Splitterbrötchen (LV)

Es gibt Orte, an denen sich trefflich schwermütig werden lässt. Der Bahnhof in Würzburg ist einer von diesen.

„Regen und Dunkelheit bestimmten Schüttlers Spiel“, hieß es im ZDF-Morgenmagazin. Das hätte man positiver formulieren müssen.

Es ist nicht witzig, wenn jemand den Verstand verliert. Aber als der Trinker im Nürnberger Hauptbahnhof anfing, seinen beiden unsichtbaren Zechkumpanen Witze zu erzählen und sich vor Lachen ausschütten wollte… das wahr im Wortsinn irrsinnig komisch.

In den letzten Tagen mehrfach erlebt: Junge Menschen, die – offenbar fremd am Ort – mit dem Handy zuhause anriefen und Sätze wie „Papa. ich steh hier an der Sowiesostraße, kannst du mal schnell bei Google Maps gucken, wie ich in die Dingenskirchenstraße komme?!“ Ich glaube, es wird Zeit, sich um die Zukunft Sorgen zu machen.

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Bondovic

Was muss ich da von den neuesten Plänen der kroatischen Schlapphüte lesen?

Der kroatische Geheimdienst SOA leidet offenbar unter Nachwuchs-Problemen. Seit Anfang der Woche sucht er per Internet neue Agenten. Innerhalb von zwölf Stunden klickten knapp 11.800 Besucher die Seite „Job in SOA“ an und mehr als 7.000 Interessenten luden sich den Fragebogen für potenzielle Agenten herunter, wie der Geheimdienst am Mittwoch in Zagreb bekanntgab.

Faszinierende Perspektiven.
„Mein Name ist Bondovic. Ljubomir Bondovic.“
„Einen Slivowitz, geschüttelt, nicht gerührt.“
„Mademoiselle und ich trinken einen Kadarka zu unserer Potpourri-Platte.“
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Splitterbrötchen (LIV)

Neulich sah ich auf dem Marktplatz in Minden einen blitzsauber restaurierten Opel Blitz, Baujahr 1951, stehen, an sich schon ein erfreulicher Anblick. Noch mehr freute mich, dass ich zur Abwechslung mal einen Gegenstand betrachten dürfte, der älter war als ich.

Wenn ich mich über die unproduktive Disziplinlosigkeit z. B. auf Theaterproben aufrege, die offenbar mir als einzigem gewaltig auf den Zeiger geht, bin ich dann ein gerade eben noch sympathischer Wertkonservativer, oder bin ich mittlerweile schon der ekelhafte Korinthenkacker, der ich niemals werden wollte?

In einer Pressemitteilung von Vodafone gelesen, dass man sich jetzt daran macht, Shops zu „Erlebniszonen“ umzubauen. Soso, Erlebniszonen. Manchen Marketing-Nutten ist nichts peinlich.

Im TV ein wunderbares Wort auf einem Arbeitsbogen des Neuköllner Jobcenters erhascht: Kundenreaktionsmanagement.

Lukas Podolski selbst ist mittlerweile komischer als Olli Pocher, wenn er Lukas Podolski nachmacht.

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Splitterbrötchen (LIII)

Randbemerkung (nicht nur) zu Olli Pochers EM-Beiträgen: Früher hat man Sachen, die nicht komisch waren, einfach nicht gesendet. Das funktionierte erstaunlich gut.

Herrlich: Nach der unsäglichen Coldcall-Eröffnung „Sie haben sich ja beim Gewinnspiel registriert…“ sofort anfangen zu brüllen. Nicht, dass es Sinn machen würde, aber es tut ziemlich gut.

Ronaldo bewegt sich gelegentlich wie seine eigene Playstation-Figur.

Das muss eine schöne Zeit gewesen sein, als man verreisen konnte, ohne jede Menge Netzteile einpacken zu müssen.

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Die Maßnahme

Mensch, Herr Weber vom DHL-Kundenservice,

das hab ich wirklich nicht gewollt. Ich hab doch nur angerufen, weil ich keine Benachrichtigungskarte bekommen hatte, obwohl das Paket für mich schon auf der Post lag. Ich wollte wirklich nur wissen, ob ich ohne diese Karte auch an das Paket komme, mehr war nicht. Und jetzt krieg ich diesen Brief von Ihnen, und als ich

Wir haben die relevanten Organisationseinheiten involviert; hier wurden entsprechende Maßnahmen ergriffen…

lese, hab ich mich furchtbar erschrocken. Das hab ich nicht gewollt. Ich wollte nicht, das irgendjemand involviert wird, schon gar keine relevante Organisationseinheit. Und die entsprechenden Maßnahmen, die Sie ergriffen habe…
Herr Weber, ich werde heute Nacht nicht schlafen können. Vor meinem geistigen Auge werden Sie und ein DHL-Mitarbeiter stehen, der hektisch an seiner letzten Zigarette zieht, bevor Sie ihm die Augen verbinden und mit versteinertem Gesicht zur Seite treten. Trommelwirbel setzt ein und Sie befehlen seine Exekution durch eine involvierte Organisationseinheit.
Herr Weber! Bitte, sagen Sie, dass es nicht so eine Maßnahme war! Es ist doch alles gut gegangen. Ich hab mein Paket auch ohne die Karte bekommen, die dann einen Tag später im Briefkasten lag. Herr Weber! Es muss doch einen anderen Weg geben…

Tschö
Der Chris
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Splitterbrötchen (LII) – EM-Ausgabe

Es sieht tatsächlich so aus, als könne nur noch Jörg Berger die italienische Nationalmannschaft retten.

Das taktische Spektakel, dass Jogi Löw gegen Kroatien geboten hat, erinnerte fatal an einen seiner Vorgänger. Genau an den! Den mit den „taktischöhn Massnahmöhn“, der schon mal einen Defensivmann einwechselte, wenn er zurück lag.

Souveräner Mißbrauch journalistischer Deutungshoheit bei der BILD: „Daniela Löw, seit 22 Jahren mit Jogi verheiratet, saß am Donnerstag in Klagenfurt im Stadion und litt mit. Traf hinterher am Mannschaftsbus nur kurz ihren Mann, fuhr jedoch (im Gegensatz zu vielen Spielerfrauen) wieder heim. Und hält ihm so den Rücken frei.“ Wie meinen? Muss ich das verstehen? Kann das irgendjemand verstehen?

Das, was die Niederländer derzeit anbieten, ist schlicht und einfach der beste Fußball, den ein Nationalteam überhaupt spielen kann. Punkt. Interessanterweise haben sie das schon mal bei einem anderen, länger zurück liegenden Turnier getan. Jenes Turnier endete mit dem Sieg einer deutlich schlechter spielenden Mannschaft höchst erfreulich.

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Herbert The Pianoman

Soeben hat mich der wie immer außergewöhnlich kundige ARD-Mann Tom Bartels darüber informiert, dass unser Schiedsrichter-As Herbert Fandel auf dem achtzigsten Geburtstag von Fritz Walter Klavier gespielt haben soll.
Fantastisch. Die Szene stand sofort vor meinem geistigen Auge. Fandel, im etwas eng gewordenen Konfirmanden-Anzug klingelt – mit der Notenmappe unter Arm – vor Walters Haus, der treue Horst Eckel öffnet. Übereifrig will Fandel ins Wohnzimmer eilen, doch souverän steuert der alte Fahrensmann Eckel den Nachwuchs-Liberace auf die Terrasse, wo das Pianoforte steht. Bange Stunden des Wartens beginnen, bis… endlich, endlich… sich der Himmel zuzieht, dunkle Wolken aufziehen, und die ersten Tropfen zu fallen beginnen. DFB-Chef Mayer-Dornfelder nimmt einen letzten Schluck aus der Steinhägerpulle, dann raunt er dem greisen Walter „Fritz, dein Wetter!“ zu, und auf Eckels Zeichen beginnt der mittlerweile im strömenden Regen pianierende Fandel, Händels „Wassermusik“ zu intonieren…
Ich wäre so gern dabei gewesen.

[tags]Fandel, Piano, Fritz-Walter-Wetter, Ungeheuer![/tags]