuspielen, wenn die Helikoptereltern-Geschwader den Supermarkt betreten?

Frisoer

Man kann gegen die Nordhessen sagen, was man will, aber eine poetische Ader haben sie.

Kulinarische Wochenhöhepunkte: Spargel-Risotto. Bouletten mit Stangenbohnen-Gemüse. Dialog von Ahle Worscht und Eschweger Pils.

Die Entscheidung, ob ich lieber eine coole Socke wie Jerome Boateng oder einen geistigen Reihenhaus-Kleinbürger wie Gauland als Nachbarn hätte, fällt mir überhaupt nicht schwer.

Splitterbrötchen (CDLXVIII)

Tag 1 nach Guardiola. Ich bin untröstlich.

werrablickInteressanterweise bot diese Villa alles mögliche, nur keinen Werrablick. Der ist mittlerweile zugebaut. Ich tröstete mich mit einer anderen schönen Aussicht.

Bier

Kulinarischer Wochenhöhepunkt war das mit eben diesem Bier heruntergespülte erste Stück Ahle Worscht seit langem. Aktueller Worscht-Guru ist übrigens Strube aus Waldkappel.

Gesellschaftlicher Wochenhöhepunkt war die erste persönliche Begegnung mit meinem Großneffen. Der vielversprechende junge Mann ist in nur fünf Monaten bereits aus dem Strampelanzug herausgewachsen, den ich ihm zur Geburt geschenkt habe.

2016-05-21 11.41.37

Und dann bin ich zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren wieder durch eine Saline geschlendert. Und habe gelernt, dass die 50 Jahre lang erinnerte Saline in Wirklichkeit ein Gradierwerk ist.

 

 

Splitterbrötchen (CDLXVII)

Eine stark unterschätzte Fertigkeit: Das richtige Setzen von Prioritäten.

2016-05-11 17.44.24Überraschend: Statt Werbung zu treiben macht Fa. C&A auf die gravierenden Auswirkungen des Neo-Liberalismus aufmerksam.

Kulinarischer Höhepunkt der Woche: Lammleberstreifen, ohne Firlefanz mit ebenfalls streifig geschnittenen Zwiebeln und Paprikaschoten gebraten, gewürzt mit Chili, Kreuzkümmel und frischer Minze. Die Minze hat’s gebracht.

Diese Ausgabe der Splitterbrötchen erscheint automatisch. Während sie online geht, hocke ich in einer Kirche in Tegel und wohne einer Konfirmation bei. Das letzte Mal war ich vor 46 Jahren bei einer Konfirmation. Genau, richtig geraten. Bei meiner eigenen.

Kommentare und Kochrezepte zum Zeitgeschehen